NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 35/2024 – KI für Ärzte, Retro-Trikots & Rossmanns HR-Coup

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Eine prall gefüllte Ausgabe: über 100 neue KI-Funktionen für Ärzte bei Epic, eine völlig autonome Eisdiele, Midjourney und die neuen Video-Tools, der Retro-Trikot-Boom als Millionengeschäft, Rossmanns starke HR-Kampagne, Nikes „Winning is winning" für die Paralympics und ein Lesetipp aus der brand eins über unseren Umgang mit Zeit.

KI-Corner: Ärzte aufgepasst!

Epic Systems, ein Star in der Gesundheitsbranche, hatte eingeladen und Tausende kamen nach Verona – das in Wisconsin, nicht das von Romeo und Julia. Die Macher verzauberten dabei die Besucher nicht nur mit verrückten Welten, sondern vor allem mit Ausblicken auf über 100 neue KI-Funktionen, die vor allem Ärzten und Patienten zukünftig helfen sollen. Die live vorgestellte Variante, bei der ein KI-Agent in Echtzeit Deine Fortschritte nach einer Verletzung bewertet, mit anderen Patienten vergleicht und Tipps für schnellere Genesung gibt, ist wohl noch weit entfernt, aber vor allem viele kleine KI-Hilfen stehen bereits in den Startlöchern. Der Arztbesuch der Zukunft könnte spannend werden.

Zum Bericht bei CNBC

Und was nutzen Ärzte heute schon? Zum Beispiel KI, um mit Hilfe von alten Aufzeichnungen die Stimme eines Hirnimplantat-Patienten wieder klingen zu lassen wie früher. Crazy!

KI-Corner: Deine Eisdiele

Du liebst Eis? Dann lies weiter, ich brauche Deine Meinung. Mir ist Dice Cream in die Hände gefallen. Der Prototyp für eine völlig autonome Eisdiele mit 144 verschiedenen Zusammenstellungen aus 12 Geschmacksrichtungen, verschiedenen Saucen und Toppings. Ob die Idee in Shopping-Malls, Stadien und Universitäten funktionieren kann, ich weiß es nicht, aber die gesamte Präsentation und das Video auf startengine.com ist wirklich klasse. Daran sollten sich viele Gründer mal ein Beispiel nehmen. Zahlen aufbereitet, Emotionen transportiert, den Use Case klar herausgestellt – allein deshalb überlege ich, das Minimum von 300 Dollar zu investieren. 265k Dollar sind schon im Topf, am 29.8. ist Schluss, mal sehen, was dann zusammengekommen ist.

Und vielleicht stellst Du Dir Deine persönliche Eisdiele auch einfach ins Wohnzimmer. Die Temperaturen laden ja gerade förmlich dazu ein.

KI-Corner: Midjourney Showcase

So ziemlich jeder in unserem Team liebt die Arbeit mit Midjourney. Um einmal zu zeigen, was seit dem letzten Update im Editor möglich ist, haben wir ein fast 2-minütiges Video aufgenommen.

Aus unserer Sicht der nächste Schritt nach vorne. Jetzt kannst Du also die Bilder nicht nur nahezu perfekt generieren, sondern auch direkt im Editor bearbeiten, bis Du das gewünschte Ergebnis hast.

Und arbeitest Du auch schon mit Midjourney? Oder welches Programm nutzt Du?

KI-Corner: Video

Kurzes Update, wo wir aktuell beim Thema Bild- und Video-Generierung sind? Schau Dir die Spots an, die durch Flux, Midjourney und Runway entstanden sind. Ich bleibe dabei: Ende des Jahres ist alles anders im Bereich Video!

Kampagnensalat: Fußball-Reise

Ich versuche das für alle Nicht-Fußballfans so kompakt wie möglich zu halten und fokussiere mich auf die Marketingaspekte. VERSPROCHEN!

