NewsSnack-Archiv · 2022

NewsSnack KW 42/2022 – BVG-Streetwear, ATUs Fahrrad-Wette, Netflix-Werbung und Hummels halber Protest

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2022

Aus dem Archiv Diese Ausgabe steht ganz im Zeichen von Learnings. Meine Beiträge: BVG goes Fashion, ATUs Einstieg in den Fahrradmarkt, Netflix als neuer Werbe-Kanal, Metas verbrannte Metaverse-Milliarden, Gaffels ausgezeichnetes Karnevalsfässchen und mein nachdenklicher Blick auf Hummels halben WM-Protest.

Ben & Jerry's × Tony's: Total Fair-liebt

Ben & Jerry's macht es mit Tony's. Oder umgekehrt? Auf jeden Fall haben sie das Beste von beiden Marken miteinander vereint. Unter dem Motto „Total Fair-liebt" ist ein Eis entstanden, das 100 % frei von moderner Sklaverei und illegaler Kinderarbeit sein soll.

- Idee: MEGA!

- Slogan: 1+

- Zweck: MEGA!

- Geschmack: Müssen wir noch testen.

- Design: Ich finde, bei den sonst so coolen Designs von B&J und Tony's hätte man eine genialere Verpackung zaubern können. Trotzdem: Sie sind dem Stil treu geblieben und hässlich ist es auch nicht.

(Nach der letzten Erfahrung erinnere ich noch mal daran: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Aktion ist cool, wie viel Wahrheit dahintersteckt, wissen nur die Akteure selbst.)

Ich sehe Tony's etwas kritischer, seit ich den OMR-Podcast gehört habe. Spannend wird es ab der 32. Minute – aber die Aktion mit B&J finde ich ziemlich cool.

BVG Junge!

In KW 27 habe ich bereits von den neuen Sitzbezügen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erzählt, jetzt wird daraus Kleidung. Zusammen mit QS by s.Oliver wurde von Socken bis zur dicken Winterjacke eine komplette Modekollektion erstellt. Der Spot eine dicke 10/10.

Die Schnitte und der Print: Mehr Berlin geht nicht. Die Models sind divers, die Ansprache jung und flippig wie die Bekleidung selbst. Rund 16 Artikel sind seit dem 19.10.2022 im Pop-Up-Store am Alex oder auf Zalando.de zu ergattern. „Mehr Street kann Wear nicht sein" – 100 %, liebes BVG-Team!

W&V: Streetwear im BVG-Style

ATU – Alles tickt Unfall

ATU! Zumindest in meiner Welt nicht gerade dafür bekannt, die „Werkstatt deines Vertrauens" zu sein. Als ich die Autofit-Kette betreut habe, waren wir immer froh, wenn gegenüber ein ATU war. Denn die Kunden sind nach dem Erstbesuch direkt in die Autofit-Werkstätten gekommen, da sie so unzufrieden waren. Vielleicht muss sich deshalb ATU nach neuen Geschäftsfeldern umschauen. Jetzt ist die Werkstattkette in den Bike-Service-Markt eingestiegen. Anfang Oktober hat das Unternehmen eine Pilotfiliale mit Fahrrad-Service in München eröffnet. Als Kooperationspartner vom Fach konnte ATU die Internetstores AG mit dem Onlinefachhandel Fahrrad.de gewinnen. Ist es ein spannendes Projekt? Ja, mit Sicherheit. Auf einen Reparatur-Termin für sein Fahrrad wartet man teils Wochen. Durch Kooperationen wird ATU günstig und schnell an Ersatzteile kommen. Und es zeigt, welche Potenziale man heben kann als großes Unternehmen. Würde ich mir als Fahrrad-Werkstatt um die Ecke Sorgen machen? Nein! Ich bleibe sowieso Prumbaum treu.

W&V: Autospezialist ATU steigt in den Fahrradmarkt ein

Social: Metas Metaverse-Milliarden

Bei Facebook etwas richtig gemacht, an anderen Stellen komplett falsch abgebogen. Meta. Man erinnere sich an meinen Vergleich vom Metaverse und den Mii-Charakteren der ersten Nintendo Wii. Dafür wurden nun mittlerweile 15 Milliarden Dollar verbraten. Die Enttäuschung ist groß, denn das hochgepriesene Online-Universum hat viel versprochen, wenig geliefert und offensichtlich auch nicht transparent mitgeteilt, wohin die Investitionen gegangen sind.

Neben der Intransparenz gibt es noch weitere Kritik. Dan Ives, technischer Analyst bei Wedbush Securities, sagt, der Geldbetrag, den Meta bisher für sein Metaverse-Projekt ausgegeben habe, sei besorgniserregend. Insbesondere angesichts der Updates, die diese Woche bereitgestellt wurden, darunter ein neues Headset im Wert von 1.500 Dollar und eine Version von Avataren mit Beinen, die er als „nicht berauschend" bezeichnete, so t3n.

Die Enttäuschung der Nutzer, Investoren und Technikbegeisterten kann ich sehr gut nachvollziehen.

