NewsSnack-Archiv · 2022

NewsSnack KW 31/2022 – Kicker & Nike, Bayern digital mit Adobe, LEGO, Milka-Relaunch & der Heineken-Fauxpas in Köln

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2022

Aus dem Archiv Eine Ausgabe mit viel Herzblut: warum die neue Kicker-Kampagne und eine Nike-Printanzeige genial sind, wie der FC Bayern mit Adobe zum digitalen Champion werden will, LEGO und der Milka-Relaunch – und warum sich Heineken vor meiner Haustür in Köln einen dicken Fauxpas geleistet hat.

Das Spiel ist nie aus: Kicker, Nike & der FC Bayern digital

Das Spiel ist nie aus. Als ich die Headline zur neuen Kampagne vom Sportmagazin Kicker gelesen habe, kamen mir zwei Sachen.

Erstens: Ihr habt recht! Das Spiel endet nie. Zumindest nicht für Fußballverrückte wie mich. Eine tolle Botschaft, mit der sich alle Fans wohlfühlen werden. An der Theke, in der WhatsApp-Gruppe, die ersten fünf Minuten im Business-Talk oder der Sohn, der einem im Stundentakt Fußballfragen stellt: Das Thema ist immer das Runde, das ins Eckige muss. Nun soll aber zudem die komplette Produktrange stärker abgebildet werden. Denn damit es nie endet, braucht es vom Podcast bis zum Magazin die ganze Palette.

Zweitens kam bei mir noch eine spontane Assoziation zu einem fünf Jahre alten Spot von Nike: Unlimited You hieß der – und zählt bis heute zu meinen Favoriten. Liebes Kicker-Team, ich hatte Euch etwas aus den Augen verloren, aber mich habt Ihr wieder. Zur Kampagne bei W&V

Nochmal ein Sprung zurück zu Nike, die ich im NewsSnack und auch generell gerne lobe, denn die Macher wissen einfach, wie Werbung funktioniert. Ein weiteres Beispiel gefällig: Dieses Mal wurde nach dem Sieg der englischen Frauenmannschaft bei der Europameisterschaft gratuliert, per Printanzeige! Und das ist so sinnvoll, denn besondere Ereignisse bewahrt man als Fan auf. Dazu gehört die Ausgabe eines besonderen Titels oder Moments. So habe ich noch die Zeitungen aus London vom Europapokalspiel des FC bzw. von Juventus Turin in Madrid. Diese Tage will man festhalten. Emotion, Leidenschaft, Leid, Liebe in Kombination zur Marke: Chapeau, Nike!

Ob ich auch den Hut vor dem FC Bayern München ziehen soll, weiß ich noch nicht. Vor den Leistungen der letzten Jahrzehnte bestimmt, aber dieses Mal geht es um eine spannende Kooperation mit Adobe. Denn der FCB möchte auch der digitale Champion werden. Erstellen von Fan-Profilen in Echtzeit, Rabatte, personalisierte Inhalte – all das soll in Zukunft ein neues Fanerlebnis und dem Rekordmeister neue Umsätze bringen. Experience Cloud heißt das Zauberwort: Darauf setzt auch Real Madrid bereits seit einigen Monaten. Mal sehen, in welche digitalen Sphären der FC Bayern vordringen kann. Schaut man sich die US-Ligen an, gibt es im Fußball noch Luft nach oben. Finde ich das gut? Dazu steht immer noch eine längere Ausarbeitung mit meinem Freund Ignazio an. Zum Bericht im Handelsblatt

Aber für heute erst einmal genug mit Fußballthemen!

LEGO: Baustein-Menü & Vielfalt ohne Geschlechter-Stereotypen

Letzte Woche habe ich bereits von der Liebe zum Detail bei LEGO und Heinz Ketchup erzählt. Diese Woche muss ich zumindest LEGO noch einmal aufgreifen, die gleich mit zwei Themen Aufmerksamkeit erregen.