Fangen wir an mit dem Retro-Trend bei Trikots, der gerade Adidas Millionen-Umsätze beschert, die Fans begeistert (in Schweden finden ganze Spieltage zum 100-jährigen Jubiläum der Liga in Retro-Trikots statt) und mich verzweifelt nach dem Juventus-Trikot suchen lässt. Retro ist einfach gerade in. Treiber dabei aus meiner Perspektive mehrere Faktoren. Nummer 1: der schon etwas ältere Blokecore-Trend, bei dem das Retro-Trikot in Kombination mit Jeans getragen wird. Ganz weit vorne: Travis Scott. Nummer 2: Marken und Vereine wie Kappa und Venedig haben verstanden, dass ein Trikot mehr sein kann als der Unterschied von elf Spielern auf dem Platz. Das Marketing darauf ausgerichtet, wird das Trikot quasi befreit vom Sportplatz und findet Einzug in alle Bereiche der Gesellschaft – vor allem Schule, Arbeitsplatz, Disco.

Und jetzt Adidas, Nike und Co. Adidas hat im 2. Quartal seinen Umsatz um 11 Prozent steigern können, setzt voll auf Nostalgie. Samba, Gazelle, SL72 – von Schuhen bis Trikot: Es geht in die Vergangenheit. Nike bringt ein Retro-Liverpool-Jersey auf den Markt und so geht es weiter.

Kurz eingeschoben: Der SL72 in Köln. OOH geht so gut, wenn man es schlicht hält. Könnte ich mir stundenlang anschauen.

Zurück zu den Trikots. Wer profitiert? Classic Football Shirts! Die machen mittlerweile fast 30 Mio. Dollar Umsatz bei einem Gewinn von 2,5 Mio. – mit Retro-Trikots!

Thema Adidas, Retro – da fällt mir Toni Kroos ein. Sein Spielstil ist bisschen Retro, seine Schuhe seit Jahrzehnten nicht mehr gewechselt und seine Frisur ist auch aus einem anderen Jahrzehnt. Der startet jetzt gemeinsam mit Freenet eine Kampagne für seine Icon League. Ich bin gespannt. Baller League, Icon League, Kings League! Mal sehen, wo das den Fußball hinführt. Ach ja, noch zum Spot: Der ist ok! Mehr auch nicht.

Kampagnensalat: Rossmann, mehr geht nicht!

Ich bin ein bisschen neidisch. Ich gebe es zu. Gerne wäre ich auf die Idee von Rossmann gekommen. Authentisch, emotional, wertschätzend, aber auch informativ. Was meine ich?

Bei der HR-Kampagne „Miteinander jeden Tag besser machen" lesen Mitarbeiter wirklich schöne Botschaften vor, dann erfahren sie, welcher Kollege diese Nachricht geschrieben hat. Die Message ist klar: Miteinander ist das Arbeiten schöner, hier hast Du tolle Kollegen. Dabei wurde natürlich darauf geachtet, möglichst vielschichtig Berufsgruppen und Menschen zu zeigen, die für Rossmann arbeiten. Ob gespielt oder echt, bei mir hat es gewirkt.

Die passende Landing Page ist super, informativ, gibt Einblicke, greift die Personen auf – das ist wirklich von hinten bis vorne durchdacht. Übrigens auch durchdacht der Auftritt von Rossmann bei der Gamescom. Hier gewinnt man den Nachwuchs, kleine Aktionen machen die Gäste neugierig.

Durchweg Lob. Und ich gehe zum Rossmann unter uns und erfreue mich daran, dass ich der Einzige bin, der die Selbstbedienerkassen versteht.

Kampagnensalat: Winning is winning

Eigentlich war der Snack schon durch, dann habe ich die Nike-Werbung für die Paralympics gesehen und dachte mir, der Spot muss mit.

