NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 30/2024 – Nikes mutige Gewinner-Ad, Apples junge Stars, Trump-Merch & Social Recruiting

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Diese Ausgabe stammt aus meinem wöchentlichen Marketing-Newsletter NewsSnack. In KW 30/2024 dreht sich viel um eine der streitbarsten Kampagnen des Jahres: Nikes „Winning Isn't for Everyone". Dazu Apples junge Sportler-Talente, das Wahnsinnstempo des Trump-Merchandising, ein Social-Recruiting-Verriss und REWEs Außenwerbung aus einer ungewohnten Perspektive.

Kampagnensalat: Nike – endlich mal mutig!

Das Unterteilen der Welt in Schwarz und Weiß, in Gewinner und Verlierer, macht es oft einfacher, Themen zu betrachten. Ich habe Recht, die anderen sind doof. So leicht ist es aber nun mal nicht. Jedes Thema kann aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Warum die Einleitung? Ich bin komplett hin- und hergerissen bei der neuen Nike-Kampagne. Für mich jetzt schon eine der spannendsten und streitbarsten Kampagnen der letzten Jahre. Streitbar? Lies gerne mal ein bisschen in den Kommentaren auf Instagram.

Oder vielleicht schaust Du Dir erst einmal den Spot an: Winning Isn't for Everyone (YouTube).

„Winning isn't for everyone." „Am I a bad person." Das macht so viel auf. Alleine dafür schon Respekt, Nike. Und vor allem auch mal wieder mutig. Denn wir leben in Zeiten, in denen jeder eine Urkunde bekommt bei Bundesjugendspielen, die Tore im Fußball nicht zählen, damit es keine Verlierer gibt – ich verstehe schon, warum, aber es gibt halt auch keine Gewinner mehr. Es fehlen die Siegertypen, die Kobe Bryants, die Cristiano Ronaldos und die LeBron James. Und genau diese Typen zeigt Nike mit all ihren Eigenschaften. Besessenheit, Zielstrebigkeit, Egoismus sind nur einige Charakterzüge. Aber was ist nun? Sind diese Typen „bad person" oder nicht? Und brauchen wir wieder mehr davon? Im Sport, aber auch in der Gesellschaft?

Es gibt für mich kein klares Ja oder Nein, aber ich versuche mal, meine Gedanken zu ordnen. Wir brauchen auf jeden Fall mal wieder mehr Reibung, mehr Meinung, mehr Mut und ja, auch Siegertypen. Und ja, manches Mal gehen einem genau diese Typen hart auf die Nerven, weil sie dem Erfolg alles unterordnen. Aber auch genau diese Menschen schaffen Außergewöhnliches, lassen sich nicht zurückhalten, weil etwas noch nicht geklappt hat. Im Gegenteil: Sie wollen die Ersten sein, sie holen Rekorde, sie schaffen das Unmögliche. Sind sie jetzt „bad"? Weiß ich nicht. Sie sind fokussiert und dulden keinen Misserfolg. Und darum sind sie vor allem eins: oft alleine!

Und trotzdem gibt es noch eine ganz andere Perspektive. Es soll Spaß machen, die Gemeinschaft steht im Vordergrund, die Liebe zum Sport oder dem, was man tut. Jürgen Klopp sagte vor kurzem, im Moment der Niederlage sei der Schmerz oft groß, aber aufs große Ganze betrachtet – was sind schon Niederlagen, es gehört so viel mehr dazu. Ist er jetzt deshalb ein Verlierer? Oder besser gesagt eine „good person"? Lass es sacken, denk mal drüber nach und lass uns auch gerne diskutieren. Auf jeden Fall danke an Nike für die streitbarste Ad des Jahres.

Kampagnensalat: Apple – bisschen jung, oder?

Während Nike die Superstars und Siegertypen unserer Zeit in den Mittelpunkt stellt, sind es bei Apple die heutigen Talente und „Vielleicht-Stars" von übermorgen. Fotografiert von Sportfotograf Walter Iooss Jr., einem Top-Fotografen, der bereits Michael Jordan vor der Kamera hatte, sind es super junge Sportler (ab 5 Jahren), die vor der Kamera ihre Fähigkeiten zeigen. Alles festgehalten vom iPhone 15 Pro, dem eigentlichen Star der Kampagne.

Die Kampagne (Instagram)

Idee verstanden, Umsetzung passt, ich habe nur eine Frage: Wirklich schon 5-Jährige vor die Kamera holen, die dann denken, sie sind die Superstars? Für die Umsetzung der Kampagne genau richtig, für das Seelenleben eines Kindes etwas überfordernd, Teil einer weltweiten Kampagne von Apple zu sein, die auf Social Media und OOH ausgestrahlt wird, oder? Ich bleibe kritisch. Was meinst Du?

