NewsSnack-Archiv · 2023

NewsSnack KW 38/2023 – #AfDnee, McDonald's räumt auf, L'Osteria vs. Nonna & KI-Corner

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2023

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. Hier findest du meine Beobachtungen aus KW 38/2023 – von der #AfDnee-Kampagne über McDonald's und L'Osteria bis zu einem KI-Corner mit Canva, ChatGPT und MSN und einem Recruiting-Fail bei Picnic.

#AfDnee: Politischer Faktencheck

Ein aufmerksamkeitserregendes Visual: darauf eine Frau mit Schwarz-Weiß-Filter, neben ihrem Kopf ein plakativer Text in weißer und blauer Schrift. Im Abbinder des Visuals findet man den Hashtag #AfDnee.

Die Agentur Kastner Frankfurt und der Frankfurter Verein Demokult starteten die Kampagne, um Protestwählern zu zeigen, warum das AfD-Wahlprogramm schadet. Dabei schreiben sie auf dem Plakat „Es geht nicht gegen die da oben, es geht gegen Sie." und unterstreichen damit, dass gerade bei Themen wie Wirtschaft, Steuern, Klimaschutz und Frauenrechten eine Regulierungsbeteiligung der AfD den meisten Wählern nicht in die Karten spielt.

Auf Horizont+ wird Till Wagner, Geschäftsführer und Stratege von Kastner, mit folgendem Statement zitiert: „In Medien und Politik gehört es zum guten Ton, AfD-Wähler kollektiv als Steigbügelhalter für Rechtsextreme zu verurteilen. Das führt oft zu einer Jetzt-erst-recht-Haltung. Wir sind uns sicher, dass #AfDnee ein Umdenken bewirken kann, weil die Kampagne lieber überzeugen will, statt anzuklagen."

Vorverurteilungen und Anschuldigungen bringen Menschen oft dazu, das Gegenteil von dem zu tun, was rational gesehen richtig wäre. Daher gibt es zwei Daumen nach oben für die Aufklärung, Kommunikation und Optik der Kampagne. Schließlich wirkt sie, denn laut Wagner soll schon nach einer Woche ein fünfstelliger Betrag an Spenden zusammengekommen sein.

Die Kampagne wurde bislang nur über Social Media ausgespielt und soll in Zukunft ggf. auf Außenwerbung erweitert werden. Diese Entscheidung hängt vom weiteren Verlauf der Spendenaktion ab.

Zum Bericht bei Horizont · afdnee.de · Faktencheck

AOK: MACH SELBER!

Die AOK hat sich was Feines ausgedacht für ihre neue Kampagne!

Im Spot sind mehrere Kamera-Einstellungen von Menschen zu sehen, die Sprachassistenten, Staubsaugerroboter und Co. verwenden, um den Haushalt zu regeln oder kleine Aufgaben automatisch erledigen zu lassen. Die KI-Assistenten verweigern aber ihre zugetragenen Aufgaben und fordern „Mach selber!", denn „Schon 21 Minuten Bewegung am Tag senken das Risiko für schwere Krankheiten wie Diabetes und Herzinfarkt."

Ich finde den Spot grandios umgesetzt! Absolut zeitgemäß, mit Humor verpackt und doch konnte die Message mit einer gewissen Ernsthaftigkeit transportiert werden. Auch die Landing-Page ist attraktiv und informativ umgesetzt worden, was nicht selbstverständlich ist, wenn man unsere letzten Newsletter gelesen hat.

Das gibt zwei Daumen nach oben. Klasse, AOK!

McDonald's: Take away your take away!

Schon was älter, dennoch wirklich gut: Take away your take away!

Die Kampagne von McDonald's spielt mit einem Thema, mit dem die Fastfoodkette schon sehr lange leben muss. Die Menschen wollen schnell bedient werden, haben keine Zeit vor Ort zu essen, haben aber auch anscheinend keine Zeit oder nicht genug Anstand, um den Müll dann auch wegzuschmeißen. So kennt wahrscheinlich jeder von uns die Bilder an einem frühen Morgen rund um McDonald's-Läden, bei denen sich die Müllberge türmen – allerdings auf der Straße oder auf Grünflächen. Mit top-gestalteten Visualisierungen kämpft McDonald's dagegen an. Denn der Imageschaden ist immens. Nicht die Faul- und Dummheit der Menschen verunreinigt die Straßen, sondern McDonald's, so der Volksmund.

