Burger King macht Weihnachten zum Katertag
Der Tag nach der Weihnachtsfeier, gefüllt mit Kopfschmerzen und peinlichen Erinnerungsfetzen, besteht meist aus Heißhunger auf fettiges Konter-Essen. An dieser Stelle kommt Burger King ins Spiel und setzt die neueste Kampagne für alle Katernden und leicht Beschämten auf.
Wir kennen ihn doch alle, den Moment, wenn man am Tag nach der Party das Handy checkt und feststellt: Einige der zuletzt gesendeten Nachrichten stammen von einem betrunkenen Alter Ego, welches nicht unbedingt der nüchternen Version im Alltag oder Arbeitsleben entspricht. Wenn du dieses Gefühl nicht kennst, hast du noch nie richtig gefeiert.
Burger King trifft für mich hier einen Nerv, der witzig umgesetzt ist und das Sündigen bei der Fastfoodkette ins passende Licht rückt. Zwei Daumen nach oben!
Die perfekte WM – eine Chance für den Frauenfußball
Deutschland, die Niederlande und Belgien bewerben sich gemeinsam für die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2027. Unterstützt von der Agentur We Are Era wurde ein Film dazu produziert, in dem ein kleines Mädchen von ihrer perfekten WM träumt.
Wie unterschiedlich doch Träume sein können. Während im Spot die Macher (nicht das Mädchen, da bin ich mir sicher) von einer nachhaltigen WM in drei Ländern träumen, bei der alle Fans zusammen feiern, lasse ich mal meine Gedanken kreisen: Bezahlbare Eintrittspreise, faire Vergabe, Ausrichter entweder Argentinien oder Italien, epische Fußballmomente wie die Spiele Italien – Deutschland (1970, 1982, 2006), neuer, moderner Offensiv-Fußball, die Fußballer tragen ausschließlich schwarze Schuhe und die Stimmung ist eine Mischung aus El Monumental, Bombonera, San Siro und Celtic Park. Dazu ein Panini-Heft voller Stars, Sticker, die man sich erspielt und nicht einfach kauft. Man lernt vorher alle Spieler auswendig und wird dann überrascht von No-Names, die das Turnier erst groß machen: Grüße gehen raus an Roger Milla und Toto Schillaci. Beim Spiel „Hoch eins" an der Mauer ist man wahlweise Gullit, van Basten, Hugo Sánchez oder Matthäus.
Wenn ich das so schreibe, merke ich erst, wie sehr mich der Fußball an der Spitze heutzutage ankotzt. Deshalb glaube ich nach wie vor: Die große Chance für den Frauenfußball ist an dem Punkt anzusetzen, an dem die Mächtigen im Herrenfußball sich von dieser Erde verabschiedet haben – und nicht zu versuchen, gleich mitabzuheben.
Lay's mixt den Messi-Mate
Letzte Woche gab es noch Chips statt Kekse für den Weihnachtsmann, diese Woche haben wir die Messi-Mate-Special-Edition von Lay's. Ob die schmeckt? Keine Ahnung, Lay's-Chips zählen generell nicht zu meinen Favoriten. Aber zwei Sachen fallen auf: Im Marketing macht der weltweit führenden Chips-Marke keiner was vor. Gratis-Tüten vor Champions-League-Spielen (hier ist Lay's einer der Hauptsponsoren), immer neue Ideen für Geschmacksrichtungen und die Kooperation mit Lionel Messi – hier treffen sich die Besten der Besten.
Und wenn wir uns alle mal die Frage stellen, ob sich die vielen Millionen für Testimonials eigentlich lohnen, ist die Messi-Edition ein schönes Beispiel. Likes über den Instagram-Account von Lay's für den Post der neuen Kreation: 9.198. Und wie viele Likes hat Messi für den identischen Post auf seinem Kanal? Nahezu 2,5 Mio. Diskussion beendet!
