Recruiting: Wie die Polizei alles richtig macht
Mein Highlight beim Elternsprechtag war die Werbung der Polizei. Ganz „old school" ein Plakat an die Scheibe gehängt. Aber es fällt auf (ich mag die Farben), es spricht das richtige Thema in der passenden Zielgruppe an (duales Studium) und hinter dem QR-Code wartet eine wirklich gute Website. Dazu das Instagram-Profil ruhrpott_polizistin, 17,6k Follower, sehr informativ. Schöne Grüße an die Polizei, Ihr macht da wirklich alles richtig!
Zur Kampagne „Genau mein Fall"
Skechers: eine große Chance in der Zielgruppe verpasst
Ich bleibe dabei. Die Marke Skechers verpasst eine große Chance, in ihrer Zielgruppe zu werben. Erst Snoop Dogg, jetzt Ashley Park. Die Schauspielerin wurde einmal durch den pinken Eimer Farbe gezogen und leuchtet für den „Möchtegern-Air Max" von Skechers. Ansprache, Style der Werbung und Testimonial (Emily in Paris) zielen auf 14 bis 30 Jahre. Was passiert im gleichen Atemzug? Mein Vater (69 Jahre) präsentiert seine neuen Skechers. Ich suche weiter nach Zahlen und Fakten, ob sich dieser Image-Wechsel positiv auf die Abverkaufszahlen auswirkt. Kann sein, dann entschuldige ich mich hier an Ort und Stelle!
Noch eine Kleinigkeit zur Landing Page: Warum lacht mich hier jetzt Vanessa Mai an und nicht Ashley Park? Aber egal, ob Mai, Park oder Snoop – es ist nicht sinnvoll, den Header ein bisschen stylisch zu machen, aber den Rest der Seite „altbacken" zu lassen. Wobei, das ist ja wieder die Zielgruppe. Ach, lassen wir das…
Adidas & die Captions – oder: Was ChatGPT besser macht
Adidas kommt bei uns eigentlich regelmäßig gut weg. Aber dieses Mal?! Ich bekomme den Newsletter zur neuen Kollektion „adicolor". Hört sich gut an, sieht auch gut aus, aber wer textet denn bitte die Caption?
POV: Es ist dieser Samstagabend, den alle monatelang geplant hatten. Du bist Stunden zu spät … und daheim … in deinem neuen adicolor Tracksuit. Du schaltest dein Handy aus. Hol dir jetzt den Look.
Geht noch besser. Glaub mir. Hier kommt Text Nummer 2:
POV: Wenn du deinen Kids brandneue adicolor Tracksuits kaufst und sie dir verkünden, dass Selfies mit ihnen ab jetzt kosten. Shoppe jetzt den Look.
Die Texte zahlen auf nichts ein, sind weder lustig noch informativ. In Zeiten, in denen jeder Sorge hat, von ChatGPT ersetzt zu werden, dachte ich mir: Frage ich ihn doch mal nach seiner Meinung und einem Verbesserungsvorschlag. Dann habe ich ChatGPT um fünf kreative Alternativen gebeten. Ich finde alles besser!
Fake-Bilder und ein offener Brief zur KI
In der vergangenen Woche ging ein Bild von Papst Franziskus viral. Das Oberhaupt der katholischen Kirche trug dabei eine weiße Daunenjacke – stylisch, ikonisch, mit viel Swag, irgendwie sogar richtig nahbar und cool, aber fake! Und genau das ist das Problem: Dank Midjourney und Co. wird es immer schwieriger, echt von falsch zu unterscheiden. Zaubert das Papst-Bild eher ein Lächeln ins Gesicht, kann das bei einem Kniefall von Putin vor Xi schon eher beängstigend sein.
Ich erinnere mich an die großen Fake-News-Debatten der Vergangenheit. Diese wirken aus heutiger Perspektive nahezu aus der Steinzeit. Wozu das führt? Große Sorge. Und das bei namhaften Personen wie Elon Musk oder Yuval Noah Harari. Diese fordern nun in einem offenen Brief alle KI-Labore auf, eine Trainingspause von sechs Monaten für Systeme einzulegen, die leistungsstärker sind als GPT-4. Ich kann nur jedem Leser dieses Newsletters die Lektüre des Briefes empfehlen. Wir sind in einer spannenden, aber auch besorgniserregenden Phase der Menschheit.
Alles ist möglich… auch die Jogginghose
Schüler lieben Jogginghosen, ich auch! Und was muss ich lesen? Jogginghosen-Verbot an einer Wermelskirchener Schule. Ich war am Freitag in der Schule beim Elternsprechtag und beschäftige mich wirklich gerne mit Schule – und genau deshalb muss ich sagen: Da gibt es ganz andere Probleme als Jogginghosen. Digitalisierung, Ausbildung der Kids, Respekt untereinander, Umgang mit digitalen Medien, Kommunikation der „meisten" Lehrer, Unterrichtsinhalte, Individualisierung durch Digitalisierung: Das sind die Themen. Ist aber wahrscheinlich komplizierter und nicht so schlagzeilenträchtig wie eine Jogginghose. Um das mal klar zu sagen: Jogginghosen sind gemütlich, sehen gut aus und haben so rein gar keine Auswirkung auf das Wissen der Kids. Anders als willenlose, durch das System gelähmte Lehrer, die mehr Fehlstunden haben, als ich Jogginghosen im Schrank. Und ich habe viele. Was wohl Karl Lagerfeld dazu sagen würde?
Mein Fazit: Ich wünsche mir eine KI-Bremse
Ein Thema bewegt mich diese Woche extrem: Schnelligkeit. Eigentlich kann es mir nie schnell genug gehen, aber jetzt wünschte ich mir, es gäbe eine KI-Bremse. Ich bin weder Experte, noch beschäftige ich mich seit Jahren damit, aber wenn Hunderte von Meinungsführern ihre Sorge in einem offenen Brief ausdrücken, läuft gerade etwas viel zu schnell und droht uns zu überrollen. Das macht mir Sorge. Alleine deshalb suche ich am Wochenende meine persönliche Bremse und trinke drei Kölsch beim Erfolg des 1. FC Köln im Derby.