Cazoo-Sponsoring & das GQ-Trikot des FC Venezia
Cazoo, ein britischer Online-Gebrauchtwagenhändler, greift weiter die europäischen Märkte an. Und das vor allem mit Sportsponsoring. So ist das Unternehmen Trikotsponsor von Everton, Aston Villa, SC Freiburg und bald auch vom FC Bologna. Aber gerade der Einstieg in die Serie A birgt ein gewisses Risiko, wie die ersten Reaktionen auf Instagram zeigen. Auch wenn die Schreibweise sich unterscheidet, ist die Nähe zum italienischen Begriff cazzo doch relativ nah. Und wer mal ein paar Tage in Italien war, hat mit Sicherheit mal einen Italiener fluchen gehört – in wörtlicher Bedeutung: Penis/Schwanz, sprachlich oft für Scheiße eingesetzt. So wird der FC Bologna auf Instagram-Seiten wie @calciatoribrutti (3 Mio. Follower) mit Häme überzogen. Das kennen wir doch aus der Vergangenheit von einigen Autoherstellern, die sich nicht ganz bewusst waren, was der Name in den jeweiligen Ländern bedeutet.
Sorry, aber einen habe ich noch zum Thema Trikot. Wenn es richtig durchdacht ist, kann es für Aufsehen sorgen, auch wenn der Verein selber eine schwache Saison spielt. Die Rede ist vom FC Venezia. Die Stadt ist eindrucksvoll. Tatsächlich eine der wenigen Städte, für die ich Eintritt bezahlen würde. Die Fußballmannschaft abgestiegen aus der Serie A. Das Trikot hat es allerdings wie die Stadt zu Weltruhm geschafft. Das GQ Magazin wählte den Verein sogar zum „world's most fashionable football club". Denn das Trikot war weltweit so begehrt, dass selbst die Spieler nach den Matches auf den Trikottausch verzichten, um das Shirt zu behalten. Übrigens: Es gab keinen Sponsor. Werbung wurde für die wunderschöne Lagunenstadt selber gemacht.
Nike in Liverpool: Never done
Das passiert, wenn man mich alleine lässt: Fußball ohne Ende. Aber ok, es war die Woche der Wahrheit. Beim 300-Mio.-Pfund-Spiel in England zwischen Nottingham und Huddersfield musste ich noch mal an Sven Schmidt – und seine Vorschläge, die Bundesliga spannender zu machen – denken. Ein Spiel, 75.000 Zuschauer, neutraler Ort, das macht schon einen besonderen Reiz. Und dann war da noch Paris: Champions-League-Finale mit dem Verlierer Liverpool. 4 Titel waren möglich, 2 sind es geworden. Und was macht Sponsor Nike in einer „Ad-hoc-Aktion"? Hängt beim großen Umzug durch die Stadt überall Banner mit der Aufschrift: Liverpool is never done! Dazu gab es Printanzeigen, die in der kostenlosen Zeitung Metro gedruckt waren. Wenn man jetzt noch weiß, dass ein angetrunkener Jürgen Klopp auf dem Bus sagt: Wir sind noch nicht fertig, bucht schon mal das Hotel für das nächste Finale. Dann hat Werbung noch nie besser gepasst.
Adidas & Coca-Cola: Das Gute liegt in der Einfachheit
Was denken wir manchmal in der Werbung kompliziert? Logo, Bild, Claim, Headline und und und … Man wird das Gefühl nicht los, dass jeder Zentimeter oder Pixel gefüllt werden muss mit Inhalt. Dabei kann das Gute manchmal so einfach sein. 2 Beispiele gefällig, die mir zufällig über den Weg gelaufen sind.
Adidas bewirbt seine Adilette mega smart: ein Strich unter die 3 Streifen des Logos und fertig ist die Anzeige. Mega! Jetzt bin ich auch noch großer Adiletten-Fan, aber die Werbung besticht so sehr durch ihre Klarheit und Einfachheit – das werden auch Nicht-Adiletten-Träger bestätigen. Oder was sagt Team Birkenstock dazu? „Oh, das ist echt richtig gut."
Dänische Studenten hatten eine ähnlich simple Idee für Coca-Cola. Mit dem Slogan „That sound when the bus stops …" beklebten sie einen Bus. Und? Hörst Du auch dieses Zisssssschen? Genial, oder?
Amazon: Werbung nachträglich einfügen
Genial ist auch, was man mittlerweile alles nachträglich ändern kann. Eine Podcast-Werbung buchen oder Product-Placement in einem Film oder einer Serie belegen? Nichts davon war veränderbar, anpassbar bzw. mehrfach zu verkaufen. Das war einmal …
Heute wird bei Podcasts, die ja auch davon leben, zeitlos zu sein, die Werbung im Nachhinein verändert – besonders sinnvoll, wenn Veranstaltungen beworben wurden. So verändert sich auch das Product-Placement in Filmen und Serien. Amazon stellte jetzt eine Postproduktionstechnik vor, mit der Werbetreibende ihre Markenprodukte direkt in Streaming-Inhalte platzieren können, nachdem sie bereits gefilmt und produziert wurden. Bei neuen „In-Scene"-Anzeigen werden Schlüsselmomente innerhalb einer Show identifiziert und die maßgeschneiderten Botschaften einer Marke digital eingefügt – somit wird die Marke in der richtigen TV-Show/dem richtigen Film und zur richtigen Zeit präsentiert.
