Vorweg: Mourinho und die Werte des Sports
57.648 Impressions, 390 Reaktionen, 33 Kommentare: Die Kombination aus Fußball, FC Bayern und 1. FC Köln beim Saisonfinale und Respekt scheinen die Menschen auf LinkedIn zu interessieren.
Dann auch gerne meine Meinung zu José Mourinho. Er lässt den schrecklichsten und vor allem unfairsten Fußball spielen, seine Spieler und er treten Respekt und Fairplay mit Füßen. Der Mann, der mal gesagt hat, das Spiel beginne bei der Pressekonferenz, sollte mal beherzigen, dass es mit dem Abpfiff auch endet – und nicht den Schiedsrichter beleidigen und die Fans aufhetzen, die dann wiederum den Referee (mit Familie) am Flughafen abfangen, bedrängen und bedrohen. Sperrt den Mann endlich weg. Nur weil er einmal einen Balljungen abklatscht, ist er kein Sympath und schon lange kein Vorbild. Im Gegenteil: Er beleidigt die Werte des Sports.
Kampagnensalat: Adidas – Move for the Planet
Ich löse mich jetzt mal von meinem letzten Beitrag über Adidas und bewerte ausschließlich die Aktion: 10 Minuten Bewegung = 1 € Spende. Move for the Planet.
„Pro 10 Minuten Bewegung spendet Adidas 1 € an Common Goal und unterstützt damit Projekte, bei denen Communitys durch Sport über Nachhaltigkeit aufgeklärt werden – bis zu 1,5 Mio. €." Die Landing-Page sieht attraktiv und einladend aus, zeigt die richtigen Bilder, um für den Lieblingssport zu inspirieren, denn nicht nur Joggen ist gefragt. Vom 01.06. bis 12.06.2023 heißt es dann: eine der 34 verschiedenen Sportarten auswählen, in der Adidas Running App teilnehmen und aktiv werden.
Mit den Erlösen werden unter anderem Sportplätze mit recyceltem Material erneuert, Aufklärungsarbeit geleistet und weitere ausgewählte Projekte auf der ganzen Welt unterstützt.
Top-Aktion, klasse dargestellt und einfach erklärt. Manchmal braucht es gar nicht so viel mehr!
Kampagnensalat: BVG – #Weilichdichliebe
Wenn die BVG einen raushaut, wird es regelmäßig gut – deshalb sind die Berliner Verkehrsbetriebe auch Stammgast in unserem Newsletter. Dieses Mal mit einer Gratulation in Richtung Union Berlin, die erstmalig in die Champions League eingezogen sind. Allerdings mit dem wichtigen Hinweis, dass das Deutschlandticket nicht für Paris, Madrid oder Barcelona gilt. Witzig gemacht, gut gestaltet, auf den Punkt: So kennen wir unsere Freunde aus Berlin. Nicht zu vergessen: Die Caption („Wir bringen euch aber gerne zum Flughafen") steht im Kontext, passt perfekt – auch selten, wie eifrige Leser wissen.
Kampagnensalat: Eurowings – Landung abgebrochen
Eurowings ist eher bei uns in den Fails anzutreffen, heute mal nicht, zumindest nicht ganz. Denn der Post kurz vor dem Finale der deutschen Meisterschaft war schon gut. „Auf geht's, Jungs. Schale im Anflug." Mehr hat es nicht gebraucht, um als Partner des BVB ein Statement zu setzen. Es zahlt auf das Kerngeschäft ein, am Koffer hängt der Abflughafen, Dortmund markiert, viele Likes gewonnen. Sehr gut! Hätten da nicht die Spieler einen Strich durch die Rechnung gemacht. So eigentlich ein perfekter Elfmeter für die Kreativen der Bayern. Zumindest ich habe aber keine Retourkutsche mit Augenzwinkern gesehen. Ihr? Dann ab in die Kommentare.
