NewsSnack-Archiv · 2023

NewsSnack KW 35/2023 – Hamburg-Marketing, Pflege-Recruiting & hyperlokales Picnic

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2023

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. In KW 35/2023 geht es um Stadtmarketing zwischen Köln und Hamburg, eine Pflege-Kampagne mit Luft nach oben, hyperlokales Targeting von Picnic, ein OOH-Motiv hinter einer Markise – und einen KI-Corner, in dem es ausnahmsweise um Menschen geht.

Kampagnensalat: fritz-kola × BVG – Herz für Vielfalt

Was haben fritz-kola und die BVG gemeinsam? Sie wurden unabhängig voneinander von uns für vergangene Kampagnen gelobt. Nun haben sich genau diese beiden zusammengeschlossen und das „Herz für Vielfalt" erschaffen: Sie integrierten den Print der bunten BVG-Sitzbezüge als Herzform in das zeitlose Flaschendesign. Was sollen wir sagen? Es sieht absolut grndios aus.

Doch nicht nur optisch macht die Kooperation viel her. Neben der wunderbaren Aussage „zeig herz für toleranz und vielfalt." ist unter dem Herz auf der Flasche ein QR-Code zu einem Gewinnspiel versteckt. Zu gewinnen gibt es ein Kombipaket aus Toleranz-Towel, einem Deutschlandticket der BVG für ein Jahr und einem Jahresvorrat fritz-kola – oder eins von 30 Toleranz-Towels. Ein dickes, lautes Statement, aussagekräftig umgesetzt von zwei Unternehmen, die sich allgemein gerne für Gleichberechtigung und Akzeptanz einsetzen. Letzteres überzeugt mich am meisten: die Glaubwürdigkeit. Ich habe nicht den Eindruck, die beiden Partner sehen nur den Gewinn oder die Reichweite, sondern geben sich einer Herzensaufgabe hin. Zwei Daumen nach oben, Standing Ovations und ganz viel Liebe. Danke, BVG und fritz-kola!

Kampagnensalat: „Weil wir Hamburg sind" – Stadtmarketing

„Nett hier. Aber waren Sie schon mal in …?" ist mittlerweile zum Meme geworden und hat Baden-Württemberg ganz sicher einen Hype beschert. Das hat einzig und allein mit einem Aufkleber und Foto funktioniert, weil die Idee so unfassbar gut ist, der Spruch eingängig und einfach witzig – vor allem, wenn er an den eindrucksvollsten Bauwerken der Welt entdeckt wird.

Andere Städte oder Bundesländer wiederum arbeiten mit Videos oder ganzen Kampagnen, um Urlauber in ihre Gefilde zu locken. Ich habe mich tatsächlich schon immer gefragt, warum ein Land oder eine Stadt für sich wirbt. Nach der Pandemie scheinen die landeseigenen Urlaubs-Hotspots aber vergessen, und man muss deutsche Bundesländer noch einmal attraktiv machen.

Kommen wir also zu „Weil wir Hamburg sind". Gestern Abend noch aus der Bahn heraus an diversen Haltestellen gesehen, fragte ich mich: „Was soll mich aus Köln nach Hamburg locken?" Dann habe ich mir am nächsten Morgen die Werbespots angesehen, und vor allem einer hat mich romantisch lächeln lassen und an den norddeutschen Charme erinnert, den ich einst so liebenswert fand. Dann kam mir aber schnell wieder in Erinnerung, dass ich Fisch gar nicht so gerne esse und mir auch das Regenwetter in Köln schon vollkommen ausreicht. Die Architektur oder ein Musical sind das Einzige, was mich persönlich reizen würde, noch nördlicher als meine ehemalige Heimat zu reisen. Ich kann dennoch jeden verstehen, der nach dem Spot heiß auf eine Hafenrundfahrt mit Fischbrötchen in der Hand ist. Auch die Landing Page ist ansprechend umgesetzt: von Merchandise über einen Podcast bis zu Insidertipps – alles auf einen Klick. Hiermit zwei dicke Daumen nach oben und ein: vielleicht bis bald, Hamburg. Zur Kampagne

Kampagnensalat: „Pflege kann was!"

Das Wort „Pflege" ist natürlich ein Signalwort für unsere Agentur. Immerhin betreuen wir mit Alloheim einen großen Player in der Seniorenpflege und beschäftigen uns seit Jahren mit der Branche, den Herausforderungen und den Möglichkeiten, im Recruiting auf sich aufmerksam zu machen.

Sehe ich dann auf Instagram eine Story mit dem Claim „Pflege kann was", ist meine Aufmerksamkeit garantiert. Die Werbung ist vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, umgesetzt von der Agentur TLLG. Gesucht werden Pflegetalente, die Lust haben, bei einer YouTube-Serie mitzuspielen.

Ich mache es kurz: Erst einmal finde ich gut, dass der Fokus auf die Pflege gerichtet wird. Jegliche Art von Reichweite und Öffentlichkeit hilft, den Beruf und die dringende Notwendigkeit besser zu verstehen. Die Kampagne kann man so machen, haut mich aber nicht um. Warum eine YouTube-Serie beworben wird, es aber kein Bewegtbild mit schnellen, coolen Schnitten gibt, verstehe ich nicht. Zumal es im vergangenen Jahr bereits eine Reihe zu „Pflege kann was" gab.