Was passiert, wenn ein Riese wie Meta Raum für Schwächen zulässt? Ein noch größerer Riese kommt mit Konkurrenz-Produkten um die Ecke: Pico 4 (TikTok) vs. Quest 2 (Meta). Leichter, günstiger, unkompliziert. So wird die neue VR-Brille des Social-Media-Platzhirsches beschrieben. Sie orientiert sich zwar stark an der Quest 2, lässt sich aber eigenständig betreiben und funktioniert außerdem als PC-Headset. 1 zu 0 für TikTok vs. Meta würde ich sagen.

t3n: Metaverse kostet Meta 15 Mrd. · t3n: Pico 4 ausprobiert

Netflix: Verflixt teurer – aus Marketing-Sicht mega

Werbung. Herrliche Sache, wir Marketing-Menschen verdienen Geld damit. Werbung kann aber auch nerven, wie mittlerweile auf YouTube. Vor so gut wie jedem Video laufen mindestens 2 unüberspringbare Spots, mittendrin noch einer und noch einer... langsam aber sicher einfach zu viel. Bei Spotify bekommt man vermehrt auch Werbung, die nicht zu skippen ist, zum Teil in Inhalten wie Podcasts einfach integriert. Bisher hatte man auf Netflix getrost Ruhe davor, das ändert sich bald!

Ab dem 03.11.2022 (pünktlich um 17:00 Uhr) startet das neue Abo-Modell „Basis-Abo mit Werbung" für nur 4,99 €. Aktuell liegt das günstigste werbefreie Abo bei 7,99 €, ich sag's, wie es ist: die 3 € mehr sind mir persönlich die Werbefreiheit wert!

Netflix erklärte, dass es „umfassende Targeting-Möglichkeiten nach Land und Genre (z. B. Action, Drama, Romantik, Science-Fiction) anbieten" werde. Ab dem ersten Quartal 2023 sei es möglich, die Sichtbarkeit und Traffic-Validität der Werbung genau zu messen.

Um das also nicht aus Nutzer-, sondern Marketing-Sicht zu betrachten: MEGA! Damit lässt sich arbeiten. Vor allem aber Geld verdienen. Wie immer bleiben wir weiter dran und berichten, sobald wir Deals abgeschlossen und unsere Kunden bei Netflix platziert haben! Aber erst einmal vermarkten wir mit unseren Partnern Adressable TV. Interesse? Einfach anfragen.

t3n: Netflix Basis-Abo mit Werbung

Gaffelicious

Gaffel! Lieblingskölsch, Partner des 1. FC Köln, immer wieder unterstützt von kölschen Promis und vor allem nicht nur durch die Nähe zu Brings ein fester Bestandteil der Musikszene. Jetzt wurde die kölsche Kultmarke ausgezeichnet mit der Bronze-Medaille beim Can of the Year-Award. Und warum? Weil die Marketing-Abteilung um Thomas Deloy und Sebastian Lenninghausen das macht, was sie am besten kann: tolle Ideen umsetzen. Das Karnevals-Sonderfässchen wurde in diesem Jahr als Musikbox gestaltet, mit reichlich Konfetti und Songzitaten der mit Gaffel befreundeten Bands. Zudem steckte in der 5-l-Dose reichlich Musik. Über den eingescannten QR-Code ging es zum Gaffel-Kanal in der Spotify-App, wo in der Playlist über 10 Stunden Karnevalsmusik hinterlegt waren. Perfekte Nutzung des QR-Codes, sinnvoller Einsatz der Spotify-Liste, bester Geschmack: So geht die perfekte Kombination der kölschen Sinne.

about-drinks.com: Karnevalsfässchen von Gaffel gewinnt Can of the Year Award

Alles ist möglich: Hummels halber Protest

Eine Nachricht, die mich nachdenklich und auch ein wenig sauer gemacht hat. Ich versuche die Welt nicht in Schwarz und Weiß einzuteilen. Es gibt unfassbar viel Grau. Da ich mir das Denken nicht leicht machen möchte, verzichte ich auf diese Schubladen, die mir das ermöglichen würden. Vielleicht bin ich deshalb nicht gleich in Jubel ausgebrochen, als ich gelesen habe: Hummel und Dänemark protestieren bei der WM in Katar. Was macht der Ausstatter? Er wird ein bisschen „unsichtbarer" und verzichtet auf das deutlich zu erkennende Logo auf der Trikotbrust. „Während eines Turniers, das Tausende von Menschen das Leben gekostet hat, wollen wir nicht sichtbar sein." Die modische Lösung: drei Trikots, auf denen das Logo des Ausrüsters nur andeutungsweise zu erkennen ist.

Aha. Wir finden das nicht ok, wollen nicht dabei sein, sind aber dabei, nur nicht so richtig. Ich bin der Letzte, der hier bei politischen Themen Fingerpointing betreiben will. Aber warum lässt der Sportausstatter Hummel es nicht ganz? Hummel hatte bis vor Kurzem Partnerschaften mit Qatar SC und Al Sadd SC. 2015 lief die russische Nationalmannschaft mit Hummel-Trikots bei der Handball-WM in Katar auf.

Ich möchte hier nicht vorschnell verurteilen. Aber es geht mir unmittelbar auf die Nerven, wenn ich so etwas sehe oder höre. Kein Kniefall, keine Fairplay-Binde, keine Regenbogen-Fahne und kein „unsichtbares" Trikot ändern irgendwas, wenn sich das nur als Real-Life-Filter über das eigene Handeln legt. Passiert mir vielleicht selber öfter als gewollt. Deshalb fange ich auch gerne bei mir an, überdenke mein Handeln.

Alles ist möglich.

Süddeutsche Zeitung: Dänemark, Fußball-WM, Trikots, Sponsoring, Katar, Hummel

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2022. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.