Früh Kölsch: „Die hat doch was machen lassen"
Bei all den KI-Themen, die mir täglich um die Ohren fliegen, freue ich mich immer wieder über meine Freunde von Früh Kölsch. Die bringen es mit einfachen Botschaften immer wieder auf den Punkt. „Die hat doch was machen lassen" als Claim für die neuen NaturRadler-Dosen finde ich grandios! Das erste Mal gesehen habe ich die Headline auf einem Plakat und musste direkt schmunzeln. Und auch als Social-Media-Visual funktioniert es klasse. Glückwunsch an Früh, die Agentur oder ChatGPT.
Lufthansa: Endlich mal die richtige KI-Strategie
Endlich mal ein Unternehmen, das zumindest dem Anschein nach die richtige Strategie mit KI hat und Tools gezielt einsetzt, um seinen Content auszuspielen. Die Rede ist von der Lufthansa. Gab es früher das Magazin an Bord, mit dem sich Reisende begnügen mussten, sind es heute unzählige individualisierte Ausgabekanäle, die die Fluggesellschaft einsetzt. „Wir erstellen für jeden Kanal die passenden Inhalte und haben so die Möglichkeit, diese je nach Destination und je nach Zielgruppe anzupassen", sagt Cindy Richter, Head of Marketing, in der W&V. Ein Beispiel sind die Audio-Travel-Guides: Wichtige Reiseziele werden dort in einem Podcast-Format vorgestellt – immer zugespitzt auf eine bestimmte Zielgruppe. So können sich Miami-Reisende, die sich für Sport interessieren, eine andere Folge anhören als Miami-Reisende, denen Kunst und Kultur wichtig ist.
Wie ist das alles möglich? Natürlich durch den Einsatz von KI. „Mit Unterstützung von KI können wir sehr viel und sehr individualisierten Content erstellen", sagt Richter. „Das hilft unserer Strategie, möglichst für jede Zielgruppe eigene Inhalte zu kreieren, sehr." Und genau so geht es. Nicht nur an das radikale Abschaffen von Arbeitsplätzen denken, sondern die vorhandenen Möglichkeiten einsetzen, um bestehende Produkte deutlich besser zu machen und neue Themen an den Start zu bringen.
KI-Corner: Video next level
Ende des Jahres sind große Teile des Themas „Video" mit KI zu lösen. Keine Probleme mehr mit Schnittmaterial, weniger Reisen für spezielle Aufnahmen und kein Aufwand für Schulungsvideos. Natürlich kann man an der heutigen Qualität immer noch viele Fehler erkennen, auch mir ist klar, dass man noch nicht für jede Produktion KI-Videotools nutzen kann und ja, es wird auch morgen noch große Produktionen geben, aber alles, was ich wahrnehme und vor allem das Tempo in der Entwicklung lassen mich an eine Zukunft denken, bei der Gaming, Film und auch Musik-Industrie sich völlig verändern werden. Wie ich darauf kam: Auf Instagram wurde mir ein Vorher/Nachher-Vergleich eingespielt. Immer wieder ein beliebtes Stilmittel, um sehr klar vor Augen zu führen, wie schnell die Entwicklung geht.
Das Beispiel: Du erinnerst dich mit Sicherheit noch an den völlig verrückten Will Smith, der sich die Spaghetti an den Kopf geschmissen hat und dabei jegliche Gesichtszüge verloren hat. Nun, das ist zwei Jahre her. Jetzt sitzt der Kollege am Tisch und zieht sich die Spaghetti aus dem Teller, wie es sonst nur Zio Vincenzo konnte. Haben wir das Thema also auch durchgespielt.
Und wo wir gerade dabei sind, noch ein Thema, das gerade in den sozialen Kanälen völlig seine Kontrolle verliert: AI-Bibel-Influencer. Moses teilt das Meer und Jesus spricht mit dir aus dem Grab, völlig verrückt, schau es dir an.
Lesetipp: Die Menschen, die ihren Job an KI verloren haben
Dank meiner Freunde der AI Peanuts bin ich über einen längeren Artikel im Guardian gestolpert. Trotz der wirklich nicht vorhandenen Zeit habe ich den kompletten Bericht über die Einzelschicksale von Menschen gelesen, die ihren Job verloren haben aufgrund von KI. „Schreib es einfach in ChatGPT." Ein Satz, bei dem Annabel Beales wusste, sie ist bald ihren Job los. Texter, Illustratoren und weitere berichten über ihre persönlichen Schicksale. Gut geschrieben, faktisch, nicht überspitzt, spiegelt der Artikel eine Realität wider. Ich würde ihn lesen …
OOH: Die anonymen PayPal-Plakate
Aktuell in aller Munde: die OOH-Werbung von PayPal. Warum? Es fehlt der Absender. Dem Passanten ist beim Lesen der eingängigen Sätze nicht klar, wer diese Kampagne finanziert hat. Da gefühlt jede Außenfläche damit bespielt wird, reden wir hier eher von 7-stellig. Also nochmal: Du plakatierst ganz Deutschland mit kernigen Sprüchen wie „Cash ist nicht mehr King" oder „Du liebst Bargeld. Aber hat Bargeld dich jemals zurückgeliebt?", lässt aber bewusst den Absender weg. Genial? Weil zum Beispiel ich darüberschreibe oder Horizont berichtet oder in einer schnelllebigen Zeit wie dieser einfach nur genial daneben, weil PayPal die Chance auf Millionen von Kontakten verpasst und „Brandless Ads" einfach out sind?
Eine Meinung, die ich komplett teilen kann, ist die von Oliver Errichiello, der gegenüber Horizont sagt: „Die meisten Menschen sind nicht nur kognitiv überlastet, sondern sie versuchen neben Kindererziehung, Einkäufen, Hausarbeit und der Pflege kranker Angehöriger zu überleben und haben keine Energie für Rätselraten." Mein Reden, deshalb hasse ich Wortspiele so in Headlines.
In die gleiche Kerbe schlägt Michael Brandtner: „Man kann in der heutigen Zeit eine Marke nicht überkommunizieren. Aus dieser Warte betrachtet verschenkt PayPal hier klar Marken- und vor allem Positionierungspotenzial."
Und dennoch: Ich habe ein paar Mal gestoppt, als ich die Werbung sah, und schreibe, wie bereits erwähnt, jetzt dazu. Also das Ziel hat PayPal eher erreicht als viele weitere Firmen, die sonst werben.
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