NewsSnack-Archiv · 2022

NewsSnack KW 47/2022 – OOH-Reisebericht, Ronaldo × Messi & Riesenposter für Top-Brands

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2022

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. Hier findest du meine Beobachtungen aus KW 47/2022 – ein OOH-Reisebericht von Mailand bis München, meine Gedanken zum inszenierten Ronaldo-Messi-Foto für Louis Vuitton und ein Loblied auf einen Werbeslogan, der über Generationen wirkt.

OOH-Reisebericht: Mailand rockt!

München, Hamburg, Berlin, Frankfurt oder Köln (die Liste könnte ich beliebig weiterführen): Ich kenne durch meine vielen Reisen gefühlt alle Bahnhöfe Deutschlands. Highlights für OOH-Liebhaber sind dabei wirklich Mangelware. Hier und da mal eine gute Fläche, aber wenig durchdacht und oft gewachsen. Da sieht die Welt in Mailand schon anders aus. War ich vom Flughafen Malpensa noch enttäuscht, ist der Bahnhof in Mailand eine 1+* für OOH-Liebhaber. Große, digitale und analoge Flächen, dazu absolute Top-Kunden mit tollen Motiven und Creatives. Das war die schnellste Stunde, die ich je an einem Bahnhof verbracht habe. Länger hatte ich auch nicht, denn der Zug war pünktlich. Kannte ich so auch noch nicht. Highlight für alle Kleingeld-Muffel: Der Toilettenbesuch geht nur mit Kreditkarte!

OOH: Riesenposter für Top-Brands – Klasse statt Bildschirmwüste

Noch zwei Top-Flächen aus München, die ich wahrscheinlich einzeln gar nicht mitgenommen hätte in unserem NewsSnack. Aber sie sollen noch einmal zeigen, wie intensiv Riesenposterflächen mittlerweile von Top-Brands genutzt werden – in dem Fall: Breitling mit Haaland. Dazu noch eine Beobachtung in eigener Sache. Mir fallen selbst digitale Stelen kaum noch auf. Der Trend geht für mich klar in Richtung Klasse und nicht diese Bildschirmwüsten, die man teilweise aus schlecht geplanten Malls und Flughäfen kennt. Meinung? Bin gespannt …

OOH: Das LED-Board am Stachus & zu viel Magenta

Viel hatte ich schon gelesen und gehört vom LED-Board an der Bahnhaltestelle Stachus in München. Jetzt hatte ich beim NFL-Spiel die Chance, es mir in Ruhe anzuschauen. Und die Fläche kann schon was. Die ungewöhnlichen Maße erinnern etwas an den Superbanner als Display-Format, dafür muss das Creative schon sehr gut durchdacht sein, aber wenn es passt, dann hat man die volle Aufmerksamkeit der Passanten. Sehr prominent, sehr groß und einfach sehr cool!

Prominent, groß und aufmerksamkeitsstark ist auch die Riesenposterfläche direkt am Bayerischen Hof. Einzig: Wenn die Farbe Magenta so dominant ist, denke ich direkt an die Telekom. Aber das Creative war nicht von der Telekom, sondern vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Da kann ich noch lange nachdenken, warum mich ein Telekommunikationsanbieter zum „Energie sparen" bringen möchte.

Ronaldo, Messi & das entzauberte Foto für Louis Vuitton

Ronaldo, Messi und das Foto des Jahres für Louis Vuitton. Auch wenn es schon ein paar Tage her ist – ich muss etwas dazu schreiben. Wir sind ein Newsletter zu den Themen Marketing, Social Media und durch mich auch Fußball. Wie kann ich dann dieses Foto verschweigen? Vorweg: Die Reichweiten sind unschlagbar. Die Dynamik und Schnelligkeit der Verbreitung: unfassbar. Die beiden besten Fußballer unserer Zeit auf einem Bild für einen Partner: Das gab es noch nie und brachte das Internet an seine Grenzen. Das will etwas heißen.

Doch von der ersten Sekunde an hatte ich ein komisches Gefühl. War es das Schach-Spiel? Für mich ist es zu weit hergeholt in diesem Kontext. Football ist Schach, Fußball nicht. Oder war es der subtile Versuch von Louis Vuitton, Werbung zu machen? Für den Koffer, der den WM-Pokal ins Stadion bringt? Das war mir lange schon ein Dorn im Auge. Fast noch schlimmer als das ferngesteuerte Auto von VW, das den Ball zur Mittellinie gefahren hat. Aber – das war es auch nicht.

Das Foto war es. Warum schauen die beiden Gegenspieler sich nicht an? Mustern sich. Nehmen Maß. Lächeln, wie es nur Sieger unter sich tun können. Die letzte WM. Die letzte Chance, den anderen Schachmatt zu setzen im Kampf um den Titel bester Fußballer aller Zeiten (für mich kommen davor noch Maradona, Pirlo und paar andere)!

