NewsSnack-Archiv · 2025

NewsSnack KW 21/2025 – Spotify × Barça, KI-Weckruf und der kleine Hunger

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2025

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. Hier findest du meine Beobachtungen aus KW 21/2025 – von Sponsoring bei Barça und Spotify über einen KI-Weckruf bis zu Müller Milchreis, Toblerone und Toyota.

Barcelona: Sponsoring, das ich schon 2002 im Kopf hatte

Kurzer Rückblick: 2002, während meines Studiums, sollten wir erörtern, welche Maßnahmen wir der Automarke BMW im Sportsponsoring empfehlen würden, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu generieren. Meine Idee damals war das Brustsponsoring des FC Barcelona. Warum? Weil das Trikot der Katalanen bis dahin traditionell immer werbefrei war. Mein Gedanke: Der erste Brustsponsor bekommt die volle Aufmerksamkeit und wird davon jahrelang profitieren.

Aus heutiger Sicht richtig gedacht, aber mit den Möglichkeiten über Social Media natürlich viel zu klein. Was eine Partnerschaft in der heutigen Zeit wert sein kann, beweisen Spotify und der FC Barcelona. Nicht nur das legendäre Stadion heißt „Spotify Camp Nou", sondern auf der Brust prangt das Logo des Musik-Streamingdienstes. Dieses „leiht" Spotify regelmäßig Künstlern, so wie jetzt beim Clásico Travis Scott. Was das in Zahlen bedeutet, hat OMR aufbereitet und empfehle ich jedem zu lesen, der etwas mit Marketing zu tun hat.

Travis Scott, Barcelona und Spotify (OMR)

Ein kleiner Auszug:

Der Hype um Travis Scott in Barcelona wird zudem selbstredend umfangreich medial begleitet und schlägt sich ebenfalls in massiven Social-Media-Kennzahlen nieder. Nehmen wir beispielhaft nur mal einige der Owned Channels: Binnen einer Woche rund um den Klassiker gegen die „Königlichen" veröffentlichen die Katalanen auf ihrem Instagram-Account zwölf Reels, in denen Travis Scott, dessen Label Cactus Jack oder die gemeinsame Merchandising-Kollektion in Szene gesetzt werden. Die Ausbeute: In Summe knapp 350 Millionen und durchschnittlich über 28,5 Millionen Aufrufe sowie 21,8 Millionen verteilte Herzen und fast 80.000 Kommentare. Hinzu kommen über 270 Millionen Views auf 17 Beiträge bei TikTok inklusive 31,9 Millionen Likes und über 180.000 Kommentare.

Und jetzt kommt der Traditionalist Marco, der sich wieder eine werbefreie Brust wünscht bei den stolzen Katalanen.

DB: Wie die Bahn beim Relegationsduell viral ging

Jochen und ich sind uns bei der Deutschen Bahn immer einig. Sie ist kein verlässlicher Partner. Und so toll das Social-Media-Team auch ist – wer täglich leidet, findet nichts mehr gut und witzig. Jetzt bin ich schon länger nicht mehr mit der Bahn gefahren und feiere den Post zum Relegationsduell der Mannschaften SV 07 Elversberg und 1. FC Heidenheim 1846 einfach nur ab.

Aufgrund ihrer (kleinen) Fan-Base nimmt die Bahn vor dem Relegationsspiel die beiden Teams auf Social Media etwas aufs Korn. Der Post hat viele Ebenen. Erstens ist er mit einem Augenzwinkern wirklich gut gemacht, selbst die beiden Fanlager feiern ihn auf Instagram. Zudem: Shoutout ans Social-Media-Team. Da wird jeder Kommentar einfach klasse beantwortet und vor allem dank der Klubs dreht die Geschichte in den Kommentaren weiter.

Und dann ist da noch die Häufigkeit, mit der ich den Post gesehen habe. 5× per WhatsApp und diverse Male auf Instagram. Das nennt man dann viral. Meine Serie „Neues ausm Mecces" hat dem Thema auch einen ordentlichen Push gegeben – also von daher: Dickes Lob an die Bahn und Respekt an die beiden Klubs, dass sie das Spiel auf Social Media mitspielen. Und Jochen? Lach mal!

