NewsSnack-Archiv · 2022

NewsSnack KW 08/2022 – KI per WhatsApp, Werbung im Metaverse und TikTok goes Out-of-Home

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2022

Aus dem Archiv Dies ist die allererste Ausgabe meines wöchentlichen Marketing-Newsletters – kurz, knapp und snackable. Mit dabei: eine KI, die per WhatsApp Corona-Infektionen erkennt, die ersten Werbeflächen im Metaverse und TikTok, das seinen Sprung in die Out-of-Home-Welt startet.

KI vs. App – WhatsApp soll Corona-Infektionen erkennen

„IATos ist eine vielseitige und kostengünstige Lösung, die ein innovatives Werkzeug für die Teststrategie der Stadt darstellt", teilt Buenos Aires mit. Wir sprechen hier von einer KI, die per WhatsApp erkennt, ob der Husten aus der gesendeten Sprachnachricht mit den Vorlagen bereits infizierter Patienten übereinstimmt. Im Anschluss bekommt man gesagt, ob man lieber einen Selbsttest machen oder ein Testzentrum besuchen sollte. Auf ihrer Website spricht die Stadt von einer 86-prozentigen Trefferquote. Ist das nicht der Wahnsinn?

Die KI wurde im Vorhinein mit etwa 140.000 Audiodaten von Personen mit positiven wie negativen PCR-Testergebnissen gefüttert. Ein erster Praxistest lieferte gute Ergebnisse: Bei rund 2.700 Aufnahmen riet die Software 554 Menschen dazu, einen Covid-Test zu machen. Davon waren 436 Leute auch wirklich mit Corona infiziert. Somit könne die KI dazu beitragen, die verfügbaren Testkapazitäten effizienter zu nutzen.

Währenddessen werden in Deutschland weitere 50 Millionen Euro in die Corona-Warn-App investiert. Schon jetzt hat die Bundesregierung mehr als 130 Millionen Euro für die App ausgegeben und damit deutlich mehr als andere Länder, die bei der Kontaktnachverfolgung ähnlich funktionieren. Die App soll mit verbesserter Kontaktnachverfolgung und weiteren Features ausgearbeitet werden.

Doch ist die Lösung des Problems wirklich, das Geld der Steuerzahler in eine App zu investieren?

Uni- oder Metaverse: Werbeflächen in einer neuen Welt

Mit Werbeflächen, die wir digital oder gedruckt nutzen, um unsere Kunden – vielmehr unsere Zielgruppe – zum Kauf anzuregen oder dazu zu bringen, bei uns zu arbeiten, haben wir bereits eine große Bandbreite an Möglichkeiten. Diese sollen nun erweitert werden: Werbeflächen im Metaverse wie die vor der Haustür oder am Bahnhof. Für Werber ist der Anteil von 11 Prozent der Deutschen, die bereits ein Metaverse nutzen, interessant – die Zielgruppe ist männlich und jung.

Das Metaverse ist für viele von uns noch nicht ganz greifbar. Surreal. Doch wenn wir den Punkt „das ist doch alles Zukunftsmusik" mal streichen und uns vorstellen, was wir alles tun könnten: Knapp die Hälfte aller Befragten, die sich die Nutzung eines Metaverse vorstellen können, beantworten das mit Reisen, Spielen oder sogar Fort- und Weiterbildungen. Gerade der letzte Punkt könnte für jeden, der denkt „ich kann das nicht", neue Türen öffnen.

Jeder von uns hat schon einmal einen Artikel im Internet bestellt, auf Werbung reagiert, die auf Websites integriert ist, oder einen Film gestreamt, um sich den Gang ins Kino zu sparen. Die digitale Welt bekommt für uns Menschen eine immer wichtigere Bedeutung. Soziale Interaktion, Kunden- oder Mitarbeiter-Akquise, Lehrgänge, Informationsfluss ohne Ende und an jeder Ecke – das alles verpackt in einer eigenen Welt, in der man ein- und austreten kann. So wie es 1982 schwierig war, sich vorzustellen, wie das Internet im Jahr 2020 aussehen würde, so wissen wir auch nicht wirklich, wie wir das Metaverse einordnen sollen.

