NewsSnack-Archiv · 2023

NewsSnack KW 24/2023 – Messi in Miami, Big-Mac-OOH & KI im Journalismus

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2023

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. In KW 24/2023 geht es um ein bwin-Eigentor, das große Fußball-Business rund um Messi in Miami und Corporate Influencer bei Bayer Leverkusen, einen cleveren McDonald's-OOH-Coup, Corona-Bier – und um KI im Journalismus, für die ich diesmal sogar ChatGPT ans Werk gelassen habe.

bwin: Schönes Eigentor!

bwin haut nochmal einen Price-Boost raus vor dem Conference-League-Finale Florenz gegen West Ham. Problem: Auf dem Visual ist die Paarung Roma – Sevilla, das Finale war in der Woche davor, da kann Roma nichts mehr gewinnen. Ich denke, da hat bwin ordentlich Kohle versenkt. Immerhin war die Prognose richtig, dass West Ham gegen Florenz gewinnt.

Fußballsalat: Corporate Influencer, Messi & das CL-Finale

Werkself doch in der Champions League

Bayer Leverkusen hat seine LinkedIn-Reichweite verdreifacht. Warum mich diese Headline bei W&V gleich mehrfach neugierig gemacht hat? Das Steigern von Reichweiten und Engagement auf LinkedIn gehört zu den Kernkompetenzen der 923b. Da wollte ich schon wissen, was die Werkself dafür gemacht hat. Am Ende keine Raketenwissenschaft: Aufbau von Simon Rolfes und Fernando Carro als Corporate Influencer, regelmäßiges Posten über alle Kanäle – nicht nur zu Sport-, sondern auch zu Business-Themen. Mittlerweile sind Carro und Rolfes sogar Top-Voices bei LinkedIn. Und die Tür steht für alle Mitarbeiter offen: Durch Schulungen gestärkt, kann jeder die Rolle eines Corporate Influencers einnehmen. Liebe Fußballvereine, liebe Unternehmen: genau so geht es!

Zum Bericht bei W&V

So geht Business! (Messi in Miami)

Oder du machst es dir leicht und verpflichtest Lionel Messi. Dadurch hatte Inter Miami über Nacht mal ein paar Mio. Follower mehr. Spannend an dem Wechsel: Mit Fußball hat das alles nichts mehr zu tun. Als bester Fußballer aller Zeiten vor max. 19.000 Zuschauern zu spielen, das kann nicht das Ende einer Traum-Karriere sein. Barça wäre es für die Fußballliebhaber gewesen, Newell's Old Boys für die absoluten Fußball-Romantiker. Warum Miami? Messi verdient durch spezielle Deals an jedem MLS-Abo, das zukünftig bei Apple verkauft wird. Und sollte jemand auf die Idee kommen, sich ein Produkt von Adidas zu kaufen, hat Messi da auch Spaß dran. Zudem besitzt er die Option, sich an einem Klub zu beteiligen. Kann gerne mal jemand bei David Beckham nachfragen, was das bedeuten kann. Der Wechsel ist also nichts für Fußballromantiker, aber auch nichts für Freunde des schnellen Geldes – das ist ein langfristiges, strategisches Investment.

CL-Finale: Wen juckt's?

Noch eine Sache, die in Bezug zu allen Themen steht und meines Erachtens auch das Problem des diesjährigen CL-Finales war: Es dreht sich nicht mehr allzu sehr um das runde Leder und die Vereine. Personenkult oder Corporate Influencer sind die Zauberwörter – und da hatte das diesjährige Finale keine bewegende Geschichte zu erzählen. Plastikklub Manchester City gewinnt mit Guardiola den ersten CL-Titel, Pep holt als erster Trainer das zweite Triple. Aber im Ernst, selbst das juckt nur eingefleischte Fußballfans. Und Inter? Die hatten ihre Geschichte im Halbfinal-Derby gegen Milan zu Ende erzählt. Kein Messi, kein Ronaldo, kein Mbappé, Haaland noch nicht auf dem Reichweiten-Olymp und keine Liebesgeschichte von Messi und dem WM-Pokal, deren Happy End dann auch Nicht-Fans interessiert. Ergebnis: 3 Mio. TV-Zuschauer weniger als beim Finale Liverpool gegen Real Madrid. Und die „starken" 1,58 Millionen Zuschauer aus der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen hat Talento mit einem Video von einem U-12-Jährigen. Ok, Äpfel mit Birnen verglichen, aber hat so gut gepasst.

OOH: McDonald's Big Mac & der teuflische Diablo-Zufall

And the winner is… „Big Mac"

Wenn du als McDonald's ChatGPT fragst, welcher der berühmteste Burger der Welt ist, und als Antwort den „Big Mac" samt Erklärung bekommst, warum das so ist: Dann kannst du dich als McDonald's darüber freuen und behältst es für dich – oder du machst eine große OOH-Kampagne und erzählst es jedem. Super Idee, die Farben so gewählt, dass es aussieht wie ein Burger, und vor allem – das dachte ich offen gesagt – kein Fake. ChatGPT-4 spuckt so ziemlich genau das aus, was McDonald's auf die Plakate geschrieben hat. Ich habe es selbst getestet! Deshalb Daumen hoch für diese kreative Kampagne.

Zur Kampagne

Teuflicher Zufall (Diablo)

Manchmal will es der (traurige) Zufall, dass Ideen oder Kampagnen viral gehen. Im Fall von „Diablo", dem Computerspiel der Firma Blizzard, ist genau das passiert. Es wäre wahrscheinlich ein „normales" Riesenposter in New York geworden mit der Ankündigung, dass die neue Version des Spieleklassikers erscheint. Der Rauch kanadischer Waldbrände hatte allerdings anderes im Sinn und verwandelte den „Big Apple" innerhalb weniger Stunden in ein wahrlich „teuflisches" Szenario. Und das erste Foto des Riesenposters in dieser Kulisse ging direkt viral. Kann keine Kreativ-Agentur planen – die Reichweite bekommt dennoch einen weltweiten Boost!