Zum Post auf Instagram

KI: Die Welt, wie du sie kennst, verschwindet

Ist dir eigentlich bewusst, dass die Welt, wie du sie heute kennst, in einigen Jahren nicht mehr existiert? Und damit meine ich nicht, dass sich Dinge verändern, Jobs wegfallen, neue Branchen entstehen oder weiterhin eine Transformation stattfindet. Alles wird sich verändern. Wir nehmen mittlerweile einfach hin, dass gewisse Arbeiten in Minuten erledigt sind, die früher Stunden oder Tage gedauert haben. Wir erzählen beiläufig, dass wir im Sales alle Calls durch KI machen lassen und den gesamten Prozess automatisieren. Es ist eher eine Randnotiz, dass es bald Unternehmen gibt mit Milliarden-Umsätzen, die genau einem Menschen gehören, der aber unendlich viele KI-Agenten beschäftigt. Wir stehen vor einer komplett veränderten Gesellschaft. Und wenn ich dann Handlungsträger, Entscheider beobachte, habe ich nicht das Gefühl, dass sie das wirklich ernst nehmen.

Eric Schmidt nimmt das ernst, wenn er sagt: „The arrival of AGI and Superintelligence will be the most important event in 500, maybe even 1,000 years of human history." Und schiebt begeistert hinterher: „And it's happening in our lifetime."

Raoul Pal, Mitbegründer und CEO der Real Vision Group und Gründer von Global Macro Investor (GMI), nimmt das richtig ernst. Sein Take: „It's the single greatest innovation of humanity ever." Laut seiner Vorstellung wird es keinen Wissensmangel mehr geben und das wird alles verändern. Wie wir denken, was wir sind, was wir machen und jegliche Form des Zusammenlebens.

Übertrieben? Hokuspokus? Weiß ich nicht. Solltest du dich jeden Tag mit den Möglichkeiten der KI beschäftigen? JA! UNBEDINGT!

Milchreis: Wenn sich ein Slogan in eine Generation fräst

Der heutige Snack macht einige Zeitsprünge. Bevor wir gleich im KI-Corner einen Blick in die verrückte Zukunft wagen, bleiben wir noch kurz in der Vergangenheit. Waren wir eben im Jahr 1985 bei Toyota, landen wir jetzt 4 Jahre später beim kleinen Hunger von Müller Milchreis. „Wenn der kleine Hunger kommt …" war dabei mehr als ein Slogan und hat sich in einer bestimmten Generation in den Kopf eingebrannt, wie ich es ansonsten nur von der Uhrzeit 9:30 Uhr kenne, bei der halb Deutschland über Jahre nur ein Knoppers wollte.

Bevor ich nochmal zum kleinen Hunger komme, ein Gedanke: Diesen Effekt, dass sich Werbeslogans in eine ganze Generation fräsen, weil diese auch nur ein Massenmedium konsumiert, gibt es so nicht mehr, oder? Wo sind die „wenn's mal wieder länger dauert", „Geiz ist geil" und „ich bin doch nicht blöd" heute? Haben Marken überhaupt noch eine Chance, einen Slogan so zu platzieren, da die Kommunikationskanäle zu den Zielgruppen so unterschiedlich sind? Einschub vorbei, denk mal drüber nach …

Zurück zum kleinen Hunger: Der wäre besser im Jahr 1989 geblieben oder zumindest im Jahr 2020 endgültig verschwunden. Die Rückkehr, um die neue Sorte Schoko-Kirsch vorzustellen, hätte ich nicht gebraucht. Wirkt alles aus einer anderen Zeit, ist es ja irgendwie auch.

Schule: KI-Abhängigkeit – Verbot oder Integration?

Ein Weckruf oder gar eine Entwicklung, die nicht mehr zu stoppen ist? Hannah Maria, 26-jährige Englischlehrerin aus den USA, hat ihren Job hingeschmissen und warnt in einem millionenfach geklickten Video vor den Folgen der KI-Abhängigkeit bei Schülern. Ihre Botschaft ist eindeutig: „Wir züchten eine KI-Generation."

Sie beschreibt eine Generation, die auf ChatGPT angewiesen ist, deren Aufmerksamkeitsspanne durch ständige digitale Stimulation immer kürzer wird. „Alles ist hochgradig stimuliert", sagt Hannah – und das ist genau das Problem!

