NewsSnack-Archiv · 2023

NewsSnack KW 26/2023 – KI für CEOs, das Ende des Prospekts und der Werbemarkt der Zeitungen

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2023

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. In KW 26/2023 geht es um Veränderungsbereitschaft (vom Kartenlesegerät im Dom bis zum KI-Gottesdienst), generative KI für Geschäftsführer, Rewes Abschied vom Prospekt und die widersprüchlichen Zahlen zum Zeitungs-Werbemarkt.

Beobachtung: Von Köln bis Rom – Plastik zahlt!

Obwohl ich großer Fan von OOH bin, fand ich die großen Screens am Mailänder Dom etwas drüber. Da bin ich zu sehr Traditionalist. Könnte ich mir das an meinem geliebten Kölner Dom vorstellen? Niemals!

Aber auch hier geht man mit der Zeit. Auch wenn es noch keine Riesenposter oder DOOH-Screens sind – das Kartenlesegerät an den Kerzen, bei dem man die Spende jetzt auch mit Plastik geben kann, hat mich überrascht. Als Kirchengänger hatte ich das bislang noch nicht gesehen. Vor allem bei der polnischen Reisegruppe wurde fleißig die Karte aufgelegt.

Mir zeigt es: Ich muss mich auch für Veränderungen öffnen. Woche für Woche über Veränderungsbereitschaft schreiben und beim ersten Kartenlesegerät im Dom alles scheiße finden, geht auch nicht. Und für die Traditionsliebenden gibt es endlich wieder Weihwasser am Eingang. Für die Nicht-Kirchengänger: Das Weihwasser war der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Und ja, ich habe es die letzten Jahre vermisst.

Vermisst wurde beim ersten KI-Gottesdienst in Fürth laut TAZ nur einer: ein Prediger! Denn der gesamte Gottesdienst war KI-gesteuert. Spannender Versuch, lesenswerter Artikel, schlechtes Feedback.

Übrigens: Noch ein witziges Fundstück zum Thema Kreditkarte und Wasser. Zum Reel bei Instagram

Mal sehen, wann wir unseren Wunsch nach Rom zurückzukehren am Trevi-Brunnen auch mit der Kreditkarte zahlen. Durch das Werfen der Münzen kommen immerhin Jahr für Jahr über eine Million Euro zusammen.

KI-Corner: Do it!

Hast Du am Wochenende ein bisschen Zeit? Du bist CEO oder in leitender Funktion bei einem Unternehmen? Und hast auch noch Interesse an KI? Dann solltest Du folgenden Text lesen: „What every CEO should know about generative AI"

An einigen Stellen bisschen harte Unternehmensberater-Kost, aber in Gänze wichtige Perspektiven auf das Thema, das aktuell die meisten Geschäftsführer mit Fragezeichen einschlafen lässt. Nur die Stelle überspringen, an der darauf hingewiesen wird, erstmal eine Arbeitsgruppe zu gründen. Machen ist das Zauberwort, auch Fehler machen, aber machen. Es gibt so viele Anwendungsfelder. Wenn Du Dir das alles nicht durchlesen möchtest, sondern direkt machen möchtest, dann melde Dich bei uns. Wir bringen schnell erste Cases auf die Straße. Garantiert ohne Arbeitskreise!

KI-Corner: Wer macht die nächste Präz?

PowerPoint war jahrelang das Präsentationstool: Von vielen gehasst, nur von ganz wenigen geliebt, musste sich aber jeder mal durch das Programm wühlen, um halbwegs vernünftige Ergebnisse zu erzielen. Damit sollte seit Canva eigentlich schon lange Schluss sein, aber es gibt sie noch, die PowerPoint-Freunde, nur noch getoppt von den Keynote-Göttern (Shoutout an Jochen!).

Während man Canva eventuell noch übersehen konnte, lassen die neuen Tools keine Frage offen, wie die Zukunft aussieht: Tome.app, beautiful.ai, Gamma.app und jetzt Decktopus. Ich habe das neue Tool Decktopus getestet und muss sagen: Wer auf der grünen Wiese anfängt, eine Präsentation zu bauen, sollte es direkt hier machen. Super einfach entsteht innerhalb von Sekunden eine KI-gestützte Präsentation. Als kleines Add-on kann ich sogar noch sagen, wie viele Minuten der Vortrag gehen soll, damit die Slides angepasst werden. Teste es mal, macht wirklich Spaß.

Übrigens: In dem Kontext habe ich mal das Plugin „There's an AI for That" auf ChatGPT getestet.

KI-Corner: Schluss mit lustig!

