NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 34/2024 – KI-Bewerbungen, KI-Agenten & eine Reise durch Sachsen

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Eine ganze Ausgabe von mir: Bewerbungen aus der KI-Schleuder, warum Marken ihre eigenen KI-Agenten brauchen, Hornbach und McDonald's mit „übergriffigen Händen", Ebay is back, dm in der brand eins, Hitschlers Durstlöscher-Tattoo, Nucaos kleines Guerilla-OOH mit großer Wirkung – und eine überraschende Reise durch Sachsen.

KI-Corner: Bewerbung von der Stange!

Wann hast Du das letzte Mal eine Bewerbung geschrieben? Schon länger her? Dann hast Du auch kein ChatGPT genutzt. Aber würdest Du es heute machen? Als kleine Unterstützung? Oder doch als große Hilfe? Mag man dem Artikel auf The Decoder Glauben schenken, sind es mehr als 50 % der Bewerber, die heutzutage KI-Tools nutzen, um eine Bewerbung zu schreiben.

Glaube ich sogar, wenn ich sehe, was wir teilweise gesendet bekommen. Dabei finde ich das grundsätzlich nicht schlecht. Ein paar Ideen holen und vor allem zum Schluss nochmal Korrektur lesen! Aber bitte nicht 08/15 das ganze Anschreiben. Denn das Wichtigste im Anschreiben ist das Persönliche. Wie geht der Bewerber auf die 923b ein, hat er sich mit der Firma auseinandergesetzt, weiß er, was unser Name bedeutet und dass wir einen Newsletter schreiben? Davon sehe ich nichts in den Bewerbungen! Massen-Anschreiben, bei denen nur die Namen der Firmen ausgetauscht werden, können nicht erfolgreich sein, nicht einmal in diesen Zeiten, wo der Arbeitsmarkt eigentlich klar für den Arbeitnehmer ist.

Wie ist Deine Meinung? Mit oder ohne KI-Hilfe?

KI-Corner: So helfen KI-Agenten

„KI-Assistenten werden für Marken und Unternehmen mittelfristig unverzichtbar sein. Denn nur sie sitzen auf speziellen Buchungs- oder Warenwirtschaftssystemen, validen und First-Party-Daten zu spezifischen Themen und können deshalb maßgeschneiderte Empfehlungen geben oder hyperpersonalisiert Aufgaben übernehmen." So steht es in einem Gastkommentar auf Horizont.de und ich sehe das ebenfalls so.

Oder besser gesagt, wir sehen das nicht nur so, wir bauen das auch für Dich. Wir heißt: Gemeinsam mit unseren Freunden von AI Peanuts bieten wir genau diese Dienstleistungen an. Wir finden heraus, welche Aufgabenstellung es gibt und wie wir diese mit Hilfe von KI-Agenten lösen können.

Beispiel aus dem Horizont-Artikel:

„Eine Kundin hat einen Flug nach New York gebucht. Nun soll ein KI-Agentensystem der Fluglinie für sie eine individuelle Follow-up-E-Mail schreiben. Dabei gibt der Customer-Data-Agent dem KI-Team die vorhandenen Informationen zur Kundin: Sie reist jedes Jahr um die Vorweihnachtszeit nach New York und bucht immer Business Class. Der Research-Assistent, der die Internetsuche beherrscht, findet heraus, dass zu dieser Zeit Christmas-Shopping das große A und O in New York ist. Darüber hinaus sucht er für die Kundin passende exklusive Hotels und Events heraus, die zur Reisezeit verfügbar sind. Oder gibt ihr gleich Shoppingtipps rund um Luxusboutiquen. Diese Information gibt er an den Schreib-Agenten. Dieser verfasst mit dem Content einen markengerechten Text. Und ein Assistent, der auf Bildgenerierung spezialisiert ist, entwirft dazu ein passendes Header-Bild. Kontrolliert wird die gesamte E-Mail vom Brand-Agenten, der den anderen Spezialisten im Team daraufhin Verbesserungsvorschläge macht. Der Gruppenchat zwischen den einzelnen Spezial-Assistenten wird vom Supervisor-Agenten gesteuert. Durch die Iterationszyklen kommt das KI-Team schließlich zum optimalen Ergebnis."

