NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 14/2024 – Amazon-OOH, eine Idee für Piquadro & Gaffels Herzensprojekt

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. Charles war weiterhin im Urlaub – daher sind alle Beobachtungen aus KW 14/2024 von mir: Amazon-OOH aus New York, eine kleine Kampagnenidee in eigener Sache, ein KI-Test mit Runway und eine grandiose Aktion von Gaffel.

OOH Amazon: 100 % Trefferquote

Bisschen „late to the Party" bin ich bei dieser Geschichte, aber wenn sie an mir vorbeigegangen ist, dann vielleicht ja auch an Dir! Im Januar hat Amazon in New York eine OOH-Kampagne ins Leben gerufen, die ich ziemlich cool finde. Idee dahinter: Du findest ALLES auf Prime. Bebildert mit Superstars wie Post Malone oder Dua Lipa erreichen die Wortspiele mit einer Trefferquote von 100 % ihr Ziel. Da wir ja auch einige OOH-Kampagnen für Kunden umsetzen, weiß ich so viel Kreativität wirklich zu schätzen. Zwei Daumen nach oben! Und beim nächsten Mal sind wir auch wieder schneller dran ... (zum Artikel bei The Drum)

Kampagnenidee für Piquadro: Nicht so geleckt!

Über alle Kanäle hinweg sehe ich täglich Hunderte von Anzeigen. Sie unterscheiden sich dabei in Größe, Aufmachung, Aussagen und auf welchem Kanal sie ausgespielt werden. Eines haben allerdings fast alle gemeinsam: Die Produkte und Testimonials sehen immer aus wie geleckt. An dem ist auch prinzipiell nichts auszusetzen. Aber es ist halt nicht die Wirklichkeit. In einem dieser Momente fiel mir dabei mein Rucksack ins Auge, Piquadro, braunes Leder, 8 Jahre alt, jeden Tag seitdem genutzt und bestimmt 500 Reisen auf dem Buckel. Natürlich sieht er nicht mehr taufrisch aus, aber ich würde ihn nie eintauschen. Jetzt wollen Firmen eher neue Ware verkaufen, als zu erzählen, wie lange ihre Produkte halten, aber liebe Verantwortliche bei Piquadro: Macht doch mal Werbung mit meinem Schätzchen. Schnelle Schnitte, Flughafen, Florida, Italien, Business-Trips nach Hamburg, Berlin und München, auf dem Rad ins Büro oder laufend bei der Streak-Challenge am Bahnhof – der Rucksack war die letzten Jahre mein bester Freund. Habe ich ihn besonders gepflegt? Nein, eher nicht. Voll geknallt, alles immer reingeworfen und dennoch außer ein paar Schrammen ist nichts dran. Also, nicht geleckt, bisschen angeranzt, so wie ich halt, aber immer noch in Schuss. Ich warte auf Euern Anruf, Team Piquadro!

Kampagnensalat DB: Nur folgen bitte!

Wenn es nicht so traurig wäre ... Die Deutsche Bahn bewirbt ihren LinkedIn-Kanal mit den Worten: „Der Kanal, der eure Bahn-Stories wirklich gerne hört." So viel zum guten Vorhaben. Kommen wir zur Umsetzung. Die 6 Kommentare unter der Anzeige bleiben unbeantwortet. Auf „fast" keinen Kommentar unter den zahlreichen Posts wird auch nur in geringster Weise eingegangen und noch schlimmer – zumindest laut Aussage einiger User – werden zahlreiche Posts direkt gelöscht. Ich fasse nochmal zusammen: Die Bahn ist auf einem Social-Media-Kanal, bei dem Kommunikation im Vordergrund steht und die Kommentarzeile ein wichtiger Rückkanal sein kann, regt die User an, ihre Story zu schreiben, aber antwortet nicht. Ok, verstehe ich. NICHT! Aber vielleicht hätte ich nochmal genauer lesen müssen. Im Call-to-Action steht: Alles zu Geschäftsreisen und Pendeln. Jetzt folgen. FOLGEN, nicht KOMMUNIZIEREN.

Kampagnensalat: Fundstücke der Woche

Wir müssen ja nicht immer alles in epischer Länge besprechen. Manchmal reichen auch einfach nur ein paar Worte, um die Fundstücke der Woche zu beschreiben.

Los geht es mit zwei Stellenanzeigen. Bei Fairplay kannst Du bereits im Praktikum flexibel und im Home Office arbeiten. Spannend, wie sich die Zeiten ändern.

Andere Zeiten hatte auch mal Greven Medien. Dort heißt es jetzt: Massagesessel, Dog friendly, hybrides Arbeiten – na immerhin: Arbeiten!

Bei Deichmann gibt es Weihnachtsgeld und übertarifliches Gehalt. Aber den Kontext auf dem Visual verstehe ich nicht.

Zum Abschluss noch eine klare und verständliche Botschaft an Ostern. Aber früh wird ja immer gelobt.

Kampagnensalat IKEA: Falsch gedacht, Findeisen!

