NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 02/2024 – Abschied von Beckenbauer, Xing-Neuauflage & drei Autobauer

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Diese Ausgabe aus KW 02/2024 steht im Zeichen des Todes von Franz Beckenbauer als Werbe-Ikone. Dazu die Neuauflage von Xing, der Bitburger-0,0-Fail, ein Coca-Cola-Familienspot und gleich drei Autobauer im Snack – BMW, Mercedes und die Frage, welche Marke am Ende mehr auslöst.

Franz Beckenbauer – die Werbe-Ikone

Franz Beckenbauer ist tot. Als Fußballer habe ich ihn nicht wahrgenommen, dafür bin selbst ich mal zu jung. Aber neben der Weltmeisterschaft als Trainer 1990 (ich haue mal einen raus: Mit der Mannschaft wären auch andere Weltmeister geworden) und einem persönlichen Treffen am Flughafen Düsseldorf (ein super netter Kaiser, der sich für alle Zeit genommen hat), sind mir auch seine Auftritte als Werbefigur in Erinnerung geblieben. Sein „Ist denn heut' schon Weihnachten" aus dem E-Plus-Spot wird wahrscheinlich heute noch zu vielen Anlässen zitiert.

- E-Plus-Spot mit Franz Beckenbauer

- Knorr-Suppen-Werbung von 1967

- Weitere legendäre Beckenbauer-Werbespots (Horizont)

In diesem Sinne, mach et joot, Franz. Wer als Spieler (´74) und Trainer (´90) für Deutschland Weltmeister wird und dann auch noch (irgendwie) die WM als Gastgeber (´06) ins Land holt, der hat für deutschen Fußball einiges getan.

Xing – Neuauflage im Jobportal-Dschungel

Xing – Früher war es ein Netzwerk mit Jobsuchfunktion, heute ist es ein Jobportal mit Netzwerkfunktion. So sieht zumindest der Versuch aus, noch mal Rückenwind zu bekommen und sich im Konkurrenzbusiness der Plattformen neu zu etablieren. Ersten Aufschwung soll dazu die neue Kampagne der betreuenden Agentur „antoni" liefern: „Finde den Job für Dich. Nicht für das Kind Deiner Eltern."

„Die Arbeitswelt verändert sich massiv, aber die Suche nach dem richtigen Job fühlt sich immer noch an wie vor 20 Jahren. Deswegen brauchen wir eine neue Art der Job-Suche, bei der die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Fokus stehen", sagt Thomas Kindler, Managing Director bei XING.

Ich stelle mir die Frage, ob wir denn wirklich noch in einer Zeit leben, in der man sich von Eltern sagen lässt, was man beruflich machen möchte? Ich bin da gespalten in meiner Meinung. Sicher haben sich die Einflüsse zu einer solchen Entscheidung verändert, der Klassiker „ich mach was Papa/Mama mag" besteht aber immer noch.

Die Kampagne sieht attraktiv aus, die Farbgebung ist modern gewollt. Das Wort „gewollt" ist hier bewusst gewählt, denn die lila-pinke Akzentfarbe wirkt doch eher aufgesetzt statt authentisch. Dieses Urteil beruht allerdings auf meiner persönlichen Meinung.

Ob sich Xing noch mal durchkämpft und einen Weg durch den Jobportal-Dschungel bahnt, bleibt abzuwarten. Was Fakt ist: Ohne Xing wäre ich heute nicht bei der 923b. Ganz ohne Neuauflage, einfach, weil es damals ein bewährtes Netzwerk war und LinkedIn der von mir stiefmütterlich behandelte Neuling.

Bitburger 0,0 – muss das?

Bitburger hat schon genug Kritik für die neue 0,0-Kampagne eingesteckt, sollte man meinen. Die Kampagne geht so nicht.

Zum einen sieht das Bild, eine schwangere Frau mit Bier in der Hand, absolut verherrlichend aus. Zum anderen ist bekannt, dass oft in alkoholfreien Produkten ein Mindestgehalt von 0,3 % enthalten ist. In einem Artikel des Bayerischen Rundfunks heißt es: „Laut den Herstellern, haben die Biere, die mit 0,0 % Alkohol in den Verkaufsregalen stehen, kein bzw. einen minimalen Alkoholgehalt von 0,03 %. Ökotest hat 2017 das Bitburger 0,0 % im Labor überprüfen lassen und konnte keinen Alkohol nachweisen."

Trotzdem hat die Kampagne einen faden Beigeschmack. Erst im Herbst 2023 habe ich die Erfahrung mit einer schwangeren Freundin gemacht, die mit uns als Gruppe nicht ganz verzichten wollte und zu einer 0,0-Alternative von Wein gegriffen hat. Vor dem Genuss recherchierte sie noch einmal und das Internet mit den vielen verschiedenen und nicht verlässlichen Angaben hat sie dazu bewogen, davon keinen Schluck zu trinken.

Wenn 0,0 draufsteht, kann man sich dann also auf 0,0 verlassen? Ja, auch Essig und Apfelsaft enthalten in einem geringen Maß Alkohol. Allerdings finde ich schon, dass es zu einem Babybauch mit Bierflasche auch gute Alternativen gegeben hätte. Stellen wir uns einen Sportler vor oder gar einen einfachen Mann von nebenan mit sogenanntem „Bierbauch", nur eben unalkoholisch? Aufmerksamkeit erregt natürlich eher die Schwangere, aber ob das wirklich sein muss … weiß ich nicht.

