NewsSnack-Archiv · 2024

NewsSnack KW 33/2024 – KI im Laden, Deepfake-Debatte & Recruiting à la DHL

Von Marco Morinello · NewsSnack-Archiv · 2024

Aus dem Archiv Diese Woche: KI-Assistenten, die Dich per QR-Code durch den Laden lotsen, die ethische Debatte um Deepfakes bei Olympia, Rheinenergie und das leidige Tore-Schießen des FC, Parship und LBS mit Rin, Zurich im OOH – und warum DHL zeigt, wie Recruiting auf Social Media wirklich geht.

Social-Snack: Omas gegen Rechts

Oma ruft an. Was tust Du? Hörst Du geduldig zu, nickst am anderen Ende und denkst Dir „ja, ja" oder ist Omas Wort für Dich Gesetz?

Bei „Omas gegen Rechts" nehme ich jedes Wort ernst, höre sehr genau zu, und das sollten einige mehr ebenso tun. Besonders die angerufenen Politiker, deren Anrufbeantworter in den folgenden Clips besprochen wird. Die Videoreihe gibt es schon eine ganze Weile, die erste Folge ist vom 27.05.2024, brandaktuell ist es dennoch. Eine tolle Aktion, die leider mit zu wenig Views belohnt wird. Liebe und zwei Daumen nach oben für die Omas gegen Rechts!

KI-Corner: Laden-Navi per KI

Ich gehe nicht gerne einkaufen, habe nicht einmal bei den gängigen Geschäften eine Phase, wo was steht. Bin ich da allein? Ich denke nicht. Mir würde ein persönlicher Assistent helfen, den ich beim Betreten des Ladens per QR-Code auf mein Handy lade. Ganz so weit sind wir noch nicht, aber zumindest lächelt Dich in London auf einem großen Screen ein mit Synthesia erstellter Avatar an und fragt, ob er Dir helfen kann und wo Du zum Beispiel die Eier findest (LinkedIn).

Ein Anfang, aber eigentlich müsste es dann auch personalisiert auf Dein Smartphone gehen. Und ich weiß auch nicht, ob der LEH der beste Use Case ist, da kennen sich ja die meisten Menschen, mich ausgenommen, ganz gut aus. Aber für große Häuser wie Peek & Cloppenburg eventuell spannend. Und es muss ja nicht bei der Hilfe der Gänge aufhören. „Hast Du heute Top-Angebote von der Marke x?" usw. Denke, da gibt es spannende Anwendungsfälle. Bin gespannt, wann wir das erste Mal auch in Deutschland mit einem Screen sprechen, um die Angebote zu finden. Oder gibt es das gar schon und ich weiß es nur nicht?

KI-Corner: Gänsehaut – Deepfakes zu Olympia

Ich habe Peter versprochen, nochmal was zu den Olympischen Spielen zu schreiben. Aber irgendwie ist doch schon alles gesagt und geschrieben. Fast alles! Oder kennst Du Maksim Halinichev, die große ukrainische Boxhoffnung? Nein? Wirst Du auch nicht mehr persönlich kennenlernen, da er im Krieg gefallen ist. So wie fünf weitere Athletinnen und Athleten, die ihr Leben gelassen haben, bevor es nach Paris ging. Die Geschichte an sich lässt mich schon erstarren, die Wirkung wird aber erst erhöht, wenn Maksim sie Dir selbst erzählt. Deepfake ist mehr als ein rappender Olaf Scholz, Deepfake ist auch, wenn tote Soldaten wieder über ihren Traum sprechen.

Zum Spot

„Die Auftraggeber Brand Ukraine und das ukrainische Ministerium für Jugend und Sport wollen so an die Menschen und ihr Schicksal erinnern, das auch viele weitere Ukrainer:innen und ihre Familien betrifft. Denn während die Olympischen Spiele stattfinden, herrscht Krieg", steht auf t3n, ergänzt um: „So wird der Spot zu einem lehrreichen Beispiel, wie Deepfakes in der Werbung angemessen und sinnvoll eingesetzt werden können." Und da bin ich unschlüssig. Beeindruckend, wachrüttelnd, aber irgendwie fühlt es sich dennoch falsch an, Tote per Deepfake wieder sprechen zu lassen. Was meinst Du?

Kampagnensalat: IKEA aufs Treppchen

Und ich bleibe noch kurz bei Olympia. Oder besser gesagt bei einem Beispiel, wie man mit kleinen Wortspielen Werbung zu diesem Anlass machen konnte (LinkedIn). And the winner is: IKEA!

„Gold am Boden."

„Siegertreppchen."

„Und Boxen in allen Gewichtsklassen."

Ich mag alle drei Slogans und Bilder dazu.

Kampagnensalat: Rheinenergie & der FC

Die Idee ist eigentlich ganz nett. RheinEnergie ist Partner des 1. FC Köln, also warum nicht auch gemeinsam etwas auf die Beine stellen für treue Fans. In dem Fall: Die Kunden sparen, wenn der 1. FC Köln ein Tor schießt.

Damit beginnt die Aktion zu kippen. Denn der FC macht vor allem seit Monaten eines nicht: Tore schießen! Das können die Verantwortlichen der RheinEnergie erst einmal nicht beeinflussen, ist aber leider so! Was sie allerdings beeinflussen können, sind die Antworten in den Kommentaren. Bei so einem emotionalen Thema muss ich damit rechnen, dass die Kommentarspalte mehr Gefahr hat als die FC-Stürmer vor dem gegnerischen Tor. Und ich muss die Tariflandschaft kennen. Denn auch dazu gibt es viele Kommentare. Antworten dazu: Fehlanzeige! Zumindest zum Zeitpunkt, als ich geschaut hatte. Nicht einmal auf die Kommentare des organischen Posts wird geantwortet. Woche für Woche: Ich verstehe es nicht!

