OOH: Scusate, Malpensa! Eine Entschuldigung
Von ganzem Herzen sorry! Wie schrieb ich letzte Woche: Nach der Ankunft in Mailand sei ich enttäuscht gewesen von den OOH-Werbemaßnahmen. Der Abflug hat für alles entschädigt. Das Who's who der Mode-Marken markiert hier auf Riesenflächen sein Revier! Top-Creatives, hohe Aufmerksamkeit, keine Bildschirmwüste wie an manchen deutschen Flughäfen. So geht Werbung! Auffällig dabei: Noch sind die meisten Flächen analog. Auch als Freund der digitalen Werbung fand ich es hier absolut passend.
Autonomes Fahren: Waymo und der Blick aufs Transportwesen
Autonomes Fahren: Ein Traum für Menschen wie mich. Ich fahre nicht gerne selber, mich langweilt es, Autos geben mir nichts, aber manchmal muss es halt sein. Dann gefahren zu werden, dabei zu lesen, die Augen zu schließen: Ich wäre sofort dabei. Die nächsten Schritte in diese Richtung werden gerade gemacht – gefühlt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Robotaxis von Waymo, gehört zu Googles Mutterkonzern Alphabet, dürfen nun in San Francisco auch ohne Sicherheitsfahrer auf öffentlichen Straßen fahren – nur Geld dürfen sie dafür noch nicht nehmen, aber auch das kann nicht mehr lange dauern. Weiterer sehr spannender Anwendungsfall, an den ich ehrlich gesagt noch nicht so oft gedacht habe: autonomes Fahren von LKW im Transportwesen. Hier fehlen seit Jahren Fahrer. Vielleicht braucht man die auch gar nicht mehr. In einem Test hat Waymo Biertransporte durchgeführt. Hier wurden insgesamt mehr als 450.000 Kilogramm Bier über 220 Meilen pro Tag von Dallas nach Houston transportiert. So sieht dann die Zukunft aus. Sorry, Gegenwart!
Greenwashing: Ein Riegel für die Glaubwürdigkeit
Zu oft wurden Greenwashing-Skandale aufgedeckt, die eine romantische Vorstellung von Ehrlichkeit in der Werbung zerschmettern und viele Aussagen mit einer grundsätzlichen Skepsis geschmückt haben. „100 % recyceltes Material", „Emissionsfrei", „CO2-neutral" … ja, ja. Dieses Thema beschäftigt mich schon lange, in die Tiefe einzutauchen bedeutet aber unfassbar viel Zeit in Recherche zu stecken. Firmen scannen, sofern sie denn transparent sind, Informationen aufsaugen, verarbeiten und einordnen. Aber der wichtigste Schritt fehlt noch zu 100-prozentiger Glaubwürdigkeit: Angucken statt geprüft lesen. Das funktioniert nicht immer, nicht überall. Die Verbraucherzentrale will hier nun einen allgemeinen Riegel vor Werbung mit Klimaneutralität schieben. So berichtet Horizont:
„Die beworbene Klimaneutralität soll mithilfe von CO2-Kompensation erreicht werden. Der Handel mit freiwilligen Kompensationszertifikaten ist aber nicht reguliert", betonte Ramona Pop, Vorständin des Vzbv. Für Verbraucher:innen sei somit „völlig unklar", wie verlässlich Emissionen kompensiert werden. „Das ist Greenwashing und sollte verboten werden", forderte sie.
Ein wichtiger Schritt, eine gewisse Glaubwürdigkeit zurück in die Werbung zu holen.
Belvedere: Daniel Craig macht mich zum Fan
Niemand hat gefragt, trotzdem erzähle ich das kurz: Ich habe absolut keinen Bezug zu James Bond. Daniel Craig war es, der mir damals tatsächlich endgültig die Lust genommen hat, bei James Bond aufzuholen. Seine kühle Ausstrahlung hat einfach nichts Positives mit mir gemacht. Aber: Das ist meine persönliche Grenze. Jetzt hat sich das Blatt gewendet.
Daniel Craig ist das neue Testimonial für Belvedere Vodka. Dazu gibt es einen Werbespot, der eine 1++* ist. Wie sympathisch möchtest du sein/wirken? Daniel Craig: JA! 2:30 Min. posiert und tanzt er durch verschiedene Kulissen. Vom Presseauftritt bis zum Hotel an die Minibar, lässiger Gesichtsausdruck, „coole" Moves, schlichte Outfits in Schwarz oder Weiß. In der letzten Szene „finally" – der Belvedere Vodka auf Eis. Die Frage „Gerührt oder geschüttelt?" bleibt aus (die kenne sogar ich), der Spot hat trotzdem eine tolle Wirkung. Was soll ich sagen, ich habe mir einen abgegrinst und den Spot ein zweites Mal geschaut. Warum? Weil ich es total klasse fand, mit wie viel Selbstbewusstsein und Coolness dieser „Film" gefüllt ist. Alles transportiert durch einen Hauptakteur. Mir stellt sich nur noch eine Frage: Ist es ein guter Spot, wenn das Testimonial mehr im Kopf bleibt als das Produkt? Teile Deine Meinung mit mir in den Kommentaren.