Ziemlich zeitgenau zu meinem Beitrag „Fotografie" aus der letzten Woche hat Midjourney Version 5.2 an den Start gebracht. In Bilder zoomen, noch genauere Varianten, bessere Qualität: Midjourney macht mal richtig ernst. Beispiel gefällig? Zum Post von Max Rascher

Diese Entwicklung ist in Kombination mit Adobe Generative Fill und diversen weiteren Tools, die aktuell zur Verfügung stehen, nicht zu stoppen. Ein spannender Prozess auch für uns in der 923b, aber einer, den wir voller Optimismus mitgehen und für unsere Kunden einsetzen, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

KI-Corner: Ich weiß genau, was Du denkst …

Dieser Satz, der schon viele Beziehungen in Krisen gestürzt hat, könnte in ferner Zukunft eine ganz neue Bedeutung bekommen. Forschern gelang es jetzt, Gedanken in Text und Bild umzusetzen. Viel mehr schreibe ich auch gar nicht dazu. Hier das Video

Übrigens für Freunde der KI-Corner, denen ich auch bereits den KI-Newsletter von Jens Polomski ans Herz gelegt habe: Abonniert AI Peanuts. Gut, verständlich und etwas launisch geschrieben, serviert der Newsletter Top-Meldungen im Snack-Format.

KI-Corner: Shopping Queen 3.0

Und der nächste Schritt in die Zukunft einer völlig veränderten Shopping-Experience ist gemacht. Versuchten bislang Marken mit Hinweisen „unser Model ist 1,86 m und trägt L", dem Käufer die Entscheidung nach Größen zu erleichtern, hat Google mittels Generative AI Abhilfe geleistet. Ab jetzt kannst Du Dir das Produkt Deiner Wahl von XXS bis 3XL an vielen verschiedenen Menschen mit komplett unterschiedlichen Konstitutionen und Hautfarben direkt per Knopfdruck anzeigen lassen. Zum Google-Blog Eine tolle Innovation.

Wie oft habe ich schon T-Shirts an durchtrainierten Typen auf adidas.de gesehen und mir gedacht: Wie sieht das wohl bei einem 44-Jährigen in XL aus? Das kann ich mir jetzt direkt anschauen.

Aber auch das ist nur ein Zwischenschritt. Denn der nächste große Schritt kann nur sein: Foto hochladen, Shirt in verschiedenen Situationen, vielleicht sogar in Bewegtbild, am eigenen Körper sehen. Ich denke, davon sind wir nur noch Monate entfernt – keine Jahre mehr. Großer Vorteil aus meiner Sicht: Die Retourenquote dürfte zurückgehen. Ich bin so gespannt, was noch im Jahr 2023 an Innovationen auf uns zurollt.

LinkedIn: Schau nur auf Dich!

LinkedIn ändert seinen Algorithmus. Das war eines der Top-Themen dieser Woche. Für mich persönlich ändert das gar nichts. Ich habe vorher nicht für den LinkedIn-Algorithmus geschrieben und mache es auch zukünftig nicht. Ich schreibe für mich, für meine Follower, die meine Texte gerne lesen und immer mit Meinung – egal, ob sie gerade den Mainstream trifft oder nicht. Nichts ist schlimmer als der nächste KI-Text, der allen Regeln folgt, ein relevantes Thema aufgreift und dennoch so unfassbar nichtssagend ist.

Ich kann an der Stelle übrigens immer noch nicht die Facebookisierung nachempfinden. Ich sehe vor allem das, was ich sehen möchte: KI, OOH, Marketing, Trends, Innovationen. Man muss halt nur sehr rigoros sein und aufräumen. Wer eine Langfassung lesen möchte: Zum Artikel bei Entrepreneur

LinkedIn-Newcomer: Lionel Souque

Lionel Souque, CEO der Rewe Group, ist jetzt bei LinkedIn. Hatte mich bereits in den vergangenen Monaten gewundert, warum er das nicht ist. Als Gast bei meinem Freund Peter Pauls im Kölner Presseclub wirkte er wie geschaffen für die Business-Plattform. Und das ist er auch. Direkt mit Bewegtbild, sympathisch, die großen Themen Nachhaltigkeit und Klima thematisierend, wirkt er nahbar. Und da kommt mein einziger Kritikpunkt. Wer beim ersten Post schreibt, er freue sich auf Diskussionen, der muss auch konsequent antworten oder zumindest teilweise. Das ist die große Kunst für einen CEO dieser Marke. Kommentare sind das Gold dieser Plattform.

No Print!