Kampagnensalat: Netcologne – Glasfaser-Meister mit Seitenhieb
Schöner Seitenhieb von Netcologne! Noch immer sitzt der Stachel tief, dass sich der 1. FC Köln nach vielen Jahren für die Telekom als Partner entschieden hat. Was macht Netcologne? Nimmt den letzten Telekom-Spot zum Thema Glasfaser mit einigen Spielern des FC aufs Korn. Zu Recht! Wir hatten überlegt, darüber zu berichten, aber so gut die Saison des FC war, so albern war der Spot.
Was mir gefällt? Netcologne nimmt den Ball auf (beim Thema Glasfaser sind wir Meister), setzt dann seine Stärken ein (wir haben schon 29.000 km verlegt) und spielt mit Wortwitz das richtige Thema an (Profi-Techniker sollen den Anschluss verlegen). Sehr gelungen auch das kleine Video dazu. Schade, dass es dafür nur 16 Likes gab und keine Interaktion.
Kampagnensalat: Sixt – weiter auf der E-Mobilitäts-Offensive
Weiter geht die Sixt-Offensive zum Thema E-Mobilität. Letzte Woche haben wir noch die Riesenposter in Düsseldorf und Hamburg abgefeiert, diese Woche bekommt das Visual auf Instagram ein dickes Lob. Wie immer in der starken Sixt-Optik, mit provokativer Headline trifft der Autovermieter mal wieder den Nagel auf den Kopf und hat direkt Kontext zu einem der meistdiskutierten Themen: die Letzte Generation. Aber wenn der BMW iX auf der Straße klebt, stört es halt niemanden. In den Kommentaren bekommt Sixt nur Liebe – und auch von uns ein dickes Lob!
KI-Corner: Plugin-Tipps für ChatGPT
Das Aus für Ingrid?
Jeder kennt das Gesicht der Indeed-Kampagnen. Aber auch für Ingrid stehen Veränderungen ins Haus, denn die Jobsuche könnte sich bald grundlegend verändern. Ambition heißt das Plugin, das man in Sekunden bei ChatGPT installieren kann. Schneller Test von mir: Head of Marketing in Köln. Auf der Seite RemoteAmbition kann man dann weitere Einstellungen vornehmen, chatten, Lebensläufe hochladen. So langsam entsteht ein kleiner Kosmos auf ChatGPT. Mal sehen, was Ingrid dazu sagt.
Videos schauen war gestern
ChatWithVideo hört sich an, als wäre es nur was für einsame Menschen. Ist es aber nicht. Mussten wir uns bis vorgestern noch lange Videos komplett anschauen, konnten wir gestern bereits das Transkript kopieren und ChatGPT zusammenfassen lassen – aber auch damit ist seit heute Schluss. YouTube-Link des Videos kopieren, bei ChatGPT einfügen und automatisch zusammenfassen lassen. Ich habe es getestet und finde es großartig, auch auf die Gefahr hin, dass mal was Wichtiges durchrutscht.
AskYourPDF
Wer die Zeitersparnis bei Videos gut findet, wird AskYourPDF lieben. Denn jeder hat sich schon einmal durch lange PDF-Dokumente gekämpft, um die wichtigsten Punkte zu finden. Auch damit ist Schluss. Link kopiert, in ChatGPT eingefügt und fertig ist die Zusammenfassung, Analyse oder das Fazit. Ich mache es mir mal sehr leicht und kopiere einfach den Satz des letzten Beitrags: Ich habe es getestet und finde es großartig, auch auf die Gefahr hin, dass mal was Wichtiges durchrutscht.
Endlich auch als App
ChatGPT als App – seit einigen Tagen im Store, direkt runtergeladen, getestet und natürlich super komfortabel, den Input direkt per Voice zu geben. Ansonsten keine Vorteile. Trotzdem Must-have bei den Apps auf dem Home-Screen.
