Palmers: „Normale Kampagne"
Palmers setzt seine #EndOfSorry-Kampagne aus dem Frühling fort und setzt dabei u. a. auf die 78-jährige Bardame Marianne Kohn.
Noch vor einigen Jahren hätte ich wahrscheinlich geschrieben: Palmers geht neue Wege, provoziert oder flippt aus. Aber so aufmerksamkeitsstark die Kampagne ist, so stark die Motive sind und so wichtig nach wie vor die Botschaft ist („Sexy, not sorry ist ein Statement und ein Bekenntnis zur Vielfalt der weiblichen Einzigartigkeit …" – Janis Jung, Vorstandsvorsitzender/CEO der Palmers Textil AG), es ist mittlerweile „normal" und das ist auch gut so. Es ist keine „außergewöhnliche" Kampagne mehr, zumindest für mich. Es ist eine handwerklich top gemachte Kampagne, mit einem starken Statement.
Ausdrucksstarke Persönlichkeiten, starker Claim, aufgeräumte Motive, so geht das! Und für einige Zurückgebliebene da draußen wahrscheinlich sogar noch „außergewöhnlich". Aber meine Erkenntnis ist: Frauen wie Männer haben im Jahr 2024 deutlich mehr Selbstbewusstsein, was ihren Körper und den Umgang damit betrifft.
Und wie sind die Motive für Dich? Gut gemacht, außergewöhnlich oder gar unmöglich? Denk mal drüber nach …
Netflix: Brot und Spiele
Nie war ein Bildschirm dunkler als in der Nacht auf Samstag. Ich saß auf der Arbeit und dachte mir, kann ich auch parallel Tyson gegen Paul schauen. Dachte ich mir, denn die Idee hatten 60 Millionen andere Menschen weltweit auch. Und irgendwie hat mit der Zahl Netflix nicht gerechnet. Denn der Bildschirm blieb schwarz. Und wenn ich die Medien richtig verfolgt habe, nicht nur bei mir.
Daraus ergibt sich ein großes Problem. Denn sportlichen Wert hatte der Kampf von Anfang an nicht. Wir leben in der Zeit des Entertainments: So werden Präsidenten gewählt, die eigentlich UFC-Fans sind, so kommen Legenden, die ihr zu viel Geld verprasst haben, nochmal an Kohle und so werden Youtuber zu Multimillionären.
Nur doof, wenn es keiner sieht, weil die Plattform in die Seile geht, wie es in einem eigenen Statement heißt: „Das Mega-Boxereignis beherrschte die sozialen Medien, brach alle Rekorde und hatte sogar unsere Puffersysteme in den Seilen." Respekt, Netflix! Das ist die schlechteste Entschuldigung, die ich je gehört habe. Ist aber egal, weil es in der heutigen Zeit keinen interessiert. Viel wichtiger ist, gegen wen „schauspielert" Paul als nächstes und lockt dann 80 Millionen vor die Bildschirme. Brot und Spiele braucht das Volk!
MediaMarkt: Setzen, 6!
Komm, Hand aufs Herz. Woran denkst du, wenn Du am 13.11. eine Anzeige von MediaMarktSaturn (Ist das eine beknackte Schreibweise?) auf Facebook siehst? Natürlich. An eine Plüschfigur. Die UEFA EURO 24 Plüsch mit Türkei-Cap. Die Figur ist auch noch im Knallerangebot für 21,99 EUR statt 24,99. YEAH! Dann kann ich ja zuschlagen, die EM ist ja auch erst paar Monate vorbei, so eine Erinnerung möchte doch noch jeder Fan der türkischen Mannschaft haben.
So, jetzt mal Ironie aus. Das geht so echt nicht. Beworben wird das auch noch mit „Warum noch zögern? Holt Euch jetzt Eure Lieblingsteile bei MediaMarkt!" und im Link steht passenderweise: Elektronik, Trends & Technik kaufen. Vielleicht kann das Plüschtier ja innovative Dinge, die nicht erkenntlich sind. Aber irgendwie ist die komplette Anzeige eine „SETZEN, 6!"
Apple Intelligence: Storytelling par excellence
Apple Intelligence auf dem MacBook. Aber was steckt dahinter? Das erklärt uns Apple mit wirklich richtig guten Werbevideos, die bei mir in jedem Fall auf Begeisterung stoßen.
