NewsSnack-Archiv · 2023

NewsSnack KW 33/2023 – OOH satt, Lob für Eurowings & ein KI-Corner

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2023

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. Hier findest du meine Beobachtungen aus KW 33/2023 – ein Promotion-Lehrstück auf Netflix, viel Out-of-Home, Employer Branding der Stadt Köln, Deichmann und ein KI-Corner.

Doku-Tipp: Jake Paul – ein Lehrstück in Promotion

Eine Stunde und zehn Minuten, die du investieren musst, wenn du gleich mehrere Welten verstehen willst. Jake Paul, das Problemkind: oft gehasst, brauchte keine Netflix-Doku, um bekannt zu werden. Aber sie ist ein weiterer Meilenstein für den jungen Mann, dessen Leben eine Achterbahn ist, die selbst Hollywood nicht besser skripten könnte. Dem Zuschauer gibt sie tiefe Einblicke in die Entwicklung vom Dorfjungen zum Medienstar.

Ins NewsSnack schafft er es, weil er eines versteht wie kein Zweiter: Promotion. Nur so konnte er dem schlafenden Boxsport Leben einhauchen, Millionen „Pay per View"-Tickets für eher unbedeutsame Kämpfe verkaufen und mit unkonventionellen Methoden plus Social-Media-Reichweite eine Marke aufbauen, vor der selbst die Größten der Szene (Mike Tyson) Respekt zollen. Muss nicht am Samstagabend sein – heb dir die Doku für einen verregneten Herbst-Dienstag auf. Danach begreifst du die Social-Media-, die Box- und die Promotion-Welt ein Stück besser. Und du lernst sogar Jake Paul besser kennen; verstehen kann man ihn wohl eher nie.

OOH: Coca-Cola × Tomorrowland leuchtet in Köln

Die Agentur Outframe Werbemedien setzte für die Kooperation zwischen Coca-Cola und Tomorrowland ein leuchtendes Riesenposter in Köln um. Auf der Ehrenstraße brachte der Hamburger Werbedienstleister zwei 3D-LED-Dosen (ganze drei Meter groß) und eine LED-Animation auf einem vier Meter hohen Leuchtkasten an. Und passend zum Festivalfeeling blieb es nicht beim einfachen Leuchten – in der OOH-Attraktion versteckt sich ein LED-Stripe-Feuerwerk.

Die Umsetzung ist super, passend zu beiden Partnern und schön anzusehen. Noch besser gefällt mir aber das Making-of, das von der Idee bis zum finalen Werk teilhaben lässt. Good Job, Outframe! Zum Projekt bei Outframe

OOH: Endlich mal Lob für Eurowings – „Dat kann mer jo kaum jläuve"

Bei Eurowings hagelt es bei mir sonst meist Kritik. Nicht dieses Mal. Die neue Kampagne trifft den Kölschen mitten „et Hätz": coole kölsche Sprüche, die passen und an vielen Orten in Köln für Gesprächsstoff sorgen. Der Blick auf den Dom wird zur „Dom Rep", der Flieger zur „Kölner Highe" – TOP!

Nutzen wir das für ein bisschen Heimatkunde, angeblich werden wir ja auch außerhalb von Köln gelesen: Himmel un Ääd ist ein rheinisches Gericht aus Kartoffelpüree, Apfelmus und Blutwurst. Mein bestes gab's übrigens im Bieresel.

OOH: Greenforce – mit Hass in die Werbung

Hate-Kommentare für Kampagnen zu nutzen, ist nicht neu – vor einigen Monaten hatten wir die Telekom im NewsSnack, die im TV-Spot Hasskommentare gegen FC-Bayern-Stars vorlesen ließ. Greenforce macht es über OOH. Und auch wenn's nicht neu ist: Die Umsetzung ist gut, die Aufmerksamkeit garantiert, und die Kombination aus POS-Marketing und Live-Verkostung rundet die Kampagne ab.

