NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 03/2024 – GPT-Store, CEO-Reichweite & die Streaming-Werbeoffensive

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Diese Ausgabe aus KW 03/2024 versammelt Lob und Kritik für tesa, benuta und Ritter Sport, einen Blick auf den eBay-Skandal, die Frage nach der Macht der CEO-Reichweiten auf LinkedIn, die Werbeoffensive der Streaminganbieter, News von der CES – und endlich den GPT-Store von OpenAI.

tesa: TADAA!

Die neue Kampagne von tesa ist eine 1+*. Es ist so ziemlich alles rund, was auf die Kleberolle passt. Das Unternehmen für diverse Klebelösungen zeigt im zugehörigen Spot, wie vielfältig die Produkte einzusetzen sind und vor allem: Wie kreativ ein Anwender damit werden kann.

Vom Geschenke verpacken über basteln bis hin zum Abkleben von Wänden oder Anbringen von Bildern zur Dekoration, ist alles möglich! Am Ende heißt es: tadaa!

Dazu gibt es passende Werbemotive, die bunt und divers gestaltet sind. Markenkommunikation und Image sind von der Kreativ-Agentur Accenture Song grandios in Szene gesetzt worden, die Kampagne ist ansprechend und zeitgemäß. „Für mehr tadaa-Momente im Leben – tesa feiert mit neuer Markenkampagne die Freude am Gelingen", heißt es im Pressebereich der Website. Von mir gibt es dafür zwei Daumen nach oben!

Einen Kritikpunkt, viel eher eine Frage, habe ich dennoch. Auf Instagram wird der Kanal mega bespielt. Mit DIY-Anleitungen und verschiedenen Videos, in denen die unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten dargestellt werden, sieht man auf einen Blick, was tesa alles kann. Nur TikTok gibt es nicht? Es ist fast schon traurig, dass tesa die perfekt für diesen Kanal geeigneten Inhalte hier nicht spielt. Offenbar reichen die 25.700 Follower auf Instagram. Ich denke: Da geht noch viel viel mehr!

benuta: Teppichkauf zwischen Laden und Online

Wann hast Du Dir das letzte Mal einen Teppich gekauft? War das noch in einem Ladengeschäft oder hast Du ihn online bestellt? Ich habe meinen beigen Kameraden im Jahr 2020 online bei einem schwedischen Möbelhaus ausgesucht. Entscheidend waren dabei für mich Preis, Größe und Zeitlosigkeit. Ein Ladengeschäft hat für mich den Stempel „teuer" getragen und hat erst gar keine Chance bekommen, sich zu beweisen. In der Debüt-Kampagne von benuta wird nun beides miteinander kombiniert.

Ein bisschen drüber sind die beiden Ladenbesitzer schon, aber Sinn ergibt der Spot trotzdem. Denn Ladengeschäfte haben es nicht nur wegen Online-Shops schwer, auch weil sie oft nicht mit der Zeit gehen. Ob das so ist, kann ich nicht beurteilen, aber es klingt logisch.

Ich finde den Aufhänger gelungen, auch die unterschiedlichen Themen wie Nachhaltigkeit und Stil werden gut aufgegriffen. Die beiden Darsteller der Ladenbesitzer spielen Unikate, an die man sich auch noch in fünf Jahren erinnern kann.

Die Plattform ist gegeben, die Möglichkeiten groß, dranbleiben heißt es jetzt für benuta. Das volle Potenzial ausschöpfen! Schauen wir mal, was wird. Der Instagram-Kanal sieht für mich nach klassischen Möbelhausbildern aus, das ist aber durchaus positiv, denn die Fotos sind attraktiv und spielen mit Einrichtungsbeispielen. Und hier wird auch endlich TikTok eingebunden, mit Videos zum Outlet, Einrichtung, internen Themen, Memes und der aktuellen Werbung. Zuppa, sag ich da nur!

Ritter Sport: Taufe á la Ritter Sport

Die Werbung zur Taufe von Ritter Sport wurde nicht mir angezeigt, schließlich versteht die Marketingabteilung von Ritter Sport das Targeting-Business. Ziel der Werbung war Katrin!

