NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 05/2024 – 100 Ausgaben NewsSnack, Kaufland-Claim & KI-Deepfakes

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Diese Ausgabe aus KW 05/2024 feiert Snack Nummer 100. Dazu Kauflands neuer Claim, Targeting für frische Eltern, die neue Kamera-Technologie bei Samsung und Google, Marken, die Haltung gegen Rechts zeigen, und ein KI-Corner über Deepfakes und ihre Ausmaße.

Jubiläum: 100 Mal NewsSnack

Jubiläum. Der 100. Newsletter. Wer sich jetzt beim Anblick der Ausgaben hier auf LinkedIn denkt, zählen kann der Morinello auch nicht – doch kann er. Die erste Ausgabe war exklusiv auf Mailchimp. 1052 Abonnenten sind es heute über alle Kanäle, im Schnitt erreichen wir auch um die 1000 Impressions, gelesen werden wir ca. von 500–800 Menschen jede Woche. So sehr wir uns über jeden Leser, jeden Kommentar und jede Nachricht freuen, wir machen es vor allem, weil wir einfach Spaß dabei haben. Themen recherchieren, gemeinsame Einordnung, diskutieren, Meinung äußern und schreiben, ja vor allem schreiben: Das bereitet uns Freude und ist die Form, die wir nutzen, um uns auszudrücken und mitzuteilen.

Der NewsSnack geht weit über das Fachliche hinaus, er gibt vor allem Einblicke in die Agentur und unser Seelenleben. Wer uns liest, lernt nicht nur jede Woche neue Themen kennen und bekommt Anreize. Nein, wer uns liest, lernt vor allem uns besser kennen und weiß sehr schnell, ob wir als Agentur ein guter Fit sind. Und nicht nur einmal war genau das der Fall. Wir haben Rubriken geschaffen wie den Kampagnensalat und Themenfelder durch die KI-Corner entdeckt. Dass wir heute als Agentur Vorträge zum Thema KI halten und mit zahlreichen Tools arbeiten, liegt auch am Newsletter. Wir schauen uns für die Themenrecherche Woche für Woche alle KI-News an, lesen auch die ganz verrückten Sachen und testen alles. Finden wir ein Thema berichtenswert, liest auch Du es.

Und geschrieben haben wir schon einiges. Bedenkt man, dass wir pro NewsSnack 10 Artikel haben, waren es bislang ungefähr 1000 Artikel, die wir schon geschrieben haben. Verrückt! Und es werden noch einige hinzukommen, denn wir denken noch lange nicht ans Ende, auch wenn es pro Newsletter ca. 10 h Arbeit sind. Was heißt Arbeit? 10 h Aufbau von Wissen, 10 h lernen! Zum Abschluss geht mein Dank ans Team, das unterstützt, an Katrins Adlerauge, an Peter, der mit seinen Zusammenfassungen auf LinkedIn eine eigene Rubrik und Reichweite geschaffen hat. 100 Mal DANKE!

Fressnapf: Re-Design wie im Bilderbuch

[!note] Aus dem Archiv Die Autorenschaft dieses Abschnitts ist im Original nicht eindeutig markiert – aufgenommen unter Vorbehalt.

Fressnapf geht ins Re-Design. Ein neues Logo, neue Store-Konzepte, eine Modernisierung wie sie im Bilderbuch steht. Einst streckten den Kunden Hund und Katze vor einem Futternapf die Zungen entgegen. Jetzt werden Tierhalter von Herzaugen und einer Vierpfoter-Schnute begrüßt. Auch die Farbwelt hat sich verändert, aus dem plakativen Rot wurde ein natürlich sattes Grün.

Die Filiale bei uns in Pulheim sieht von außen schon einmal sehr attraktiv aus und mir ist dadurch auch das neue Logo und Gestaltungskonzept aufgefallen. Jeden Morgen fahre ich daran vorbei und hatte mich schon an den roten Fleck im linken Augenwinkel gewöhnt. Zwei Daumen nach oben für die Umsetzung!

Kaufland: Hier bin ich richtig

Zuletzt war es recht ruhig um Kaufland, zumindest in unserem Newsletter. Der neue Claim in Verbindung mit fünf deutschen Prominenten gibt Anlass, den Supermarkt zu thematisieren. Aus „Gutes, kann so billig sein" wird „Hier bin ich richtig". Offiziell startet die Kampagne am 01.02.2024, die Stargäste in den Werbevideos sind Jan Josef Liefers, Olaf Schubert, Motsi Mabuse, Enie van de Meiklokjes und Verona Pooth.

Die Videos sind spezifisch auf die Hauptdarsteller ausgerichtet und fühlen sich, im Vergleich zu vergangenen Clips, authentisch an. Die Melodie aus einem Materia-Song untermalt die Freude eines Kaufland-Erlebnisses.

Für den neuen Claim gibt es weder Komplimente noch Kritik. „Hier bin ich richtig" ist solide und passt zu einem Vollsortiment-Geschäft. Besonders innovativ ist er jedoch nicht. Mein absolutes Paradebeispiel für Sublines ist und bleibt „Einmal hin, alles drin" (real). Der Slogan hält sich seit 2008 und wird von mir auch ohne Bezug zum Lebensmittel-Händler angewendet. Das heißt für Kaufland? Weder zwei Daumen nach oben, noch nach unten.