Vorstellung ist das eine, Umsetzung eine andere. Es gibt noch viele offene Fragen: Wer soll dieses Metaverse bauen, pflegen, und wer kann entscheiden, was geht und was nicht? Festhalten kann man allerdings die Ziele: eine voll funktionsfähige Wirtschaft, grenzenlose Kompatibilität von Daten, digitalen Gegenständen, Inhalten oder Erlebnissen.

Wir sind auf jeden Fall gespannt, ob wir in ein paar Jahren als Avatare durch die Karibik schwimmen, Shooter hautnah erleben oder doch einfach nur durch Geschäfte in virtuellen Malls bummeln, während wir in Wirklichkeit auf dem Sofa liegen.

Eyes on Expansion: TikTok – Trash oder Future?

Ob man es selbst nutzt oder nicht – man kommt nicht daran vorbei, darauf aufmerksam zu werden. TikTok zählt zu den größten Social-Media-Plattformen des Erdballs. Vielen nur als App auf dem Handy bekannt, sorgt die Plattform nun für neue Anreize in der Verbreitung von Videos im Out-of-Home-Bereich. TikTok schloss einen Vertrag mit dem Streaming-Anbieter Atmosphere, der Zehntausende TikToks für Bildschirme in 18.000 Restaurants, Bars, Fitness-Studios oder Arztpraxen verwalten wird. Rund 20 Millionen Besucher pro Monat sollen erreicht werden.

Isaac Bess, Journalist, ehemaliger Plattenlabel-Chef und digitaler Vertriebshändler, sagt: „Es gibt einen Platz für die erstaunlichen Videos der TikTok-Community auf jedem Bildschirm der Welt." Erste Pilotprojekte in Europa, Großbritannien, den USA und Korea sind eingeführt, weitere Expansionen für 2022 geplant.

Die Frage, die man sich stellt, ist: Was wird auf den Endgeräten ausgespielt, wenn jede For-You-Page nach einem individuellen Algorithmus bestimmt wird? Was du konsumierst, wird dir gezeigt. Kann das also für die breite Masse in öffentlichen Räumen funktionieren? Bess sagt: „Wir nehmen die Daten aus jedem dieser Pilotprojekte und skalieren sie global." Die TikToks werden an den Ort angepasst (Restaurant oder Fluggesellschaft), oder man versucht, die demografischen Daten derjenigen zu ermitteln, die diese Orte am ehesten besuchen.

Was denkt ihr dazu: Können zielgruppenorientierte TikToks die Sportschau auf dem TV im gutbürgerlichen Restaurant ersetzen? Verbringen wir demnächst Langstreckenflüge mit TikTok-Dauerschleifen oder doch lieber mit einer zuvor heruntergeladenen Serie von etablierten Streaming-Anbietern wie Netflix und Co.?

LinkedIn: Influencer abseits von Instagram

Weltweit nutzen es 700 Millionen Menschen als Spielfeld für Job-Kontakte. Die digitale Kontaktbörse LinkedIn kann aber noch viel mehr, als nur Menschen miteinander zu vernetzen. Was einst Facebook für den privaten Gebrauch mit Fotos aus Haus, Garten und dem Leben war, ist LinkedIn jetzt für den Businessbereich. Zoran Katic schreibt auf t3n: „Eines schon mal vorweg: Offenkundige Eigen-PR hat auf dem Portal nichts verloren. Texte sollten dem Leser im besten Fall News, Nähe oder Nutzwert bringen. Das Netzwerk will aktuelle Geschichten zu innovativen Themen, die neue Denkanstöße und Blickwinkel liefern."

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2022. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.