Google Imagen: Text-zu-Bild
Weißt Du, was ein Text-zu-Bild-Diffusionsmodell ist? Google hat sein Brain Team losgelassen, dieses hat ein System auf KI-Basis entwickelt, das Bilder auf der Grundlage von Texteingaben erstellen kann.
Du willst ein Foto … mit einem Panda … der eine Sonnenbrille trägt … und auf einem Fahrrad fährt … Kein Problem. Ganz großes Kino!
Top Gun, Oakley & Madrid: 3D-OOH um die Welt
Ganz großes Kino ist auch das Stichwort für Top Gun. Aber nicht der Film, sondern die Werbung dafür auf meiner Lieblingsfläche. Ja, schon wieder die Fläche am Piccadilly Circus, ja schon wieder 3D – aber was für ein „geiler Scheiß" ist die Kampagne zum Kino-Knaller an diesem Standort. Ich verliebe mich jeden Tag neu. Mein nächster Trip geht nach London. Ich muss die Fläche endlich mal live sehen.
Oder nach Tokio. Im weltberühmten Bezirk Shibuya gibt es eine neue DOOH-Fläche, auf der aktuell Oakley wild dreht. Kleine Anmerkung: Die Menschen vor Ort scheinen sich an solche Flächen gewöhnt zu haben. Völlig perplex bleibt da keiner mehr stehen.
London, Tokio oder dann doch Madrid. Was hier auf den Callao City Lights passiert, ist eher ein Action-Film als noch Werbung. Wenn das weiter so geht, bin ich demnächst viel unterwegs.
Obi-Wan Kenobi: Disney+ dreht ein großes Rad
Wie war das früher noch einmal? Schon gehört, es kommt eine neue Serie? Meistens in der Programmzeitschrift das erste Mal von gelesen. Und heute? Disney+ startet Obi-Wan Kenobi und dreht mal ein richtig großes Rad – OOH an Flughäfen und eine Kooperation samt TV-Spot mit VW.
Alles ist möglich: 3D-Schule in Madagaskar
Vielleicht der Beginn einer neuen Rubrik im Newsletter mit dem Namen „Alles ist möglich": In Madagaskar wurde eine Schule mithilfe eines 3D-Druckers gebaut. Eine 22-Jährige hatte die Idee dazu. Erst die 2. Schule überhaupt, die durch einen 3D-Drucker entstand? Ein Modell für die Zukunft? Noch sind die Kosten sehr hoch, aber diese werden mit jedem Projekt kleiner.
Ford & Pepsi: Ist Werbung unnötig?
Ford-CEO Jim Farley hält Werbung für unnötig – so eine griffige Überschrift der W&V. Später fügt er noch hinzu: Das Modell der Werbeausgaben sei „verkorkst", man solle mehr in Kundenbindung investieren, indem man zum Beispiel jährliche kostenlose Check-ups der Fahrzeuge und Software anbiete. Zu guter Letzt bekommt Werbung im Umfeld des größten Sportereignisses der Welt noch einen ab: „Wir sollten solche Dinge tun, anstatt Super-Bowl-Werbung zu machen." Und er wird noch deutlicher: „Wenn Sie jemals sehen, dass die Ford Motor Company eine Super-Bowl-Werbung für Elektrofahrzeuge schaltet, verkaufen Sie die Aktien." Was eine Ansage.
Gerade erst ein paar Tage alt, ist der Ausstieg von Pepsi aus der Super-Bowl-Halftime-Show. In den letzten Jahren gespickt mit Superstars wie Jennifer Lopez, Shakira, Dr. Dre, Snoop Dogg und Eminem, waren die 15 Minuten in der Pause für viele Zuschauer das eigentliche Highlight der Veranstaltung. Doch jetzt ist Schluss, nach einem Jahrzehnt beendet Pepsi die Partnerschaft. „Die Beendigung spiegelt einen größeren strategischen Wandel wider, um den Verbrauchern beispiellose Musik- und Unterhaltungserlebnisse zu bieten", sagt der Konzern in einer Erklärung. Und ergänzt, dass man sich in Zukunft deutlich mehr auf die digitalen Medien fokussieren möchte, da das traditionelle Fernsehpublikum schwindet. Das stimmt wohl, aber der Super Bowl ist das weltweite Medien-Ereignis und die Verlängerung der Halftime-Show brachte auf YouTube bislang noch mal knapp 95 Mio. Views. Zudem bestätigt Todd Kaplan, CMO Pepsi, einen Share of Voice von 72 % während der Show.
Dass sich Werbung in einem Veränderungsprozess befindet, Haken dran! Nutzerverhalten verändert sich, die Reichweiten auf den Kanälen verschieben sich und ganze Werbeträger verlieren an Relevanz. Zudem muss viel mehr Wert auf Kreation, Idee und Content gelegt werden. Nicht umsonst schlagen wir manchmal die Hände über dem Kopf zusammen bei unserer Recherche zum NewsSnack. Werbung gänzlich für unnötig zu halten, ist zu kurz gedacht und auch nicht zielführend. Wenn ich an die letzte OOH-Werbung denke, die ich von Ford gesehen habe, würde ich auch vorschlagen, es lieber zu lassen. Da wurde für den Mustang Mach-E mit dem Slogan geworben: LÄDT WÄHREND EINES ESPRESSOS. Dabei hält die Person einen Cappuccino-Becher in der Hand. Merke: Ein Espresso wird nie „To-Go" getrunken, sondern am Tresen in einer Bar aus einer dickwandigen Tasse.