NewsSnack-Archiv · 2023

NewsSnack KW 34/2023 – Skechers' Kane-Coup, Döner Haus vs. Pornhub & KI überwacht

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2023

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. In KW 34/2023 dreht sich alles um Beziehungen: Skechers und ich kommen uns näher, das Döner Haus liefert sich ein Scharmützel mit Pornhub, Pepsi/Peroni/WOW landen im Media-Check und die KI-Corner zeigt, wie Kameras Mitarbeiter vermessen.

Kampagnensalat: Döner Haus – Reichweite um jeden Preis

Na, noch in Erinnerung, wie man Aufmerksamkeit generiert? Ich denke an Trumpf und den „Alien-Laser" sowie die Jake-Paul-Dokumentation aus der vergangenen Woche. Nicht ganz so groß, aber dennoch schlau hat es das „Döner Haus" gemacht. Die Optik des Logos erinnert nicht nur Pornofilm-Kenner an Pornhub. Auf diese Assoziation und die folgende Reaktion hat das Döner Haus wohl spekuliert. Jetzt liefern sich beide Firmen ein kleines Scharmützel über die Presse. Der Spiegel berichtet, dass US-Medien berichten. Bedeutet für mich: Win-win. Kostenlose Reichweite für Pornhub und das Döner Haus. Der Streit wird wohl still und heimlich beigelegt, wenn der erste Rauch verzogen ist.

Übrigens: Ich muss noch mal über den Claim nachdenken. REAL GERMAN KEBABS. Nur weil vor ca. 50 Jahren – entweder in Berlin oder in Reutlingen, da streiten sich die Kebab-Historiker – der erste Drehspieß in Deutschland erwähnt wird, heißt es nicht, dass er nicht bereits ein Jahrhundert vorher in der Türkei erfunden wurde.

Kampagnensalat: Skechers mit Traumeinstand

Wir hatten heute bereits das Thema komplizierte Beziehung. Das gilt auch 1:1 für Skechers und mich. Die Marke macht mit mir gar nichts, die Kampagnen mit Testimonials wie Michael Ballack oder Snoop Dogg empfand ich bislang immer völlig an der Zielgruppe vorbei. Aber ich erinnere mich an meinen letzten Beitrag. Dort waren meine Worte: Vielleicht steckt auch ein strategischer Plan dahinter, der mich überzeugt.

Mittlerweile glaube ich daran. Ballack als Ex-Fußballer war nur der erste Vorbote, denn seit dem Wochenende ist Superstar Harry Kane der Markenbotschafter. Und die Einführung des ersten Fußballschuhs hätte spektakulärer nicht laufen können. Im Supercup trug der Engländer noch komplett weiße Schuhe, im Spiel gegen Werder Bremen waren es dann blaue Skechers. Dieser Deal wurde vorher über Social Media verkündet und alle Sportseiten haben berichtet. Die Reichweite dürfte allein über Social Media bei annähernd 100 Mio. Views gewesen sein. Reicht Skechers aber nicht. Die buchen auch gleich noch die Banden im Bremer Weserstadion. Schlau. Wirklich schlau.

Der Rest passiert natürlich genauso, wie es sich für eine Fußball-Schnulze gehört: 1:0-Vorlage Kane, 2:0-Tor Kane, der neue Superstar wird gefeiert, die Schuhe sind „angeblich" die besten, die er je hatte. Skechers, ich finde eure Schuhe immer noch hässlich. Aber eure Kampagnen wirken durchdachter, die Strategie wird erkennbar und die Landing Page ist ansprechend. Am 21.9. ist Snoop Dogg in der Lanxess Arena – bin mal gespannt, was sich Skechers hat einfallen lassen.

Kampagnensalat: Pepsi, Peroni und WOW im Media-Check

Pepsi haut Kohle raus. In Köln sind die Rockstars los: Riesenposter an prominenter Stelle, Sponsor eines Events am Mediapark samt Energizer-Box und dazu Ad-Impressions ohne Ende auf TikTok. Mit Energy Drinks kann man Geld verdienen – oder Pepsi gibt einfach mal Vollgas. Übrigens: ein bisschen wie bei der Cola mag ich nichts aus dem Hause Pepsi – außer die Halftime-Show beim Super Bowl, aber die haben sie auch abgegeben.

