NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 48/2024 – Jaguars Rebranding-Wirbel, der Opa-Schuh Mephisto & Live-Video in ChatGPT

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. In KW 48/2024 geht es um Jaguars umstrittenes Rebranding, den plötzlich coolen Opa-Schuh Mephisto, Bitburgers KI-Song, Live-Video in ChatGPT und eine Entschuldigung, wie man sie besser macht.

Kampagnensalat: Rudolphs Aufstieg und Fall

„Best. Christmas. Ad. Ever." schreibt ein User unter das Youtube-Video der norwegischen Post. Dieses begeistert Zuschauer, Fachleute und mich gleichermaßen. Ob es das beste Video aller Zeiten ist, weiß ich nicht, aber es ist auf jeden Fall eines der Highlights in diesem Jahr.

Im Stil einer Netflix-Dokumentation wird der Aufstieg und Fall von Rudolph gezeigt. Nach der Beförderung bekommt er Starallüren und der neue Status wächst ihm völlig über den Kopf. Witzig und handwerklich einfach top gemacht, ist dieser – mir persönlich etwas zu lange – Weihnachtsfilm. Den Anlauf von 3:52 Minuten gibt es nur, damit am Ende die Kernbotschaft kommt: Was auch immer am Nordpol passiert, die norwegische Post ist immer da, um ihre Pakete auszuliefern. Grandios!

Schau dir den Film an und entscheide, ob er auch für Dich das Highlight der Weihnachtsfilme 2024 ist. Ich bin gespannt auf Dein Feedback in den Kommentaren.

Übrigens: Die norwegische Post ist mittlerweile bekannt dafür, jedes Jahr zu Weihnachten einen etwas anderen Film zu machen.

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Kampagnensalat: Erste Group – Stille Nacht

Stille Nacht ist DER Weihnachtssong. Die Entstehungsgeschichte erzählt Jung von Matt Donau für das österreichische Finanzdienstleistungsunternehmen Erste Group.

Das Storytelling ist toll. Die Message noch viel schöner, aber denke ich bei „Your spark can light up the world. Believe in yourself" an einen Finanzdienstleister? Auf gar keinen Fall. Auch nicht, wenn die Weihnachtsgeschichten seit Jahren unter diesem Motto aufbereitet sind. Ist genau diese kontroverse Verbindung das, was das Konzept ausmacht?

„Jedes Jahr wollen wir mit unseren #believeinyourself Weihnachtsspots Menschen ermutigen, an sich zu glauben. Dieses Jahr auf besonders authentische Weise.", sagt Martin Radjaby-Rasset, designierter Leiter von Group Brand & Innovation bei Erste Group auf Horizont.

Wie geschrieben, die Story ist toll, die Message noch viel besser, aber ich finde beim besten Willen keine Klammer zu einem Finanzdienstleister. Aber vielleicht muss es zu Weihnachten auch nicht 100%ig passen. Vielleicht darf auch einfach mal nur erzählt werden. Deine Meinung?

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Kampagnensalat: Autobauer-Chef mit Katzen-Allergie

Das, was die FAZ (Print) als „Jaguars Imagewechsel löst Aufregung aus" betitelt, wird bei Spiegel.de schon eine „Welle der Kritik" genannt. Übrigens bei FAZ.net wird die Headline zu „wird der Autobauer Jaguar nun woke?" – der Begriff „woke" geht online anscheinend besser als in der Zeitung, da kennt jemand seine Zielgruppen bzw. den Algorithmus.

Zurück: Was war los? Nichts Wildes. Der Autobauer Jaguar hat sich kurzerhand dazu entschlossen, neue Wege zu gehen und den Jaguar zu opfern – auf den Autos, als Logo, einfach überall. Der passende Werbefilm dazu: einfach nur crazy. Ich möchte mich gar nicht einreihen in die überwiegend negativen Kommentare auf allen Social-Media-Kanälen, meist plump und nicht reflektiert. Aber so sehr ich mich auch bemühe, die neue Ära zu spüren und zu fühlen, es passiert gar nichts bei mir. Dabei sind Begriffe wie „epochaler Wandel" und „Inspiration" normalerweise echte Trigger für mich. Wenn diese gefolgt sind von Sätzen wie „wir sind nicht an Gewöhnlichem interessiert" und „wir wagen etwas", dann hat mich jede Kampagne. Naja, nicht jede.

Ich finde, man kann sogar mal als Autobauer eine Kampagne machen, in der man KEIN Auto zeigt. Mein Gott, wenn es gut gemacht ist, dann ist es halt ein neuer Weg. Aber ich habe während des gesamten Werbespots auf das Parfum gewartet, das jetzt vorgestellt wird, und das ist dann zu wild. Bei Horizont „fällt das Design bei Experten krachend durch" und die Zeit nennt es „kopflos".

Der Jaguar-Geschäftsführer Rawdon Glover rechtfertigt sich mit den Worten: „Wenn wir auf dieselbe Art und Weise wie alle anderen auftreten, werden wir einfach überhört. Wir sollten also nicht wie eine Automarke auftreten." Ist was Wahres dran, aber muss ja nicht gleich so eine Katastrophe sein, dass selbst beim Blick auf die Homepage keiner mehr weiß, dass es um Autos geht. Und sorry, die Marke heißt halt Jaguar. Lieber Herr Glover, Du bist Chef eines Autobauers, wenn Du lieber etwas anderes machen möchtest: Do it!

