KI-Corner: NBA.AI – Basketball im Spiderman-Look
Spielerei, das Heranführen der Gen Z an den Sport oder einfach nur übertriebene Spinnerei, die Traditionen mit den Füßen tritt: NBA.AI wird auf jeden Fall für Aufsehen sorgen. NBA-Boss Adam Silver hat mit Superstar Victor Wembanyama die neue Funktion vorgestellt, bei der man sich in Echtzeit NBA-Spiele auf verschiedene Arten anschauen kann. Im Beispiel wird ein Spiel der Indiana Pacers so zum Comic im Spiderman-Stil.
Vielleicht bin ich zu alt dafür. Ich komme aus einer Zeit, in der ich mich bei NBA-Action drei Minuten über Michael Jordan gefreut habe – alles ein bisschen viel für mich. ABER – und nur darum schreibe ich darüber – noch einmal zum Punkt: In Echtzeit können User in Zukunft per NBA.AI Spiele in ihrem geliebten Filmstil schauen. Das funktioniert. Das ist 2024.
Kampagnensalat: Falsche Versprechen der Deutschen Bahn
Über leichte Beute herzuziehen, ist nicht mein Ding. Wirklich nicht. Ansonsten hätten wir die Deutsche Bahn jede Woche im NewsSnack. Aber die letzte Anzeige, die ich auf LinkedIn gesehen habe, kann ich nicht einfach an mir vorbeiziehen lassen. Täglich bis zu 30-mal direkt von Köln nach Berlin, davon 3-mal nonstop in ca. 4 h. 3 … 2 … 1 … lasst die Kommentarspalte explodieren.
Aber der Reihe nach. Die Deutsche Bahn weiß, dass sie es wahrscheinlich nicht einmal 3-mal pro Jahr pünktlich in 4 h von Köln nach Berlin schafft, und nimmt sich doch diesen Fakt als Headline für die Kampagne. Mutig! Oder Kalkül? Wenn es der Plan war, über Kommentare Interaktionen zu generieren, dann verstehe ich allerdings das Community-Management nicht. Der Social-Media-Manager (Bot?) versteht keine Ironie, antwortet immer nur einmal, geht nicht auf Diskussionen ein, befeuert auch keine und löscht schon gar keine Brände. Dabei stecken die Kommentarfelder auf Social Media voller Chancen, die die meisten Firmen einfach liegen lassen. Hier kann man sich direkt mit dem Kunden unterhalten – und auf LinkedIn sogar noch halbwegs gesittet. Eine Auswahl der Kommentare:
„Ich wusste nicht, dass die Bahn jetzt auch in Comedy macht! Chapeau! 😂"
„Took me 4h to go from Düsseldorf to Brühl (20 min away from Köln)… 🙄🙄"
„Wer zuverlässig irgendwo ankommen will, nimmt definitiv nicht die Deutsche Bahn. Das Unternehmen ist leider die beste Werbung für die Automobilbranche 😔"
Meine These mit dem Bot wird übrigens ebenfalls in den Kommentaren gestützt: „maybe it's a comment from a Time Machine 😂"
Vielleicht erarbeite ich mal ein paar Ideen für die Deutsche Bahn, die das Image positiver aufladen als diese Kampagne.
Kampagnensalat: Gilette und der weichgekochte Song
Rasieren, das Lieblingsthema in der 923b. Wieso? Das frag mal Georg und mich. Im Zuge eines Songs sprachen Georg und ich über eine Werbung, die er von Gilette aufgeschnappt hatte.
Hier ging es weniger um das Rasieren, mehr um den Song und dessen Interpreten Michael Schulte. Dieser passt für mich wenig zum Spot, etwas zu weichgekocht, und erinnert mich mehr an eine „Merci"-Werbung. Generationenübergreifend wird die Lehre des Rasierens weitergegeben, aber der Song strahlt mehr „Papa, ich hab' Dich lieb" als „Nutze Gilette" aus. Die Vorlage zum Song stammt aus den späten 80ern/frühen 90ern und wurde nun offenbar modern und auf Deutsch wiederbelebt.
Weder zwei Daumen nach oben noch nach unten. Eher ein: falsche Zeit, falscher Ort. Spielt das zum Vatertag, ladet die Geschichte komplett emotional auf. So hängt die ganze Liebe einfach nur in der Luft.