Peroni macht Ströer glücklich. Noch einer, der definitiv auch sein Werbebudget für den deutschen Markt erhöht hat, ist Peroni. Seit Sommeranfang sehe ich das italienische Kultbier auf den Flächen von Ströer. Ob Peroni es schafft, mit der Werbeoffensive den Kölschbrauern Marktanteile abzuknöpfen? Keine Ahnung, aber ich kenne da eine Firma, die sich freut. Die sitzt im Kölner Süden und ist Eigentümer der schönen Werbeflächen.

WOW setzt auf das falsche Spiel. Bundesligastart, große Freude – Sky, Kicker und Co. werben auf allen Kanälen. Da will auch WOW Gas geben und spielt auf Meta ordentlich Anzeigen aus. Aber für den Start am Samstag das Spiel Bayer Leverkusen – RB Leipzig zu nehmen, erschließt sich mir nicht. Erstens wisst ihr, ich bin Köln-Fan, zweitens gibt es keine zwei Vereine in Deutschland, die weniger Fans haben. Auch wenn es fußballerisch das Spitzenspiel ist – WOW möchte ja Abos verkaufen. Noch schlechter ist wahrscheinlich nur Heidenheim – Hoffenheim als Aufmacher.

OOH: Arte – Narben voller Liebe

Geschwister: (männliche wie weibliche) Kinder gleicher Eltern, schreibt der Duden. Oftmals war es das dann aber mit den Gemeinsamkeiten. Doch gerade in jungen Jahren sind Geschwister sehr aufeinander fixiert, wenn der Altersabstand nicht zu groß ist – und das bringt nicht nur Freude, sondern birgt Gefahren. Oder war es die beste Idee meines Bruders, mir ein Spielzeug-Auto an den Kopf zu schmeißen? Nein, die beste war, mich in den Kaktus zu schubsen. Und dennoch: Die Beziehung ist besonders, sie wird gehalten durch ein Band, das – so scheint es – unendlich dehnbar ist.

Dieser außergewöhnlichen Beziehung hat sich Arte gewidmet. Mit der Serie „Brothers & Sisters" hat der Sender prominente Geschwisterpaare ins Zentrum gerückt: Venus & Serena Williams, Harry & William, Beyoncé & Solange Knowles.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, das zu bewerben: mit den Köpfen der Stars. Kann man machen, ist aber irgendwie auch lahm. Oder man beauftragt KesselKramer, weil man weiß, dass da einige Kreative bestimmt eine ähnliche Kindheit hatten wie ich. Das Ergebnis ist eine 1+. Für die OOH-Motive wurden „grenzwertige" Situationen unter Geschwistern nachgestellt. Und diese haben nicht nur mich gepackt, da bin ich mir sicher. Schwester am Kleiderhaken oder Bruders Kopf als Fußball: Das ist Geschwister-Real-Life! Dazu gibt es ein paar passende 15-Sekunden-Spots. Alles in allem meine Kampagne der Woche. Zum Projekt bei KesselsKramer

KI-Corner: Big Chef is watching you

Na, wie viel Umsatz hast du heute gemacht? Eine beliebte Frage unter Kollegen im Vertrieb – oder damals auch bei meinem Studentenjob in der Sport Box (die älteren Kölner werden sich erinnern). Alles bald hinfällig. Aber nicht nur die Frage nach dem Umsatz erübrigt sich, auch die nach Laufwegen, bedienten Kunden, Zeit pro Kunde. Wie das? Natürlich mit KI – so berichtet zumindest Entrepreneurship Quote (2,7 Mio. Follower) auf Instagram.

Über eine Kamera werden Gäste und Kunden erfasst, Zeiten und Produktivität gemessen. Finden das alle gut? Mit Sicherheit nicht. In den Kommentaren auf Instagram ist schnell von Sklaverei und Mikro-Management die Rede. Aus Datenschutzgründen in Deutschland undenkbar – aber es zeigt, was gehen könnte und irgendwann auch gehen wird. Finde ich das gut? Nein. Olga übrigens auch nicht.

KI-Corner: OpenAI schließt Deal mit Associated Press

Was hilft ChatGPT, um besser zu werden? Input. Im besten Fall: relevanter, recherchierter und verifizierter Content. Den bekommt das KI-gestützte Sprachmodell jetzt. Denn der Hersteller OpenAI hat vor einigen Wochen einen Deal mit der Associated Press (AP) gemacht. Schlauer Schachzug. Wie der Deal genau aussieht und unter welchen finanziellen Bedingungen, ist nicht bekannt. Profitieren wird ChatGPT auf jeden Fall durch den Zugriff auf das komplette Textarchiv. Zum Bericht bei AP News

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2023. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.