NewsSnack-Archiv · 2023

NewsSnack KW 46/2023 – Zapfen mit Gaffel, Bill Gates' KI-Assistent und OOH am Bahnhof München

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2023

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. Hier findest du meine Beobachtungen aus KW 46/2023 – von Gaffel und dem 1. FC Köln über Bill Gates' Blick auf den KI-Assistenten der Zukunft bis zu OOH am Münchner Hauptbahnhof.

Kampagnensalat: Zapfen mit Gaffel!

Wie setze ich eigentlich meine Partnerschaft mit dem Fußball-Bundesligisten so um, dass sie zur Zielgruppe, zu meiner Marke und zum Kanal passt?

Das können sich viele Marken von Gaffel Kölsch abschauen. Sie lassen in einem kleinen Video-Format die Spieler das Zapfen eines richtigen Kölschs erlernen. Und rate? Die Profis haben es nicht leicht – weder mit dem Zapfen eines perfekten Kölschs noch mit der spitzen Zunge von Uschi.

Warum ist die Aktion so gelungen? Die meisten Profis kommen nicht aus Köln und bekommen so ein bisschen kölsche Kultur nähergebracht, das Zapfen eines Kölschs gehört dazu. Die freche Art von Uschi lockert das Thema extrem auf, ist authentisch – davon träumen doch alle Marketingverantwortlichen. Cleverer Schachzug von Gaffel: Uschi ist vom Knobbelbecher, einer bekannten Kneipe in Köln, auch Partner werden also eingebunden. Kurz, knapp und sehr locker in einem Bewegtbild. Und auch die unnahbaren Stars des 1. FC Köln profitieren und bekommen Sympathiepunkte – trotz der Leistung der letzten Wochen. 1:0 Gaffel für diese tolle Aktion!

Kampagnensalat: Bifi bringt OOH ins Wohnzimmer

Bifi denkt sich „Weihnachtsdeko? Nö." und plakatiert deine Wohnung mit orangen Tapeten und Litfaßsäulen statt Weihnachtsbäumen.

Außenwerbung als Innenwerbung? „Ja, wir kriegen ja Geld dafür", sagt ein Protagonist des Werbespots. Als Bifi-Botschafter verdient man 150 € Werbe-Prämie, sobald das Motiv der neuen Rustic Sticks aufgehängt wurde.

Wenn du also auch denkst „ein Salami-Plakat an der Wand stört mich nicht", kannst du am Gewinnspiel auf der Landing-Page teilnehmen und nach dem Einsenden des Fotos von der Werbung in deiner Wohnung die Prämie kassieren. Stand 15.11. sind noch keine Beiträge auf dem Instagram-Account zu sehen, auf denen die Fotos in privaten Räumlichkeiten platziert sind – aber das Gewinnspiel läuft ja auch noch bis zum … man weiß es nicht. Die Info fehlt, aber vielleicht steht sie in den näheren Infos, die man per Mail bekommt, sobald man seine Daten angegeben hat.

Kampagnensalat: Die ADS hat was dagegen

Ich hätte so gerne meine erste Reaktion abgefilmt, als ich den neuen Spot der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) geschaut habe. Leicht verstört muss mein Gesicht ausgesehen haben, denn der Spot ist wirklich nicht gut.

Aber ich möchte erst mal das Positive aufzählen: Die Aufmerksamkeit wird groß sein. Das Thema an sich ist wichtig und richtig! Das war es dann aber auch schon.

Die ADS hat mit diesem Spot zu sehr versucht, cool zu sein und eine Zielgruppe zu erreichen, von der sie offenbar einfach nur ein selbstgemaltes Bild aus der Schublade gezogen hat. Wenn ältere Generationen junge Menschen erreichen wollen, sollten sie diese in den Prozess einbeziehen, sonst kommt schnell so etwas dabei raus. Die BVG hat ähnlich versucht, Aufmerksamkeit zu erlangen, hat sich aber offenbar mit den Zielgruppen auseinandergesetzt und es geschafft, die Videos authentisch wirken zu lassen. Die ADS hat hingegen ein Video erstellt, bei dem man das Gefühl bekommt, der Songtext sei von einem „Anzugträger" mithilfe einer schlecht gebrieften KI geschrieben, der „die Jugend von heute" verteufelt, aber dennoch ihre Aufmerksamkeit benötigt.

Keine Daumen, keine weitere Wertung, aber gerne deine Meinung in den Kommentaren!