OOH: Corona lässt die Flaschen verschwinden

Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, muss man Dinge auch mal aus anderen Perspektiven betrachten. Das dachte sich auch die Biermarke Corona, die mit ihrer neuen OOH-Kampagne Konsumenten dazu auffordert, ihre Flaschen zurückzubringen. Wie macht die Kultmarke das? Sie lässt in den Plakaten einfach die Flasche verschwinden und schreibt den passenden Hinweis: „We Return The Bottle of This Ad – Return Yours" – dazu das passende Making-of-Video, rundum gelungene Aktion. Noch vor drei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass die Marke die Pandemie überlebt. Aber zum Glück liege ich öfter mal falsch.

Making-of auf YouTube · Zum Bericht bei W&V

KI-Corner: KI im Journalismus – und ein Pricing-Wunsch an die Verlage

Premiere, aber weil es so schön passte, habe ich ChatGPT genutzt. Den folgenden Beitrag zu KI im Journalismus habe ich komplett schreiben lassen (Prompt: „Du bist langjähriger und erfahrener Redakteur einer Zeitung. Aus dem Interview, das ich dir gleich in den Chat kopiere, bitte ich dich, einen Beitrag zu schreiben. Länge des Textes: 2000 Zeichen mit Leerzeichen, Überschrift catchy, Unterzeile erklärend. Schreib den Artikel für einen Marketing-Newsletter, die Leser kennen das Thema KI, bringen Wissen mit. Dein Schreibstil ist formell und pointiert.").

KI als Redakteur: Spiel oder ernste Zukunft?

Markus Knall, Chef von Ippen Digital, diskutiert den experimentellen Einsatz von KI in der Redaktionsarbeit und die Reaktionen der Leserschaft.

Die Redaktionen von Ippen Digital haben den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in ihrer täglichen Arbeit auf ein neues Niveau gehoben, indem sie Artikel veröffentlichen, die fast vollständig von KI-gestützten Sprachmodellen verfasst wurden. „Wir haben bereits Texte veröffentlicht, die fast vollständig von einem Sprachmodell geschrieben wurden", sagt Markus Knall, Chef von Ippen Digital.

Die KI erfasst nicht nur Wörter, sondern auch die Kontexte, um Informationen in einer Art und Weise zu vermitteln, die für den menschlichen Verstand angenehm und verständlich ist. Obwohl es noch zu Fehlern kommt – wie im Fall der Fake-Bloggerin „Jule Stinkesocke", bei dem die KI einen falschen Zusammenhang hergestellt hat – bleibt Knall optimistisch und sieht diese Fehler als Lerngelegenheiten.

„Ich bin überrascht, wie positiv die Nutzer insgesamt reagieren. Es scheint, dass einige Leser der mechanischen Genauigkeit der Technik bei bestimmten Themen mehr Vertrauen entgegenbringen als dem fehleranfälligen oder weltanschaulich geprägten Menschen", sagt Knall.

Um Fehler zu vermeiden und die Qualität der Artikel zu gewährleisten, hat Ippen Digital fünf Grundprinzipien formuliert, darunter das Prinzip der Transparenz, das Human-in-the-Loop-Prinzip und die Verantwortung für die Folgen der KI-Anwendungen.

Der Einsatz von KI in der Redaktion ist noch in der Testphase und konzentriert sich vor allem auf die Service- und Unterhaltungs-Berichterstattung. Dabei werden verschiedene KI-Tools genutzt, um Texte zu generieren und redaktionelle Inhalte zu prüfen. „Die Ressourcen, die dadurch frei werden, können wir in die Kreativität stecken – sie ist ja, was menschliche Intelligenz ausmacht", erklärt Knall.

Es wird erwartet, dass der Einsatz von KI die journalistische Arbeit grundlegend verändern wird, indem sie bestimmte Aufgaben erleichtert und die Effizienz steigert. Trotz einiger Hürden sehen Experten wie Knall in der KI eine transformative Kraft, die das Potenzial hat, die Medienlandschaft zu revolutionieren.

Zum ganzen Interview beim journalist · 101 Prompts für die bessere Seite eins

Noch ein paar Ideen von mir: Vielleicht kann die KI auch das Pricing-Wirrwarr im Verkauf lösen. Oder ein Chatbot kann mich auf Mediaseiten von Lokalzeitungen durchführen. Hat man es durch ein Labyrinth geschafft, um zu einem PDF zu gelangen, beginnt dann erst die wahre Suche nach dem Heiligen Gral – sorry: Preis! Wer weitere Themen braucht: Ich stehe immer als Ansprechpartner zur Verfügung.

Lese-Empfehlung: „Warum KI die Welt rettet"

Marc Andreessen, Softwareentwickler, Investor und Mitgründer des Unternehmens Andreessen Horowitz, hat sich Gedanken zur KI gemacht. Dabei beleuchtet er mehrere Perspektiven, stellt spannende Thesen auf und versucht, das eine oder andere Horrorszenario zu relativieren. Wir haben mittlerweile weit mehr als 1000 Menschen, die diesen Newsletter lesen; einige Hundert werden an diese Stelle gekommen sein, aber nur ein paar klicken den Link und lesen den Text. Werden wahrscheinlich noch ein paar weniger, wenn ich sage, der Text hat 40.000 Zeichen ohne Leerzeichen. Dennoch meine absolute Lese-Empfehlung für das kommende Wochenende. Tipp: das Bionic-Reading-Plugin nutzen.

Zum Essay bei a16z

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2023. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.