AR-Shopping: Alibaba legt im Metaverse vor
Die Marketingwelt ist wie ein großer Spielplatz, auf dem viele kleine Erwachsene ihre Grenzen testen, neue Dinge ausprobieren, lernen, was geht und nicht geht und sich schlicht und ergreifend austoben. Ähnlich kommt es mir aktuell im Metaverse vor. Viele beschweren sich über die hohen Ausgaben Zuckerbergs, die grafische Umsetzung im Vergleich dazu und trotzdem gibt es viele, die das Metaverse bereits für sich zu nutzen wissen. Dazu gehört auch die chinesische E-Commerce-Plattform Alibaba.
Am 11.11., dem chinesischen Tag der Singles, findet im Metaverse das Global-Shopping-Festival statt, welches vergleichbar mit dem Black Friday oder dem Amazon Prime Day ist. Alibaba hat zu diesem Anlass entschieden, virtuelle Verkaufsveranstaltungen mit Augmented-Reality-Lösungen anzubieten. 290.000 Marken mit 17 Millionen Produkten sollen angeboten werden. Zusammen mit der Umsetzung einer App, die 3D-Einkaufserlebnisse ermöglicht, legt Alibaba hier im Bereich „virtuelle Shoppingerlebnisse" ordentlich vor!
Ich finde die Entwicklung beeindruckend und bin immer wieder geflasht von all den Möglichkeiten, die man nur zu greifen braucht. Aber ich sag's, wie's ist: Ich würde nicht darauf verzichten wollen, durch leere Straßen an Schaufenstern vorbei zu schlendern. Und zwar im richtigen, echten Leben. Der guten alten Realität.
Drohnen-Werbung: ein schmaler Grat
Wie viel Werbung ist vor unseren Haustüren noch natürlich, was zerstört einfach nur das Stadtbild? Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Nutzen von freien Flächen und dem Erhalten der Umgebung.
Zuletzt auf einem LinkedIn-Profil geteilt: Zerfallene Bauwerke, wie zum Beispiel das Kolosseum, wurden mithilfe von leuchtenden Drohnen wieder vervollständigt oder gar nachgebaut. Beeindruckend, gerade an diesen belebten Plätzen kam die Aktion super an.
Was weniger gut ankam, aber auf dieselbe Weise in den Himmel gezaubert wurde, war die Marketing-Aktion von „Candy Crush Saga" (einem Videospiel) zum zehnjährigen Jubiläum in New York. 10 Minuten lang gab es am Nachthimmel eine Lichtattraktion, bestehend aus über 500 Drohnen. „Manhattan wird in einen kandierten Karneval verwandelt", schrieb die Firma in einer Pressemitteilung. „Es handelt sich um eine Drohnen-Performance, die es nur einmal im Leben gibt", zitiert t3n. Einigen Menschen waren allerdings die 10 Minuten Beleuchtung schon zu viel. Von unverschämt über empörend bis hin zu „Die Tierwelt und friedliche Freude an der Küste bedrohend", wurde viel kritisiert.
Meine Meinung: 10 Minuten Lichter-Action bei Nacht, wenn eh keine Vögel mehr fliegen, sind schon ok. Hier und da vielleicht sogar ein guter Ersatz für die frühzeitig ausgestellten Straßenlaternen, auf der anderen Seite aber kein schöner Anblick für Sternenliebhaber, sollten diese Nachbildungen oder Aktionen öfter auftreten. Ein Daumen hoch und ein Daumen runter!
1:0 für Früh Kölsch!
Da hat Früh Kölsch mal wieder einen Treffer gelandet. In der „kleinen Derbywoche" zu werben mit „Die Nummer eins am Rhein in Bier", ist schon richtig gut. Dafür den Platz am Alten Militärring zu wählen, wo sich die FC-Fans vor Spielen treffen, um dann zum Stadion zu ziehen: einfach genial. Auf den Punkt, emotional, alle Daumen hoch für Früh Kölsch!
Aufs Ohr! Die Podcast-Woche
Was habe ich diese Woche für Podcasts gehört? Natürlich OMR Education mit Britta Behrens – 56:16 Minuten voller Tipps rund um LinkedIn. Kann ich nur jedem wärmstens empfehlen. Ich freue mich ja nach wie vor am meisten auf die neue Carousel-Funktion. Mal sehen, wann ich sie freigeschaltet bekomme. Ihr werdet es merken, Ideen dafür habe ich genug.
Dazu OMR mit Dirk Roßmann. Unterhaltsam, voller Geschichten und mit einigen Takeaways, die auch heute noch Gültigkeit haben. Wer Fan von Unternehmer-Geschichten ist, sollte unbedingt mal reinhören. Entspannt habe ich mit „Gemischtes Hack" – die ich nach einer Pause wirklich wieder gerne höre. Würde gerne wissen, wie viele Hörer nach dem Podcast ein YouTube-Premium abgeschlossen haben? Aber hört doch selbst mal rein.