Coca-Cola: The New Guy

Eine Familie, ein neuer Partner an der Seite der Tochter und ein Familienfest. Klingt nach einfachen Zutaten für ein Erfolgskonzept, könnte sich die Marketing-Abteilung von Coca-Cola denken. Das lässt sich aus meiner Sicht bestätigen, denn der Spot, der daraus kreiert wurde, ist unterhaltsam, spürbar authentisch und wirklich einfach toll gemacht.

„The New Guy" besteht aus 90 Sekunden Familientrubel, einigen Coca-Cola-Company-Getränken und einer sehr diversen Familie. Als Running-Gag wurde die Größe des „New Guy" eingesetzt, dabei versteht man den Witz nicht so ganz. Aber das spielt auch keine Rolle, denn am Ende geht es um „radikale Akzeptanz" und ein schönes Wir-Gefühl in einer noch fremden Familie.

Die Produkte sind dabei nicht zu subtil, aber sehr passend in Szene gesetzt worden. Warum der Spot weihnachtlich angehaucht, aber erst am 02.01.2024 hochgeladen wurde, bleibt als einziges Fragezeichen zurück.

Zwei Daumen nach oben, darauf erst mal eine fritz-kola aus dem Kühlschrank.

Deutsche Depressionshilfe & Grabarz & Partner

„Depression hat viele Gesichter…", so beginnt der Horizont-Artikel über die Kampagne der Deutschen Depressionshilfe und Suizidprävention in Zusammenarbeit mit der Agentur Grabarz & Partner. Soweit erregt das erst mal meine Aufmerksamkeit, wird für gut befunden, obwohl ich die Werbemittel noch gar nicht genau inspiziert habe. Das Thema liegt mir sehr am Herzen und in der Vorweihnachtszeit sind uns zum Beispiel von Norwich City mehrere Werbekampagnen dieser Art aufgefallen.

Prinzipiell steht bei der Kampagne die Sensibilisierung für eine versteckte „Volkskrankheit" im Vordergrund. Auf den ausgespielten Werbemitteln, die in Dresden, Hamburg, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Wiesbaden, Mannheim, Ludwigshafen, Saarbrücken und Stuttgart zu sehen sind, werden Menschen in verschiedenen Lebenssituationen abgebildet und je eine Person im Vorder- und eine Person im Hintergrund mit dem Text „Das ist XY. XY ist depressiv." versehen. Grundsätzlich eine schöne Idee, aber mir fehlt der unverwechselbare Ausdruck, dass ein und dieselbe Person glücklich aussehen kann, aber im tiefen Inneren ganz anders fühlt. Die Bildmotive werden nämlich von unterschiedlichen Menschen im Vorder- und Hintergrund dargestellt, was für mich den Kern spaltet.

Nicht falsch verstehen, jede Form von Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für eine Krankheit, die man niemandem ansieht, ist eine gute Sache! Die Kritik ist eine Beschwerde mit vollen Händen. Aber wenn, dann doch richtig. Und zwar voll auf die Zwölf. Trauben aus Mitgefühl müssen sich um die Visualisierungen bilden, um zu Gesprächen und Austausch zu führen. Nur wenn wir darüber sprechen und einander die Individualität dieser Krankheit aufzeigen, kann auch Verständnis entstehen.

Ich möchte mich aber auch bedanken, denn die Kampagne und der ein oder andere Funken in meinem Kopf haben daraus eine Idee entwickelt, die vielleicht richtig gut ist und sogar in Umsetzung geht. Es bleibt spannend …

OOH & Autobauer: Immer noch Weihnachten, BMW und Mercedes

Ich kann mich ja immer für eine gut gemachte, analoge Plakatwerbung begeistern. Im Gegensatz zu den digitalen Möglichkeiten bietet sie nach wie vor Vorteile: zum Beispiel keine wechselnden Partner. Alleine deshalb setzen einige große Brands auch stark auf OOH an Bahnhöfen oder Flughäfen. Das sind allerdings die berühmten A-Lagen. Aber was passiert eigentlich mit einem Plakat auf einer B-Fläche, wenn diese danach nicht gebucht ist? Es bleibt hängen. Eigentlich ein Vorteil. Es sei denn, die Weihnachtskampagne läuft noch am 10. Januar. Ergebnis: Kaputtes Plakat dank des Wetters, verwirrte Blicke, richtig cool ist das nicht, oder ALDI?

Und wo wir gerade bei Weihnachten sind: Eine Kampagne hätte sich wirklich gelohnt zu besprechen. Die Rede ist von der „Vater-Sohn-Geschichte", die uns BMW zu den Festtagen erzählt hat. Schaut mal rein, der Spot löst auf vielen Ebenen etwas aus, bei jedem wahrscheinlich sogar etwas anderes. Und auch für die Töchter unter unseren Lesern ein absoluter Tipp.

Wir bleiben beim Auto, wechseln den Hersteller und vor allem landen wir endlich im Jahr 2024. Zum Start wandelt sich Mercedes-Benz zum Wellness-Anbieter, wie W&V schreibt. Der passende Film, u. a. mit Roger Federer, ist wirklich gut gemacht und eine Hommage an viele Geheimagenten-Filme. Ich kann mir Federer schon fast als neuen Bond vorstellen. Die spannende, wenn auch sehr subjektive Erkenntnis für mich, nachdem ich den BMW- und Mercedes-Spot gemeinsam betrachte: Die Marke Mercedes macht so viel mehr mit mir als BMW.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.