NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 29/2024 – Ford Capri verrissen, Miss AI, Volvo-KI-Spot & Apple gegen Tracking

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. Aus dem Urlaub in Italien mit einer prall gefüllten KI-Corner: der Ford-Capri-Reboot im Verriss, die erste Miss AI samt Reflexion über Perfektion und Social Media, ein in 24 Stunden erstellter KI-Spot für Volvo, KI im öffentlichen Dienst und Apples Anti-Tracking-Kampagne für Safari.

Kampagnensalat: Könnten Autos sprechen ...

... der Capri hätte den Verantwortlichen bei Ford mit ziemlicher Sicherheit gesagt: „Lasst das!"

Wie Freunde wissen, habe ich wenig Ahnung von Autos und eigentlich jucken sie mich auch null. Ich kann maximal sagen, welche Farbe meiner hat. Meistens schwarz. Gelb ist der Ford Capri, das alte, neue Gesicht des Autobauers. Die Marke ist eigentlich ein Knaller, eine echte Legende. Eigentlich. Denn die Rückholaktion der Legende (Claim: „Die Legende ist zurück") geht voll in die Hose. Der Spot ist eher langweilig. Eric Cantona als Testimonial wie immer charismatisch, aber bei der jüngeren Zielgruppe kennt ihn wahrscheinlich keiner mehr. Und selbst ältere Fußballfans müssen lange nachdenken. Optisch – und nochmal, ich habe keine Phase – hat der Capri nix mit der Legende von früher zu tun. Damals ein echtes Sportcoupé, heute ein elektrisches SUV. Aus meiner Sicht ist das eher ein: Wir machen einen Elektro-SUV und kommen auf keinen Namen; ein Sportcoupé darfst Du im Jahr 2024 gar nicht auf den Markt bringen, ohne geschlachtet zu werden, also nehmen wir uns den Namen, den wir sonst nicht mehr nutzen würden. Zu hart? Urteile selbst.

Der Markenspot (YouTube)

Übrigens: Die User in den Kommentaren sind auch eher Team Marco und sehen den Namen Capri beschädigt. Was sagst Du?

KI-Corner: Schön(e) Sch....

KI und Schönheit? Dazu haben wir noch was. Katrin spielte zuerst das passende Bild in unseren Channel: zwei Pillen und schwupps, über Nacht ist alles geregelt. Mal abgesehen davon, dass man so eine Werbung verbieten müsste, rückt genau durch solche Bilder KI in ein schlechtes Licht. Das Ergebnis: Du verbrennst kein Fett, sondern wirst zum Alien!

Hört doch auf damit. Das ist doch Blödsinn. Das möchte keiner sehen, darauf fällt keiner rein und damit verkaufst Du nichts. Wobei? Der „Prinz-aus-Nigeria-Trick" funktioniert ja auch wieder.

KI-Corner: Miss Perfect!

Kennst Du Kenza Layli? Nein? Sie wurde gerade zur 1. Miss World AI gekürt. Ich bin wirklich ein echter AI-Fan, das sollten treue Leser wissen, aber eine Miss AI hat nun wirklich keiner gebraucht.

Zum Bericht beim Spiegel

Übrigens genauso wie die Miss-World-Wahlen der echten Menschen, die schon lange wie KI-Figuren aussehen und mit natürlicher Schönheit nichts zu tun haben. Ein Thema, das mich seit Tagen auch hier in Italien umtreibt. Denn – HALLELUJA – die Menschen am Strand sehen ja alle normal aus. In einer durch Social Media bestimmten Welt hat man das Gefühl, man müsste am Strand 90 % Sixpacks und straffe Haut sehen, aber das ist natürlich nicht der Fall. Zum Glück. Denn der Mensch hat Makel, die machen ihn besonders; wir haben nur den Blick dafür verloren in einer nach Perfektion strebenden Social-Media-Welt. Alle haben immer Spaß, sehen immer toll aus, die Kleidung sitzt perfekt.

Wir brauchen einfach wieder mehr ECHTE Fotos. Erinnerst Du Dich noch? Bei denen war nicht alles perfekt. Doch – meistens der Moment. Wie hier bei diesem Foto aus Genua. Für viele nicht die Stadt Nummer eins in Italien, kein Mailänder-Chic, kein Florenz-Flair, Hafenstadt halt, aber wie schön sie doch auf den zweiten Blick ist.