Neben den LEGO-Fries bietet Legoland Japan und Dänemark nun ein Hühnchen-Sandwich in Baustein-Form und Dessert-Optionen wie zum Beispiel das „Brick-Ice" an. So viel Hingabe bekommt ganze vier Daumen nach oben. Wir hoffen nur, die Zusammenstellung der Essensangebote erfordert nicht so viel Schweiß und Tränen wie das Zusammenbauen des Todessterns.

Zu den leckeren Angeboten des Legolandes kommt noch eine Anpassung, die ich persönlich nur abfeiern kann. Es geht um Diversität, Vielfalt und viele bunte Farben! Denn nachdem im März 2021 bereits eine Sonderedition unter dem Namen „Everyone is awesome" released wurde, entscheidet sich der Spielsteinhersteller nun dazu, die Figuren ohne Geschlechter-Stereotypen herzustellen. Eine Umfrage von fast 7.000 Eltern und Kindern im Alter zwischen 6 und 14 Jahren aus sieben Ländern ergab, dass 82 % der Mädchen der Meinung sind, dass es für Mädchen in Ordnung ist, Fußball zu spielen und für Jungen, Ballett zu üben, während es bei den Jungen nur 71 % sind. Natürlich geht es hierbei auch um finanzielle Aspekte. Der Großteil der Eltern, die ihre Kinder nicht mehr in gesellschaftlich vordefinierte Rollen stecken wollen, wächst. Somit werden auch mehr Eltern für ihre Kinder in die Tasche greifen, wenn sich die Spielehersteller dem Wandel anpassen. Eine Entwicklung, bei der ich gerne zusehe. Auch wenn noch nicht ganz klar ist, wie die optische Anpassung der Spielfiguren umgesetzt wird, ist der Ansatz alles andere als verkehrt. Zum Bericht bei famouscampaigns.com

Erst probieren, dann kommentieren: der Milka-Relaunch

„Was habt ihr mit meiner Milka gemacht?" – Auf diese und viele weitere mögliche Kommentare hat Milka sich vorab gut vorbereitet. Denn die Traditionsmarke geht dieses Jahr einen großen Schritt und vollzieht einen kompletten Marken-Relaunch. Neben einem neuen Verpackungsdesign, einer angepassten Form der Schokolade und einem Refresh der beliebten lila Kuh (die dieses Jahr übrigens 50 Jahre alt wird) ist aber wohl eine Veränderung die entscheidendste: Milka hat die Rezeptur der Schokolade geändert. „Was?", wirst Du Dir jetzt vielleicht denken, „die Rezeptur?" Milka geht einen gewagten Schritt entgegen dem Leitspruch „Never change a running system". Noch schokoladiger sollen die Tafeln nun sein.

Laut Bert Kriewolt (Senior Director Marketing Chocolate Activation DACH bei Mondelez International) ist diese Entscheidung ein Meilenstein in der Geschichte der Milka Schokolade, denn als Traditionsmarke möchte Milka sich weiter verändern und auch wachsen. „Wir als Traditionsmarke müssen sichergehen, dass die neue Rezeptur einerseits die treuen Fans nicht enttäuscht und gleichzeitig neue Konsumentinnen und Konsumenten anspricht", sagt Kriewolt im Gespräch mit W&V. Dass mit der Veränderung der Rezeptur wohl nicht alle einverstanden sein werden, war der Marke anscheinend schnell klar, und so geht sie in der groß angelegten 360-Grad-Kampagne in die Offensive. Mit kurzen imaginären Social-Media-Kommentaren und dem Slogan „Erst probieren, dann kommentieren." dreht Milka den Spieß um und kommt den Usern zuvor. Aus meiner Sicht eine gelungene Aktion, die dem Relaunch noch mehr Aufmerksamkeit schenkt. Und ich denke mir gerade: Marco, wann testen wir eigentlich die neue Milka-Schoki im Büro? Ist ja schließlich Recherche für den NewsSnack. Zum Bericht bei W&V

