NewsSnack-Archiv · 2025

NewsSnack KW 22/2025 – Google macht den Powell, VEO 3 und schwarz-gelbe Vodafone-Liebe

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2025

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. Hier findest du meine Beobachtungen aus KW 22/2025 – Googles großer KI-Satz mit VEO 3, das Ende der Sprachbarrieren, die Zukunft der Website, SIXT, Lidl mit Sarah Connor und der BVB-Sponsorenwechsel.

KI-Corner: Google macht den Powell

Vielleicht können sich die Älteren an den legendären Wettkampf zwischen Mike Powell und Carl Lewis erinnern. Damals sprang Powell aus dem Nichts auf 8,95 Meter und schockte (im positiven Sinne) die Welt. Das ist diese Woche Google gelungen. Verspottet, abgeschrieben, nicht gut genug – aber dann gab es die letzten Wochen und Monate bereits viele Anzeichen, und jetzt ist klar: Google hat einen großen Satz gemacht. Allein das Thema Video-Erstellung mit VEO 3 hat die Social-Media-Kanäle diese Woche zerstört. Videos mit Ton in deiner Sprache, so gut, so realistisch, dass mir nach kurzer Euphorie angst und bange wurde.

Hand aufs Herz: Hättest du vor einem Jahr gedacht, dass wir heute hier stehen?

Zum Video auf YouTube

Völlig verrückt! Film-, Werbe-, Musik-Industrie, haltet euch fest, es wird sich alles rasend schnell verändern.

Verändern ist ein gutes Stichwort. Verändern wird sich auch schnell, ob und wie wir Sprachen lernen. Denn auch das hat Google gelöst. Es gibt keine Sprachbarrieren mehr. Simultan wird deine Sprache zukünftig in jede andere Sprache übersetzt. Und ich liebe diesen Gedanken. Keine Unklarheiten mehr, keine Missverständnisse im Business-Kontext. Ja, ich weiß: keine Versprecher, keine Lacher, kein Fremdsprachen-Kurs, ich verstehe das alles, aber für unsere Enkelkinder wird es normal sein, jede Sprache der Welt zu können und zu verstehen, so normal wie heute Google Maps zu nutzen.

Zum Video auf YouTube

Noch einmal zurück zum Ausgangspunkt, zur Fehleranalyse der KI, die oftmals noch nicht richtig ist. Dazu ein spannender Satz, den ich im Artikel „Googles KI-Suche: Das Fundament des Internets wird zerstört" gelesen habe.

Dort sagt Georg Zöller, Mitbegründer des Centre for AI Leadership (C4AIL) in Singapur: „Unternehmen wie Google müssen jetzt Wege finden, ihren Investoren zu zeigen, dass sie mithalten – egal wie", und ergänzt: „Es zählt momentan nicht Genauigkeit, sondern Geschwindigkeit." Und diese Geschwindigkeit, da werde ich nicht müde darauf hinzuweisen, ist brutal.

Um diesen größeren Block abzuschließen, noch ein Thema: Perplexity, ChatGPT, Googles AI Overviews – droht eigentlich Websites das Aus? Manuel und ich sprechen da schon länger drüber und sind der Meinung, dass die Website auf jeden Fall deutlich an Relevanz verlieren wird. Ein Problem für alle, die darüber ihr Geschäft machen, wie Verlage. „OpenAI beantwortet heute Fragen, für die man früher ein Buch gekauft oder einen Artikel gelesen hätte. Google plant dasselbe mit seinem KI-Modus." Dabei würden die Inhalte entwertet, ohne dass Ersteller davon profitierten. „Die KI sieht keine Werbung – also verdienen auch die Inhalteanbieter nichts mehr", erklärt Zöller das Problem.

In diesem Kontext: Wir haben gerade unsere Seite 923b.de einem Refresh unterzogen, vielleicht der letzte, wer weiß.

Zum Artikel bei Capital

Fragezeichen: Smyths Toys, Pepsi und Axe

So, das waren die Ausrufezeichen, kommen wir nun zur Auswahl einiger Fragezeichen. Smyths Toys zeigt in der neuen Kampagne einen Spielzeugladen durch die Augen eines Kindes. Die Idee finde ich gut, die Umsetzung hätte dabei aber so viel mehr Potenzial gehabt. Oder wie siehst du das?

Zum Bericht bei Horizont

Pepsis Halbzeit-Show beim Champions-League-Finale schaue ich mir am Samstag erst einmal an, bevor ich sie bewerte. Man muss ja nicht immer alles verurteilen, nur weil es nicht in meine traditionellen Muster passt. Und witzigerweise ist die Halbzeitshow beim NFL-Super-Bowl sogar das Highlight, also geben wir dem Ganzen eine Chance. Eines weiß ich jetzt schon: meinen Musik-Geschmack wird es nicht treffen.

Zum Bericht bei W&V

Axe setzt auf absurden Humor, schreibt W&V. Und das stimmt: absurd oder besser gesagt durchgeknallt waren die Worte, die mir in den Sinn kamen bei der neuen Kampagne. Bilde dir selbst eine Meinung, ich habe nur eine Frage: Wer sprüht sich denn Deo auf den Pullover? Kommt das nicht auf die Haut? Ich habe mal nachgeschaut bei denen, die es wissen müssen: Dove! Da steht sogar: „Warte mit dem Anziehen so lange, bis dein Deo getrocknet ist – weiße Flecken auf deinem kleinen Schwarzen sind nervtötend." Nervtötend sind für mich Kuscheltiere, die komplett durchdrehen.