Von daher: Hausaufgaben gemacht, der frisch gebackenen Mutter eine Anzeige im Kontext der Taufe anzuzeigen. Die Tatsache, dass jetzt nicht mehr unbedingt jeder im Jahr 2024 sein Kind direkt taufen lässt, kreide ich nicht Ritter Sport an, die Headline schon. „Damit die Taufe nicht ins Wasser fällt" – ganz schön anmaßend, oder? Dafür ist doch der Onkel zuständig, der selbst auf Taufen zu viel trinkt oder der Bruder, der einfach mal wieder unentschuldigt nicht kommt, das schlechte Essen, der mittelmäßige Pfarrer: Es gibt viele Gründe, aber die fehlende Schokolade von Ritter Sport? Weiß ich nicht … Sei Euch aber verziehen, die Idee mit dem Gestalten der Minis ist süß, Eure Knuperflakes sind eine glatte 1+* und auch ansonsten hattet Ihr schon viele Werbe-Highlights für uns im Snack.

eBay: Pass auf, wen du kritisierst!

Ein Ehepaar äußerte sich kritisch über den Newsletter von eBay und wird anschließend vom Konzern terrorisiert. Die Konsequenz: drei Millionen Dollar Strafe, Haftstrafen und Hausarrest für die sieben Täter.

Doch was genau ist passiert, nachdem das Paar die Kritik geäußert hat? Aus der Führungsriege von eBay soll angeordnet worden sein, die beiden „zu zermalmen"/„auszuschalten". So wurde an die Anschrift der Kritiker ein Buch geschickt, in dem beschrieben wird, wie der überlebende Partner eines Ehepaars den Tod des anderen überstehen kann. Des Weiteren lagen ein Schweineembryo, lebende Kakerlaken, ein Trauerkranz und eine mit Kunstblut beschmutzte Schweinemaske zu verschiedenen Zeiten in der Post.

Weil sie den Newsletter von eBay kritisiert haben? Selbst wenn die gewählten Worte der beiden nicht angebracht oder gar beleidigend gewesen sind, ist das kein Grund für den psychischen Missbrauch und Drohungen.

„Dass gerade die Führungsebene nahezu ungeschoren davongekommen ist, will das Ehepaar Steiner nicht auf sich beruhen lassen. Eine zivilrechtliche Klage ist bereits eingereicht", schreibt t3n.

Wir können ruhigen Gewissens sagen: Uns darf man (gern konstruktiv) kritisieren, ganz ohne Konsequenzen. Wir sind sogar dankbar für Anregungen und Fingerpointing, denn auch daraus lernen wir.

LinkedIn: Wer hat das Sagen bei der CEO-Reichweite?

„Die große Macht der CEOs" titelt OMR. Hintergrund: Brands pushen ihre Führungskräfte auf LinkedIn, damit diese als Corporate Influencer Nr. 1 fungieren. So werden aus CEOs Social-Media-Superstars mit großen Reichweiten in Traumzielgruppen. Doch was passiert, wenn Herbert Diess Volkswagen verlässt, wie geschehen. Er nimmt seine Anhängerschaft mit. Für den Konzern VW überhaupt nicht lustig, denn die aufgebaute Reichweite ist weg, Diess ist nicht mehr das Gesicht, ein neues muss aufgebaut werden. Freuen können sich der CEO und der neue Geldgeber.

So geschehen auch bei Tina Müller, bekannt von ihren Positionen bei Opel und Douglas, mittlerweile bei Weleda. Mit ihren mehr als 200.000 Followern gibt sie dem Unternehmen einen regelrechten Boom. Wer mehr dazu lesen möchte, welche Macht die CEOs mit ihrer Anhängerschaft mittlerweile haben, kann das ausführlich bei den Kollegen von OMR machen.

Beim Schreiben kam mir ein Gedanke. Ist dieser Mechanismus auch auf „Nicht-CEO-Ebenen" anwendbar? Sind Vertriebsmitarbeiter mit einem großen Netzwerk automatisch spannender für ein neues Unternehmen? Ist die Anzahl der Follower und die Reichweite der Posts auf LinkedIn sogar eine Art Währung bzw. Einstellungskriterium?

Streaming: Alles Werbung oder was?

Streaminganbieter wie Amazon Prime, NETFLIX und DAZN drücken aufs Tempo und öffnen potenziellen Werbekunden die Türen. Vor allem der Erstgenannte geht in die Offensive. Künftig bekommen auch Prime-Mitglieder Werbung angezeigt. Alles in Maßen, wie Amazon-Manager Nils Gräf sagt: „Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, unseren Kundinnen und Kunden ein großartiges Prime-Video-Erlebnis zu bieten und es gleichzeitig unseren Werbekunden zu ermöglichen, relevante Zielgruppen effektiv zu erreichen." (Horizont) Übersetzt heißt das: Die Streaminganbieter brauchen die Einnahmequelle Werbemarkt, da eigene Produktionen und der Einkauf von Exklusivrechten teuer sind.