Kleine Randnotiz, weil es mir bei der Recherche aufgefallen ist: Bereits 1944 hat Lay's als erster Snackhersteller die Kartoffelchips im TV beworben.
Vodafone lässt tanzen
Ein tanzendes Mädchen wirbt für Glasfaser von Vodafone. Ich empfinde den Spot als angenehm; was das mutige und selbstbewusste Umhertanzen des Mädchens mit Glasfaser zu tun hat, erschließt sich mir nicht so ganz. „So viel mehr als nur ein Netz" scheint also wirklich mehr zu sein als eine Internetleitung.
In der Beschreibung auf YouTube wird das Tanzen dann erklärt: Es steht für die Freude, nach Hause zu kommen. Spannend! An dieser Stelle gibt es weder einen Daumen nach oben noch nach unten – ein ganz unemotionales kurzes Kopfnicken muss hier reichen.
OOH: Neue Eltern auf Bestellung? Die Netflix-Kampagne
Samstag, Spaziergang durch die Kölner City. Was fällt auf? Zu viele Menschen auf zu wenig Platz, viel zu viel Hektik für die Adventszeit, lange Schlangen vor den Weihnachtsmärkten. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Mir geht es um die Netflix-Werbung kurz vor Weihnachten, die ich auf den digitalen Stelen von Decaux sehe. Mit verschiedenen Motiven werde ich als Zielgruppe angesprochen, die ihren Eltern Netflix kauft, damit man Eltern mit Netflix hat. Dabei kommen mir zwei Gedanken parallel. Der eine, der richtige, ist der dominante Gedanke: Du hast neue Gesprächsthemen, deine Eltern können auch im Rentenalter noch cool sein und über Serien der jüngeren Generationen diskutieren.
„Die Idee hinter dem Auftritt: Junge Erwachsene haben selbst eine Menge davon, wenn sie ihren Eltern Netflix schenken. Sie bekommen dadurch spaßhabende, weltoffene Mütter und Väter", schreibt Horizont. Flo Hoffmann, Brand & Portfolio Manager bei Netflix, machen dabei zwei Dinge stolz: „Zum einen zeigen wir mal ältere Menschen außerhalb von Pharmawerbung und keine typisch fröhlichen Mittzwanziger. Und zum anderen lassen es unsere starken Inhalte zu, sie nur als Zitate zu präsentieren – und dennoch klar rüberzukommen."
Stimmt alles, aber ich möchte auch kurz meinen zweiten Gedanken loswerden: Schenk deinen Eltern Netflix. Und dir Eltern mit Netflix … damit du sie los bist. Vor allem für nicht so serienfeste Menschen könnte das bei dem Bild der Frau vor dem Schachbrett passieren. Keine Lust mehr auf Schach mit deiner Mutter? Dann schenk ihr Netflix. Ich möchte nicht das Haar in der Suppe suchen, denn die Kampagne fällt auf und ist super umgesetzt, vielleicht sind das auch alles nur meine Grenzen, aber der Gedanke war da, also möchte ich ihn auch teilen. Was meinst du?
OOH: Aldi will den Kölner Himmel verändern
Gut gemeint, mittelmäßig umgesetzt, aber vor allem kaum Anwender – was meine ich? Vor dem Kölner Dom hängt ein Riesenposter von Aldi. Die Botschaft an hunderttausende Passanten an diesem Tag ist klar: Scanne den QR-Code und erwecke den Himmel zum Leben. All das in Nähe zum Dom, garniert mit der Subline: Mehr himmlische Köstlichkeiten bei deinem Aldi Süd. So weit, so gut. Ich habe den QR-Code gescannt, ein „Ho-ho-ho" und ein paar Schneeflocken später war das Vergnügen auch schon wieder vorbei.