Gibt es denn einen Gewinner? Ja, WWF Deutschland nimmt den Ball dankend auf und macht darauf aufmerksam, die Lebensräume der Jaguars zu schützen. Gruß an die Kollegen der Social-Media-Redaktion: endlich wird mal auf jeden Kommentar geantwortet, auch auf die zahlreichen negativen Äußerungen.

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Kampagnensalat: Opa-Schuh wird modern!

„Mephisto, the World's Dorkiest Walking Shoe, Is Suddenly—Cool?" So titelt das „Wall Street Journal" vergangene Woche.

Da musste ich kurz innehalten. Meinen die wirklich Mephisto? Als in der Einleitung von der ultimativen Opa-Marke die Rede war, wusste ich Bescheid, dass wir vom gleichen Mephisto sprechen. Es gibt einen richtigen Run auf diese Schuhe, um die coole Menschen früher einen großen Bogen gemacht haben – dabei sind die Schuhe ja nicht günstig. Aber vielleicht ist es genau das: Diese Mischung zwischen teuer, gemütlich und so uncool, dass es schon wieder cool ist. Oder wie man bei der Süddeutschen Zeitung bereits im März 2023 lesen konnte: Die inneren Werte sind natürlich sowieso tadellos: bequemes Fußbett, gelenkschonende Spezialsohle, robuste Machart. Man kann sagen: So nah an einer Krankenkassenleistung war noch kein Trendschuh jemals!

An keiner Stelle konnte ich übrigens von einer neuen strategischen Ausrichtung oder einem neu aufgesetzten Marketing lesen. Lediglich auf Kooperationen mit hippen Marken wird eingegangen. Manchmal passieren Dinge wohl auch einfach noch so. Und schwupps ist der Opa-Schuh modern!

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Kampagnensalat: Bitburger – Mehr Bock Bitte

Puh, jetzt wird es schwierig. Ich bekomme das neue Video von Bitburger mit dem Thema „Mehr Bock Bitte" für mich einfach nicht gegriffen.

Das kann aber an mehreren Dingen liegen. Ich komme aus einer Generation, die bei Bitburger an Formel 1 und Schumi denkt, dann an Menschen in einer verrauchten Eck-Kneipe, aber hippe, junge Leute, die in einem golden erstrahlten Video Breakdance-Moves in einer Bar machen, sind bei mir raus. Können aber auch meine Grenzen sein. Immerhin bewirbt Bitburger sein Winterbock, das bewusst in einer jungen Social-Media-Zielgruppe positioniert werden soll.

Der Sound basiert auf KI, eingesetzt wurde dafür Suno. Da im Artikel auf W&V von einer Nachbearbeitung durch die Agentur die Rede ist, weiß man nicht, wie viel Prozent noch von der KI stammen. So oder so, der Song ist eingängig, das Video ist eine Mischung aus Atzen, Ballermann und TikTok-Song. Könnte also gut funktionieren. Bei den jungen Leuten wird sich jeder wiederfinden, nur ich bin raus. Wie ist es mit Dir? Hast Du „Mehr" oder „Weniger Bock"?

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KI-Corner: Live-Video in ChatGPT

In den letzten Tagen hatten wir einige Gespräche mit potenziellen Kunden zu neuen möglichen KI-Tools. Ein Thema, das dabei immer wieder kommt, ist die brutale Schnelligkeit der Entwicklung. Habe ich letzte Woche noch von den Sprachfunktionen bei Gemini oder ChatGPT gesprochen, die Du unbedingt mal testen sollst, steht diese Woche schon die Video-Live-Funktion vor der Tür. Bislang habe ich dazu nur zwei Videos sehen können, aber sollte die Funktion halten, was sie da verspricht, werden neue Anwendungsmöglichkeiten explodieren.

In der Demo erkannte ChatGPT das Motiv in der Kamera problemlos, merkte sich den Namen, erkannte einen Ball und ordnete ihn dem Hund zu. Die Demo ist ziemlich beeindruckend, wenn man bedenkt, dass der KI-Assistent eigentlich keine Informationen hatte. Ich bin sehr auf Use Cases gespannt, wenn wir es endlich auch mal testen dürfen.

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Beilagensalat: So geht eine Entschuldigung!

Erinnerst Du Dich noch? Letzte Woche hat es Netflix geschafft, sich nicht zu entschuldigen, obwohl beim Mega-Event Tyson gegen Paul die Bildschirme schwarz blieben. Wie man es technisch besser macht, wusste fussball.de nicht, denn die neue App ist eine Vollkatastrophe, aber zumindest geht so eine Entschuldigung und schnelles „Krisenmanagement" – die Community reagiert mit Begeisterung und wartet auf das Update 2.0. Erkenntnis, entschuldigen, besser machen – ist doch gar nicht so schwer, oder Netflix? Obwohl das „besser machen" ist auch bei fussball.de noch offen.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.