So wird zum Beispiel Dale vorgestellt, dessen Pudding im Büro weggegessen wurde und ihn dazu verleitet, seinen Unmut in einer Mail kundzutun. Mit der Apple Intelligence ist die Mail mit einem Klick von harten Worten in eine freundliche Abmahnung verwandelt worden. Gekrönt von Erfolg, denn Dale bekommt seinen Pudding zurück!
Oder aber Warren, der seinem Vorgesetzten sagen möchte, dass das betreute Projekt noch etwas Nachbereitung gebrauchen könnte. In eigenen Worten vorgetippt, wird durch die Anpassung mit einem Klick eine professionelle Formulierung. Die Mail kommt bei Warrens Vorgesetztem gut an und es gibt dank der tollen KI einen Helden mehr im Büro.
Dann gibt es da noch Lance, der in Sekundenschnelle noch eine Zusammenfassung benötigt, um seinem Team etwas vorzustellen. Kurz aus dem Büro mit dem Stuhl gerollt, fährt er wie ein neu bespielter USB-Stick zurück an den Tisch und kennt die wichtigen Keypoints, die er sich aus einem Dokument mit der Apple Intelligence hat zusammenfassen lassen.
Die Videoreihe wird gekrönt von einer Mutter und Ehefrau, die den Geburtstag ihres Mannes vergessen hat und durch ihre zwei Töchter daran erinnert wird. Noch in der Küche Kaffee kochend nimmt sie ihr iPhone in die Hand und lässt sich fix ein Video aus Fotos in der Galerie erstellen, um es dem Vater/Ehemann als Geschenk zu zeigen.
Wird man mit der Apple Intelligence also plötzlich zum Helden des eigenen Alltags? Die Spots versprechen es auf jeden Fall. Und unabhängig meiner Angst, dass bald niemand mehr selbstständig denken kann, finde ich die Clips einsame Spitze!
Der Stil ist toll, der Humor fehlt nicht und vor allem werden die Funktionen in Alltagssituationen angewendet dargestellt und sind somit greifbar beschrieben. Zwei Daumen nach oben! Zum Bericht bei Horizont
Doch die Apple Intelligence ist nicht das einzige, das Apple aktuell bewirbt. Auch der neue M4 Chip im MacBook bot Anlass, sich etwas Kreatives einfallen zu lassen.
Der Spot ist mir ein wenig ZU verrückt, aber wenn der neue Chip hält, was er hier verspricht … bin ich wahnsinnig beeindruckt. Auf Horizont heißt es: „Bei der Produktion des Commercials wurden keine Kosten und Mühen gescheut. So haben die zuständige Werbeagentur TBWA\\Media Arts Lab in Los Angeles, die Regisseure von Megaforce und die Produktionsfirma Iconoclast für den TV-Spot eigens Hollywood-Choreografin Denna Thomsen an Bord geholt. Und Shelby, der als Double in Filmen wie ‚Creed III' und ‚Rocky's Legacy' auftrat, ließ sich für die Rolle extra von der sechsmaligen Weltmeisterin Yvonne (Bonnie) Palacios im Gewichtheben trainieren."
Da hat Apple auf jeden Fall einen rausgehauen und die kreativen Mühlen im Kopf angeschmissen … oder hat bei der Erstellung und Ideenfindung etwa auch die Apple Intelligence geholfen? Zum Bericht bei Horizont
Coca-Cola: Frohe KI-Weihnachten
Ich erinnere mich noch zu gut an die klassischen Coca-Cola-Spots, die im TV gespielt wurden, als ich im Mini-Format im wild bedruckten Schlafanzug auf dem Sofa saß, während draußen Winter noch Schnee bedeutete.
Heute? Werden die Werbespots mit KI überarbeitet und sind so „herzerwärmend wie ein Aluminiumbaum", wie Stefan Schasche es so passend auf W&V zitiert hat. Weiter berichtet er: „Wir haben nicht mit dem Gedanken begonnen, das unbedingt mit KI zu machen", so Javier Meza, Europa-CMO Coca-Cola. Stattdessen habe man KI als effiziente Lösung gesehen, um das Kultvideo modern zu interpretieren – und dabei Zeit und Kosten zu sparen.