An dieser Stelle kostet das Riesenposter knapp 100k Euro für einen Monat, da hätte ich mir an Stelle von Aldi ein bisschen mehr einfallen lassen. Gefühlt interessiert das aber eh keinen, so zumindest meine Beobachtung, gestützt von der Aussage meines Sohnes: „Du bist auch der Einzige, der sich hier hinstellt und den QR-Code scannt." Hmm, kann sein …
KI-Corner: No KISS, no fun! – digitale Avatare und der Abschied
Die Unsterblichkeit. Dazu gibt es Filme, Wünsche, Fantasien und immer neue Gedanken. Was treibt den Menschen an, unsterblich sein zu wollen? Für mich wäre das eher ein Horror-Szenario. Alles und jeder hat seine Zeit hier auf Erden, und danach … gut, da hat auch jeder seine Meinung zu.
Der ein oder andere Künstler möchte die „normalen" Regeln allerdings außer Kraft setzen. Und einige Technologien bieten sich heutzutage an, das Künstlerleben zu verlängern, auch wenn die Knochen oder der Geist nicht mehr wollen. So auch bei KISS – 50 Jahre Bandgeschichte sind nicht genug. Beim letzten Konzert der Abschiedstournee in New York wurden digitale Avatare vorgestellt, die das nächste Kapitel der Band einläuten sollen. Ich bin wahrlich kein Mensch, der nicht mit neuen Technologien geht. Ich liebe Fortschritt. Aber da bin ich raus. Ich hätte alles für ein Live-Konzert von Lucio Battisti gegeben, aber er ist halt tot. Warum soll ich mich jetzt an seinem Avatar erfreuen?
Das sehen übrigens immer mehr Trauernde in China anders. Sie bauen Avatare von Verstorbenen, um so über ihren Tod hinwegzukommen. So äußert sich in einem Artikel ein Vater: „Sobald wir die Realität und das Metaversum synchronisieren, werde ich meinen Sohn wieder bei mir haben."
Ich weiß nicht … alles ein bisschen abgedreht. Dazu passend ein paar Schlagzeilen der letzten Woche, die ich bei AI Peanuts gelesen habe:
- KI aus lebenden, menschlichen Gehirnzellen erkennt Sprache.
- Supercomputer, der das gesamte menschliche Gehirn simuliert, wird 2024 aktiviert.
- Khan-Academy-Gründer sagt, KI-„Coaches" werden bald Essays für Lehrer einreichen, anstelle von Schülern.
- Metas KI für Ray-Ban-Smartbrillen kann Objekte erkennen und Sprachen übersetzen.
Zum Bericht bei Business Insider
Socials: Threads – das neue X
Ich mache es mir einfach, das gleich vorweg. Ich habe mir zu Threads, dem X-Killer aus dem Hause Meta, einiges durchgelesen. Aber erstens hat Roland Eisenbrand für OMR alles Wichtige zusammengefasst, und zweitens ist es wie bereits Twitter nicht meine Plattform. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber diese Plattformen schaffen es nicht auf meinen Start-Bildschirm. Bei 141 Mio. registrierten Nutzern sollten wir trotzdem dazu berichten.
Socials: Lob für Adidas – jede Kachel eine Story
Wie sieht eigentlich die Werbung der Zukunft – ach was sag ich – der Gegenwart aus? Power.ai zeigt einen komplett KI-generierten Spot von Adidas auf Instagram. Ob er real oder fake ist? Bei Adidas habe ich ihn nicht gefunden. Machbar ist der Spot aber mit den heutigen Tools easy, dazu braucht es nicht mehr viel Know-how.
Bei der Suche nach dem Spot auf Instagram bin ich im Feed von Adidas hängengeblieben. Jede Kachel eine coole Geschichte – und zwar von Menschen. Dieser Feed wäre früher ein Magazin gewesen, in dem es nur so von Menschen und ihren Storys gewimmelt hätte. Jedem Leser, der mit Marketing zu tun hat, sei dieser Feed ans Herz gelegt.