(Edit Marco: Haare werden überbewertet ☺)
Kampagnensalat: Guhl x Früh – Bierdusche für die Haare
Ist es Honig? Ist es Ketchup? Nein, es ist Shampoo. Guhl und Früh haben sich zu einer Kooperation zusammengeschlossen und eine Bierdusche für die Haare als Limited Edition geschaffen.
Ich schließe mich dem Urteil von Katrin, die den Beitrag gefunden hat, an: „Weeeeeiß ich nicht." Ergänze allerdings um ein: „Kann man aber machen …", als Alternative zu Alpecin, dem Koffein für die Haare. Warum die nicht was mit Tchibo machen, verstehe ich auch nicht.
Kampagnensalat: IKEA – zu laut!
Mein Beziehungsstatus mit IKEA? „Schwierig"! Oder um es genauer zu sagen: Ich gehe einfach nicht hin. Das Konzept vor Ort macht mich fertig. Aber die Werbung hat mich immer angesprochen, und viele Kampagnen wurden in den letzten zwei Jahren von uns immer wieder gelobt. Damit ist allerdings jetzt Schluss, also zumindest bei mir.
Die neue Kampagne „Do try this at home", die ich von der Grundidee gut finde und die bewusst mit dem ewigen Internet-Trend „Don't try this at home" spielt, ist zu viel. Zu laut, zu bunt, zu wirr, fliegende Karate-Omis, zockende Opis, Konzerthallen als Schlafzimmer. Da die Bürofrage des Tages aktuell eher ist, wie lange würdet Ihr Einsamkeit aushalten, bin ich auch einfach im falschen Modus für den Clip, der für mich eher daherkommt wie ein Spaziergang am Samstagnachmittag vom Dom bis zum Neumarkt. Für alle Nicht-Kölner: Menschenmassen, unfassbare Lautstärke und Gedrängel!
Ich hätte übrigens mal eine Alternative aus dem Real Life. Büro-Ecke meiner Frau voller Bücher und Ordner, sie fährt zum IKEA, kauft ein Regal, aufgebaut, alles ordentlich, der Use Case des normalen Menschen. Da braucht keiner durchs Zimmer zu fliegen. Es bleibt schwierig mit uns, IKEA!
Kampagnensalat: Danke für nichts, Mourinho! (Topps)
War mein Beziehungsstatus mit IKEA noch schwierig, ist er mit José Mourinho eine Voll-Katastrophe. Der Portugiese gehört zu den Trainern, die meinen Sport kaputt machen, die versuchen, selbst die größten Offensivspieler zu Abwehrrecken zu machen, und ausschließlich sich selbst in den Mittelpunkt stellen – nicht zum Schutz für die Spieler, wie er immer sagt, sondern weil er sich selbst so unfassbar liebt, dass er kein „Spieglein an der Wand" zum Fragen braucht. Ihr wollt schlimmen Fußball sehen? Schaut Euch Spiele von Mourinho und Allegri (Juventus Turin) an. Ja, sie sind erfolgreich mit ihrem Ergebnis-Fußball, aber wie schlimm sind diese Spiele anzuschauen.
Du merkst, Testimonial Mourinho hatte es von Beginn an nicht leicht mit seiner Werbung für Topps. Da die Collectibles-Marke aber auch noch mein geliebtes Panini-Album abgelöst hat, war es quasi unmöglich, dass ich den neuen Spot gut finde. Hand aufs Herz – auch ohne diese Vorgeschichte hätte ich die Werbung zerrissen. Das Ende passt nicht zum Rest, der Special-Juan kommt so künstlich um die Ecke, dass mir schlecht wird, und seine zwei Champions-League-Trophäen kann sich José getrost … naja, Du weißt schon.
Dieses Jahr keine Sammelkarten, kein Kartenklatschen und kein Weitwerfen. Danke José, Du hast mir erst den Fußball genommen, jetzt auch noch die Sammelkarten. Danke für nichts!
Zum Spot · Zum Hintergrund bei Horizont
Kampagnensalat: Serien-Konzepte bei ALDI Süd, Deichmann & Co.
Lieber Himmel, lass es Ideen regnen. Denn aktuell scheinen alle in die gleiche Schiene zu rutschen und Werbung nach Serien-Erfolgskonzepten aufzubauen. Grundsätzlich nicht verkehrt, aber wer hebt sich noch ab, wenn es bei allen ähnlich läuft?
