NewsSnack-Archiv · 2022

NewsSnack KW 28/2022 – BMW-Abo, Werbe-Analysen & Starbucks in Italien

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2022

Aus dem Archiv Zurück aus dem Urlaub, den Großteil dieser Ausgabe selbst geschrieben: über Abo-Modelle und Pricing bei BMW, digitales Marketing bei Ahoj Brause, die Frage „Wann ist Werbung genug?", meine kleinen Online-Werbe-Analysen – und einen Kaffee-Aufreger aus Italien.

BMW: Ist es aktuell nicht heiß genug?

Kennst Du das Gefühl, an einem kalten Wintertag ins Auto einzusteigen und direkt die Sitzheizung anzuschalten? Ich liebe es. Ist es mir auch 18 Dollar pro Monat wert? So will es zumindest BMW in Zukunft, wie „The Verge" berichtet. Und das ist erst der Anfang: Abo-Modelle mit Mikro-Transaktionen könnten die Zukunft sein. Beheizte Lenkräder und ein Soundpaket mit verschiedenen Motorengeräuschen sind weitere Ideen, um Nutzer monatlich um etwas Kleingeld zu erleichtern.

Die spannenden, aber zurzeit offenen Fragen: Wird die Basis-Version des Autos dadurch günstiger? Wie verändern sich Pricing-Modelle generell? Ist der Autokauf ein Relikt aus der Vergangenheit und Nutzer mieten sich das passende Fahrzeug, wann und wo sie es brauchen – und dann auch mit der richtigen Ausstattung? Wir sind gespannt; mein Smart hat auf jeden Fall eine Sitzheizung inklusive! Zum Bericht bei The Verge

True Ahoj: Wenn eine Traditionsmarke komplett auf digitales Marketing setzt

„Ganz schön prickelnd: Ahoj Brause und True Fruits" war die Überschrift in der W&V. Die beiden Brands machen gemeinsame Sache und bringen drei Ahoj-Shots auf den Markt. Bei unserer 1000-NewsSnack-Abonnenten-Feier wird das getestet – und zwar klassisch mit Wodka.

Die Meldung an sich hat aber nur bedingt meine Aufmerksamkeit gezogen. Spannender fand ich den letzten Absatz: Seit 2020 setzt Ahoj-Brause auf rein digitales Marketing und konnte so auf TikTok fast 300.000 Follower und 4 Millionen Likes gewinnen. Unterstützt von Creatorn werden hier Ahoj-Produkte in Szene gesetzt. Auch die Limited Edition mit True Fruits wird sich auf TikTok wiederfinden.

Die Traditionsmarke, die 2025 ihr 100-Jähriges feiert, setzt komplett auf digitales Marketing. Wir diskutieren intern immer wieder über das Zusammenspiel der richtigen Botschaften über die passenden Kanäle, um Zielgruppen zu erreichen. Dabei gehen viele Firmen mittlerweile einen radikalen Weg und schließen ganze Zielgruppen bewusst oder auch unbewusst komplett aus. Ob das immer sinnvoll ist, lasse ich mal offen. Im Fall von Ahoj Brause glaube ich sogar: ja! Zum Artikel bei W&V

OOH: Netflix × DUDE für „Love & Gelato"

Netflix hat gemeinsam mit der Agentur DUDE für den Film „Love & Gelato" eine OOH-Kampagne kreiert, die mich komplett begeistert hat. Natürlich bin ich als Halbitaliener etwas anfälliger für Anspielungen auf gewisse „Verhaltensweisen" und „Ticks" – aber hey, Cappuccino nach Mittag geht halt nicht. Mich haben die Motive neugierig auf den Film gemacht. Spoiler-Alarm: Der Film ist eine Katastrophe. Macht es wie Jochen und schaut Euch lieber noch einmal „Der Pate II" an. (Die Werbung ist eine glatte Eins, der Film eine Sechs.)

Werbe-Analyse: Passiert was oder nicht?

Schon ein bisschen her, aber vielleicht erinnerst Du Dich, dass ich immer gerne geäußert habe, ob Werbung etwas mit mir macht oder halt nicht. Nach fünf langen Wochen Urlaubszeit ist es mal wieder soweit.

