NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 11/2024 – Omas in Adidas Samba, Sixt-Wortspiel & Recruiting-Best-Case Preckel

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. In KW 11/2024 geht es um Adidas' starke Bilder aktiver Seniorinnen, ALDIs Osterkampagne, OBIs 90s-Revival, die überzogenen Allianz-Senioren, Sixts blitzschnelles Wortspiel zur Streikwoche, McDonald's royalen Kurs – und einen echten Recruiting-Best-Case.

Kampagnensalat: So geht's, Adidas!

67 Wörter in der Caption, kein Link oder Verweis (da komme ich später noch zu), dazu 5 Bilder im Beitrag und ein Reel auf Instagram reichen, um bei mir Begeisterung auszulösen. Adidas zeigt eine Frauengruppe aus Berlin im Alter von 66 bis 87, die regelmäßig schwimmen geht. Super sympathisch, authentisch und mit einer Stimmung in den Fotos, die keine KI der Welt erzeugen kann.

Das Reel hätte es bei der Kraft der Bilder gar nicht gebraucht, denn das Videoformat wirkt im Verhältnis zu den Bildern schon fast wieder unnatürlich. Die Fotos zeigen eine Generation, die oftmals vernachlässigt wird, dabei ist sie auch für die Werbung noch hoch relevant. Aktive Menschen im Alter, die sich treffen, um Sport zu treiben, sind eine große Gruppe der Gesellschaft, finden so in den Medien aber kaum statt. Wenn sie gezeigt werden, dann maximal im Kontext Pharma und Gesundheit. Dieses Bild aufzulösen, ist eine starke Botschaft von Adidas. Eine weitere Ebene: Der Post stand am Weltfrauentag, ohne diesen aber explizit zu erwähnen bzw. künstlich aufzuladen. Die Menschen zu zeigen, um die es geht, hat da viel mehr Wirkung. Wirklich klasse.

Nun zur Klammer aus meinem ersten Satz: Wo geht die Geschichte weiter? Ich möchte mehr erfahren über die Schwimm-Gruppe vom SV Gesu in Berlin, über Brigitte, 87 Jahre, und ihre Story. Wir werden den ganzen Tag mit schlechten Geschichten zugemüllt, da erschien mir hier die Chance groß auf mehr als nur einen Post mit 358 Zeichen. Meine Neugier war auf jeden Fall groß. Aber vielleicht kommt ja noch was …

Übrigens: Jede „Oma" und jeder „Opa" sollten Adidas Samba tragen. Wie cool sieht das denn bitte aus?

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Kampagnensalat: Osterkampagne von ALDI

ALDI dachte sich zu Ostern „Mensch, die Kampagne der 923b für Polo-Motorrad ist doch toll. Nehmen wir." Nein, keine Sorge, hier folgen keine Plagiatsvorwürfe, denn wir wissen, es gibt dieses Phänomen: Zwei Idioten – ein Gedanke. Ähnlichkeit besteht im Wording definitiv, denn bei ALDI heißt es: „Endlich wieder Ostern."

Die Kampagne wird auf allen Werbeträgern gespielt, heißt Print, OOH, Radio und Online sowie auf Social Media. Neben dem Haupt-Thema Ostern wird auch die Grill- und Garten-Saison eingeleitet. W&V berichtet, dass „Endlich wieder Ostern" ab April unter dem Motto „Gutes für alles" weiterläuft.

Bunte Bilder, grüne und blühende Gärten und prall gedeckte Tische sind im Clip zu sehen. Ist und bleibt wiedererkennend ALDI. Klingt diesmal nach 923b.

Zum Spot · Unsere Polo-Kampagne

Kampagnensalat: OBI und das 90s-Revival

Manche Dinge sollte man da lassen, wo sie sind. Im Fall des Klassikers „Freed from Desire" entweder im Lloret de Mar der 90er oder in den Fußball-Stadien dieser Welt, seit die Fans von Wigan und Nordirland ihren Stürmer Will Grigg damit gefeiert haben. Dass es mittlerweile eine Hymne in allen Stadien ist – auch ok. Aber als Song für die neue Obi-Kampagne? Kein Fail, der Spot ist ok gemacht, aber ich frage mich immer, was macht es mit mir, wenn ich es zum ersten Mal sehe? Und in dem Fall zitiere ich Charles: „Weiiiiiiß ich nicht!".

Dabei bin ich generell bei Christian von Hegel, Senior Vice President Marketing & Retail Media bei Obi, der bei Horizont sagt: „Musik bringt Menschen zusammen, Musik motiviert, und genau das macht Obi auch. Über die Jahre hat Musik die Geschichte der Marke Obi geprägt. […] ‚Obi on fire' ist hierfür unser Startschuss – aber es kommt noch mehr!"