Axe bei W&V · Deo-Tipps bei Dove

LED-Displays heben ab!

Flying Displays? Schon gesehen? Ich auch nicht.

LED-Displays, die von einer Drohne gehalten werden und durch die Luft fliegen. Ja, es erzeugt eine krasse Aufmerksamkeit. Und ja, es gibt sogar Momente, bei denen ich mir das gut vorstellen könnte: Veranstaltungen, Festivals, Firmenfeiern! Alles auf einem Gelände, das klar abgegrenzt ist. Aber bitte nicht im öffentlichen Raum. Wenn ich mir bei meinem Gang über die Schildergasse, der dank Sound aus allen Boxen, vielen Menschen und unzähligen Werbeformen schon anstrengend genug ist, noch Flying Displays an jeder Ecke vorstelle, dann bin ich raus. Zu viel ist zu viel. Was meinst du?

Zum Beispiel auf Instagram

Lesetipp: Schnell lesen!

Jetzt wird es knapp, aber vielleicht hast du am Wochenende ja ein paar Minuten Zeit. Denn die Kollektion „Künstliche Intelligenz" auf brandeins.de ist nur noch bis zum 1. Juni kostenfrei zu lesen. Ich habe mir noch nicht alle Artikel durchlesen können, aber Stammleser wissen: Ich bin ein Fan des Magazins.

Kollektion Künstliche Intelligenz

Wenn du nicht genug Zeit hast, dann empfehle ich dir zumindest „Die Flut ist da" – hier geht es vor allem um das, was ich allein die letzte Woche durch Google VEO 3 erlebt habe. Wie beschreibt es brand eins: „Von KI erzeugte Bilder, Videos und Audios sind mittlerweile kaum noch von echten zu unterscheiden und dabei unschlagbar billig. Wie kann die Kreativwirtschaft das überleben?" Spannende Frage für jeden, der in der Branche arbeitet.

„Die Flut ist da" bei brand eins

Schon wieder SIXT

Happy wife, happy life, happy drive! Mit diesem Slogan landet SIXT den Wirkungstreffer. Dieses Mal muss der französische Staatspräsident Emmanuel Macron dran glauben. Nachdem die halbe Welt spekuliert hat, ob er nun von seiner Frau geschlagen wurde oder alles nur eine Neckerei unter Eheleuten war, nimmt sich der Autovermieter der Sache an und nutzt mal wieder diese Bühne, um auf sich und seine Angebote aufmerksam zu machen. Dieses Mal explodiert Instagram nicht, aber Lob gibt es trotzdem.

Zum Post auf Instagram

Was mir übrigens auffiel: SIXT hat auf Instagram NUR 198k Follower, ich hätte mit ein paar Mio. gerechnet. Ein Blick in den Feed lohnt sich. Da steckt so viel Werbegold drin …

SIXT auf Instagram

Lidl kapert die Hymne: Einfache Mathematik

Minus × Minus ergibt Plus! Das kennen wir ja schon aus der Mathematik, eher nicht so aus der Werbung, da wird es eher Doppel-Minus. Nicht so im Fall von Sarah Connor und Lidl. Der Discounter hat für seine neue Preis-Offensive kurzerhand die Nationalhymne umgedichtet. Statt „Einigkeit und Recht und Freiheit" heißt es plötzlich „Einigkeit im Preis und Kaufkraft". Ich bin normal kein Fan von singenden Kunden in Supermärkten, aber die Werbung bekommt einen Dreh, denn es trällert keine Geringere als Sarah Connor mit. Dass die Sängerin sich 20 Jahre nach ihrem Hymnen-Fail („Brüh im Lichte") selbst auf die Schippe nimmt, passt, kommt sympathisch rüber und rundet die Kampagne ab.

„Eigentlich habe ich mir geschworen, nie wieder die Hymne zu singen", sagt Connor. Doch als dann die Anfrage von Lidl kam, habe sie das „sehr lustig" gefunden, so Connor bei Horizont.

Zum Clip auf YouTube · Zum Bericht bei Horizont

Und was sagst du, die Hymne geht ins Ohr, oder?

Schwarz-gelbe Vodafone-Liebe

Fußballvereine, neue Trikots und Fans stecken nicht immer in einer Liebesbeziehung, als Fan des 1. FC Köln weiß ich, wovon ich spreche. So war die Sorge bei den Anhängern von Borussia Dortmund groß, nachdem klar wurde, dass Vodafone der neue Brustsponsor wird. Ein rotes Logo auf der gelben Brust? Die Fan-Seele war schon vorher erschüttert. Jetzt kannst du als Verein eine langweilige Pressekonferenz machen und klarstellen, dass das neue Trikot wie immer das schönste ist und das Logo des Sponsors schwarz wird. Oder du machst es wie der BVB:

Zum Reel auf Instagram

Respekt! 3,6 Mio. Aufrufe, 76k Likes allein auf Instagram, selbst auf LinkedIn 106 Kommentare (da hat nur Manuel mehr). Mehr geht nicht zum Start der Partnerschaft, oder wie es der BVB selber schreibt:

Die Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen, deren visueller Startschuss ein Social-Media-Clip ist, der Spekulationen um das künftige Trikotdesign durchaus noch ein wenig Raum lässt, geht weit über Borussia Dortmunds Jersey hinaus. Vodafone und der BVB werden gemeinsam eine Innovations- und Technologieoffensive starten. Ziel: neue digitale Erlebnisse für Fans schaffen – im Stadion, in der App, im Alltag. Für Vodafone-Kunden und Fans.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2025. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.