Die Lehrerin fordert radikale Maßnahmen: Technologieverbot oder starke Einschränkungen bis zur College-Zeit. Nur so könnten Grundlagen wie Lesen und Schreiben wieder gestärkt werden. Ihre Beobachtung: Schüler lassen sich Texte vorlesen oder drücken einfach einen Knopf, anstatt selbst zu lesen.

Ich verstehe den Punkt, wirklich. Aber ist nicht Verbot oder Flucht der falsche Weg? ChatGPT und Co. werden nicht mehr verschwinden, sie sind gekommen, um zu bleiben und in den kommenden Jahren unser aller Leben zu verändern auf eine Art und Weise, wie wir es bislang noch nicht gekannt haben. Müssen wir nicht eher einen Weg finden, auf dem wir KI-Tools integrieren? In die Schule, ins Tagesgeschäft und ins „normale" Leben. Das ist anstrengend, ich weiß das aus eigener Erfahrung. Aber es nicht zu tun und zu kündigen, ist keine Lösung. Oder wie siehst du das?

Zum Artikel bei Focus

Toblerone: „Feel free" – aber der Krampf bleibt

Hattest du schon einmal richtig Lust auf Schokolade und hast dann versucht, Toblerone halbwegs ästhetisch zu essen? Toyota und auch die 923b würden jetzt sagen: nichts ist unmöglich. In dem Fall ist es aber fast unmöglich. Diese großen, sperrigen Stücke lassen doch schnell jegliche Gesichtszüge entgleiten und es sieht eher nach Kampf denn nach Lust und Freude aus.

Was macht Toblerone? Die Macher des Clips nutzen genau diesen Moment und schreien in die Welt: Feel free! Genieße den Moment, achte nicht darauf, was mit deinem Gesicht passiert, und kümmere dich nicht um andere! Sympathisch! Wir müssen schließlich nicht in jeder Lebenslage nach Perfektionismus streben. Ein paar Szenen sind mir zu überdreht, aber so muss das halt sein.

Zum Clip auf YouTube · Zum Bericht bei Horizont

Problem für mich: Genau dieser Moment hindert mich immer daran, Toblerone zu kaufen. Nicht, weil ich Angst habe, beim Essen komisch oder gar nicht perfekt auszusehen, sondern weil es einfach keinen Spaß macht. Für mich ist jeder Biss ein Krampf. Dann schmeiße ich mir lieber einen Schoko-Bon nach dem anderen in den Mund.

Toyota: „The Present is Female" – ein starkes Zeichen

Nichts ist unmöglich … Toyotaaaa! Wer erinnert sich noch? Der Werbeslogan des japanischen Autobauers gilt auch heute noch – vor allem im eigenen HR-Bereich. Denn in einer Branche, die von Männern dominiert und geprägt wird, stellt Toyota in einer neuen Kampagne („The Present is Female") Frauen in den Mittelpunkt. Nicht Frauen, die in Werbespots gefühlt eher zufällig in einem Auto sitzen, sondern Mitarbeiterinnen, die aktuell die Geschicke des Unternehmens in verschiedenen Positionen führen und gestalten.

Ein Zeichen, das über die Branche hinaus wichtig und richtig ist. Dass diese Kampagne keine PR-Blase ist, untermauern Fakten. 30 Prozent weibliche Beschäftigte – klingt wenig, ist aber in der Autobranche schon überdurchschnittlich (Deloitte sagt 18 Prozent im Schnitt). Wichtige Botschaft: Bei Toyota passiert nichts für die Zukunft, sondern in der Gegenwart. Diese Frauen sind keine Quotenfrauen, sondern Expertinnen, die ihre Branche prägen!

Übrigens: Die Clips sind handwerklich wirklich gut gemacht. Die Mitarbeiterinnen wirken nahbar, authentisch, die Aussagen nicht geskriptet, klasse Kampagne. Und hoffentlich genauso eingängig und langlebig wie der Slogan aus 1985. Der Branche und der ganzen Gesellschaft wäre es zu wünschen.

Zum Bericht bei Horizont

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2025. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.