Mal sehen, welche Songs noch kommen und was die mit mir machen …

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Kampagnensalat: Die Allianz und die imitierte Gen Z

Letzte Woche habe ich von sprechenden Haustieren berichtet, die an die Darmkrebsvorsorge erinnern sollen. In dieser Woche geht es ganz abgedreht weiter mit Senioren, die Jugendliche imitieren und für die Allianz-Pflegezusatzversicherung werben sollen.

Die erste Frage, die ich mir gestellt habe, war: Wieso muss denn immer alles so überzogen rübergebracht werden? Besonders bei Themen, die eine gewisse Ernsthaftigkeit besitzen, finde ich es nicht gut, das Ganze in einer Comedy-Show zu verpacken.

In diesem Clip finde ich den Abbinder-Spruch der Erzähler-Stimme „weil du leider nicht für immer jung bleibst" ganz furchtbar. Muss man das Offensichtliche denn noch mal betonen? Abgesehen davon, dass man doch eh immer nur so alt ist, wie man sich fühlt. Auch im zweiten Clip stört mich der Spruch massiv. Wer sagt denn, dass die in den Clips abgebildeten Menschen nicht wirklich noch mit ihren Kumpels zocken, auflegen oder clubben gehen, wenn sie grau sind?

Das Wording übertrieben jung gehalten, mit Momenten gefüllt, die auch für ältere Menschen noch relevant sein können. Egal, ob Dating, das Teilen von Fotos oder Aktivitäten – vollkommen unpassend und überzogen. Fast schon beleidigend. Selbst wenn die Kernzielgruppe Generation Z und Y ist.

Zum Clip 1 · Zum Clip 2

Kampagnensalat: Schnell, schneller, Sixt

Sixt ist mal wieder schnell. Die aktuellen Streiks der öffentlichen Verkehrsbetriebe und der Lufthansa treiben den ein oder anderen in den Wahnsinn. Vor allem diejenigen, die darauf angewiesen sind. Wer dennoch sicher von A nach B kommen muss, mietet sich eben ein Auto.

Da wirbt Sixt gekonnt mit „Wenn 2 sich streiken, freut sich der 3er". Ich versuche, nicht gleich bei jedem Wortspiel auszuflippen, aber finde es so gut, dass mir doch ein kleiner Sprung meines Herzens nicht zu nehmen bleibt.

Umgesetzt wurde das Motiv von JvM Hamburg. Ausgespielt wird bisher ausschließlich online auf Bild.de und Social Media sowie Ads. Zwei Daumen nach oben für die verspielte Headline und die tagesaktuelle Umsetzung.

Zum Motiv

Kampagnensalat: McDonald's wird royalisiert

Wer ist er denn? Ich kannte Ben Bernschneider nicht und weiß auch nach Besichtigung seines Social-Media-Profils nicht, was genau sein Auftrag ist. Er scheint bei seinen rund 443.000 Followern für seine „Old Money Ästhetik" bekannt zu sein. Ich weiß nur: Er ist im Auftrag für McDonald's ein Teil der neuen Kampagne rund um den Hamburger Royal.

McDonald's als Sternerestaurant dekoriert? Messer und Gabel, Coca-Cola aus Champagner-Gläsern? Nach der Royalisierung durch Ben Bernschneider gibt es sogar flüssiges Gold (Cheese Dip) zum Burger serviert. Zustande kam die Kooperation durch ein Tasting, welches er auf Instagram veröffentlichte. Die Agentur Scholz & Friends hat hier nicht den Braten, sondern das flüssige Gold gerochen und Bernschneider als Testimonial „mal machen lassen".

Mit über 28.000 Likes seit dem 23.02.2024 scheint das Ergebnis zufriedenstellend. Vorerst ist die Kampagne nur auf Social Media in Reels und Storys sowie auf TikTok zu sehen.

Zum Hintergrund bei W&V

Kampagnensalat: Recruiting at its best (Preckel)

Schaue ich mir Stellenanzeigen auf Instagram an, sind gefühlt 9/10 nicht zufriedenstellend. Falsche Verlinkung, keine gute Caption, Bilder falsch beschnitten, kein Funnel oder mein neuer Liebling: Anzeigen, die am Wochenende bzw. zu später Stunde als einzige Kontaktmöglichkeit einen Anruf bieten. Dabei ist eine gute Recruiting-Kampagne wirklich einfach umsetzbar.

Da ich uns nicht auf die Schulter klopfen möchte, nehme ich als Beispiel Preckel Automobile, die einen Karosseriebauer suchen. Schwieriges Umfeld, viel Wettbewerb, wenig Bewerber, da heißt es: Die Kampagne muss performen. Und das schafft sie. Das Video als Ad ist genau der richtige Weg, authentisch, der Kollege spricht die wichtigsten Punkte an und wirkt sympathisch.

Verlinkung in den Landing-Page-Funnel, da werde ich wieder vom gleichen Kollegen abgeholt – oft ist hier der erste Bruch. Gute Fotos, klare User-Führung bis zur Bewerbung, so geht's!

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.