Knuspr: solide, trotz Hornbach-Déjà-vu
Die Brand Knuspr kannte ich nicht, vielleicht, weil sie nicht zu mir liefern. Auf der Website heißt es: „Knuspr liefert dir deine Lieblingsprodukte für den perfekten Wocheneinkauf. Fantastische Kost – ohne hohe Kosten. Wir liefern innerhalb von 3 Stunden." So weit, so gut. Der folgende Spot hat meiner Meinung nach wenig davon wiedergegeben. Für mich sieht das viel mehr nach einem fehlgeschlagenen Versuch aus, einen Hornbach-Award-Spot zu kopieren, um auf einer Erfolgswelle zu surfen, die nicht für jeden funktioniert. Also schaue ich mir den Spot noch einmal an, vielleicht hat auch die Kapazität meines Hirns früh am Morgen noch nicht geschaltet. Wieder hänge ich bei Hornbachs „Komm zu Hornbach. Bevor es Dein Garten tut".
Klammere ich das Wissen über diesen Spot mal aus, vergesse, dass die Idee schon etliche Male da gewesen ist, finde ich den Spot solide. Und zugegeben, einen kleinen Schmunzler hat er ausgelöst: die Szene, in der dem Knuspr-Sprinter ein Kratzer mit dem Schlüssel des Einkaufswagens verpasst wird. Ok, das sagt mal wieder viel über mich aus … Ich kann das aber nicht blöd finden, weil es schon mal da war oder in ähnlicher Form existiert hat. Also, ich kann schon, möchte ich aber nicht. Darum bekommt der Spot nach einem negativen Intro ein positives Outro und einen ganzen Daumen nach oben.
Marteria & Paul Ripke: Music for Good vs. Tinder-Fail
Das letzte Mal ist Marten nicht so gut bei mir weggekommen. Die Fisherman's-Friend-Kooperation hat mich nicht so vom Hocker gehauen. Jetzt hat Marteria neue Musik veröffentlicht, das, wofür ich ihn sogar noch angepriesen habe. „Wald" heißt seine neue Single und ist verbunden mit einem atemberaubenden Musikvideo. Kurzer Einschub: Ich liebe es sowieso schon, durch meinen geliebten Beethoven-Park zu spazieren und dabei nach oben zu blicken. Gerade jetzt, wo wenig Blätter die Bäume zieren, entdeckt man die schönsten Strukturen und Geäste … sofern man dann nicht beim Nach-oben-Gucken vor die nächste Laterne läuft. In dem Video von Marteria gibt es auch viel Natur zu sehen, tolle cineastische Einstellungen von Lichtfall im Wald, Blättern, grün und bunt. Bis am Ende der letzte Blick auf den Wald mit einer gerodeten Fläche zu sehen ist. Ein eher trauriger Anblick. Ein wunderbarer Weg, mit Reichweite, Kunst und viel Talent Gutes zu tun. Ich freue mich, diesmal positiv von ihm berichten zu können. Danke, Marten. Music really suits you better!
Paul Ripke, ironischerweise einer der besten Freunde von Marteria, hat in der Zwischenzeit eine eher „unerfreuliche" Erfahrung gewonnen. Er ist Markenbotschafter von Weight Watchers (neu WW). Das Diät-Unternehmen warb jetzt in einer Tinder-Kampagne mit dem Gesicht des verheirateten Promi-Fotografen und Podcasters. Klingt eigentlich ganz harmlos. Wenn das Ganze nicht einen ziemlich faden Beigeschmack hätte, wie W&V berichtet: „Ich bin schon länger dabei und habe endlich zu mir und meiner Mitte gefunden. Du sehnst dich auch nach Inspiration und Support auf deiner Reise zu mehr Balance und einem gesunden Lebensstil? Melde dich jetzt bei Weight Watchers an und komme auf den Geschmack neuer Gewohnheiten." Ergänzend gab es gleich noch einen Link zu einem Diätprogramm.
Die Reaktionen darauf waren viele wütende Tinder-Userinnen, die auf Social Media kommentierten: Diese Aktion sei frauenfeindlich und weit entfernt von Gesundheit und einem gesunden Verhältnis zu sich selbst und seinem Körperempfinden. Paul Ripke, der sich zum 01.01.2023 als Markenbotschafter des Unternehmens verabschiedet, spricht in seinem Statement den verletzten Frauen zu, erzählt außerdem, dass die Absprachen ganz andere gewesen sind, er Freigabeprozesse nun anders handhaben wird und sich bei allen Betroffenen entschuldige. Weight Watchers hat sich wenige Tage später geäußert: „Wir bitten alle Personen, die wir durch unsere Tinder-Werbung verletzt oder irritiert haben, um Entschuldigung."
Starker Umgang von Paul Ripke. Schwache Sache von Weight Watchers aka WW. Immerhin kam die Einsicht hinterher …