„Durch kreatives Umdenken haben wir eine ursprünglich negative Botschaft in ein positives Ergebnis verwandelt. Unsere Bestseller-Produkte haben deutlich an Bekanntheit gewonnen." — Tanja Geser, Senior Retail Marketing Managerin bei Greenforce

Glückwunsch! Zum Bericht bei W&V

DOOH: Sehr schlau, Hexal – Werbung mit dem Pollenindex

Du erinnerst dich an meinen Text zur Langnese-Werbung an Bushaltestellen im Regen? Mein Wunsch damals: Nutzt DOOH mit all seinen Möglichkeiten und steuert die Werbung nur aus, wenn es über 20 Grad warm ist und die Sonne scheint. Hexal hat im Frühjahr genau so geplant. Mit Datentriggern wurde die perfekte Zielgruppe erreicht: Pollenflugindex und Standort berücksichtigt, Menschen mit Heuschnupfen in der Nähe von Apotheken angesprochen – und im Werbemittel zeigte ein Pollenindex-Barometer die Warnstufe für die jeweilige Stadt. Sehr schlau!

Leider gibt es im Best Case von WallDecaux keine Zahlen zu Absatz und Markenbekanntheit. Wäre spannend gewesen, ob nur wir Marketing-Leute das cool finden oder ob es auch wirkt. Zum Best Case bei WallDecaux

Employer Branding: die Kölnmacher*innen der Stadt Köln

Mit Ü50 als Quereinsteigerin noch einmal neu durchstarten? Diese Headline eines LinkedIn-Posts der Stadt Köln hat mich neugierig gemacht – so bin ich auf „die Kölnmacherinnen" gestoßen. Oft kritisiere ich die Stadt Köln, aber hier: Respekt. So geht Employer Branding. Persönliche Geschichten der Mitarbeitenden in Wort und Bewegtbild, die über alle Social-Media-Kanäle funktionieren.

Die Geschichten sind authentisch und zahlen auf verschiedene Zielgruppen ein – etwa Werner, der mit 59 noch Quereinsteiger wurde: früher Gastronom und Lkw-Fahrer, heute fürs Ordnungsamt im Kölner Süden unterwegs. Genau so geht's. Witzig auch das kleine „Schon gewusst?" mit Fakten wie „Unsere Verkehrsüberwachungskräfte machen 15.000 bis 18.000 Schritte am Tag – Fitness-Abo überflüssig!". Daumen hoch!

Kleine Anmerkung: Das i-Tüpfelchen wäre eine eigene Aktionsseite auf den Social-Media-Kanälen gewesen. Das Thema kann über Jahre tragen – so gehen die Posts zwischen vielen anderen auch mal unter. Zur Kampagne

Deichmann & die Bundesliga-Kollektion

Eigentlich hätte es Deichmann mit der neuen Fußball-Kollektion nicht ins NewsSnack geschafft – Fußballthemen haben es bei uns schwerer geworden, und die Kampagne finde ich maximal durchschnittlich. Im Zentrum stehen Schuhe, Outfits und Taschen von Bayern München und Borussia Dortmund. Optik ist völlig okay. Aber warum lässt Deichmann die Kids im Video mit den Schuhen Fußball spielen? Das sind keine Fußballschuhe. Es geht um Freizeit, ums Bekenntnis zum Verein in der Schule. Da hat der Schuhhändler aus meiner Sicht Chancen liegen lassen.

Ein Lob gibt's dennoch: Durch die Kooperation kann sich die breite Masse mal wieder mit Fan-Utensilien eindecken – als günstigere Alternative zu den offiziellen Trikots. Viele Fans geben ihr letztes Hemd für die Vereine; da finde ich eine bezahlbare Alternative absolut in Ordnung.

KI-Corner: Horizont sieht den falschen Wettkampf

„Talentierte Kreative werden gute KI schlagen und gute KI schlechte Kreative." Dieser Satz stand bei Horizont in einem Artikel mit 40 Trends und Thesen zur Zukunft der Marketing- und Medienwelt. Ich bin drüber gestolpert, habe den Rest gelesen, bin zurück und habe ihn noch einmal gelesen.

Was mich stört? Das Gegeneinander, der Wettkampf zwischen Mensch und Maschine. Ich halte die Aussage für falsch. Der talentierte – besser: der smarte, wissbegierige – Kreative wird KI-Tools für sich nutzen. Er gewinnt Zeit, produziert mehr Ideen, baut Wissen auf, erweitert seinen Horizont. Und er weiß, dass er sich auf gar keinen Wettkampf einlassen muss. Was macht die „gute" KI? Die kümmert sich nicht um menschliches Wetteifern und wird einfach von Tag zu Tag besser. So wie wir in der 923b: mit Neugier und Mut, mit ChatGPT, Midjourney und Co. als Wegbegleitern.

Kleine Anekdote zum Symbolbild – Prompt: „Take a realistic photo of a talented creative person". Da schienen Männer keine Rolle zu spielen.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2023. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.