NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 50/2024 – KI-Tennis, Sora ohne Europa, KI-Lokalzeitungen & doppelmoralische Telkos

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. In KW 50/2024 balle ich die KI-Corner erneut voll – von KI-Tennis über Sora bis zu KI-generierten Lokalzeitungen – und schaue mir an, wie Vodafone und o2 zwischen KI-Spot und SMS-Vorstand ganz unterschiedlich abbiegen.

KI-Corner: KI-Tennis, Sora, Conversational AI & KI-Lokalzeitungen

Wie bereits in der letzten Woche machen wir wieder eine große KI-Corner auf. So kannst Du Dich hier bei den neuesten Themen austoben oder den ganzen Block einfach überspringen, wenn du sagst: KI? Mit mir nicht!

Tennistraining aus der Box

Schluss mit den Zeiten, in denen Du einen Tennispartner oder -trainer brauchtest, um Dein Spiel zu verbessern – und vor allem keine lästigen Abstimmungen mehr. Denn ab jetzt nimmst Du Deinen KI-Tennistrainer mit, wohin Du willst und vor allem wann Du willst – nur einen Platz brauchst Du auch. Aber die kleine Box namens PongBot spielt Dir jeden Ball perfekt zu, so wie Du es haben möchtest, 150 Bälle genau nach Deiner Konfiguration über eine App. Sehr cool. Ich stelle mir nur die Frage, über wen ich mich dann in Zukunft aufrege, weil die Zuspiele schlecht sind? Und vor allem: Mit wem spreche ich dann nach dem Spiel bei einem Bier über die neuesten KI-Technologien?

Zum Video bei Fox News

Alles Video, oder was?

Während wir noch neue Features bei Kling testen und es ziemlich abgefahren finden, dass Du ein KI-Bild von Midjourney hochlädst und einfach per Marker sagst, welche Bewegung dann das Video haben soll, öffnet OpenAI das nächste Türchen und präsentiert Sora. Endlich. Die Ankündigungen reichen bereits Monate zurück. Aber jetzt ist es da – also fast. Denn es ist so ziemlich in allen Ländern dieser Welt verfügbar – außer in Europa! Natürlich.

Zu den 12 Days of OpenAI

Was haben wir sonst noch?

Nichts Besonderes: ElevenLabs scheint das Thema Conversational AI endgültig gelöst zu haben. Also nicht wundern, wenn die netten Call-Center-Menschen bald keine netten Menschen mehr sind (Ironie aus). Es wird in 1–2 Jahren genauso normal sein wie die vielen Weihnachtskarten, die in einigen Tagen von ChatGPT geschrieben werden. Glaubst Du nicht? Dann hör mal rein.

Thema „hören": Hörst Du viele Podcasts? Würdest Du Dir manche Sequenzen auch gerne speichern? Das geht jetzt ziemlich einfach mit Snipd. Wie die Macher es so schön auf der Webseite beschreiben: „Tippen Sie einfach auf Ihre Kopfhörer, um jeden Moment mit einem KI-generierten Transkript und einer Zusammenfassung zu speichern. Machen Sie sich mit Hilfe künstlicher Intelligenz Notizen aus Podcasts, ohne Ihr Telefon herauszunehmen." Einfach mal testen.

Ein Thema habe ich noch ... KI-generierte Lokalzeitungen.

Während traditionelle Lokalzeitungen Ausgaben schließen, Umfänge reduzieren und Redaktionen radikal verkleinern, sprießen reine Online-Lokalzeitungen aus dem Boden. Das Geheimnis: Die Inhalte sind nahezu komplett KI-generiert. Ich versuche, meine Sicht der Dinge kurz auf den Punkt zu bringen, ohne hier den Rahmen zu sprengen. Fakt ist: Hyperlokaler Journalismus ist in der heutigen Zeit kaum darstellbar und war schon immer schwer refinanzierbar. Mithilfe der KI genau hier anzusetzen, wo keine Wirtschaftlichkeit gegeben ist, halte ich für sinnvoll. Aber nicht so! Nicht einen Namen wie Franziska Neubauer erfinden, die „investigative Journalistin mit einem unerschütterlichen Sinn für Gerechtigkeit". So steht es auf Horizont.net.

Es geht nicht darum, die Lokalzeitung von heute 1:1 nachzubauen und Menschen durch Maschine zu ersetzen. Aber der Einsatz ist dennoch extrem sinnvoll: Scannen der Pressemitteilungen, Schreiben der kurzen Meldungen, Hilfe bei Layout, Transkribieren von Voice-Inhalten, die man als Nachricht nutzen kann. Oder andersherum: den vorhandenen Content anreichern. Aus einer Veranstaltung zahlreiche Videos machen, Podcast aus der Zusammenfassung und dem Basis-Text. Aber der investigative Journalismus, das Interview, die Reportage: Das sollte bei den Journalisten bleiben, die auf einmal viel mehr Zeit haben. Aus meiner Sicht kann es so ein perfektes Zusammenspiel geben: Während die KI sich bei Veranstaltungstipps, Meldungen und Ankündigungen austobt, schreibt der Redakteur den Kommentar zur Lokalpolitik.