Macht er eh nicht, hat sie gesagt. So kann man sich täuschen. Im Zentrum der Kampagne stehen Hunde und Katzen, die Gegenstände zerstören. Ein Thema, das rund 50 % der Menschen mit Haustieren kennen. Ich eher nicht: Allergisch gegen Hunde, Katzen, Pferde – eigentlich ALLES außer Steinen. Dennoch kann ich sagen, die Werbung ist gut gemacht. Sie thematisiert erstens ein Phänomen, das viele betrifft, und rückt zweitens den günstigen Preis der zerstörten Produkte in den Mittelpunkt. Und mit einem zerbrochenen Produkt haben auch noch nicht so viele Firmen geworben, Aufmerksamkeit garantiert. Zum Spot

Kampagnensalat NOW: Zu viel NOW

Es ist eine anstrengende Woche, mein Kopf ist leer, aber dennoch kann ich die Kampagne „NOW" der Bundesagentur für Arbeit nicht ganz an mir vorbeiziehen lassen, dabei pendle ich mich untypischerweise mal in der Mitte zwischen Katastrophe und 2 Daumen nach oben ein. Aufgefallen ist sie mir zunächst auf Instagram, beim Spaziergang am Rhein habe ich dann die OOH-Kampagne auf Bushaltestellen gesehen. Aus dem sperrigen „Nationales Onlineportal für berufliche Weiterbildung" ein „mein-now.de" zu machen, ist ok. Vielleicht sogar gewollt, dass man über das englische „now" stolpert. Schwierig wird es auf Google: Da gibt es zunächst die NOW GmbH (Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie), dann RTL NOW und auch ansonsten ist das Wort schon besetzt. Von alleine erklärt sich die Abkürzung auch nicht. Aus dem ersten Visual online geht nicht hervor, worum es geht, da erklärt das Plakat schon mehr. Und noch was: In der Kampagne steckt sehr viel Geld. Für so einen großen Aufschlag hätte man sich etwas mehr einfallen lassen können. Auf der Landing-Page findet übrigens kein Mensch in Bild oder Video statt. Dabei bietet sich das Thema doch für Video-Content an. In Summe, Du merkst, nicht alles schlecht, aber auch nicht alles top. (zur Landing-Page)

Kampagnensalat Peloton: Hörst Du auf Klopp?

Deutsch ist wahrlich keine einfache Sprache. Ein Wort anders betont und man hat eine völlig neue Bedeutung einer Aussage. Beispiel gefällig. Hör auf Klopp. So die Headline bei der Facebook-Anzeige von Peloton. Was denn? Aufforderung an Jürgen Klopp aufzuhören? Das macht er doch schon. Natürlich nicht. Sondern Aufforderung an uns alle, auf Klopp zu hören und endlich mit Peloton anzufangen. Es bleibt zumindest ein kleines Fragezeichen bei mir, übrigens auch bei dem ein oder anderen User in den Kommentaren.

KI-Corner: Lip Sync 2.0

Mail von Runway im Postfach: „Give your characters a voice with the new Lip Sync feature inside Generative Audio. Simply upload an image or video of your character then use Text to Speech, record a new audio clip or upload a prerecorded one to generate your lip-synced video."

Lasse ich mir doch nicht zweimal sagen. Also Bild hochgeladen, Text getippt, Stimme ausgesucht, Deine Meinung? Übrigens: Die Katze guckt immer so ...

Grndios – Gaffel: Sinnvolle Spende!

Gleich eine doppelt coole Aktion, die auf jeden Fall Öffentlichkeit verdient. Immer wieder berichten wir von Einrichtungen, Firmen und Erlebnissen, die digital eher im Mittelalter stehen geblieben sind. Aber nicht so das Kinderkrankenhaus in Köln. Kids, die dort liegen (müssen), können weiter am Unterricht teilnehmen. Wie? Durch kleine Avatare, die auf ihrem Platz in der Klasse stehen. Durch eine Videoverbindung lässt sich der Unterricht verfolgen und die Schüler können sich sogar aktiv einbringen.

Das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße bietet diese Möglichkeit bereits seit 2019 an. Doch der Bedarf ist groß, die Nachfrage ist höher als das Angebot.

Jetzt hat Gaffel Geld für einen Avatar an den Förderverein des Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße gespendet. Im Rahmen der Aktion Gaffel Herzensprojekte wurden Sonderetiketten für 1.111 Gaffel-Kölsch-Flaschen produziert. Für jede im Gaffel-Shop verkaufte Flasche hat Gaffel einen Euro draufgelegt. Innerhalb kürzester Zeit waren die limitierten Flaschen ausverkauft. Thomas Deloy, Geschäftsleitung Marketing und PR von Gaffel, legte noch einen drauf: „Für uns war sofort klar, dass wir die ursprüngliche Spendensumme von 1.111 Euro auf 3.500 Euro erhöhen."

Wir sagen: GRNDIOS! Tolles Engagement von allen Seiten. Und vielleicht liest ja auch hier ein Verantwortlicher mit, der dieses Projekt unterstützen möchte. (zum Förderverein)

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.