Zwei Daumen hoch, tolle Kampagne, und an die Fastfood-Liebhaber: Einfach die Reste in den Mülleimer, ihr schafft das schon! Zum Bericht bei Famous Campaigns

L'Osteria: Nonna approved!

Jetzt wird es kompliziert. L'Osteria stellt sich der härtesten Jury der Welt – drei „echten" italienischen Großmüttern. Damit hat die Systemgastronomie-Kette meine volle Aufmerksamkeit. Denn meine „Nonna" ist mein Heiligtum, und wenn die gekocht hat, gab es keine Zweifel an der Perfektion des Essens; gleiches gilt übrigens für meine Tanten.

Das Essen bei L'Osteria „Nonna approved" zu machen, ist schlau. Denn „Nonna" ist nicht nur die Großmutter, sie ist auch die letzte Instanz der Familie, sie hebt und senkt den Daumen. Genauso wie in diesem Werbeclip auf YouTube, bei dem sich L'Osteria der härtesten Jury der Welt stellt.

Aber hier wird es unrealistisch auf vielen Ebenen. Eine italienische Nonna geht nicht ins Restaurant, das ist eine Beleidigung an ihre eigenen Kochkünste, es kann eh keiner besser als sie. Muss sie doch mal auswärts essen, sind zwei Dinge garantiert: Es werden keine Nudeln gegessen und es schmeckt NIE so gut wie zu Hause. Bei Horizont wird extra darauf hingewiesen, dass die drei älteren Damen aus Norditalien kommen. In Sizilien wäre der Clip zu 100 % anders gelaufen, wenn er authentisch sein sollte.

Aber warum eigentlich nicht, liebe L'Osteria? Warum sagt nicht eine der Omis: „Ist schon ok, aber ich kann das wirklich viel besser. Die Nudeln sind zu weich, der Tomatensauce fehlt Geschmack und allem fehlt es an Liebe." Die Story könnte man herrlich weiterdrehen, die Omas bringen den Köchen die wahre Kunst des Kochens bei, viele kleine Videos, viel Content, viel Liebe.

Und bitte: Die Mehrzahl von Nonna ist nicht Nonnas, wie im Film gesagt.

Abschließend: Warum steige ich ein mit „jetzt wird es kompliziert"? Die Idee ist eigentlich gut, auch die Umsetzung nett, die Omis sind wirklich gut gewählt, aber in den Details geht der Spot nach hinten los. Keine Vollkatastrophe, aber von meiner „Nonna" gibt es zwei Daumen nach unten.

Kaufland × Clemens Brock: Ach, Kaufland

Wenn Kaufland eines sehr ernst nimmt, dann sind es die Kooperationen mit Influencern. Angefangen bei Knossi, weiter mit den Atzen und MontanaBlack, jetzt: Clemens Brock.

Der 29-jährige Comedy-Influencer startete als House-DJ in Oldenburg, meiner alten Heimat. Ich habe ihn sogar schon mal auflegen hören in dem Club, in dem ich mir damals ein paar Extra-Kröten verdient habe. Witzig, wie klein die Welt durch soziale Medien werden kann.

Heute hat er 519.000 Follower bei Instagram und ganze 1,7 Mio. Follower auf TikTok. Sein Content besteht primär daraus, dass er in verschiedenste Rollen schlüpft und auf komödiantische Weise Geschichten aus dem echten Leben präsentiert. Ein Video, in dem er in seiner „Vaterrolle" einen Koffer für den Urlaub packt, als Kooperation für Schauinsland-Reisen, hat ganze 491.900 Aufrufe. Ob er wirklich lustig ist oder nicht, muss jeder mit seinem eigenen Humorlevel abgleichen, erfolgreich ist er auf jeden Fall!

Nun verkauft er sein eigenes Bier namens „Noice" bei Kaufland. Der Spot ist in gewohnter Kaufland-Manier in einer Filiale gedreht worden und Clemens in seinen Comedy-Charakter geschlüpft. Fertig ist die Magie.