Baby Bottosso: 0 % auf alles!

Stellvertretend für Katrin gibt es hier von mir zwei Daumen nach oben für Baby Bottosso. Das erste Lob kommt für eine Selbstverständlichkeit, die aber am Ende dann doch viele Firmen nicht hinbekommen: das richtige Targeting. Aber dass unsere immer noch frische Mama Katrin Werbung für Baby-Klamotten angezeigt bekommt, ist erstmal gut und richtig. Wenn das Portemonnaie locker sitzt, dann bei Eltern, die ihren Kids alles kaufen möchten. Den zweiten Daumen gibt es für das Motiv und die etwas andere Ansprache. „0 % AUF ALLES – Warum? Weil wir alle Preise super fair kalkulieren und Du bei uns so immer alle Produkte zum besten Preis erhältst – auch ohne Rabatte." Das ist doch mal eine coole Ansage, die nicht nur Katrins Aufmerksamkeit gezogen hat. Bleibt nur die Frage: Zieht die Anzeige nur Blicke oder wird auch kräftig gekauft? Wie ist Deine Meinung?

Motatos: Lebensmittel retten

[!note] Aus dem Archiv Die Autorenschaft dieses Abschnitts ist im Original nicht eindeutig markiert – aufgenommen unter Vorbehalt.

Der Online-Supermarkt Motatos nervte kürzlich seine Instagram-Follower, indem auf dem Account vollflächig farbige Bilder ohne Inhalt gepostet wurden. Am 30.01.2024 wurde dann aufgeklärt, was es damit auf sich hat.

Motatos rettet Lebensmittel und verkauft diese online, um Lebensmittelverschwendung zu verhindern. Dabei geht es vor allem um Trockenprodukte, die überproduziert wurden, nach der Saison auslaufen (Halloween/Weihnachten/…), eine geringe Mindesthaltbarkeit haben, Schönheitsfehler besitzen oder Produkte, die abgesetzt bzw. aus dem Sortiment genommen wurden.

Zwei Daumen nach oben und ein „Dankeschön" an Katrin, die ganz aufmerksam zu unmenschlichen, für Mütter aber wohl normalen Uhrzeiten auf solche Themen stößt.

Samsung & Google: Kamera-Technologie am Zahn der Zeit

Wenn ich in meinem Freundeskreis nachfrage, was Kriterien für einen Handy-Kauf sind, ertönt im Einklang „die Kamera". Unter „meinen Mäusen", wie ich sie liebevoll nenne, ist das iPhone, ebenso wie bei mir, als Platzhirsch vertreten. Dabei gibt es gerade, wenn es um die Kamera geht, mittlerweile genug Alternativen, die sogar noch Zusatzfunktionen bei der Bearbeitung bieten und damit das iPhone locker in den Schatten stellen können.

Das Google-Phone (Pixel 8) entfernt wie von Zauberhand störende Elemente, identifiziert Geräusche und verwandelt die Bilder ganz automatisch zur besten Version. Das Samsung AI legt nach und beschreibt in der neuen Galaxy-S24-Kampagne, wie einfach die Suche nach einem Produkt ist oder wie klasse demnächst die Fotos vom Konzert aussehen werden, weil der Zoom fast die Mondkrater einfängt und Menschen im Vordergrund verschwinden lässt. Zusätzlich zu den Kampagnen-Clips hat zum Launch der Reihe in London ein XXL-Drohnen-Spektakel am Himmel stattgefunden. Absolut galaktisch.

Als Grafiker oder Fotograf mit Bildbearbeitung zu glänzen, hat bald keine Relevanz mehr. Das zeigt auf der einen Seite, wie nah man am Zahn der Zeit bleiben und sich entwickeln muss, aber auf der anderen Seite auch, wie weit die Technologie es in den letzten zwei Jahren geschafft hat. Zum Start von Google Lens (2017/2018) waren wir noch Feuer und Flamme für die Entwicklung der Tools und Möglichkeiten, heute sind sie schon wieder ein alter Hut.

Bringt das „meine Mäuse" und mich dazu, vom iPhone abzutreten und auf die Funktionen der anderen Gerätehersteller zurückzugreifen? Ich denke erst mal nicht, denn wer weiß, wie lange das Ai-phone noch auf sich warten lässt.

Marken gegen Rechts

Mehr und mehr Marken beziehen Stellung, positionieren sich klar und sorgen dafür, dass frischer Wind durchs Marketing weht.

Letzte Woche habe ich bereits die Statements von B&B Hotels und Edeka hervorgehoben. Logo-Änderung und Werbespot haben mich überzeugt und je zwei Daumen nach oben bekommen. Bahlsen reiht sich nun mit Visuals ein, die mehr Geschmack als alle Kekse zusammen haben. Dazu das Zitat von Alexander Kühnen, CEO von Bahlsen, auf LinkedIn: „Bei Bahlsen arbeiten in Deutschland Kolleg:innen aus fast 50 Nationen. Ohne sie könnten wir ‚den Laden dichtmachen'. Wir sind dankbar für diese Vielfalt!"