Mut zur Individualisierung: das #hotelfriends
Schön, wenn man in meinem Alter noch überrascht wird. Einladungen zu einem Vortrag in einem Hotel haben bei mir immer folgendes Bild ergeben: große Lobby, Konferenzräume im Erdgeschoss, Kaffeemaschinen und Snacks auf dem Flur, kahler Raum – mal mit guter, mal mit schlechter Technik. Dass es anders geht, beweist das #hotelfriends. Konzept laut Website: „Kein Zimmer gleicht dem anderen, kein Möbelstück ist zufällig ausgewählt, kein noch so kleines Detail ist dem Zufall überlassen." Ich kann das nur bestätigen. So ein Setup öffnet den Geist für Zusammenarbeit. Ob es sich dort auch besser schlafen lässt, weiß ich nicht, die Kollegen waren allerdings begeistert. Und es zeigt eins: Man kann auch heute noch auffallen, das Konzept, die Stringenz sind wichtig, die Liebe zum Detail zahlt sich aus und auch der Mut, Dinge anders zu denken. Während die ganze Welt von Standardisierung und Automatisierung redet, ist die Individualisierung ein Schlüssel. Oder wie #hotelfriends sagt: Manege frei für Individualisten!
Kampagnen-Snacks: Goldsaft, yfood & Matthew McConaughey
Goldsaft der Grafschafter Krautfabrik! Hört sich erst einmal nicht nach einer fancy Instagram-Kampagne an. Ist aber so. Wie geht regionales Targeting?
- Mit heimischer Sprache: „Stonn schon zum Frühstück parat!"
- Mit Bezug zur Herkunft der Produkte (Anzeige: regionale Zuckerrüben, Landing-Page: Dein Brot kommt ja auch nicht aus Mexiko)
- Werben in der passenden Jahreszeit: Schließlich startet bald die Session im Rheinland, da darf es auch mal Luftschlangen und Konfetti geben auf dem Visual
Lange nicht mehr gegessen. Viel zu lange. Die Werbung hat mich überzeugt, ich teste und sage, wie es geschmeckt hat!
Yfood: Ich bin Target-Group und freue mich über viel gut gemachte Werbung auf allen Kanälen. Deshalb ist mir auch das Special zu 7 vs. Wild aufgefallen: Passionate Tropical Lassi! Fixt mich jetzt als Geschmack nicht an, aber die Werbung ist top gemacht, der Kontext zur Hype-Serie von Fritz Meinecke, mit Knossi und Co. passt wunderbar, die Zielgruppe wird es lieben – genau wie schon die Gamer zur Gamescom. Noch ein Satz zu 7 vs. Wild: Kann man mögen, muss man nicht, aber was diese Typen mittlerweile auf die Beine stellen, ist schon verrückt und von den Einschaltquoten träumen so manche Showgrößen im Abendprogramm. (Folge 1 – 6,2 Mio. Views nach 4 Tagen.)
Matthew McConaughey: „waiting all year for my birthday breakfast … I was not paid by Fred or Barney for this post #noad" – Ein Bild, ein Satz: Und die Kollegen Fruity Pebbles kommen aus dem Lachen nicht mehr raus. Denn Superstar Matthew McConaughey hat sich zu seinem Geburtstag nichts mehr gewünscht als eine Schale davon zum Frühstück, dazu das breiteste Grinsen ever und 6,8 Millionen Follower als Reichweite gibt es oben drauf. Mehr als 300k Likes auf diesem Post, komplett positive Kommentare (4.500), hätte nur besser laufen können für Fruity Pebbles, wenn Cristiano Ronaldo den Post gemacht hätte. Habe mal kurz nachgerechnet, auch wenn es keine ganz allgemein gültige Formel gibt: Der Post hätte wohl zwischen 25–50k EUR gekostet (runtergebrochen vom Preis für einen Post bei Cristiano Ronaldo/1,6 Mio. EUR) – Geld gespart, doppelte Wirkung.
Neues aus der Schule: TikTok ist die Suchmaschine der Gen Z
Einer der wichtigsten Tage findet für mich einmal pro Jahr im Berufskolleg Bergisch Gladbach statt. Seit fast 10 Jahren versuche ich den 16- bis 19-jährigen Schülerinnen und Schülern Impulse für die Arbeitswelt zu geben, teils wachzurütteln, Erfahrungen zu vermitteln oder einfach nur den entscheidenden Kick fürs Berufsleben zu geben. Immer spannend, voller Überraschungen verlaufen die Stunden mit den Jugendlichen. Doch dieses Jahr war es anders. Warum? Das erste Mal hatte ich das Gefühl, eine neue Generation säße vor mir. TikTok ist das beherrschende Thema, die „Droge" im Jahr 2022. 3–5 Stunden täglich verbringt die Zielgruppe auf der Plattform. Egal ob Matheaufgaben, Informationsquelle oder Nachrichtenmedium: TikTok ist Ansprechpartner Nummer 1. Damit wurden zwei Key-Takeaways von meinem Vortrag bei der Rheinischen Post in dieser „Mini-Mafo" bestätigt:
1. 26 Prozent der User unter 30 Jahren nutzen TikTok als Nachrichtenquelle.
2. TikTok ist die Suchmaschine der Gen Z.
Was ich mitnehme? Eine Azubi-Kampagne muss auf TikTok stattfinden. Auf den anderen Kanälen erreicht man die Zielgruppe einfach nicht mehr. Ansonsten spannend: Die Polizei und die Bundeswehr stehen hoch in der Gunst und auch die Gesundheitsbranche hat Zulauf. Hier muss nur mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, was die Verdienstmöglichkeiten betrifft.