Verkehrte OOH-Welt: Ein Reisebericht aus Graz
Drei Tage Graz, neuer Flughafen, neue Stadt, neue Menschen: Mal sehen, was geht, dachte ich mir. Ich liebe es, Städte durch eine Marketing-Brille zu erkunden, die ich noch nie gesehen habe. Los ging es direkt nach der Landung. Flughafen: immer ein Ort, der Marketing-Menschen das Herz höherschlagen lässt. Nicht in Graz. Hier ist eher OOH-Detox angesagt. Kein Wunder bei 10 Flugzeugen, die hier laut Aussage des Taxifahrers täglich landen. Kurz enttäuscht, finde ich das gar nicht so schlimm, mal nicht komplett erschlagen zu werden. Ab ins Hotel und schnell die erste Ecke der Stadt erkunden. Was fällt auf? Lieblose Anzeigen auf der DOOH-Fläche am Stadion und der Messe, schnelle Wechsel der Spots – ich möchte den Werbetreibenden zurufen: kann man machen, ist halt sch… Förmlich erschlagen wird man von analogen Plakatflächen, fast wie die alten Anzeigenfriedhöfe in den Tageszeitungen. Puh, ganz schön hart und nicht zuträglich für das Stadtbild.
Aber es war ja erst Tag 1, an Tag 2 schlägt die Stadt zurück. Bei meinem Spaziergang zum Termin entdecke ich einen kleinen Stadtstrand, im Sommer bestimmt nett. Und was sehe ich dann: „Schau auf Graz" steht an den Mülleimern. Mir gefällt das. Wir sollten alle mehr auf unsere Städte „schauen" oder sogar achten. Dazu ein grünes Herz, meine Aufmerksamkeit ist gewonnen, ich scanne den QR-Code und lande auf der Schau-auf-Graz-App. Neben vielen anderen Projekten geht es hier darum, Orte bei der Stadt zu melden, an denen etwas kaputt ist, viel Müll liegt oder Dinge erneuert werden müssten. Erinnert mich an „Mangelhaft" vom Kölner Stadt-Anzeiger.
Auf dem Rückweg erhasche ich dann mitten in der Plakatwüste an einer Ecke einen Satz, der mich hat nachdenken lassen: „Wie geht es dir wirklich?" Dahinter verbirgt sich die Seite gleichbesser.at. Diese liefert Experten für viele Lebenslagen und vor allem Rat für Menschen, die zwar die Frage „Wie geht's dir?" mit „gut" beantworten, aber eigentlich Hilfe brauchen. Wichtiges Thema, gute Seite, aber leider so schwer zu lesen auf dem Plakat. Lasst den Schatten weg.
Und was gab es noch? Auf jeden Fall keinen Bäcker auf 2,5 Kilometern. Das könnte dir in Pulheim nicht passieren, da gibt's 5 auf 500 Metern. Dafür einen fantastischen Espresso beim Termin, spannende Gespräche mit sehr netten, zuvorkommenden, hilfsbereiten, dankbaren und schlauen Menschen.
Graz, ich komme wieder! Gibt bestimmt noch ein paar Ecken, an denen keine Plakate hängen …
Aldi Nord × Laura Larsson: „Verzettelt"
Laura Larsson ist Podcasterin, zeigt sich auf TikTok und Instagram mit unterhaltsamen Videos, wirkt bodenständig und ist witzig. Aktuell tourt sie durch Deutschland mit ihrer Weihnachtsshow. Grandios, wie passend die Kooperation mit Aldi Nord hier gewählt und umgesetzt wurde.
Laura schaut sich Kassenzettel im mehrteiligen Video-Format „Verzettelt" an und erstellt anhand der eingekauften Sachen ein Profil des Kunden. Dabei kommen natürlich die verrücktesten Gedanken zustande, die das Testimonial humorvoll und sympathisch verpackt. Am Ende wird aufgedeckt, wer wirklich hinter dem Einkauf steckt.
Kommentare wie „Ihr seid einfach die Besten!" zeigen, dass ich nicht der Einzige bin, der sich davon unterhalten fühlt. Trotzdem sind die Zahlen bei TikTok eher mau im Vergleich zu dem TikTok über Louis' (man weiß nicht, wer er ist) Einkaufsmomente. Auf Instagram kommen die Videos besser an: Das erste Video hat ganze 161.000 Views, wurde vielleicht auch aktiv beworben, die bisher gefolgten liegen aber nicht unter 16.500 Views. (Louis hat hier 622.000 Views.)
Ich gebe der Kampagne trotz unlesbarer Zahlen vier Daumen nach oben und verbleibe mit der Frage: Wer ist eigentlich Louis?
DYN: Nichts für reine Fußballfans – und genau das ist gut
DYN. Großer Sport, großes Angebot, große Werbung. Der neue Sender für Menschen, bei denen Sport nicht bei Fuß anfängt und bei Ball aufhört. Handball, Tischtennis, Hockey und Basketball: Eigentlich fehlt nur Eishockey zum kompletten Glück für echte SPORTbegeisterte. Neben einem guten Programm, allen Spielen und Top-Übertragungen auf hohem Niveau überzeugt der neue Sender auch mit Werbung auf Social Media. Gute Ansprache, Bewegtbild, Angebot zur Weihnachtszeit. „Adrenalin statt Plätzchen" passt auch, großes Lob. Da ich großer Handball- und Basketball-Fan bin, zudem DYN von Tag eins an im Abo habe, kann ich das wirklich nur empfehlen. Und nein, ich habe da gar nichts von!