Horizont berichtet über weitere Zitate der E.ON- und Rossmann-Gründer: „Meine Mutter war Migrantin – aus Italien. Ich habe zwei Staatsbürgerschaften. Und für E.ON ist die Möglichkeit, Talente nach Deutschland zu bringen, unverzichtbar. Viel mehr gibt es für mich zum Thema Remigration nicht zu sagen." (Leo Birnbaum, CEO von E.ON) Und Raoul Roßmann, Geschäftsführer der gleichnamigen Drogeriekette, meinte: „Es gibt Momente, wo man Haltung zeigen muss. Wir haben alle eine Stimme und sollten ab und zu von ihr Gebrauch machen." (Horizont)

Congstar ist da etwas kürzer angebunden, aber bringt es mit einem einfachen Design auf den Punkt, welches aktuell überall auf Social-Media gespielt wird. Text und Visualisierung stehen für sich und in der Caption wird sogar noch einen Schritt weiter gehandelt: „Deshalb rufen wir ab sofort alle Personen, die unsere Werte von Freiheit und Demokratie nicht teilen, dazu auf, bei uns zu kündigen. Denn wir haben lieber weniger Kund*innen, als mit unserem Angebot zur Verbreitung von Hass und Hetze beizutragen."

Für die Stadt Hamburg entwickelte die Agentur „Karl Anders" eine Digital- und OOH-Kampagne, die auffordert, sich die bunt gemischte Kultur im Norden zu gönnen. „MISCH HAMBURG AUF! Mischen is Possible." heißt es auf den farbigen Visualisierungen. Passend zur eingenommenen Haltung gibt es ein rundes Kultur-Angebot: Veranstaltungen in der Elbphilharmonie, dem Thalia Theater oder dem Literaturhaus untermalen die Kampagne.

Und da, wo schnell Kampagnen fließen, ist in 2024 auch die KI nicht weit. Serviceplan Berlin und der Zentralrat der Juden erstellen zum Holocaust-Gedenktag (27.01.) mithilfe von künstlicher Intelligenz Plakat- und Bewegtbildmotive, die unter dem Hashtag #StopRepeatingStories bebildern: „Wie es anfängt, erinnert an damals".

Angst und Schrecken in einer Zeit, in der doch alles möglich sein soll. Meine zwei Cent dazu: „Politik interessiert mich nicht", war und ist auch heute keine legitime Ausrede, sich einer Verantwortung zu entziehen, die Folgen für so viele Menschen hat. In der zuletzt erwähnten Kampagne heißt es abschließend vollkommen richtig: „Wie es weitergeht, entscheidest du." Das betrifft jeden von uns, alle Individuen dieser Welt, die einfach in Ruhe ihr Leben leben und existieren wollen. Politik geht auch Dich etwas an, schließe nicht die Augen. Mach den Mund auf!

KI-Corner: Flammen & nackte Haut

Ich würde viel lieber über die positiven Auswirkungen von KI-Technologien schreiben, aber man sollte sich ja bekanntlich die Medaille von beiden Seiten anschauen. Dieses Mal ließ ein KI-generiertes Video den Pariser Eiffelturm in Flammen aufgehen. Das Traurige: Obwohl das Video nicht einmal besonders echt wirkte, wurde es millionenfach geteilt und viele Bürger gerieten in Panik, ausgerechnet in der Stadt, in der 2019 mit Notre-Dame ein anderes Wahrzeichen wirklich in Flammen stand.

Als kleiner Bekämpfer der bösen KI-Geister habe ich den schneebedeckten Kölner Dom erstellt.

Und wenn der brennende Eiffelturm so gut klappt, dachte sich ein anderer, muss die nackte Taylor Swift ja durch die Decke gehen. Ging sie auch, 47 Millionen Aufrufe in kurzer Zeit auf X. Natürlich war das Foto des Megastars nicht echt, aber es zeigt die Ausmaße und was in Zukunft noch auf uns zukommen kann.

KI-Bild der Woche: Burger zum Abschied

Santino, mein Sohn, hat sein Schulpraktikum bei uns absolviert. Themen, die ihn dabei richtig gepackt haben, waren die diversen KI-Tools, mit denen wir in der Agentur arbeiten. Vor allem das Erstellen von Bildern mit Midjourney hat ihn regelrecht fasziniert, also kommt das KI-Bild der Woche auch von ihm: Ein Burger, der leckerer nicht aussehen könnte. Meine Key-Takeaways:

- Wird eng für Food-Fotografen. Wir haben auch noch Popcorn, Nachos und Cola, die hungrig machen.

- Ein 14-Jähriger kann nach ein paar Stunden Übung bereits Top-Bilder prompten. Es gibt also keine Ausreden, es nicht zu lernen, es sei denn Du willst es nicht.

- Die Kids lernen so schnell, müssen sich aber in der Schule mit Tafeldienst und Video-Kassetten rumschlagen – verrückt!

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.