NewsSnack-Archiv · 2022

NewsSnack KW 41/2022 – Frosta, Gerüstbau-Klartext, NBA-App und der Wunsch nach Einzelartikeln

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2022

Aus dem Archiv Zurück aus dem Urlaub: viel OOH, aber kein Fußball (komisch). Meine Themen dieser Woche – Frostas rundum gute Mehrweg-Kampagne, die hitzige Debatte um ein Gerüstbau-Plakat, OOH am Flughafen Seoul und am Piccadilly Circus, die neue NBA-App als Vorbild für Verlage und mein Wunsch, endlich einzelne Artikel ohne Abo kaufen zu können.

Gerüstbau: Klartext auf dem Plakat

Interessante Diskussion auf LinkedIn. Warum? Ein Foto zeigt das Plakat eines Gerüstbau-Unternehmens mit der Headline: „WIR SCHEISSEN AUF DEINE ZEUGNISSE." Dazu das passende Emoji. Jetzt geht es los: „Abwertend", „mega", „weltklasse", „Fäkalsprache", „wo bleibt die Perspektive", „genau die richtige Ansprache". Habe lange darüber nachgedacht. Mein Fazit: Gute Headline, passendes Bild, sorgt für Aufmerksamkeit und benennt – sehr klar – einen wichtigen Aspekt: Du brauchst keine schulischen Meisterleistungen, um zu starten. Viel mehr muss dieses Plakat an einer Baustelle gar nicht können. Jetzt war ich neugierig und habe mir die Homepage angeschaut – dazu Facebook, Instagram und TikTok. Die Firma Bönninger macht sehr viel richtig, bleibt ihrer Ansprache treu und schafft es, mir genau den Eindruck zu verschaffen, den es braucht, in einem manchmal auch etwas rauen Metier. Alleine für die „Schlappen und Socken" im eigenen Shop gibt es von mir 2 Daumen nach oben. An das Team Birkenstock aus unserem Büro: Es heißt „Bönniletten", nicht „Bönnistock".

OOH: Frostas Mehrweg-Kampagne – so geht's

Wie mache ich eine in sich schlüssige und wirklich gute Kampagne? Frosta: Ja!

- Kanal: Riesenposter-Flächen (hohe Aufmerksamkeit, Talk of Town)

- Headline: „Wie von dir. Nur von uns." (Ich motze ja wirklich oft, aber die finde ich echt klasse)

- Motiv: Reis-Gemüse-Pfanne (klassisches Gericht, das jeder schon einmal gekocht hat, passt perfekt zur Headline. Einzig: Meine Reis-Gemüse-Pfanne ist besser. Mit Sicherheit)

- Idee: Die Riesenposter werden danach nicht entsorgt, sondern zu Tiefkühltaschen und Shopping Bags. Diese werden auf frostashop.de verkauft. Noch besser: Der Erlös geht an das Kinder-Hospiz Sternenbrücke in Hamburg.

- Landing Page: Direkt großer Teaser zur Aktion (frostashop.de)

- Produkt: Selbst die Taschen sehen ganz gut aus

- Fazit: Mehr davon!

- Offene Frage: Wie schmeckt die Reis-Gemüse-Pfanne? Wir werden berichten.

OOH: Ballentines am Flughafen Seoul

Du erinnerst Dich an meine Enttäuschung über die Flughafen-Werbung nach meinem USA-Trip? Wäre ich mal besser nach Südkorea geflogen. Auf dem Seoul-Incheon Airport macht Ballentines Werbung – und zwar richtig. Auf einem 23 Meter hohen LED-Screen erscheint die Flasche, gefolgt von einem Moment zu zweit, den man mit Ballentines genießt. Mein Koreanisch ist leider etwas eingerostet. Meine Erfahrungen mit Ballentines leider nicht – die sind eher eine 6–. Also Werbung top, Inhalt der Flasche flop.

OOH: WhatsApp am Piccadilly Circus – top, mega, flop

Jetzt wird es schwierig. Eigentlich ist die Werbung von WhatsApp (Meta) auf dem legendären Screen am Piccadilly Circus in London wirklich richtig gut. Aufwendig inszeniert, perfekt umgesetzt auf einer der besten Werbeflächen weltweit – zumindest für mich. EIGENTLICH. Denn beworben wird tatsächlich die Datenschutzfunktion des Messenger-Dienstes. Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Die Umsetzung ist klasse, aber Datenschutz und WhatsApp? Wirklich? Dazu reicht eine kleine Anekdote aus meinem Leben: Zugfahrt, ich höre zwei Jungs, die sich über Haarausfall unterhalten. Ich schreibe das in den Chat mit meinen Freunden, bei Ankunft am Bahnhof wurde ich auf Facebook „zugemüllt" mit Werbung zu Haarwuchsmitteln. Und ja, ich habe eine Glatze – immer noch! Weitere Beispiele: Chatte mal ein bisschen zu den nächsten Reisezielen. Wetten, Du bekommst dazu Werbung auf Instagram und Facebook angezeigt?

