NewsSnack-Archiv · 2023

NewsSnack KW 30/2023 – Hornbach vs. Toom, ChatGPT auf Kölner Plakaten und das Ikigai einer neuen Marke

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2023

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. Aus KW 30/2023 hier meine Beiträge: Campacts frecher Angriff auf Edeka, das Social-Media-Battle zwischen Hornbach und Toom, ein USP-Streit in Küsnacht, ChatGPT als Hingucker auf Kölner Plakaten, Runways Sprung von Bild zu Video – und die Ankündigung unserer neuen Marke grndios.

Kampagnensalat: Edeka – zu viel Fingerzeig?

Über Missstände oder Doppelmoral aufzuklären ist die eine Sache, die andere Sache ist, eine Marke wortwörtlich an den Pranger zu stellen. Ich erinnere mich an meine Plakatgestaltung im Norden während meiner Ausbildung. Mit der Plakataktion sollte dazu aufgerufen werden, den Müll aus dem nächstgelegenen McDonald's-Drive-in in Mülleimern an der Straße zu entsorgen, statt ihn aus dem Fenster in den Graben daneben zu schmeißen. Die Optik sollte auf McDonald's einzahlen, durfte aber nicht zu viel Ähnlichkeit zeigen.

Campact sind solche Grenzen bei der folgenden Aktion vollkommen egal: Edeka macht sich seit Jahren zum Aushängeschild, einer der größten Anbieter für regionale Lebensmittel zu sein. Wir kennen ihn alle, den Claim „Wir lieben Lebensmittel". Die Agentur Campact hat diesen Claim nun aufgenommen, ebenso wie die gesamte Edeka-Optik, und in „Wir lieben Dürre" verwandelt. Über einem Foto von ausgetrocknetem Boden und ein paar Erdbeeren steht außerdem auf schwarzem Grund geschrieben: „Für unsere billigen Erdbeeren trocknet in Spanien ein Nationalpark aus." Das sitzt, würde ich sagen.

Nach dem erfolglosen Versuch Ende Mai mit der Organisation Foodwatch, deutsche Supermarktketten aufzufordern, die „Dürre-Erdbeeren" Spaniens aus ihrem Sortiment zu nehmen, folgt nun hartes Durchgreifen: „Jetzt gehen wir dahin, wo es dem Konzern richtig weh tut: direkt vor die Supermärkte. So zeigen wir den Kund\*innen, dass hinter dem Nachhaltigkeitsversprechen der Supermarktkette leider eines steckt: Heuchelei", sagt Campact-Campaignerin Friederike Gravenhorst, laut Horizont.net. (Zum Bericht bei Horizont)

Edeka selbst distanziert sich von der Kampagne und fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Schließlich unterstütze man ja eine Initiative des WWF zum Erhalt des Doñana-Naturschutzgebiets und befinde sich in kontinuierlichem Austausch mit relevanten Stakeholdern aus Landwirtschaft und Politik.

Meine Frage: Edeka hatte schon Nestlé-Produkte aus dem Sortiment gestrichen, wieso geht das nicht auch mit spanischen „Dürre-Erdbeeren"? Stimmt ja, Nestlé aus dem Sortiment zu schmeißen hatte nichts mit Nachhaltigkeit oder einer Unternehmens-Positionierung zu tun, sondern mit einer Preis-Unstimmigkeit. Die scheint es zwischen den Erdbeeren und Edeka nicht zu geben. Also auch nicht Grund genug, etwas zu tun?

Special Forces: Hornbach vs. Toom

Hornbach und Toom haben aktuell den richtigen Mix für einen gelungenen Social-Media-Cocktail gefunden. Aber fangen wir vorne an. Hornbach startet mit einem 08/15-Plakat der Marke „Katze entlaufen" die Suche nach einem Kunden, der noch Geld zurückbekommt, und wird damit in den Kommentarspalten der Social-Media-Kanäle abgefeiert. Daraufhin kontert Toom mit dem Post „Wir haben ihn gefunden" und markiert Hornbach. Genau so springt man auf einen Zug auf. Danach noch ein kleines Geplänkel in den Kommentaren – Hornbach legt vor: „Sorry, aber da hat Euch offensichtlich das Baumarkt-Phantoom veräppelt." Und Toom fragt frech zurück: „Hornbrille nicht auf?" Sehr stark, alles mit einem Augenzwinkern, so profitieren am Ende beide Baumärkte.