Wenn ich heute sehe, wie Menschen 100 Fotos machen, damit eins passt, das dann nachbearbeiten, um es dann zu posten – nicht meine Welt. Bin wirklich kein „Früher-war-mehr-Lametta"-Typ, aber diese Scheinwelt geht mir schon hart auf den Pinsel. Zum Abschluss ein schönes Zitat, angeblich von Bob Marley, das schön in eine Zeit passt, in der jeder nach optischem Perfektionismus strebt:

Bob Marley was once asked if the perfect woman existed. And he replied: Who cares about perfection? Even the moon is not perfect, it is full of craters ... And the sea? It's too salty and dark in the depths. The sky? Always so infinite, that is, the most beautiful things are not perfect, they are special. Stop wanting to be „perfect", try to be free, happy and live doing what you love, not wanting to please others.

KI-Corner: Volvo for Life!

Sorry, schon ein paar Tage alt, aber es wird noch nicht jeder mitbekommen haben: der mit Runway generierte AI-Spot „Volvo For Life" vom Fotografen Rick Deckard.

Der Spot (YouTube)

Der 45-Sekunden-Spot ist ein Brett. Selbst geschulte Augen werden auf den ersten Blick nicht erkennen, dass das gesamte Video in AI gemacht wurde. Die Werbebranche wird sich in den kommenden Monaten so unfassbar verändern.

Ich finde den Spot übrigens viel besser als Cantona, der ein bisschen um den Capri tänzelt. Deine Meinung? Ab in die Kommentare.

Zum Bericht bei W&V

KI-Corner: Stellenbesetzung im öffentlichen Dienst

Wir reden immer nur davon, dass die Anwendung von KI Menschen ersetzen soll. Dabei kann sie auch Lücken füllen, wo keine Menschen mehr sind: zum Beispiel im öffentlichen Dienst. Dort fehlen laut einer Studie 550.000 Vollzeitkräfte, jetzt könnte die KI zumindest 165.000 Stellen besetzen.

„Während bislang nur rund 20 Prozent der Aufgaben bei Tätigkeiten, die die Anwendung komplexen Fachwissens erfordern, Automatisierungspotenzial aufwiesen, können mittels KI nun bis zu 55 Prozent dieser Aufgaben automatisiert erledigt werden", sagt Björn Münstermann, Co-Autor der Studie, in einem Artikel auf Welt.de. „Das Potenzial ist enorm", so der Ökonom. „Mutig und mit Augenmaß eingesetzt", könne KI die Aufgabenerledigung spürbar erleichtern.

Zum Bericht bei Welt.de

Kampagnensalat: Apple gegen das Tracking

„Big Brother is always watching you." Apple sagt: Mit Safari passiert Dir das nicht.

Das Unternehmen verstärkt schon länger die Kommunikation über die Maßnahmen im Bereich Privatsphäre und Sicherheit und legt großen Wert darauf, mit dem iPhone und allen weiteren Apple-Geräten „unknackbar" zu sein.

„The Swarm" ist eine weltweite Kampagne, die aus meiner Sicht hervorragend das Thema bebildert, erklärt und für Apple bzw. den eigenen Safari-Browser wirbt. Aber schau selbst: der Spot (YouTube).

Auf W&V wird beschrieben: „Der Konzern hebt hervor, dass andere Browser wie Chrome das Tracking durch Datenunternehmen und das Sammeln von Standortdaten ohne Zustimmung der User erlauben würden. Safari hingegen, so die heutige Botschaft, schütze vor websiteübergreifendem Tracking und wahre bei Kund:innen die Privatsphäre."

Zum Bericht bei W&V

Technisch verstehe ich zu wenig von dem, was im Hintergrund passiert, der Spot ist allerdings genau auf den Punkt, humorvoll und zeitgemäß, um die oben beschriebenen Aspekte zu visualisieren. Ob der Webbrowser Safari jetzt im Vergleich zu allen anderen Browsern wirklich so weit vorne liegt ... ich frag mal Chrome.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.