Und wo wir gerade schon bei Schokolade sind, hier noch ein kleiner Schoki-Snack, den ich bei LinkedIn gefunden habe. Denn auch bei Toblerone hat es einen kleinen Relaunch gegeben, und zwar beim Logo. Hier muss ich allerdings sagen: gefällt mir nicht … Wenn ich an Toblerone denke, denke ich als Erstes an die hochwertige Aufmachung der Marke und der Verpackung. Für mich war das als Kind immer eine besondere Süßigkeit. Das neue Logo wirkt durch den Comic-Charakter der Schrift irgendwie kindlich, verspielt und so gar nicht mehr edel. Am Ziel vorbei oder mitten ins Schwarze getroffen? Wie ist Deine Meinung zu dem Logo-Refresh?

Heineken: begeistert und enttäuscht zugleich

Nicht nur hier im realen Leben ist Heineken eine der bekanntesten Biermarken der Welt. Mit Heineken Silver landete die Marke eine sich selbst nicht so ernst nehmende Kampagne fürs Metaverse. „Try to try it." Die Kampagne lief so gut, dass sie 1,7 Billionen Impressions generierte und beim Cannes Lions International Festival of Creativity drei silver Lions und einen bronze Lion ergatterte.

Die neuste Aktion hat wieder mit Heineken Silver zu tun, bezieht sich allerdings nicht darauf, es zu „testen". Eher soll man darauf laufen. Klingt komisch? Ist innovativ. Gemeinsam mit dem Schuh-Designer Dominic Ciambrone gestalteten sie einen Schuh, der aus einer mit Heineken Silver gefüllten Sohle besteht. „Walk on beer." heißt der Claim. Auch wenn ich lieber ein kühles Blondes trinke (Gaffel Kölsch!), als darauf zu laufen, kann ich der Kreativität in Bezug auf dieses Projekt nichts Negatives zusprechen. Zwei Daumen hoch für diese Aktion.

Und auch ganz schnell wieder zwei Daumen runter. Denn bei uns vor der Haustür in Köln hat sich Heineken einen Fauxpas geleistet. Seit 29. Juli wirbt der Bier-Gigant auf Riesenposter-Flächen in Deutschland mit dem Spruch: „Liebe auf den ersten Schluck." Witzig und treffend, aber scheinbar geklaut. Denn damit wirbt die Kölsch-Marke Dom laut EXPRESS seit Jahren. Hat es Heineken nötig, diesen Klau mit Seitenhieb in der Domstadt zu bringen? Ich war ungläubig, aber zumindest ein Dementi bleibt laut EXPRESS aus. Schade, hätte ich mehr erwartet. Zum Bericht im EXPRESS

Stores: I'm Blue – von Louis Vuitton bis zur Baustellen-Burberry

Na toll, jetzt habe ich einen Ohrwurm … Du musst wissen, das geht bei mir in der Regel sehr schnell. Beispiel gefällig? LinkedIn geöffnet, folgenden Beitrag gefunden, und zack, direkt Eiffel 65 im Ohr. Andererseits ist die Assoziation aber auch wirklich nicht abwegig, so blau wie der Shop von Louis Vuitton im Berliner KaDeWe daherkommt. So simpel wie genial finde ich. Die blaue Farbe strahlt Ruhe aus, und durch den Kontrast bzw. die wenige Ablenkung stehen die Ware sowie die Inszenierung der Figuren im Vordergrund. I like!

Den Kontrast dazu bildet der Pop-Up-Store von Burberry in Chengdu, China. Hier ist Orange die Signalfarbe. Gepaart mit zwei mächtigen Baukränen und Stahlträgern, die das Konstrukt des Stores bilden, entsteht ein Baustellen-Charakter. „Well done Burberry … so unexpected. Love it!", lautet ein Kommentar unter dem LinkedIn-Beitrag, und dem kann ich mich nur anschließen. Es ist gerade dieses Unerwartete, das die Aufmerksamkeit auf die Marke lenkt. Da kann auf jeden Fall keiner sagen, er hätte den Store nicht gesehen.

Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, aber wenn ich mal shoppen bin, möchte ich in der Regel für mich alleine stöbern, anprobieren und nicht ständig gefragt werden, ob man mir weiterhelfen kann. Es sei denn, es handelt sich um einen Baumarkt oder ein Elektrofachgeschäft, da könnte ich schon hier und da mal Hilfe gebrauchen. Aber zurück zum Klamotten-Kauf: Hier komme ich alleine klar und brauche keine Beratung. Das kann die Verkäuferin nicht riechen und fragt nach. Klar, ist ja auch ihr Job, und auch der des nächsten Mitarbeiters, dem ich begegne. Und so kann es schon mal sein, dass man mehreren Mitarbeitern eine Abfuhr erteilen muss. Eine simple Lösung dafür habe ich bei LinkedIn gefunden: Einkaufskörbe in zwei Farben. Schwarz heißt, dass man Hilfe benötigt, und Weiß, dass man lieber alleine stöbert. So sehen die Mitarbeiter sofort, auf wen sie sich stürzen dürfen und wer lieber in Ruhe gelassen werden möchte. Win-win, würde ich sagen – aber was sagst Du dazu?

Social Snackstation: Haunted Snapchat & „Danke für nichts, Instagram"

Haunted Snapchat. Nachdem der Streaming-Anbieter Netflix mit einem Gaming-Bereich in der Handy-App vorlegt, folgt Snapchat auf dem Fuße. Neben AR-Lenses gibt es nun auch das erste AR-Handy-Game in der App. Ähnlich zu Niantic's Pokémon Go sucht man in „Ghost Phone" nach Geistern. Um diese zu finden, muss man verschiedene Aufgaben erfüllen; der Preis: Man schaltet zusätzliche Dinge frei, wie z. B. Textnachrichten und weitere Apps. Normalerweise würde ich jetzt wieder rumschreien und sagen, dass ich es blöd finde, wie sich alle Apps einander angleichen. Hier muss ich sagen: Die AR-Geistersuche der App, die einen Geist im Logo hat und sich regelmäßig mit der Veränderung und Nutzung von AR-Lenses auseinandersetzt, ist ziemlich smart. Es ergibt Sinn und fühlt sich richtig platziert an. Zum Bericht bei The Verge

Danke für nichts, Instagram. Offenbar hat Instagram nicht nur meine Kritik zur Anpassung an TikTok gehört und verstanden. Zuletzt wurde der Social-Media-Riese von Meta von Größen wie Kim Kardashian, Kourtney Kardashian und Halbschwester Kylie Jenner stark kritisiert – nicht ohne Folgen. Sie haben eine Petition auf change.org namens „Macht Instagram wieder zu Instagram" beworben, die bereits hunderttausendfach unterzeichnet wurde. Und was passiert, wenn die Kardashian-Jenners einen Lauten machen? Die Portale reagieren. „Das ist deswegen relevant, weil die Jenner-Kardashian-Familie einen gigantischen Impact hat: Als Kylie Jenner 2018 tweetete, dass sie Snapchat nicht mehr nutze, sorgte sie damit für einen Kurseinbruch von 1,3 Milliarden US-Dollar", heißt es auf t3n. Ob sie jetzt für 12 Minuten einen Privatjet nutzt oder nicht, scheint hierbei niemanden zu interessieren. So ruft Instagram die Anpassungen wieder zurück, kündigt dafür aber „neue Ideen" an. Wie immer: We stay tuned und sammeln alle weiteren Infos, Ankündigungen und News für Dich! Zum Bericht bei t3n

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2022. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.