Die Videos wirken auf mich halb fertig, als hätte man in der Reinzeichnung vergessen zu speichern. Ich finde die Ansätze im neuen Spot, die der Modernisierung dienen sollen, gar nicht so uncool. Die ISS bzw. den Weltraum zu integrieren, auf neue Geschmackssorten einzugehen und diversere Landschaften zu zeigen: Am Zahn der Zeit. Eventuell hätte man die Trucks noch mit E-Mobilität ausstatten können … Aber von Qualität zurückzutreten und einen Aluminiumbaum als Weihnachts-Tanne zu erklären … da bin ich wieder bei dem auf W&V zitierten Kommentar eines Users bei Youtube: „Frohe KI-Weihnachten! Das ist so herzerwärmend wie ein Aluminiumbaum".
Den Clips fehlt es an Authentizität und vor allem dem kleinen, aber allerfeinsten Essential: Liebe!
KI-Corner: Immoscout – Innenausstattung? Modern, bitte!
Ich war länger nicht auf Immobilienscout24. Wenn ich sehe, wie mühsam die Wohnungssuche ist, muss ich sagen: zum Glück!
Aber ohne den Druck macht es „neuerdings" (ich weiß nicht, wie lange es das Feature schon gibt) Spaß. Denn du kannst Dir mithilfe von KI die Wohnungsbilder super schnell in verschiedenen Stilen anzeigen lassen. „Oh, Schatz, das Zimmer hier könnten wir doch modern oder maritim einrichten?" Kein Problem, du ziehst den Filter auf dem Bild und schon erstrahlt das Zimmer nach Deinem Wunsch. Wirklich praktisch, weil viele Bilder immer noch grauenhaft sind, als würden Verkäufer mit Smartphones der ersten Generation einfach mal „draufhalten". Gute Funktion, wenn ich sehr „late to the Party" bin, sag gerne Bescheid.
KI-Corner: Gemini – Testen, nutzen!
Ich war mal wieder im Testmodus. Dieses Mal musste die Sprachfunktion von Gemini dran glauben. Was soll ich sagen? Beeindruckend gut. Einfach App runterladen, Stimme aussuchen und los geht's. Ich kann gar nicht sagen, ob ich die Sprachfunktion von ChatGPT oder Gemini besser finde. Fakt ist, wir sind an dem Punkt angekommen, an dem man sich in jeder Situation von der KI mit Sprache helfen lassen kann. Italienisch lernen, Urlaub planen, Businessplan schreiben, Excel-Tabelle strukturieren, E-Mail verfassen … das sind die einfachsten Anwendungsfelder. Teste es und finde Deinen Assistenten.
KI-Corner: AI-Granny übernimmt
Wie oft haben wir an dieser Stelle bereits vor Betrügern gewarnt, die dank neuester Technologien jetzt noch leichter an das Geld von dir wollen. Im Visier stehen aber weiterhin meistens „ältere" Menschen, die eventuell noch nicht so vertraut sind mit den KI-Technologien. Jetzt wird der Spieß umgedreht und die AI-Granny schlägt zurück.
O2, Großbritanniens größter Mobilfunkanbieter, hat kürzlich einen Chatbot vorgestellt, der Telefonbetrügern das Handwerk legen soll. Der Chatbot mit dem Namen „dAIsy" imitiert eine ältere Frau, die jede Menge Zeit zum Plaudern hat – über Stricken oder ihre Katze Fluffy. Ziel ist es, Betrüger endlos zu beschäftigen, während sie versuchen, an Deine (falschen) Bankdaten zu gelangen. Oder wie die AI-Granny im Video formuliert: „Während sie mit mir sprechen, können sie dich nicht betrügen."
Und das scheinen in Großbritannien einige zu sein. Allein im letzten Jahr wurden 89 Millionen SMS geblockt, 7 von 10 Briten würden sich gerne an Betrügern rächen. Für die Kampagne holte O2 Influencerin Amy Hart vor die Kamera, die selbst Opfer von Betrügern wurde.
Durchdachte und sinnvolle Anwendung des Mobilfunkanbieters!
Vielleicht sollte der Vermieter meines Büros sich mal mit den Verantwortlichen austauschen. Der hat jetzt auch einen digitalen Telefon-Assistenten. Finde ich gut, das erste Gespräch war ok. Was mich wundert: keine Bestätigung meiner Daten, keine Abfrage, kein Zeitpunkt für einen Rückruf. Ich denke, die KI-Assistentin hat vergessen, mein Anliegen weiterzugeben, oder ist wohl krank geworden.
Gutes Vorhaben, nicht zu Ende gedacht, schlecht umgesetzt vom Vermieter!