Zum Bericht bei W&V

Kampagnensalat: So schnell geht's

Wusstest Du eigentlich, wie lange es gedauert hat vom Moment, als Donald Trump knapp dem Tod entgangen ist, bis das erste T-Shirt mit „Siegerfoto" zu kaufen war? Drei Stunden! Angeblich 2000 Bestellungen gingen direkt ein. Seitdem ist die Nachfrage nach Merchandising unfassbar groß und Trump ist mittlerweile der von Gott Geküsste oder so ähnlich! Wer ein paar verrückte Zahlen dazu lesen will und warum viele Produkte aus China schon nicht mehr erhältlich sind, kann gerne bei OMR nachlesen. Die haben das einmal spannend aufbereitet:

Zur Geschichte bei OMR

Social Recruiting: Das geht besser

Auch wenn das DOM-Hotel in Köln und dessen Suche nach einem Director of Finance eher ein lokales Thema ist, der richtige Einsatz von Social Recruiting geht jeden im Snack was an. Und da macht die Althoff-Gruppe nicht alles richtig. Zu Beginn steht die Frage, ob ich einen potenziellen Director of Finance über einen Bewerbungsfunnel mit dem Start Meta überhaupt erreiche? Ist keine rhetorische Frage, das Grundpotenzial würde mich interessieren. Dann – und das wissen nur Kölner – hat das Haus eine gewisse „Historie", es soll seit einem Jahrzehnt öffnen, jetzt ist es so weit. Wenn es öffnet, wird es wahrscheinlich DAS Hotel in Köln. Alles Informationen, die ich in die Anzeige gepackt hätte. „Jetzt in <1 Min. bewerben" ist doch ein bisschen dünn für die Caption. Kommen wir kurz zum Bild. Alles ist möglich, es gibt keine Grenzen, aber die beiden auf dem Foto scheinen doch etwas jung und unerfahren für die Position. Das sind aber eher alles kleine Anmerkungen.

Was ich nicht verstehe? Ich habe den Funnel durchgespielt und kann mich bewerben, obwohl ich sage: Ich habe keine Erfahrung, keine Vorkenntnisse im Bereich Finance, noch nie in der Hotellerie gearbeitet, noch nie ein Team geführt und lade auch keinen Lebenslauf hoch. Die Althoff-Gruppe möchte mich trotzdem kennenlernen.

Wer die Funnel-Logik dieser Seiten nicht kennt: Man kann die Fragen als Ausschlusskriterium klar definieren. Das spart allen Beteiligten Mühe und Zeit bei der Suche nach dem besten Personal. Was bei der Funnel-Page auch komplett fehlt, sind die Informationen über das Hotel.

Würde mich sehr interessieren, ob es über diesen Weg vernünftige Bewerbungen gegeben hat.

OOH: REWE – ganz nah dran

„Näher dran ... an deiner Region!" So heißt die aktuelle Kampagne von REWE. Damit will das Kölner Unternehmen weiter auf seine Nähe zu den regionalen Lieferanten und Erzeugern aufmerksam machen. Und wie zeigt REWE Nähe in der Außenwerbung? Mit einer Perspektive, die ich so auch noch nicht gesehen habe – von unten, ganz nah an der Wurzel.

Die Idee und die Umsetzung sind klasse und folgen einer klaren Linie, die gewählten Flächen wie die U-Bahn-Station Stachus passen perfekt mit ihren großen Flächen. Einziger Punkt: Die Motive sind durch den Blick unter die Erde durchweg sehr dunkel. Durch die zahlreichen Werbeträger fällt die Kampagne dennoch auf, aber an einer Säule wäre man als Betrachter wohl vorbeigelaufen. Noch eine Frage zum Abschluss: Denke nur ich bei dem gelben Störer die ganze Zeit, es wäre doch eine EDEKA-Kampagne? Naja ... können auch meine Grenzen sein.

Zum Bericht bei Horizont

KI-Corner: Alles KI oder was?

An jeder Ecke, in jedem Flur und vor allem in jedem Büro gibt es seit wahlweise Monaten/Jahren nur ein Thema: Künstliche Intelligenz! Aber weiß da wirklich immer jeder, worüber er spricht? Sind alle Begrifflichkeiten und Unterschiede immer klar?

Ich weiß es nicht. Finde es auch überhaupt nicht schlimm, nicht alles zu wissen. Schlimm ist nur, so zu tun. Um bei der Aufklärung zu helfen, teile ich gerne einen Link, den ich bei AI Peanuts gefunden habe.

Zum KI-Glossar bei The Verge

Hier werden die wichtigsten Begriffe erklärt, ohne zu tief einsteigen zu müssen. Willst Du wissen, was ein Token ist? Oder was die Akronyme RAG und TOPS bedeuten? Dann viel Spaß.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.