Was aber wirklich nicht geht, ist die Landing Page. War kein Geld mehr da für eine anständige mobile Landing Page? Ist so ein würdeloses PDF wirklich alles? Keine Interaktion, keine Videos, nichts – nur Text. Man sieht übrigens keinen Pfleger. Dabei gibt es doch einiges zu zeigen. Ein Fragezeichen bleibt auch bei dem Wort „Talent!" – ist es bei mir durch den Fußball negativ besetzt? Ewiges Talent, verschwendetes Talent … Ich weiß es auch nicht. Vielleicht hätte ich mir einfach noch ein bisschen mehr Liebe gewünscht für eine so wichtige Kampagne.

Kampagnensalat: Picnic wird hyperlokal

Lokale Werbung funktioniert. PLZ-Targeting, ein gutes Visual: Zumindest ein kleiner Stopper mit dem Daumen ist garantiert bei Social Media. Ist die Anzeige allerdings hyperlokal, fällt sie richtig auf. So macht es aktuell Picnic. Der Lieferdienst wirbt nicht mit Köln oder dem Kölner Norden – er benennt mein Veedel „Pesch". Das macht nicht nur was mit mir, auch meiner Frau ist die Werbung direkt aufgefallen. Wenn eine bekannte Marke dich fast persönlich anspricht, hat das was. Ist Picnic gut? Das werden wir sehen – angemeldet sind wir jetzt, dank der hyperlokalen Aussteuerung.

OOH: Falscher Standort, keine Wirkung

Was sind die Vorteile von Außenwerbung? Sichtbarkeit, Größe, Reichweite, Aufmerksamkeit! Dafür darf man das 18/1 aber nicht an Orten anbringen, wo Pflanzen die Sicht verschlechtern und eine Markise dafür sorgt, dass der Betrachter rein gar nichts mehr sieht. Es ist nur ein kleines Fundstück aus der Nachbarschaft, aber es zeigt, wie wichtig die richtige Standortplanung ist. Vermeintliche A-Lagen entpuppen sich schnell als C-Lagen, weil Lauf- bzw. Fahrtwege nicht beachtet werden. Der Standort macht noch keine gute Lage. Vor allem bei DOOH-Flächen – und da im Indoor-Bereich – hat man das Gefühl, dass Masse immer wieder Klasse schlägt. Also, liebe Standortbetreiber: nicht einfach blind Netze aufbauen. Und für die Werbetreibenden gilt: Eine gute Mediaplanung ist essenziell. Übrigens: Wir helfen gerne, damit deine nächste Kampagne nicht hinter einer Markise verschwindet.

KI-Corner: DeepL – es braucht noch Menschen

Überraschung in der KI-Corner: Was verhilft dem Kölner Start-up DeepL zu besseren und authentischeren Übersetzungen als beispielsweise Google Translate? Menschen. Auch wenn es sich bei uns in der KI-Corner manchmal anders liest – wir werden noch gebraucht. Denn wie CEO Jaroslaw Kutylowski in einem Bericht auf Forbes.com sagt, unterscheidet sich sein Unternehmen vor allem durch die Leistung von Menschen.

„Wir brauchen viele hochwertige, von Menschen übersetzte Daten, nur um die Macken einer Sprache zu lernen, um sowohl zufälligen als auch formalen Text zu übersetzen", sagte Kutylowski. Ich kann ihm nur zustimmen. DeepL wirkt immer ein bisschen „menschlicher" als die anderen Übersetzungstools. Zum Bericht bei Forbes

Zitat der Woche

„Wir haben in Deutschland ein Wort dafür, wenn Bildung erfolgreich war: Abschluss. Das suggeriert, dass man danach fertig ist mit dem Lernen. Und das sollten wir uns ganz schnell aus dem Kopf schlagen. Wir müssen anfangen, die Ausbildung als eine erste Phase des intensiven Lernens zu verstehen, und uns dann immer weiterentwickeln. Denn wahrscheinlich wird sich unser Arbeitsumfeld durch KI sehr schnell verändern. Deshalb wird die Fähigkeit, am Ball zu bleiben, noch wichtiger." — Enzo Weber, Professor für empirische Wirtschaftsforschung, in brandeins

Dieses Zitat spricht mir in der aktuellen KI-Diskussion aus dem Herzen.

Wie läuft eigentlich … unser grndios-Shop?

Start: 01.08.2023, Update: 29.08.2023. 24 Beiträge auf Instagram mit 113 Followern. Drei Reels mit durchschnittlich 50 Views. TikTok steht bei sieben geposteten Beiträgen, von denen sechs mit durchschnittlich 250–300 Views belohnt wurden – mit Ausnahme eines Beitrags, der ganze 915 Views erreichte.

Learnings daraus? TikTok ist einfach gestrickt. Vorlagen und in der App kreierte Inhalte funktionieren am besten, vor allem solche, in denen Bilder schnell nacheinander folgen und mit Uptempo-Musik unterlegt sind. Wieso gerade dieses eine Video bei 915 Views gelandet ist? Ich sag's dir, wenn ich es verstehe, denn ein richtiges Muster lässt sich hier nicht erkennen. Was sicher ist: Wir testen weiter, probieren uns aus und lernen jeden Tag ein kleines bisschen mehr.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2023. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.