Fazit: Werbung top, Umsetzung mega, Thema ausgerechnet von Meta: Flop!

The Drum: WhatsApp's 3D billboard touts privacy features

NBA: Back to Baskets – 3er für die neue App

Nach Fußball ist Basketball meine zweite Sportart, die ich intensiv verfolge. Anders als beim Fußball sind es dort nicht unbedingt Live-Events, sondern vor allem Highlights aus der NBA (National Basketball Association), die mich täglich auf den Social-Media-Kanälen begeistern und auch informieren. Jetzt hat die NBA eine neue App gelauncht – und die ist aus mehreren Perspektiven empfehlenswert. So viele Hintergrundgeschichten, Statistiken, Live-Facts, Spiele und Interviews an einem Ort: für Basketballfans ein absolutes Muss. Aber auch für Webseiten-, Portal- und Newsseiten-Betreiber bzw. Content-Producer lohnt sich ein Blick in die App. Denn: Sie ist anders und aus meiner Sicht besser als der ganze Einheitsbrei, den Verlagsseiten heutzutage so produzieren. Sorry an alle Verantwortlichen aus meinem Netzwerk, aber das ist wirklich meine Meinung. Einfach mal in die App reinschauen, sie ist aufgebaut wie eine eigene kleine Social-Media-Welt. Story-Highlights, die gesamte Optik und die User-Journey ist top. Letztlich hat die App alles, was ich mir auch von der Bundesliga wünschen würde.

Aber Design ist nicht alles, Content ist nach wie vor King. Und auch hier trennen die Apps Welten. Die NBA-App besticht durch exklusive Inhalte, Eigen-Produktionen und vor allem Vorteile.

NBA-App laden (App Store) · W&V: NBA-App – Alles neu bei Design und Features

Podcast: Von der eigenen Blase nicht auf andere schließen

Mal wieder ein Beispiel gefällig, dass man von seiner eigenen Blase nicht auf andere schließen sollte? Lediglich 27 % der Teilnehmer einer Umfrage haben laut Statista in Deutschland in den vergangenen Monaten einen Podcast gehört. Gerade einmal 5 % hören Podcasts mehr als 6 Stunden pro Woche. Ok, dazu gehöre ich wohl. „Gemischtes Hack", „OMR Education", „brand eins", „Eier, wir brauchen Eier", „Doppelgänger Tech Talk", „deutsche startups" und „OMR Podcast" – da kommen aber sehr schnell 6 Stunden zusammen. Sieht beim Spitzenreiter Schweden übrigens anders aus: 47 % der Befragten gaben an, in den vergangenen 12 Monaten Podcasts gehört zu haben.

Zum Abschluss noch ein Hörtipp: OMR-Klassiker mit Dieter Bohlen. Den kann man jetzt mögen oder nicht, aber seine Insights sind spannend. Und an Direktheit hat es ihm ja noch nie gefehlt.

OMR Podcast mit Dieter Bohlen (Spotify)

Alles ist möglich: Artikel einzeln kaufen, bitte!

Wir glauben da ganz fest dran. Also äußern wir auch gerne mal Wünsche. Ist zwar noch kein Weihnachten, aber versuchen können wir es ja mal. Empfänger? Alle Newsseiten, die ihr Wohl in Abo-Modellen suchen. Ich verstehe das. Schließlich war ich einer der Ersten, der lernen musste, wie schnell man mit reinen Vermarktungsansätzen an die Grenzen stößt. Immer mehr Werbemittel sind bestimmt nicht die Lösung – aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zu den Abo-Modellen. Bin ich wirklich alleine auf der Welt, wenn ich mir wünsche, Artikel auf unterschiedlichen Seiten einzeln kaufen zu können? Ich zahle auch, pro Artikel, gerne auch den Euro, den die meisten Verlage für den Probemonat haben wollen. Ich möchte aber kein Abo. Das hat gar nichts mit den einzelnen Titeln zu tun, also doch bei einigen schon. Mir geht es vor allem darum, nicht 20 Abos abzuschließen. Ich möchte Inhalte lesen, die mich interessieren.

Sind es technische Hürden? Dann muss man sie lösen, um die Ecke denken. Wichtig ist die Einfachheit. Ein Klick! Abbuchung per PayPal? Per Telefonrechnung? Es gibt sicherlich Möglichkeiten, einige haben wir auch bereits gedacht, will nur keiner hören.

Sind es zu wenig Umsatzpotenziale? Ich kann das nicht glauben. Readly ist ein Anfang, aber auch nicht die Lösung. Zu wenig Tageszeitungen, zu wenig Inhalte, die mich per Push erreichen und dann auch interessieren.

Mein Case: Ich sehe einen guten Artikel-Teaser (Social Media, Google) der Süddeutschen, FAZ, Horizont, Sponsors (ich könnte beliebig weitermachen), aber ich möchte kein Abo abschließen. Und jetzt? Nichts. Keiner der Titel hat so viele gute Inhalte (für mich). Also wird es eine Lösung geben für Menschen wie mich. Wird es „Möglichmacher" geben?

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2022. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.