Bierchen probiere ich noch, das Video finde ich unspektakulär, den Erfolg gönne ich Clemens aber zu 100 %!

KI-Corner: Canva × ChatGPT

Ich muss mal zwei guten Freunden von mir in den Rücken fallen: Canva und ChatGPT. Voller Erwartungen habe ich das neue Canva-Plugin getestet. Visuals und Präsentationen per Eingabe in ChatGPT? Für Menschen wie mich, die mit beiden Tools arbeiten, ein Traum. Aber so geht es leider nicht. Aufgrund des Prompts bekommst du lediglich Vorschläge für Templates aus Canva direkt in deinen Chat. Nett, auf keinen Fall mehr, eher sogar etwas weniger. Denn am Ende kann ich auch einfach die Canva-Vorlagen durchsuchen, dafür hätte ich nicht ChatGPT gebraucht.

KI-Corner: Kleine Ungenauigkeit – große Wirkung (MSN)

Gegenwind für MSN. Das Portal hatte einen Beitrag veröffentlicht, der sehr deutlich von KI geschrieben bzw. abgeschrieben wurde. In der Headline hieß es: „Brandon Hunter useless at 42" – allerdings ist der ehemalige NBA-Profi Hunter nicht nutzlos, sondern schlicht gestorben! Viele Leser sind nun sauer. Sätze wie „Pay your damn writers" sind zu lesen. Verständlich! Aber nur eine kleine Anekdote zu dem, was in Zukunft auf uns zukommen wird. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass wieder mehr in Journalisten investiert wird, ist eher gering. Eher wird jeder Euro investiert, um die KI schlauer und besser zu machen. Das bestätigt auch ein Microsoft-Sprecher: „Die Genauigkeit der Inhalte, die wir von unseren Partnern veröffentlichen, ist uns wichtig, und wir verbessern unsere Systeme weiter, um ungenaue Informationen auf unseren Kanälen zu identifizieren und zu verhindern. Die fragliche Geschichte wurde entfernt."

Verbessert werden die Systeme … Zum Bericht bei Business Insider

Die New York Times sieht die Zukunft ebenfalls in Generative AI. So steht es zumindest in der Stellenbeschreibung für die Position „Newsroom Generative AI Lead".

Und wonach sucht der weltbekannte Verlag? „The New York Times is seeking a senior editor to lead the newsroom's efforts to ambitiously and responsibly make use of generative artificial intelligence." Na, spannend? Verdienst zwischen 180k – 220k Dollar Jahresgehalt.

Der Dank für viele kleine KI-Geschichten geht an Ai Peanuts – den Newsletter kann ich nur jedem empfehlen.

Recruiting bei Picnic: So wird das nichts

Picnic, der neue „Online-Supermarkt" und Lebensmittellieferant mit schmalen Wagen. Das niederländische Unternehmen fand bisher in den Kölner Stadtteilen Kalk und Porz seine Einsatzgebiete und weitete Mitte diesen Jahres das Gebiet aus. Zu mir nach Hause liefern sie noch nicht, aber ich kann mir einen Platz reservieren, um benachrichtigt zu werden. Ok, cool.

Am Dienstag hatte ich dann einen der schmalen Wagen vor mir. Hinten steht: „Steig ein! Zusteller:in gesucht – Bewirb dich in 1 Minute". Aber wo soll ich mich bewerben? Keine URL, kein QR-Code. Muss ich dazu buchstäblich einsteigen? Die Suche nach dem „Wo" verlängert den Prozess schon mal um mindestens zwei Minuten. Besonders an einer Ampel, an der ich Zeit habe, ein Foto der Rückseite zu machen, hätte man einen Code scannen und sich zu Hause entspannt bewerben können. Aber ok, man kann Recruiting gut machen – man kann Recruiting schlecht machen.

Auch auf der Homepage finde ich keine Sub-Page oder ein Banner, auf dem noch mal zur Bewerbung geleitet wird. Und auch bei Google muss man gezielt „Bewerben bei Picnic" eingeben, um freie Stellen angezeigt zu bekommen. Also noch mal insgesamt fünf Minuten oben drauf.

Picnic, so wird das nichts.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2023. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.