Dieser Prozess ist auf viele Anwendungsbeispiele und unterschiedliche Agenten übertragbar und wird sich definitiv auch bei Dir und Deiner Firma etablieren. Vielleicht gehen wir den Prozess gemeinsam an …

Kampagnensalat: Hornbach & McDonald's

Übergriffige Hände? Eine passende Beschreibung oder einfach nur an den Haaren herbeigezogen?

Hornbach reißt im neuen Kampagnen-Spot die Hütte ab, um sie wieder aufzubauen. Mit „Hör auf Deine Hände" begegnet den Betrachtern ein Video, das im August schon erschreckend gut zu Halloween passen würde … oder war das alles nur ein Fiebertraum? Habe ich mir am Montag den Kopf doch ein kleines bisschen ZU doll gestoßen?

Der Clip ist gut gemacht, bringt auf den Punkt, was der Titel erzählen soll, und reiht sich in den markanten Stil von Hornbach-Werbung ein. Dafür gibt es schon mal einen Daumen nach oben. Horizont beschreibt den Spot mit den Worten „handgreiflich" und „übergriffig" und ich hoffe, dass diese Wortwahl die Bedeutung dieser nicht ins Lächerliche zieht.

Mit ähnlichen Worten wird auch dieses Exemplar auf Horizont beschrieben: McDonald's zeigt mit „zwei Hände voll Geschmack", wie groß der Genuss des neuen „Der M"-Burgers ist. Für mich hat das mehr mit Liebe trotz oder eben wegen voller Hände zu tun als mit „Handgreiflichkeiten". Den Clip des Fastfood-Riesen mal ausgeklammert – wollte der Autor des Artikels hier auf Wortspiele pochen? Knapp daneben, zumindest für mich.

McDonald's bekommt aber weder einen Daumen rauf noch runter, das Video holt mich nicht ab und erzählt mir zu wenig vom Burger selbst. Umarmungen mache ich auch lieber, ohne dabei zu essen, das Schmatzen im Ohr mag ich keinem zumuten. Was denkst Du?

Kampagnensalat: Ebay is back?!?

Wenn Du Dich mit Verlagskollegen über die Vergangenheit unterhältst, fallen einige Namen immer, die das gute, alte Geschäftsmodell zerstört haben. Die Scout-Gruppe, Mobile.de und oft als Erstes genannt: Ebay! Dabei fiel mir vor Kurzem auf: Von denen habe ich wirklich lange nichts mehr gehört. Macht da einer noch was? Also mein letzter Verkauf ist Jahrzehnte her.

Und schwupps lese ich diese Woche auf Horizont von der neuen Ebay-Kampagne, die vor allem die junge Zielgruppe erreichen soll. Dann kann ich ja meckern, gehöre ich bekanntlich nicht mehr dazu. Aber ich habe gar nichts zu motzen. Durchdacht, doppeldeutig mit dem Begriff „safe", genau die richtigen Anwendungsfälle, schnell geschnitten, finde ich wirklich gut umgesetzt.

Also bin ich jetzt jung oder ist die Kampagne doch was für alle Generationen? Entscheide selbst …

Kampagnensalat: dm begeistert

Wie das so schön bei gedruckten Magazinen ist, sie sind zeitloser und konkurrieren nur bedingt mit dem rasanten Tempo von Online-Portalen. Deshalb nimmt man sich die brand eins auch nach Wochen noch einmal und liest sie. Dabei fiel mir die Anzeige von dm auf. Vor ein paar Tagen noch von uns kritisiert für die Landing Page einer Recruiting-Anzeige, hauen die Marketing-Verantwortlichen zum 75. Geburtstag des Grundgesetzes im Mai wirklich einen raus. Doppelseite, aus meiner Sicht perfekt getextet – mit Humor, aber auch der notwendigen Ernsthaftigkeit. Je öfter ich sie mir anschaue, desto besser finde ich sie. Und wirklich auch mal eine Wohltat im Sumpf des ganzen Anzeigen-Mülls, den ich täglich auf Social Media sehe.