Die Antwort: Die beiden waren nie gemeinsam in einem Raum. Das entzaubert dieses Bild. Es nimmt ihm nicht Reichweite und Wirkung, aber die Magie, die von Anfang an fehlte. Offenbar sehen wir etwas, was man eigentlich nicht sehen kann, wenn echte Menschen aufeinandertreffen. Vor allem, wenn es Champions sind. Sogar auf Fotos.

Kleine Nadelstiche am Gartenzaun: Burger King vs. McDonald's

Während sich auf der einen Seite des Zauns Burger King für den „King des Monats" rühmt und ihn gekonnt am Parkplatz in Richtung Wettbewerb in Szene setzt, antwortet der ungeliebte Nachbar auf der anderen Seite mit einem Plakat: „Wenn der Big Mac Dein König ist" – Schmunzler garantiert, bin gespannt auf die Retourkutsche.

McDonald's Monopoly-Woman mit Shirin David

Apropos McDonald's und Werbung. Der Fast-Food-Riese hat eine neue Monopoly-Woman. Ganz genau: den Monopoly-Man aus den McDonald's-Gewinnspielen hat man durch niemand Geringeres als Shirin David ersetzt, die nicht nur einen Werbespot, sondern auch einen kurzen Rap dazu aufgenommen und verfilmt hat.

Was soll man dazu anderes sagen als: Herzlichen Glückwunsch! Das ist wahrscheinlich das beste Testimonial, was McDonald's hätte bekommen können. Zielgruppe getroffen, Reichweite liegt allein über Instagram bei 6,2 Millionen Followern. Da kann man die junge Dame und was sie macht, gut oder schlecht finden, an der Wirkung wird nichts zu rütteln sein. Außerdem möchte ich noch mal kurz betonen, was mir am besten gefällt: Das Wortspiel statt „Badabababaa, ich liebe es." heißt es am Ende des Spots „Badabababaa, LIEBEN WIR!", was ein Songtitel von Shirin David ist. Bei Spotify hat der Song über 51 Millionen Streams. Das gesamte Konzept ist abgerundet von Anfang bis Ende. Beide Daumen hoch dafür.

Disclaimer: Ich klammere hier mal aus, dass McDonald's Fast-Food macht, Sponsor der WM ist, es hier um das Promoten von Glücksspiel geht und die Optik der Protagonistin übermäßig retuschiert wirkt. Von „lieb dich, wie du bist" ist hier nicht viel zu sehen. Das „lieb ich" nicht so. Daher beziehe ich mich hier ausschließlich auf die Marketing-Aktion, nicht auf die Hintergründe.

HUK-COBURG: Werbung mit Tieren, die im Kopf bleibt

Der HUK-COBURG-Spot (einen Monat alt) hat mir einen super Start in den Tag bereitet. Bei Tieren bin ich klar: Zauberhaft! Und dann diese großen Kulleraugen der Eulen? Ich schmelze. Unterlegt mit der lustigen Musik bekommt das Ganze auch noch den richtigen Schwung Humor. Was hängen bleibt? „Kuckuck" oder „HUK HUK" – Hier können Sie sparen. Ja, gekauft, egal ob die Eulen was dazu beitragen oder nicht.

Im Anschluss habe ich noch diesen Spot angezeigt bekommen. Gleiches Prinzip: Tiere. Toll! Hier sind es Steinböcke, die sich die Köpfe (Hörner) einschlagen, Slogan: „Bock zu sparen?" Mit krachig günstigen KFZ-Tarifen. JA MAN! Auch gekauft, wenn auch die Eulen mehr mein Ding sind. 4 Daumen nach oben für die HUK-COBURG-Spots, die im Kopf bleiben.

Werbung für Generationen: Patek Philippe

Ich muss sie einfach noch mal preisen: die Werbung für Patek Philippe am Flughafen Zürich. Warum? Nicht weil sie besonders auffällt, sie ist im Verhältnis zu vielen anderen Flächen auch nicht groß, die Farbwelt bewusst schlicht, aber der Slogan bekommt von mir eine 10/10! „You never actually own a Patek Philippe. You merely look after it for the next generation." In diesen zwei Sätzen steckt so viel Kraft. Zeitloses Design, lange Haltbarkeit, sich um etwas kümmern und sorgen, eine Uhr, die mehrere Generationen verzaubert, etwas Besonderes, das man als Vater seinem Sohn vererbt. Nur durch diese Werbung bin ich Liebhaber dieser Marke geworden, habe mich mit ihr beschäftigt und festgestellt: Sie ist zu teuer! Aber die Werbung kann ich dennoch feiern.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2022. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.