„Winning is winning", nicht „dabei sein ist alles". Wie schon bei „winning isn't for everyone" entsteht eine spannende Diskussion. „No more finding your greatness or just doing it? Now, do I need to win to wear Nike?", schreibt ein User. Ich finde die Kampagne gut. Mit mir macht das was. Warum sollte es für die Sportler bei den Paralympics anders sein? Sie trainieren hart, teils jahrelang unter noch viel schwierigeren Bedingungen als die Kollegen bei den Olympischen Spielen. Natürlich wollen sie gewinnen, natürlich wollen sie eine Medaille, warum soll man das nicht mal aussprechen?

Ich denke nicht, dass Nike damit sagen möchte, dass die Teilnahme an sich kein Erfolg ist und dass nicht alle Sportler Sieger sind, aber es ist nun mal so, dass man am Ende ganz oben auf dem Treppchen stehen will. Alle Daumen hoch, Nike. Allein, weil so eine Diskussion angestoßen wird und auch die Paralympics mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Lesetipp: Tick, Tick, Tick

Samstagmorgen, 6 Uhr, normal meine Zeit, um gehetzt Tickets abzuarbeiten und meine To-do-Liste abzuhaken. Normal. Denn manchmal will es der Zufall oder der liebe Gott, dass einem andere Dinge in den Schoß fallen, wie zum Beispiel der Artikel im Magazin brand eins mit der Überschrift: „Menschen, die nicht gehetzt wirken, gelten als suspekt."

Die Überschrift hat mich gepackt und das Interview mit dem Arbeitsforscher Hans Rusinek ist ein echter Lesetipp – einfach nur, weil er Arbeitswelten und vor allem den Umgang mit Zeit aus einer anderen Perspektive beleuchtet.

Ein paar Zitate, um Dich anzuregen, den Text zu lesen und Dir dann auch die Zeit zu nehmen, darüber nachzudenken:

„Je gehetzter wir sind, desto radikaler entscheiden und handeln wir."
„Wir brauchen mehr Zeitdiversität: reflektionsarme Phasen des Abarbeitens und reflektionsreiche Zeiten, in denen wir Lösungen erarbeiten."

Und zur 4-Tage-Woche:

„Arbeit wird nur noch mehr verdichtet. Ich nenne das die Effizienzfalle."

Meine Erkenntnis: Wenn Rusinek sagt „Wir brauchen daher Menschen, die aus der Gehetztheit ausbrechen und sich fragen: Wie können wir regenerative Arbeit ermöglichen?", dann bin ich – leider – der falsche Ansprechpartner. Das Interview solltest Du dennoch gelesen haben.

Snacktüte: Von Nike bis Otto – alles dabei!

Kostner in der BVG? Legos Koop mit Nike oder Ottos limitierte Sneaker zum 75. Geburtstag inkl. Ottifanten? Na, wie hättest Du Dich entschieden?

Ich mache es mal kurz und schmerzlos. Die Kooperation von Nike und Lego ist für beide Brands ein Nobrainer, allein die Kids schon so früh an die Marke Nike heranzuführen, das schmilzt sich ins Gedächtnis und gibt einen leichten Vorsprung gleich zum Start gegen Adidas und Co.

Bei Kevin Kostner in der BVG ist der heimliche Star die Busfahrerin, Highlight wäre, wenn sie im echten Leben wirklich Bus fahren würde. Ihre Mimik und Gestik – einfach cool. Der Rest ist ok, für BVG-Verhältnisse aber fast ein bisschen lahm.

Und Otto? Die Marke wird 75 und feiert das mit keinem Geringeren als dem Komiker Otto und Adidas. Gemeinsam gibt es eine streng limitierte und auch hart langweilige Auflage eines Sneakers für 75 EUR. Alles durchdacht mit QR-Code auf der Schnalle, exklusiven Gewinnspielen, coolen Videos mit Otto. Aber was bleibt, ist am Ende des Tages ein ziemlich langweiliger Sneaker einer Marke, die sich ja vor allem selbst feiert.

So schnell geht's, alle drei abgefrühstückt, Snack ist durch!

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.