OOH: Flughäfen – mehr Frust als Lust
Endlich mal wieder ein paar Flughäfen gesehen, durch die Reise in die USA. Ich bin immer gespannt, ob es Innovationen gibt, neue Werbeflächen oder besondere Kampagnen. Zumindest in diesem Bezug haben mich Tampa Bay und New York enttäuscht: viele kleine Flächen, keine Innovationen, kaum Kampagnen, die wirklich inszeniert waren. Einzig der Formel-1-Bolide in Amsterdam hat meine Blicke gezogen – passend zum Rennwochenende auf der Rennstrecke in den Niederlanden.
Was ein Glück, dass Kira in Frankfurt gelandet ist. Denn hier begeistert das Casino mit einer sehr witzigen Umsetzung direkt an den Laufbändern – eine Fläche, auf die die meisten Menschen minutenlang starren, um zu sehen, wann der Koffer kommt. Der Flughafen hat gemeinsam mit dem Casino die Laufbänder zu einem Roulettespiel umgestaltet. Dazu läuft auf den Bildschirmen die passende Werbung mit dem Hinweis, dass das Casino nur 15 Minuten entfernt ist. Respekt, so geht das! Und auch Rolex weiß, wie es geht, am Flughafen in Sardinien. Dort, wo die Reichen und Schönen Urlaub machen, darf die Luxusmarke nicht fehlen.
Aber alles in allem bleibt eine gewisse Enttäuschung – vor allem, weil Flughäfen echte Reichweitentreiber sind. Egal, wie viele Untergangsszenarien der Flugverkehr während und nach Corona durchleben musste: Die Menschen reisen. Auch das Business-Reisen hat wieder stark zugenommen; Video-Calls sind halt auch nicht die Lösung. Und da erwarte ich mehr Innovation an vielen Standorten. Ich lobe mir zumindest Flughäfen wie Zürich, München, Köln und – wie beschrieben – Frankfurt: Dort gibt es immer neue Ideen und Top-Werbepartnerschaften.
In eigener Sache: Jetzt flexxen wir auch mal
Wir tragen selten dick auf in eigener Sache. Aber es ist mal wieder so weit. Für unseren Kunden Flexx Fitness haben wir die OOH-Kampagne für Köln gestartet: 14 Tage, volle Power, analoge und digitale Medien von Ströer. Flankiert von vier 1/1-Seiten im EXPRESS. Dazu zahlreiche Formate auf Social Media und Google. Vier Motive (inhouse umgesetzt), die auf ein spezielles Abnehm- und Fitnessprogramm einzahlen.
Erste Erkenntnisse: viel Aufmerksamkeit, hohe Anmelderate, gutes Feedback. Warum die Kampagnen von Flexx für uns als Agentur immer ein Highlight sind? Der Kunde weiß, dass er in einem kleinen Zeitraum alle Medien bespielen muss, lässt sich dann optimal beraten, welche Werbeträger wie funktionieren – und vor allem, dass das gewünschte Ergebnis nur durch eine crossmedial abgestimmte Kampagne erreichbar ist. Wir freuen uns schon auf die nächste Umsetzung, die mit Sicherheit im Winter kommt. Dann muss der Weihnachtsspeck abtrainiert werden. Mal sehen, ob ich dann endlich auch mal wieder in Bewegung komme.
Kampagnensalat: Deka – falsch „sinnvestiert"
Da wir für unsere Kunden und auch für grndios viel für TikTok produzieren, verbringe auch ich in der Recherche immer mehr Zeit auf der Plattform. Leider! Denn aus Usersicht ist dann schon alles sehr wild.
Was auffällt: Die Werbung ist oftmals gut gemacht, kanalgerecht aufbereitet und häufig UGC. Und genau da crasht Deka die Party mit der Kampagne „sinnvestieren". Die produzierte Story im „Zurück-in-die-Zukunft"-Style ist auf vielen Ebenen wirklich nicht gut. Das Video passt nicht in den TikTok-Feed, und das Video auf der Landing Page holt mich null ab. Tipp: Setzt auf UGC, bleibt authentisch, nahbar – und bitte lasst die Wortspiele.
Olaf Scholz: Sorry, Olaf!
Ich habe mich getäuscht. Als ich den Post von Bundeskanzler Olaf Scholz gesehen habe, dachte ich mir: Anbiedern hat noch nie zum Erfolg geführt. „Bin mal gespannt auf die Memes", schrieb er bei Twitter, nachdem sein Foto mit einer Augenklappe veröffentlicht wurde. Scholz, nicht gerade dafür bekannt, Social Media zur Selbstdarstellung zu nutzen, wünscht sich Aufmerksamkeit herbei. Als ich die ersten Memes sah und die PR-Agenturen abfeierten, habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Zu einfach, zu plump, so funktioniert Social Media nicht.
Doch! Genau so, muss ich nun festhalten. Denn alle springen auf: Ikea, Piratenpartei, der Postillon, Greenpeace, Berliner Zeitung, Spotify – und selbst wir. Leider haben wir so kurzfristig keine Augenklappe mit grndios bekommen, aber die Chance genutzt, um auf unsere weiteren Angebote hinzuweisen.
Fords Garage: Konzept durchgespielt!
Erst letzte Woche habe ich über Konzepte, Kampagnen und Ideen geschrieben, die nicht zu Ende gedacht werden. Dabei sind es die kleinen Details, die den Betrachter überraschen. So erging es mir in St. Petersburg, Florida. Noch nie war ich in einem solch durchdachten Restaurant essen: Ford's Garage. Die Fenster und Ausgänge sind alte Rolltore, an der Wand Bilder von Autos, Zitate von Henry Ford auf der Toilette, die Serviette wird durch eine Schelle zusammengehalten, die Kellner tragen Werkstatt-Outfits, eine Ecke ist voller Merchandising-Produkte, das Wasser läuft auf der Toilette in als Reifen getarnte Becken, Besteck gibt es aus dem Werkzeugwagen, und Zapfsäulen sind die Türklinken. Einfach mal durchgespielt bis ins letzte Detail. Mega! Von der ersten Sekunde an kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus.
Einzig auf den zahlreichen TV-Geräten lief Baseball und Football – keine Autos. Das wäre das i-Tüpfelchen gewesen. Aber läuft in den USA auf den Bildschirmen kein Sport, ist der Laden wahrscheinlich leer. Übrigens: Das Essen war eine glatte 1! Würde so ein Konzept auch in Köln klappen? Ford's Garage statt Joe Champs? Warum eigentlich nicht? So könnte man die in Deutschland angestaubte Marke wieder etwas mit Leben füllen. Deine Meinung?