Zum Bericht bei W&V · Zum Bericht bei Horizont

OOH: Der USP-Streit in Küsnacht

Gab es im Hornbach-Toom-Battle aus meiner Sicht zwei Gewinner, gibt es anscheinend in Küsnacht nur Verlierer. Was ist passiert? Durch Bautätigkeiten sind Parkplätze Mangelware, eine gute Gelegenheit für das Einkaufszentrum Glatt, damit zu werben, dass es 4500 Gratisparkplätze hat. Das Ganze sehr prominent auf Plakaten und zwar genau dort, wo gerade die Nerven der Gewerbetreibenden aufgrund der Bauarbeiten eh strapaziert werden. Auch wenn der Unmut bei den Ladenbesitzern groß ist, aus reiner Marketingsicht hat das Einkaufszentrum einen Elfmeter verwandelt. Wenn Du im Wettbewerb einen USP hast, dann stell ihn auch raus. Am besten dort, wo die Zielgruppe ihn sieht und auch spürt. Dass die Verantwortlichen das Plakat noch in den Küsnachter Wappenfarben gestaltet haben, empfinde ich als Kirsche auf der Sahne. Das passende Bild dazu gibt es hier bei der Zürichsee-Zeitung.

OOH: Handwerk vs. ChatGPT

Eigentlich alles richtig gemacht: super relevantes Thema (KI, ChatGPT), plakativ (OOH mitten im Ort), adaptiert an ein hoch lokales und für viele Menschen (außer mir) stets relevantes Thema (Haare schneiden) und dann mit einem guten Spruch („Hallo ChatGPT, mach mir eine neue Frisur …") versehen. Und trotzdem passiert bei mir nichts. Als wir vor Wochen eine ähnliche Idee aus Belgien hatten, war ich begeistert, jetzt denke ich: joaaah. Stumpfen wir/ich so schnell ab? Muss es immer noch besser, noch witziger, noch kreativer sein? Was soll ich sagen, in dem Fall ja. Liebe Andrea, Idee ist klasse, Webseite gut gemacht, eigentlich alles genau so, wie es sein soll. Also sorry, dass ich es nur ok finde!

KI-Corner: Update bei Runway

Lange nichts mehr passiert in der KI-Corner. Nachdem es die ersten 6 Monate täglich neue Tools gab, ist es etwas ruhiger geworden. Jetzt gibt es mal wieder ein Update bei Runway. Mit der Gen-2 erstellt das Programm in Sekunden aus Bildern kleine Videos. Die Ergebnisse, die man teilweise auf LinkedIn sieht, wie beispielsweise bei Zain Kahn, sind schon beeindruckend. Aber der Status ist gar nicht das Thema, die Schnelligkeit der Entwicklung zeigt nur, dass wir Ende des Jahres über ganz andere Möglichkeiten sprechen werden. Und genau darauf freue ich mich.

In eigener Sache: Mein Ikigai und die neue Marke grndios

„Das, wofür es sich zu leben lohnt." So beschreibt Autor Ken Mogi das tief im Alltag der Japaner verwurzelte Prinzip „Ikigai". Mit vielen Beispielen angereichert schafft das Buch bereits nach einigen Zeilen, dass der Leser sich genau diese Frage stellt. Was ist es, wofür es sich zu leben lohnt? Denk mal drüber nach.

Auch ich beantworte diese Frage eher für mich im Stillen, aber eine andere habe ich mir bereits vor langer Zeit beantwortet. Warum habe ich mich selbstständig gemacht? Neben vielen Gründen ist es vor allem die Freiheit, entscheiden zu können, ein Umfeld mit seiner DNA zu schaffen und dem Team die Chance zu geben, seine Grenzen zu verschieben, um so neue Themen zu testen. Genau das machen wir jetzt ab nächster Woche mit unserer neuen Marke „grndios".

Entstanden aus Zufall, hat Charles der Marke eine Idee, ein Gesicht, ein Gefühl und damit eine Zukunft geschenkt. Genau diese Emotion wollen wir jetzt als 923b in die Welt tragen. Folge uns heute schon auf unseren Social-Media-Kanälen und werde Teil dieser Gemeinschaft. Wie? Erzähle uns Deine Geschichte, was war für Dich ein besonderer Moment, und lass uns teilhaben an besonderen Erlebnissen.

Sei gespannt, was aus dieser Marke entstehen wird. Eines ist versprochen: Wir halten Dich auf dem Laufenden. Und wer weiß, vielleicht wird aus etwas Besonderem auch Dein Ikigai – etwas, das laut Aussage des Autors glücklich und gesund macht.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2023. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.