KI-Corner: GatesNotes II

Im März hatten wir bereits GatesNotes hier in der KI-Corner. Damals wurde der Artikel „Das Zeitalter der KI hat begonnen" von Bill Gates noch von einem großen Aufschrei begleitet. Das ist jetzt anders. Seine neuesten Gedanken sind ein Bulletpoint im Newsletter von AI Peanuts. Dabei sind seine Gedanken berichtenswert. In 5 Jahren wird jeder Mensch einen persönlichen Assistenten haben. Was? So lange dauert das noch? Ich dachte, in 5 Jahren soll jede KI einen Menschen haben! Sorry, musste mal raus. Und was kann der Assistent der Zukunft? Alles. Er kennt den perfekten Urlaubsort anhand unserer Vorlieben, er hilft bei der Arbeit und – das ist ja mein Lieblingsthema – kann endlich auch individuell Lerninhalte vermitteln. Er weiß, ich mag Fußball, also erklärt er mir Lerninhalte daran. Spannend: Viele Kids lernen deutlich besser, wenn sie das Thema interessiert. Also warum sollen Rechenaufgaben nicht dem einen mit Äpfeln und dem anderen mit Birnen erklärt werden? Ich bin gegen beides allergisch! Aber nicht gegen die Gedanken von Bill Gates. Hier mein Lesetipp für diese Woche: Bill Gates über KI-Agenten.

OOH: Viel Licht, zu viel Schatten!

„Die Wahrheit kommt nicht alleine ans Licht. Jemand muss sie suchen." Mit dieser Botschaft auf einer großen OOH-Fläche begrüßt die Süddeutsche Zeitung Reisende und Pendler am Hauptbahnhof in München. Vor allem in Zeiten von Fake-News und KI-generierten Texten macht die Headline was mit mir. Eines sollte allen klar sein: Am Anfang einer Nachricht steht ein Journalist, der sie recherchiert.

Was ich nicht verstehe? Du zahlst viel Geld für eine Top-Fläche, hast eine super Botschaft, machst es auch richtig und konzentrierst dich auf eine Typo-Kampagne, also keine Bilder. Aber wer kommt dann auf die Idee der Farbgebung und des langen Schattens? Ich vermute, es soll den Weg des „ans Licht Kommens" beschreiben, aber es ist nicht freundlich für das Auge des Betrachters. Das hätte es nicht gebraucht. Das Farbkonzept inkl. Lichteffekte wird auf der Landing-Page fortgeführt. Warum? Deshalb nur einen Daumen hoch für eine wichtige Botschaft.

Social Media: Stars in Reihe 1 – Basketball in München

Basketball in München, Bayern gegen Partizan Belgrad, 6000 Menschen, super Stimmung und ein toller Abend mit Freunden. Das ist schön für mich, aber muss nicht in den Newsletter. Was rein muss, ist der Weg, wie Vereine heutzutage ein breites und vor allem junges Publikum erreichen. Die erste Reihe Courtside war besetzt von Promis und TikTok-Stars. Ich kannte keinen davon, aber was heißt das? Nichts. 50 Mio. Follower auf TikTok sprechen eine klare Sprache. Hier ein Video, da ein Foto: An einem Abend wie diesem generiert der FC Bayern ohne ein einziges Fernsehsignal, nur über TikTok, Millionen von Views. Schlau, wirklich sehr schlau.

Hörtipp: UGC meets Influencer

42 Minuten, die du investieren solltest, wenn dich die Themen User Generated Content (UGC) und Influencer-Marketing beschäftigen. Benita von Speekly und Jan von den Nerds erklären anhand sehr treffender Beispiele die Symbiose von UGC und Influencer-Marketing. Ja, genau: Symbiose! Denn es ist kein „Entweder-oder", sondern viel mehr ein „Und". Das wird oft von den meisten Werbetreibenden vergessen. So können zum Beispiel Teile des Gesamtbudgets zunächst in einer UGC-Kampagne getestet werden. Mit den ersten schnell gewonnenen Erkenntnissen zu Produkten und Zielgruppen können dann größere Influencer-Kampagnen starten.

Auch wir nutzen in der 923b GmbH Speekly mittlerweile intensiv für viele Kunden und sind wirklich begeistert von den Ergebnissen. Schnell produzierte Videos, ein großer Creator-Pool, einfache Briefing-Strukturen und Feedback-Schleifen: Speekly ist genauso eine Empfehlung wie dieser Podcast. Also hör mal rein, lohnt sich!

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2023. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.