Auf noch eine Idee brachte mich ein Artikel auf every.to: Während Du den Artikel liest, kannst Du Dir über einen Chatbot beliebig viele Hintergrundinformationen geben lassen. Das erhöht die Verweildauer und macht echt Spaß.

Das Feld KI ist natürlich – bzw. erst recht – auf den Verkauf auszuweiten. Jede KI errechnet schneller und besser Preise, gibt Hinweise und hat die passenden Verkaufsargumente. Ist hier nicht der richtige Ort, aber ich stehe jedem gerne als Gesprächspartner zur Verfügung und erarbeite ein wirtschaftlich sinnvolles Konzept. Freue mich auf Deine Nachricht.

Kununu – und täglich grüßt das gleiche Bild!

Liebe Marketingabteilung bei Kununu, strengt Euch mal ein bisschen an. KI-Bilder zu generieren, ist heutzutage nicht mehr so kompliziert. Was soll die Frau denn noch alles machen? Als wäre der Teamleiterjob beim FC Schalke 04 nicht schon anstrengend genug, muss die Arme auch noch Security Managerin bei Amazon werden.

Wenn ich lange genug suche, wird sie wahrscheinlich noch Pflegerin, Geschäftsführerin und Reinigungskraft – ein echtes Allround-Talent. Also liebes Marketingteam, ruft an, wir prompten Euch gerne Symbolbilder.

Vodafone vs. o2 – KI-Spot trifft SMS-Vorstand

Vodafone. Da passt was bei Vodafone nicht zusammen. Im Spot „Go Real Life" wird auf die authentischen Verbindungen zwischen Menschen gesetzt, auf ein gedrehtes Video mit echten Menschen. Vor allem wird hier Wert auf das Zusammenkommen gelegt. „Vodafone will Menschen durch Technologie verbinden. Wenn diese Technologie aber dazu führt, dass sie uns trennt, ist es Zeit, etwas zu ändern", sagt Gregor Gründgens, Marken-Chef Vodafone Deutschland. Zum Spot bei YouTube · Bericht bei Horizont.

Während man bei der Vodafone Group eher auf Entwicklung setzt: „Diese Kampagne zeigt ein frisches, modernes Vodafone. Sie ist ein großartiges Beispiel für unsere neue Identität", sagt Anne Stilling, Global Brand Director der Vodafone Group. Der erste KI-Spot von Vodafone: Zu den Klängen von „The Rhythm of My Life" bewegt sich hier sehr viel – an ein paar Stellen ersichtlich und an anderen wiederum nicht – durch KI.

Der Spot an sich ist nicht schlecht, vor allem für KI-Bewegtbild ziemlich gut; hier wissen wir in der 923b aus eigener Erfahrung, wie tricky das sein kann. Aber Vodafone stellt zweierlei Maß auf – ist das gut oder schlecht? Erst mal würde ich es wertfrei lassen und sagen: Alles ist möglich. Auch ein Mix aus KI-Werbung und authentischen Verfilmungen. Weiterer Bericht bei Horizont.

o2. Die Konkurrenz von Vodafone setzt auf Tradition. Tradition ... klingelt bei dem Wort nicht etwas in meinen Ohren? Ich denk mal drüber nach, ob es da zuletzt etwas gab, das „Traditionen" nicht so gut hat dastehen lassen ... Aber genug geschwafelt: Im Fallbeispiel geht es um den Privatkundenvorstand der Telefónica-Marke o2, Andreas Laukenmann, der eine Hauptrolle im neuen Werbefilm ergattern konnte. Bericht bei Horizont.

Für mich fühlt es sich fast rückschrittig an, einem Vorstandsmitglied beim Tippen einer SMS an alle Kunden zuzusehen, geschweige denn bei dem gefühlten Politik-Sprech, der mich eher an die Jahresansprache erinnert. Ich bin mit Sicherheit wieder zu kritisch. Aber: o2 – Can do. Oder wie war das mal? Da sollte mehr kommen als Olaf Scholz auf Wish bestellt.

Bei meiner Recherche nach dem Video auf YouTube bin ich unter anderem auf diesen alten o2-Werbeclip aus 2003 aufmerksam geworden. Andere Zeiten, ähnliche Vibes? Oder bin das nur ich?

Social Snack: Reel auf Probe bei Instagram

Es scheint bald eine neue Funktion zu geben bei Instagram. Dabei wird Dein Reel nicht direkt an Deine Follower ausgespielt, sondern erst einmal bei Nicht-Followern getestet. Du bekommst dann Feedback durch Likes und Kommentare und kannst nach 24 Stunden selbst entscheiden, wie viel Potenzial das Reel hat und ob Du es ausspielen möchtest oder lieber doch archivieren. Ich weiß noch nicht, ob ich das gut oder unnütz finden soll; aktuell denke ich mir, die Funktion zu haben, könnte Unternehmensaccounts schon helfen.

Bericht bei TechCrunch

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.