Kampagnensalat: Golden Toast reloaded
Nicht schon wieder Alexander Marcus. Bitte. Ich will das nicht. Und doch kommen wir alle nicht drum herum. Denn Alexander Marcus ist das neue Gesicht der Werbeoffensive von Golden Toast. Ob sich der Entertainer bei seinem Karrierestart 2008 erträumt hätte, im Jahr 2024 noch mal neuen Rückenwind zu bekommen? Weiß ich nicht. Aber er ist da und offenbar nicht mehr wegzudenken.
Basierend auf seinem eigenen Original-Song „Hawaii Toast Song" aus dem Jahr 2010 wurde der Titel für den Spot auf „Golden Toast" umgedichtet. Hierbei wird aus Toast Hawaii jede andere Form von belegtem Toastbrot, die man sich vorstellen kann. Sei es ungetoastet, aus dem Sandwich-Maker oder in süßen Variationen. Der Spot zeigt alles, was geht.
Die Klammer an sich finde ich in Ordnung, nicht ewig weit hergeholt. Aber ich mag halt den Marcus nicht so gern – bzw. eher seine Musik. Papaya hat den Kult-Status erreicht und Alexander ist gealtert. Wobei, ist er das? Sein Gesicht lässt anderes vermuten. Können wir Werbung nicht wieder einen Hauch mehr Seriosität verleihen? Nur ein kleines bisschen? Ich habe ja nichts gegen Humor und Witz. Aber wenn wir alles ins Lächerliche ziehen, kauft bald keiner mehr was.
„Natürlich geht's dabei auch einfach nur um Spaß. Humor ist ein ganz großes Thema in diesem Jahr und ich denke, in einer Zeit, wo die Nachrichten oft nicht so positiv sind, können wir alle etwas mehr Leichtigkeit und Spaß in der Kommunikation gebrauchen", erklärt Kreativchefin Marjorieth Sanmartin, Agentur Keuntje. Horizont berichtet außerdem von einem eigens für die Kampagne angelegten und KI-gesteuerten Song-Generator, mit dem unzählige Varianten des Golden-Toast-Songs erstellt werden können. Verrückt interaktive Zeiten, in denen ich nicht weiß, ob und welchen Daumen ich in welche Richtung vergeben soll.
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OOH: Coole Werbung? Fehlanzeige – Sixt
Sag mal, fliege ich immer vom falschen Terminal oder passiert am Flughafen Frankfurt gar nichts Cooles mehr? Vom Bahnsteig bis zum Gate gähnende Langeweile. Keine coole Kampagne, keine neuen Flächen, viel Eigenwerbung. In ein paar Tagen geht die Fußball-Europameisterschaft los. Davon merkt man aber mal gerade GAR NICHTS! In Köln übrigens auch nicht. Schaue ich mir die Netflix-Doku über das EM-Finale 2021 in London an, ist es vielleicht auch besser so. Die knapp 2 Stunden kann ich für einen verregneten Tag empfehlen. Be- und erdrückend auf vielen Ebenen. Ach, nochmal kurz zurück nach Frankfurt: SIXT will ich nicht komplett unerwähnt lassen. Die Werbung direkt an der Anzeigetafel fällt auf.
Social Media: Bayer Leverkusen – Meister auf allen Kanälen
Ich habe keine Lust, Zahlen und Fakten beim OMR abzuschreiben. Aber wer sich dafür interessiert, wie man die Reichweite auf Social Media erhöhen kann, sollte den Text über Bayer Leverkusen lesen. Ich bin Kölner, ich habe mich für Bergamo gefreut, aber ich kann auch Leistung anerkennen. Auf und vor allem neben dem Platz. Und da hat Leverkusen im Bereich Social Media einen überragenden Job gemacht. Für jeden, der jetzt denkt: Nobrainer bei den Erfolgen – dem möchte ich sagen, das ist nur die halbe Wahrheit. Sportlicher Erfolg hilft, eine Rekordserie mit Sicherheit auch, aber es gibt mehrere Bausteine.
Als Head of Content verantwortet Felix Loesner seit dieser Saison die Kanäle. Er kommt von Bayern München und hat direkt die richtigen Hebel betätigt. Dazu hat der Verein einige Top-Corporate-Influencer in den eigenen Reihen, diese aber auch machen lassen. So entsteht Reichweite. Und zwar mit einzigartigem Content, der aus der Kabine oder vom Feld kommt. Und das in einer hohen Schlagzahl. Denn das Fundament, um multimedial posten zu können wie am Fließband, war bereits vor den Erfolgen gelegt. In Summe sprechen die Zahlen für sich. Lies gerne selber nach.