Besonders einfallsreich ist die Werbung dabei nicht. Bei DAZN muss ich mir 30 Sekunden Pre-Roll geben, bevor ich mein Fußballspiel sehen kann. Relevanz für mich oft gleich null. Gleiches gilt auch schon lange für Sky – hier geben sich Wettanbieter die Klinke in die Hand. Ich bin gespannt, wie innovativ Amazon ab 5. Februar die Vermarktung startet. Ich erwarte nicht zu viel. An einem Fakt können die Anbieter gar nichts ändern: Fernsehwerbung ist oft so schlecht gemacht. Sie findet im Snack kaum statt, da es schwierig ist, so schnell vor dem Fernseher zu reagieren und weil ich wenig TV schaue. Aber wenn die Flimmerkiste läuft, denke ich mir permanent, wie schlecht die Werbung ist.

Zudem nähern sich langsam aber sicher die Anbieter der Relevanz von ARD und ZDF, da das Angebot nicht gut ist. Hat man die Highlights durch und ist man kein Mega-Serienjunkie, muss man lange vergebens suchen, um gute Filme zu finden – das gilt für NETFLIX und Amazon. In der Phase die Preise zu erhöhen und Werbung zu starten, finden bestimmt einige zahlende Kunden nicht lustig. Von der komplett zersprengten Rechte-Landschaft bei Sportangeboten wollen wir erst gar nicht sprechen.

Deshalb: Manchmal muss man sich aufraffen und einfach mal kündigen. Habe ich jetzt auch bei meinem geliebten 1. FC Köln gemacht. Gibt Zeit und Platz für neue Dinge. Laut W&V gibt es genug Kunden, die ein Abo inkl. Werbung akzeptieren. Und laut Bekunden des FC reicht die Schlange an Interessenten für eine Dauerkarte bis Leverkusen. Dann kann ich mich ja verabschieden…

CES: Was gibt's Neues?

Vorweg: Ich bin nicht vor Ort in Las Vegas. Vielleicht nächstes Jahr. Wer weiß?

Zwei Geschichten sind mir aufgefallen. Das neue Erlebnis auf der Carrera-Bahn wird jetzt KI-unterstützt, per Smartphone gesteuert und funktioniert hybrid. Dabei war ich so großer Fan der alten Variante, nur echte Profis wussten, wie feste man den roten Knopf drücken muss, um perfekt in die Kurve zu fahren. Aber was der alte „Knochen" natürlich nicht konnte, war ein Online-Mehrspieler-Modus bzw. ein an die Fahrkünste angepasstes Schwierigkeitslevel. Ich bleibe dennoch dabei: Ich bin Team „old school"!

VR: mehr als ein Abo. Mittels VR-Brille wird es dem Zuschauer möglich, ein NBA-Spiel hautnah zu erleben. Würde ich gerne mal testen, wie „echt" die Emotionen sind und wie sehr einen das Spiel dann in seinen Bann zieht. Wenn es cool ist, auf jeden Fall eine Alternative zu den mittlerweile viel zu teuren Abos der Sport-Streaminganbieter.

KI-Corner: Der GPT-Store

Bisschen „late to the Party", aber ich wollte mir den neuen GPT-Store von OpenAI mal genauer anschauen. Während manche, so wie Experte Sascha Lobo, schon vom iPhone-Moment der KI sprechen, nutzen andere, wir nennen hier keine Namen, erstmal den „Astrology Birth GPT" – zeigt aber schön, die Anwendungsfelder sind sehr vielfältig.

Was habe ich gemacht? Da ich keine Lust mehr auf den viel zu teuren und dafür viel zu schlechten Mentor von Duden hatte, war der erste Weg im Store zu den Rechtschreibprüfungen. Die sind gut, geben Hinweise, markieren Fehler und sind kostenlos. Sind die Plugins schnell gewachsen, explodiert der GPT-Store förmlich und das wird weiter wachsen, denn ein Bezahlmodell steht in den Startlöchern. Die Praxis ist für Anwender und Entwickler gelernt durch den App-Store, könnte mir vorstellen, dass es richtig groß werden kann. Rechtlich müssen wahrscheinlich noch ein paar Hürden genommen werden, aber die grundsätzliche Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Zum Start waren es übrigens bereits drei Millionen Anwendungen.

Also an alle ChatGPT+ Anwender: Es gibt viel zu entdecken. Ein Hinweis noch: Das Kreieren von eigenen GPTs, also die Basis für den Store, ist super einfach. Einfach mal testen. Thema finden, mit Informationen (PDF, Videos, Websites) füttern und Du bekommst einen Experten in Deinem Wunschgebiet.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.