Den Anfang macht Floyd. Erstmal ein Kompliment, dass ich Kofferwerbung im Rahmen meiner Urlaubsplanung angezeigt bekomme – das spricht für gutes Targeting. Das Visual? Es erreicht definitiv sein Ziel, es macht neugierig und unterbricht das zügige Swipen. Doch dann fehlt eine Brücke zum Produkt. Diese hätte man locker über die Caption bauen können. Aber in zwei angezeigten Versionen ist nie von Stärke, Kraft oder Halt die Rede, sondern von leise, beständig oder Skateboard-Rädern. Die Kampagne biegt dann auf der Landing Page leider komplett falsch ab: Das Produkt ist ausverkauft und nicht zu bestellen. Schade, Chance verpasst!

Eine Chance verpasst hat auch Currex, die im Bereich Targeting ebenfalls alles richtig machen, denn die Anzeige wird mir direkt nach meinem ersten Lauf angezeigt. Das Problem ist nur: Ich weiß gar nicht, was Currex ist. Auf dem Bild sehe ich einen Mann im Shirt mit Rucksack; dass es um Einlegesohlen für Läufer geht, wird nicht ersichtlich. Das Produkt fehlt in der Anzeige. Wieder eine Chance vertan. (Edit: Kurze Zeit später wurde mir das Produkt als Video angezeigt – das war klasse.)

Und dann sind da noch die Targeting-Weltmeister von Falke Socken. Immer klasse Visuals, die Caption passt perfekt zur Situation und Nutzung des Produkts. Am Flughafen bekomme ich den Nutzen auf Flügen präsentiert, nach dem Laufen die Vorteile für Sportler.

Die Grenzen des Targetings bekommt Alpecin regelmäßig aufgezeigt. Ist nett, dass sie mir ständig Shampoo für starke Haare anbieten, aber da ist nichts mehr, und da kommt auch nichts mehr!

Wann ist es eigentlich genug?

Die Zahl der täglich rezipierten Werbebotschaften schwankt. Fest steht: Es sind unfassbar viele. Aber wann ist es zu viel? Welche Werbung ergibt einfach keinen Sinn, ist nur störend oder einfach schlecht umgesetzt? Mit diesen Themen werden wir uns in den kommenden Wochen immer mehr im NewsSnack auseinandersetzen und anhand von Beispielen diskutieren. Starten wir mit dem von uns so geliebten Home Screen. Zumindest bei Android-Usern soll dieser zur Werbefläche werden – das berichtet TechCrunch.

Ich verstehe das Bestreben, da der Home-Screen mittlerweile das Navigationsfenster zu den Themen ist, aber beim Gedanken bin ich raus. Ja, wir vermarkten Werbung, wir schauen uns immer neue Möglichkeiten an, aber genug ist genug. Der Fokus sollte viel stärker auf Top-Inhalten und guten Geschichten liegen, anstatt die Menschen immer wieder mit aufgedrängter Unterbrecher-Werbung zu penetrieren. Zum Bericht bei TechCrunch

Alles ist möglich – leider: Starbucks in Italien

Manchmal muss ich sagen: leider! Denn bis 2018 war es für Starbucks nicht möglich, eine Filiale in Italien zu eröffnen. Zu den Gründen gab es einige Vermutungen, aber vor allem eine, die sich richtigerweise hartnäckig gehalten hat: Du bekommst in Italien an jeder Ecke einen perfekten Espresso. Den bekommst Du auch heute noch – aber auch in jeder Tankstelle einen Kühlschrank mit Starbucks-Produkten, und in Großstädten gibt es seit einigen Jahren die ersten Filialen. Respekt! Ich hätte nicht gedacht, dass der US-Konzern diesen Schritt möglich macht.

Dennoch: Ich könnte als Kaffeeliebhaber schreien und weinen. Wer bitte holt sich beim Autogrill einen kalten Starbucks-Cappuccino aus dem Kühlschrank, wenn er zwei Meter weiter einen perfekten, aus einer Tasse mit dicken Porzellanwänden, mit Liebe zubereiteten Espresso trinken kann? Das verstehe ich nicht! Aber ich muss ja auch nicht alles verstehen. Hintergrund bei der NZZ

Snacks für Zwischendurch

Kleinanzeigen ohne Ebay. Mal wieder was aus der Kategorie „Wusstest Du …?". Wusstest Du schon, dass Ebay im vergangenen Jahr sein Kleinanzeigengeschäft an das norwegische Unternehmen Adevinta verkaufte? Nun wird Ebay auch aus dem Namen gestrichen. Von Ebay-Kleinanzeigen bleibt nur noch das „Kleinanzeigen" stehen. Ich finde es gut, dass man sich hier dagegen entschieden hat, das Rad neu erfinden zu wollen. Vor allem wenn es problemfrei rollt, kann das Rad auch gerne in der Basis bleiben, wie es ist. Zum Bericht bei n-tv

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2022. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.