ALDI Süd hat eine Kampagnen-Serie ähnlich zum Amazon-Prime-Erfolg „Die Discounter" gestartet. In dieser wird filmisch dargestellt, dass ein Azubi-Team der Generation Z (ich kann auch diesen Begriff nicht mehr hören) eine Filiale übernimmt, während der Chef außer Haus ist. Der ganze Laden wird auf den Kopf gestellt und gekünstelt „modernisiert". Spoiler: Der Chef befindet das Engagement für gut und möchte die Azubis mehr in die Strukturen einbinden. Am Ende werden noch mal die Vorteile einer Ausbildung bei ALDI besprochen, fertig. Aldi Süd spielt die Videos bei YouTube, auf einer eigens entwickelten Microsite und dem Social-Media-Kanal der im Spot vertretenen Influencerin Alysa Ruppert.
W&V schreibt: „Die Filme sind natürlich geprägt von der Jugendsprache der GenZ, man ist ohne Chef am Anfang etwas lost und joint dann aber den Fun und es wird am Ende, wie zu erwarten ist, auch voll Lit." Auf mich wirkt das eher so, als hätten sich Menschen einer anderen Generation sowohl die Sprache als auch das Konzept GenZ ausgedacht. Authentisch würde ich das Ganze auf jeden Fall nicht nennen. Vielleicht ist heute auch nur wieder ein kritischer Geist in mich gefahren.
Ebenso, wenn nicht sogar noch kritischer betrachte ich die Kampagnenreihe von Deichmann. Im selben Stil wird hier eine andere Geschichte gefilmt. Ein Schuhfanatiker lässt sich über Nacht in einem Deichmann-Store einschließen, startet in der Zeit einen OnlySchuhe-Kanal und badet in Probiersöckchen. Hier wurden alle alten YouTube-Fake-Trends in Kombination mit der Serienaufmachung verwertet. Wie eingangs geschrieben: Lieber Himmel, lass es Ideen regnen.
Doch damit nicht genug. Die Bereiche Lebensmittel und Bekleidung bzw. Schuhe haben wir abgehakt. Da fehlt nur noch? Richtig: Gesundheit. Und so folgt ein Streich der Apotheke, die gleich einen Dreiteiler erstellt hat. Paula als PTA-Praktikantin in der Lotus-Apotheke mit einem Intro, in dem sich Zeit genommen wird, die einzelnen Protagonisten vorzustellen. Die Aufmachung der Serie bezieht sich diesmal auf den deutschen Netflix-Klassiker „How to Sell Drugs Online (Fast)". Immerhin die Landing-Page ist passend und mal etwas Neues.
Alles zusammen betrachtet sieht man einen Trend. Trends zu folgen ist nicht schlecht, und jeder der drei vorgestellten Werber hat einen kleinen eigenen Twist. Da will ich also mal nicht alles Schwarz-Weiß betrachten und gebe einen von zwei Daumen nach oben.
In der Reihe fehlt jetzt nur noch eine Werkstatt-Serie, sollten wir mal mit unserem Freund Reifen Petkopoulos besprechen. (Fun Fact, hatten wir heute wirklich als Thema 😂)
Kampagnensalat: Zippo4ever
Wofür stehen Feuerzeuge von Zippo? Das weiß sogar ich als Nichtraucher: Sie gehen niemals aus. Bei Wind und Wetter, egal wann und wo auf dieser Welt, die Zippo-Feuerzeuge haben immer eine kleine Flamme für Dich. Anders ist es da in der Liebe, nicht selten erlischt die Flamme nach einigen Jahren. Dieses Bild macht sich nun Zippo zu eigen und startet eine Kampagne mit kleinen Clips, in denen eigentlich nichts passiert oder besser gesagt nichts mehr, denn das Feuer zwischen den Pärchen lodert nicht mehr.
Die geniale Botschaft, wie W&V schreibt: Es gibt eine Flamme, die ewig brennt. Und das ist die eines Zippo-Feuerzeugs. Ich mag die Idee, die Plakate, die Videos – zwei Daumen nach oben, ein Feuerzeug brauche ich trotzdem nicht.
OOH: Applaus für McDonald's
Marketingleiter von kleinen Brands können jetzt mal wegschauen. Aber wenn Du eine Bekanntheit nahe der 100 % hast, eine globale Marke bist, dann kannst Du einfach machen, was McDonald's gemacht hat: eine OOH-Kampagne ohne Logo, ohne Produkte, ohne Bilder, einfach nur angeordnet wie ein Burger geschrieben, was zu sehen sein sollte. Mega! Funktioniert, hat direkt meine Aufmerksamkeit und regt die Fantasie des Betrachters an, wie wohl sein nächster Burger aussieht. In der Einfachheit liegt so oft die wahre Klasse!