Ich bin schwer beeindruckt. Und aktuell scheint in der näheren Umgebung auch jeder freiwillig Platz zu machen. Oder, 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Schalke 04?
Social Snack: Polizei Berlin auf TikTok
Nach Olaf Scholz tritt nun auch die Polizei Berlin bei TikTok auf. Mit Eindrücken aus dem Arbeitsalltag, Kooperationsvideos mit Influencern oder Frage-Antwort-Videos wird hier die Arbeit der Polizei zusammengefasst und für junge Interessierte aufbereitet.
Grundsätzlich finde ich es klasse, auf den Kanälen zu werben, die die Zielgruppe wirklich nutzt. Ebenso finde ich es gut, sich an den Sprachstil anzupassen und trotzdem der eigenen Linie treu zu bleiben. Aber ehrlich gesagt wirkt der TikTok-Kanal für mich auf den ersten Blick wie Snippets aus einer RTL-Nachmittags-Sendung, in der man gescriptet aufgetischt bekommt, wie ein „realistischer" Arbeitsalltag bei der Polizei aussieht. „Auf Streife" und weitere TV-Formate haben hier schon für das ein oder andere aufgesetzte Drama gesorgt, ich hoffe, das bleibt hier aus. Spannend sollen die Videos aber trotzdem sein, denn nur mit HR-Content ködert man die Menschen nicht, dranzubleiben. Es gilt, einen schmalen Grat zu treffen, sicher keine einfache Aufgabe. Aber wer schafft das schon, wenn nicht die Polizei?
Verdirbt das Social-Media-Konzept den Stand der Polizei oder ist es sogar förderlich, unsere Bundesbeamten auch von ihrer menschlichen Seite zu zeigen und mit Humor die Angst vor dem „Freund und Helfer" zu nehmen? Deine Meinung? Ab in die Kommentare bei LinkedIn.
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KI-Corner: Blick hinter die Kulissen – Meta.ai
Arbeiten in Florida hat – neben ein paar anderen – vor allem den Vorteil, dass man sich mal anschauen kann, was in den USA schon geht. Zum Beispiel: Meta.ai. Bilder, Texte, Suchen – alles ist automatisch integriert. Bin gespannt, wann der Rollout auch nach Deutschland kommt. Spätestens dann müssen sich die Schulen wohl was anderes einfallen lassen, als ChatGPT zu verbieten. Ach, und an alle Lehrer unter den Lesern: Aktuell nutzen die Kids die schlechte Snapchat-KI – dann doch lieber Meta. So oder so, der Zug rollt und ist nicht mehr aufzuhalten. Schnell mal den Text in der WhatsApp-Firmengruppe formuliert, die Antwort an den Kumpel formuliert, alles kein Problem mehr. Mehr als 1 Mrd. Nutzer können sich freuen. Wieder ein Switch weniger am Smartphone!
Lesetipp: Denk mal drüber nach – Giovanni di Lorenzo
Der Lesetipp der Woche ist schon was älter. Gelesen habe ich das Interview in der NZZ auf dem Hinflug nach Florida. Aber viele der Gedanken, die Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit", teilt, sind zeitlos. Es geht auch nicht um Werbung, Social Media oder Digitalisierung. Es geht einfach um ein paar kluge Gedanken eines reflektierten Menschen, so erachte ich das zumindest.
Eine Aussage hat mich dabei vor allem gepackt, dabei sollte sie klar sein, ist sie aber nicht. Es geht um Führung. Nicht um den Kampf alt gegen jung, nicht um neue Anforderungen der Führung. Nein. Es geht um ein Grundprinzip, das oftmals sträflich missachtet wird. Ich zitiere: „Sie dürfen keine Angst vor guten Mitarbeitern haben. Im Gegenteil: Sie müssen bereit sein, auch Leute zu fördern, die vieles besser können als Sie selbst. Die Mitarbeiter sollten auch merken, dass Sie ihre Arbeit schätzen. In unserem Fall heißt das: lesen, was sie schreiben, und darüber sprechen. Das klingt wie eine Banalität, aber es ist nicht selbstverständlich." Denk mal drüber nach …