Kampagnensalat: Hitschler – durstlöschende Drachen

Drachenzungen, Durstlöscher und ein Tattoo, dazu noch ein CEO, der das aufgreift und teilt: Ich fand die Mischung ganz gut.

Philip Hitschler-Becker, Geschäftsführer von Hitschler, muss gerade einige Umsatzeinbußen in Kauf nehmen, denn ich esse nichts Süßes mehr, mal sehen, wie lange ich das durchhalte.

Aber es gibt andere, wie eine Userin auf Social Media, die ein Tattoo als Foto teilte. Darauf zu sehen: die legendären und viel zu leckeren Drachenzungen als Geschmack von Durstlöscher (finde ich auch ziemlich gut normalerweise). Hitschler nimmt den Post, teilt ihn auf LinkedIn und markiert riha WeserGold Getränke, die Macher hinter Durstlöscher. Und schon beginnt das muntere Kommentieren. Fabian Huber, Founder & CEO von UniBev (die Company hinter BraTee, VitaVate), stellt sich schon brav als Alternative vor, falls Durstlöscher nicht möchte. Ströer bietet Flächen, weitere Firmen haben Koop-Ideen, wieder andere zeigen Tattoos.

Übrigens: Das Tattoo ist so hässlich, eine glatte 6-, aber „fame" für fünf Minuten oder doch länger? Darüber entscheidet auch das weitere Vorgehen von Hitschler, doch der antwortet nicht – auf keinen Kommentar bislang. Ich verstehe es nicht. Du machst alles richtig und dann sprechen die Menschen mit Dir und Du antwortest nicht. Na ja, schauen wir mal, ist ja erst ein paar Tage alt …

OOH: Nucao – kleines Geld, großer Erfolg

Ich liebe Kreativität. Tja, oder Scholz & Friends, die für Nucao eine klasse Idee umgesetzt haben. Drei 18/1 in Leipzig gebucht, nur um mit den „auffällig" kleinen Plakaten große Wirkung auf Social Media zu erzeugen. Und was soll ich sagen: Es klappt! Tolle Kampagne, bei der von hinten bis vorne alles passt. Habe die Schokolade zwar noch nie probiert, aber das Marketing lädt dazu ein – ah, ich esse ja keine Süßigkeiten!

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Reise: Surprise, surprise!

Köln – Berlin – Dresden – Bautzen – Bischofswerda – Dresden – Berlin – Köln!

Ganz schön unterwegs gewesen in den letzten Tagen. Und ich möchte Euch kurz aus Marketing-Sicht mitnehmen, aber nicht nur. Die wahren Schätze hatten nichts mit Marketing zu tun. Fangen wir vorne an. Köln ist Köln, zu laut, zu hässlich, zu viel von allem, lassen wir das. Machen wir weiter mit Berlin. Endlich mal was ganz Neues. Oder habt Ihr diesen Cube schon gesehen direkt an der Gedächtniskirche? Wer ihn vermarktet, wie er zu buchen ist? Ich weiß es nicht, aber die Wirkung verfehlt er definitiv nicht.

Die Wirkung wollte ich zwischendurch auch von der neuen Version von Runway testen. Und dachte mir, mache ich doch aus meinem Wappenkuss ein kleines Video. Inspiriert war ich von Foot Locker, die endlich das Back-to-School-Game verstanden haben. Die Kids tragen heutzutage Trikots – vor allem von Juventus Turin.

Kommen wir zur Überraschung: Wie schön ist denn bitte Dresden? Aber auch das beschauliche Bautzen und Bischofswerda. Wir (ich) haben ein teils völlig falsches Bild der Region. Wunderschöne, malerische Landschaften, süße Städte, sauber, nette Menschen. Dagegen ist das „weltoffene" Köln ein Müllhaufen.

Ich muss mich endlich auch selbst maßregeln, nicht in Schubladen zu denken. Urteile erst, wenn Du es gesehen hast. Danke, Torsten, für einen spannenden Tag mit sympathischen Gesprächen. War nicht mein letzter Besuch! Ach, zurück zu Berlin. Viel zu laut. Deine Meinung so …

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.