Kampagnensalat: Parship

Seit dem 12.08.2024 läuft die neue Kampagne von Parship, einer Online-Dating-Plattform, die versucht, die Individualität in den Vordergrund zu stellen. Dating-Apps gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, vor allem die darin enthaltenen Profile rinnen wie einzelne Sandkörner durch die Finger am Smartphone. „Online-Dating fühlt sich dann gut an, wenn die Individualität jedes einzelnen Singles im Vordergrund steht und wertgeschätzt wird. Bei Parship fokussieren wir uns auf die Person hinter dem Profil und darauf, was sie mit anderen verbindet…" zitiert Horizont Herbert Murschenhofer, CMO der ParshipMeet Group.

Mit „Dating, das passt." gehen zwei 30-Sekünder an den Start (für Social 4× 15 Sekunden), die Geschichten von gemeinsamen Hobbys erzählen (Spot 1, Spot 2).

Die Geschichten ergeben Sinn, natürlich findet man sich über Gemeinsamkeiten. Doch eine weitere Message steckt für mich in beiden Spots: „… mit Dir ist es irgendwie anders …" Das spielt vermutlich eine Doppeldeutigkeit aus, die sich einmal darauf bezieht zu sagen „Parship ist anders als die anderen Plattformen" und „Mit Dir als Person ist alles anders, weil es sich unbeschwert anfühlt."

Ich bin der Meinung, die letzte beschriebene Bedeutung ist der Kern eines guten Kennenlernens, ob das in einer Bar, auf der Straße oder der Hausparty bei Maxi ist. Es ist Glückssache, ob man jemanden findet, mit dem es einfach ist und nicht abhängig von gleichen Interessen. So oder so will ich niemandem das Träumen nehmen und vergebe einen von zwei Daumen nach oben. (Weil mir die letzte Kampagne, in der auch der verrückteste Dating-Ort romantisch sein kann, besser gefallen hat.)

Kampagnensalat: LBS mit Rin & Zurich im OOH

Manchmal ist es ein schmaler Grat zwischen ‚schön gestellt' und einem ‚Hauch Peinlichkeit'. Die LBS hat nun eine Kampagne mit dem Rapper Rin (2.299.354 monatliche Hörer\*innen auf Spotify) gelauncht. Der Rapper ist für seine intelligenten Texte bekannt, die sich dem Genre Rap damals in einem neuen Stil einfügten. Denke ich an Rin, denke ich an eine Ikone im Deutschrap, der das Spiel „Erfolg" durchgespielt hat. Denke ich an einen Bausparvertrag? LBS offenbar schon.

Der Spot ist super, bis Rin sich zum Abschluss noch einmal umdreht und sagt „… und wenn nicht mit Rap, dann mit 'nem Bausparvertrag." Hätte man den Spot nicht einfach enden lassen können, indem er sagt „Kriegst Du hin!" und dann kommt das LBS-Logo? Oder er sagt noch sowas wie „Kriegst Du hin! LBS ist für Dich da."? Naja, wie eingangs geschrieben liegt oft nur ein schmaler Grat zwischen ‚schön gestellt' und einem ‚Hauch Peinlichkeit'.

Bei der LBS wurde aber das Gesamtkonzept bedacht, so gibt es neben dem Spot auch die schönen plakativen Werbemittel, die mich im ersten Moment an einen Baumarkt erinnern, und dazu noch einzelne Folgen „Ein Stück Kuchen mit Rin", in denen er sich eingangs selbst über das Klischee-Image eines Rappers lustig macht.

Apropos LBS: Ein Versicherungsanbieter, der es kurz und knackig im OOH-Bereich auf den Punkt gebracht hat, ist die Zurich Versicherung mit der Berufsunfähigkeitsversicherung. „zurich regelt", daneben ein XXL-QR-Code in knalligen Farben. „Damit setzen wir die Arbeitskraftabsicherung in unserer Hauptstadt großflächig und aufmerksamkeitsstark in Szene", zitiert Horizont Nicola Schmitz, Head of Strategic Brand Marketing. Mehr muss es manchmal nicht sein. Kein weiterer Störer, sondern ein cleanes und auffälliges Design. Bekommt von mir zwei starke Daumen nach oben!

Kampagnensalat: DHL – so geht's

Ich schaue mir viele Recruiting-Anzeigen auf Social Media an, nicht unbedingt, weil ich das möchte, mein Feed ist einfach voll damit. Und offen gesagt, die meisten sind einfach nicht gut gemacht. Eine schöne Ausnahme bietet hier die Anzeige von SEWING im Auftrag der DHL.

Arbeitsvertrag mit der DHL, Stundenlohn, Prämien, Erfahrung: Mehr braucht es nicht! Klare Aussagen, gutes Bild, mehr über den Call-to-Action. Auch hier der Funnel einfach gebaut, mit allen Infos, die es braucht. So geht's, kein Schnick-Schnack, direkt zum Punkt.

Archiv-Ausgabe des NewsSnack von Marco Morinello, ursprünglich erschienen 2024. Meinung und Wortlaut sind bewusst unverändert übernommen.