Tradition vs. Moderne: Der Fußball zwischen Herz und Marketing
BVB, Arminia, Juventus, Venedig, Tradition, Moderne, Zeiglers Sohn, Liebe: Mal sehen, ob ich das alles in einem Artikel mit Marketingbezug erklärt bekomme.
Wir fangen an bei Borussia Dortmund. Der Fast-Meister des vergangenen Jahres hat sich ein neues Design verpasst. Und ich halte es mit der Gastautorin der W&V: „Was für ein cooles, modernes, boldes Design für einen deutschen Club." Bei ihr folgt – wie bei mir auch – ein aber: „Wo ist das Herz? Die Emotionen und die Nahbarkeit der Menschen? Wo sind neben aller sportlichen Dynamik die leidenschaftlichen Gespräche? Wo ist der Borsigplatz …?"
Und sie hat recht, denn genau diese Fragen habe ich mir als großer Fan von Juventus Turin gestellt, als das alte Logo weichen musste und der italienische Traditionsverein eine Modemarke geworden ist. Nicht falsch verstehen, ähnlich wie beim BVB sehen die Klamotten wirklich gut aus, die asiatischen Märkte werden erobert, aber der Dauerkarten-Inhaber in der Curva Sud fremdelt genauso wie der auf der Südtribüne.
Wie wichtig ist die Tradition? Wie notwendig der Schritt in die Moderne, um den Anschluss an die Vereine in der Premier League nicht zu verlieren? Das sind die Fragen, die die Vereinsbosse heutzutage beantworten müssen. Dabei stellt sich den Fans nur eine Frage: Ist das noch der Verein, der mein Herz entflammt hat? Oder wie es Arnd Zeiglers Sohn besser sagt, würde ich mich heutzutage nochmal in diesen Sport verlieben? Darauf gibt es von mir ein klares Ja. Ich verliebe mich sogar immer wieder neu in den Sport. Beim FC, bei der Fortuna, beim Spiel meines Sohnes oder in Bielefeld, beim Drittliga-Spiel gegen Aue. Das Logo der Arminia, die Bilder mit Ewald Lienen im Oldschool-Trikot, auf der Brust Granini als Sponsor, da bekommt jeder Fußball-Fan einen Nostalgie-Kick. Übrigens, die Kulisse war mit 15.005 Zuschauern genauso zweitligareif wie das Spiel.
Zweite Liga ist ein gutes Stichwort: Da schafft es in Italien der FC Venedig, Tradition und Moderne hervorragend zu verbinden. Schaut euch den Instagram-Kanal von Venezia FC an, die Trikots sind weltweit ausverkauft und ein Modestück, ohne das künstlich zu wollen. Das ist die hohe Kunst: Eine tolle Marke, die über Jahre aufgeladen wurde, in die Zukunft zu führen, ohne ihre Wurzeln zu verkaufen. Ich würde so gerne einen Fußballverein führen. Wenn ich wählen dürfte, dann übrigens Athletic Bilbao. Warum? Denk mal drüber nach …
Und damit komme ich zu meinem letzten Punkt: Ich liebe diesen Sport. Und so sehr mich nervt, dass Newcastle auswärts in Grün-Weiß spielt, damit die Eigentümer aus Saudi-Arabien glücklich sind – ich würde alles für ein Ticket am 6. Januar geben. Dann spielt Newcastle gegen Sunderland. Das ist Zu- und Abneigung auf einen Punkt. Das ist bedingungslose Liebe, das ist Emotion – und die macht diesen Sport aus.
KI kocht: Pazza Pasta – wo bleibt die Liebe?
Bei zwei Themen werde ich ganz schnell Traditionalist: Fußball und Essen. Das runde Leder habe ich ja heute schon ausführlich behandelt, kommen wir nun zum Thema Essen, oder genauer gesagt zur Pasta. Das Agentur-Startup Core BLN bringt die Pazza Pasta auf den Markt. Die komplette Entwicklung der Marke inkl. Fotos ist KI-generiert. Verstehe ich, machen wir in vielen Teilen auch nicht anders, ist Ende 2023 auch keine Neuigkeit mehr. Der Preis ist günstig, die Ansprache laut: Alles verstanden. Aber wo zum Teufel ist die Liebe?
Wo ist die Hingabe, uns mittags die besten Büro-Nudeln Deutschlands zu offerieren? Ich mache wirklich nicht oft Nudeln, aber wenn, dann zelebriere ich das mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln inkl. Storytelling aus sizilianischen Küchen. Das möchte ich sehen, riechen, schmecken und auch in der Werbung transportiert bekommen. Ich komme zurück zu meiner Idee: eine kleine Bar, jeden Tag ein Nudelgericht, keine Karte, es wird gegessen, was auf den Tisch kommt, die Sauce voller Geheimnisse der Nonnina, die selber noch am Herd steht. Die Schlange vor dem Laden ginge jeden Mittag einmal um den Dom. Aber wir lassen uns lieber vom Lieferdienst bringen. So sehr ich die Entwicklung liebe: Können wir hier bitte traditionell bleiben?
KI-Corner: KI-Anna und die 25 Millionen
Kennst du Anna Indiana? Ich kannte sie nicht. Die Gute ist AI-Singer-Songwriterin und stellt sich auf X entsprechend vor.
Warum ich darüber schreibe? Nicht, weil wir mit Hilfe von KI mittlerweile Songs machen können – das haben wir in der 923b schon vor Monaten gemacht (war ein Rap-Song, auch nicht so schön, aber gemacht haben wir es). Und dass KI-Avatare mittlerweile Popstars sein können, ist auch ein alter Hut. Aber eine Zahl hat mich neugierig gemacht: 25 Mio. Mal wurde der Post seit dem 24.11. angezeigt. 10.000 Reposts, 5.000 Likes und knapp 8.000 Kommentare. Verrückt. Da wir einige Kunden-Accounts betreuen und wissen, wie schwierig es ist, Reichweite aufzubauen, ist das umso beeindruckender. Das scheint für KI-Anna ein leichtes Spiel zu sein …
Zum Post von Anna Indiana auf X
KI-Corner: Ein Hoch auf Canva!
In einem Büro voller fantastischer Grafik-Experten der Canva-Gott zu sein, ist gar nicht so einfach. Jeden Tag werde ich gedisst. Aber hier an dieser Stelle möchte ich die Plattform abfeiern. Für Menschen, die nicht jeden Tag mit Adobe arbeiten, war Canva schon immer eine fantastische Alternative. Doch in Zeiten von KI hat sie sich noch deutlich verbessert. Bilder, Videos und Präsentationen per Prompt, Bildbearbeitung auch für Nicht-Profis sowie Texterstellung direkt in Canva: Es gibt heutzutage keine Ausrede mehr für schlechten Content. Auf Instagram habe ich eine kurze Zusammenfassung gefunden, was das Magic Studio von Canva alles kann.
OOH: Grandiose dm-Kampagne auf dem Weihnachtsmarkt
Die OOH-Kampagne von dm ist mir auf dem Weihnachtsmarkt sofort ins Auge gefallen – und ich finde sie ziemlich gut. Zwei Motive bekommen ein Extra-Lob. Zuerst das überdimensionale Pflaster mit der Headline „Für alle, die nur an Weihnachten in der Küche stehen." Ich fühle das so sehr: Dafür gibt's eine 10/10. Und auch die Ohrstöpsel im Kontext mit dem Nervsong „Laaaaast Christm…" sind grandios. Glückwunsch an die Kolleginnen und Kollegen, die diese Kampagne verantworten.