KI-Corner: Magic Mirror bei Tommy Hilfiger
Wie wohl die Hose an mir aussieht? Aber keine Lust aufs Anprobieren… So geht es mir oft. Was mache ich? Kaufe entweder nichts oder etwas, das mir dann nicht immer gefällt. Lösung in Sicht: Die Zukunft im Einzelhandel könnte ein AR-Mirror sein, wie er aktuell bei Tommy Hilfiger getestet wird. Du stellst dich vor den Magic Mirror, sagst, was du anhaben möchtest, und schon siehst du die Hose, das Shirt oder die Jacke an dir. Würde ich mir in jedem Laden wünschen. Einziges Problem: lange Wartezeiten garantiert!
KI-Corner: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Die ausgespuckten Informationen von ChatGPT auf Richtigkeit zu prüfen, ist empfehlenswert, wie der folgende Fall in den USA zeigt.
Ein Anwalt setzt ein Schreiben für einen Mandanten auf, in dem Präzedenzfälle für einen Vorfall gesammelt werden. Konkret geht es um einen Mann, der eine Airline auf Schmerzensgeld verklagt, weil er auf einem Flug von einem Servierwagen angefahren wurde.
Die Beispielfälle lässt sich der Anwalt von ChatGPT zusammentragen; sie sind detailliert und tragen sogar Aktenzeichen. Recherchiert man diese, existieren sie allerdings nicht. T3n schreibt: „Dabei waren dem Anwalt des Klägers die Rechercheergebnisse von ChatGPT selbst etwas seltsam vorgekommen. Als der KI-Chatbot ihm aber versichert habe, dass alles korrekt sei, habe er von eigenen Nachforschungen abgesehen."
Dieser Fall zeigt: Auch wenn wir mit KIs und Co. schon einiges machen, was richtig gut ist, sollte man das Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" nicht außer Acht lassen. Und man sollte perfekte Prompts beherrschen.
Mecker-Ecke: Jeremy Fragrance und das scheinheilige Distanzieren
Seid ihr so naiv oder einfach nur zu faul, euch vorher zu informieren? Die Frage könnte man all denen stellen, die sich nach seinem fragwürdigen Auftritt bei der OMR von Jeremy Fragrance distanzieren.
Wer mit ihm arbeitet, hätte im Vorfeld wissen können, dass die Wahrscheinlichkeit einer entzündenden Bombe sehr hoch ist. Schließlich hat er nicht grundlos einen Media Impact Value von 26,5 Millionen Dollar. Durch Kontroversen auffallen, immer gegen den Strom schwimmen und realitätsfremde Aussagen gehören zur Basis seines Erfolgskonzeptes.
W&V ordnet das Distanzieren der Sponsoren, meiner Meinung nach, vollkommen richtig ein und beschreibt es als „scheinheilig". Vodafone warf den ersten Stein und zog sich fein aus der Verantwortung: „Für die Inhalte und Sprecherauswahl sind die Veranstalter dieses digitalen Festivals zuständig." Die OMR macht es so halb, aber auch nicht richtig, wahrscheinlich weil man sich bewusst darüber ist, dass die Kunstfigur Jeremy für mindestens eine Kontroverse sorgt. ALDI Nord distanziert sich, nachdem sie zu Beginn des Jahres gemeinsam mit dem Influencer noch eine erfolgreiche Kampagne an den Start brachten. Allerdings war Fragrance noch vor der Kampagne im Promi-Big-Brother-Haus zu sehen und allein hieraus schon deutschlandweit bekannt für seine wilden Aussagen. Man hätte also mit ein bisschen Recherche vorher darauf kommen können, dass es hier mindestens einen Punkt geben wird, der mit den Werten nicht kombinierbar ist.
Abschließend zieht Thalia nach und sagt geplante Lesungen seiner Autobiografie „Power, Baby" ab. Ob das Veranstalten derer nicht auch schon vor der OMR einen Gedanken mehr wert gewesen wäre?
Es scheint so, als sei es „leichter", sich im Nachhinein zu entschuldigen, statt von Anfang an auf Reichweite einer tickenden Zeitbombe zu verzichten. Nächstes Mal, ihr lieben Sponsoren, einfach mal „Onkel Google" fragen.