Warum ich überhaupt darauf gestoßen bin? Weil Rewe ab Juli offiziell keine Prospekte mehr druckt und Souque genau das in seinem 2. Post feiert! Ich bleibe skeptisch, ob es zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Schritt ist. Aber ich habe beim Presseclub einen sehr schlauen Geschäftsmann kennengelernt, der dieser Entscheidung mit Sicherheit sehr fundierte Zahlen zugrunde gelegt hat. Was macht der Wettbewerb? Es bleibt spannend. Auch welt.de hat sich dazu Gedanken gemacht.

Böse Nachbarn

Was beim Prospekt nicht passiert wäre? Dass Dir die schlechte Nachbarschaft auf der Seite Deine Anzeige zerstört. Oder wie findet Rewe den Bezug der Pizza Wagner zu der gleichnamigen Söldnertruppe? So gesehen auf der Home von bild.de. Kein Targeting-Fehler, hätte auch in der Tageszeitung passieren können, wirkt aber ungewollt komisch.

Print-Werbung: Doch alles gut?

Diese zunehmende Veränderung spüren seit Jahren Print-Titel deutschlandweit. Viele Tageszeitungen haben große Herausforderungen, die Werbemärkte (vor allem Rubrikenmärkte) schrumpfen seit Jahren. Bei Horizont.net heißt es im aktuellen Artikel zu den Zahlen von DuMont laut Aussage Christoph Bauers, der Werbemarkt sei „implodiert" – und alles, was ich aus den Märkten mitbekomme, bestätigt dies.

Denkste! Beim Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) liest sich das ganz anders: Positive Werbeentwicklung: Mit einem Plus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnen die Ausgaben für Zeitungswerbung im Mai einen spürbaren Zuwachs. Die werbetreibenden Unternehmen haben damit deutlich mehr in Zeitungsanzeigen investiert als noch in den Vormonaten. … Mit einem Anteil von 17,2 Prozent am Gesamtwerbemarkt sind die Zeitungen damit der zweitwichtigste Werbekanal in Deutschland. (Zur Meldung des BDZV)

Mich würde es für viele Ex-Kollegen freuen. Es deckt sich nur überhaupt nicht mit meinen Erfahrungen. Ich habe mit Hunderten von Kunden gesprochen, davon hat nicht einer proaktiv die Tageszeitung als Werbekanal gefordert. Auch in unzähligen Gesprächen mit Anzeigenberatern aus ganz Deutschland ist das Jammern groß. Und die Zeitungen – zumindest in Köln – passen auch ganz locker in einen Briefkasten, das war um die Jahrtausendwende mal anders.

Freue mich über Kommentare zu diesem Thema, gerne auch andere Wahrnehmungen.

Kampagnensalat: No Reason, no Party!

4 Gründe, warum Du als Fahrzeugaufbereiter bei uns anfangen sollst. Gute Headline, und da wir selber für unseren Kunden IRS Group Fahrzeugaufbereiter suchen, war ich gespannt auf die 4 Gründe. Gespannt bin ich immer noch, denn die 4 Gründe werden weder in der Anzeige noch in der Caption oder auf der Landing-Page genannt. Das Thema Recruiting-Anzeigen ist wirklich eine eigene Welt für sich. So viele Fehler, wie wir immer wieder sehen: falsche Landing-Page, Caption passt nicht zu Bild, falsche Aussagen, gar keine Captions.

Warum uns das Thema so interessiert? Es ist Kern unserer Arbeit und kein Mensch ist fehlerfrei, aber diese Fehler sind zu vermeiden. Hier ein paar wichtige Tipps:

- Nutzt Videos, gerne UGC von unseren Freunden von Speekly, das erhöht die Performance deutlich.

- Achtet beim Einstellen der Visuals darauf, die richtigen Formate auszuspielen; ein Querformat in der Story sieht unprofessionell aus.

- Keine Text-Bild-Schere, gute Visualisierung des Jobs, alle Formate anlegen.

- Schreibt ehrliche Captions, die auf die Headline einzahlen.

- Setzt den richtigen Link auf die Landing-Page.

- Überlegt Euch gut, wie der Funnel aussieht, wen Ihr erreichen wollt. Danach richtet sich, wie es weitergeht: WhatsApp-Funnel, informative Landing-Page, Lead-Formular.

- Setzt das PLZ-Targeting richtig.

- Optimiert stetig und verlasst Euch nicht nur auf den Algorithmus.

- Und noch was: Seid vorsichtig bei der Kommunikation von Vorteilen. Ein volles Bankkonto zu suggerieren beim Job des Fahrzeugaufbereiters, halte ich zumindest für fragwürdig. Dafür ist das Leben zu teuer.

Ihr wollt noch mehr Tipps, dann meldet Euch gerne bei uns. Wir wollen ja hier nicht nur ständig Kritik üben, sondern unser Wissen aus Tausenden von Kampagnen teilen.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2023. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.