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Lohnt sich Zeitungswerbung 2026 noch? Erst verkauft, heute eingekauft

Von Marco Morinello, Gründer der 923b

Aufgeschlagene Tageszeitung neben Laptop und Smartphone auf einem Schreibtisch

Ob sich Zeitungswerbung 2026 lohnt, hängt von vier Dingen ab: der Zielgruppe, den Kanälen, die sonst noch bespielt werden, dem verfügbaren Budget und dem, was überhaupt beworben wird. Das hört sich an wie eine Ausrede, ist aber die Wahrheit. Wer diese vier Fragen ehrlich beantwortet, weiß danach, ob sich die Anzeige rechnet.

Ich habe zehn Jahre lang Zeitungsanzeigen verkauft, beim EXPRESS, beim Kölner Stadt-Anzeiger und bei der Kölnischen Rundschau, alle im Hause DuMont. Als verantwortlicher Anzeigenleiter habe ich dabei auch Preise, Formate und Aktionen mitbestimmt. Ich kenne die Rabattstaffeln, die Anzeigenschluss-Panik und das Gefühl, wenn ein Kunde am nächsten Tag anruft und sagt: Hier passiert nichts!

Seit zehn Jahren sitze ich auf der anderen Seite des Tisches. Als Agenturinhaber entscheide ich heute mit, ob eine Anzeige überhaupt gebucht wird. Ich habe also erst verkauft und kaufe jetzt ein. Genau deshalb beantworte ich diese Frage anders als die meisten.

Wenn mich jemand fragt, ob Zeitungswerbung noch funktioniert, erwarten die meisten eine von zwei Antworten. Entweder das nostalgische "Print ist doch tot" oder das trotzige "Papier wirkt einfach". Beides ist Quatsch. Die ehrliche Antwort ist unbequemer.

Warum ich Zeitungswerbung nicht abschreibe

Es gibt einen Effekt, den ich in meinen Verlagsjahren immer wieder gesehen habe und der in keiner Statistik auftaucht: Eine Zeitungsanzeige adelt. Wer in der Lokalzeitung steht, ist für viele Leser ein etabliertes Unternehmen. Das ist kein rationales Argument, aber es wirkt. Bei einem Handwerksbetrieb, der seit dreißig Jahren im Ort ist, zahlt eine Anzeige auf ein Konto ein, das Google Ads nicht bedienen kann.

Dazu kommt etwas Praktisches. Die Zielgruppe der Zeitung: Menschen über sechzig, mit Zeit, mit Geld und mit der Gewohnheit, morgens zu blättern. Wenn deine Kunden genau die sind, dann ist jede Diskussion über TikTok-Reichweite an deinem Geschäft vorbei.

Und die Zeitung ist schnell. Anzeigenschluss heute, Anzeige morgen. Ich habe Kampagnen erlebt, die binnen 24 Stunden standen, weil ein Wettbewerber etwas angekündigt hatte. Dieses Tempo bekommst du bei kaum einem anderen klassischen Kanal, beim Plakat zum Beispiel schon gar nicht.

Wo Zeitungswerbung ihr Geld nicht wert ist

Jetzt die kalte Dusche, weil sie dazugehört.

Der häufigste Fehler ist die zu kleine Anzeige. Eine Zweispalter-Anzeige zwischen vielen anderen Mini-Anzeigen ist Tapete. Sie wird nicht gesehen, sie wird überblättert. Ich habe Kunden erlebt, die drei Jahre lang jeden Monat eine kleine Anzeige geschaltet haben, weil "man ja präsent sein muss". Das war kein Marketing, das war ein Abo. Lieber viermal im Jahr richtig groß als zwölfmal winzig.

Der zweite Fehler ist die Anzeige ohne Anlass. "Wir sind für Sie da" mit Logo und Telefonnummer bewegt niemanden. Zeitungswerbung lebt vom Grund: ein Termin, eine Aktion, eine Eröffnung, ein Angebot mit Frist. Wer keinen Anlass hat, sollte kein Geld in eine Anzeige stecken, sondern erst einen Anlass bauen.

Der dritte Fehler ist die fehlende Messbarkeit. Und hier bin ich als Ex-Verlagsmann besonders streng, weil ich weiß, wie selten darüber gesprochen wird: Eine Zeitungsanzeige ist nicht direkt messbar. Punkt. Du siehst keinen Klick, keine Conversion, keinen Warenkorb. Wer dir etwas anderes erzählt, verkauft dir gerade etwas.

So machst du eine Zeitungsanzeige trotzdem messbar

Das ist der Teil, den kaum jemand macht, und er kostet fast nichts:

  1. Eigene Landingpage mit eigener URL. Nicht die Startseite, sondern etwas Kurzes und Merkbares wie deinefirma.de/aktion. Dann siehst du in der Statistik genau, wie viele Menschen von der Anzeige kamen.
  2. Eigene Telefonnummer oder Durchwahl nur für diese Kampagne. Klingt altmodisch, funktioniert bis heute.
  3. Ein Codewort. "Nennen Sie bei Ihrem Besuch das Stichwort Herbstaktion." Kostet nichts, zählt mit.
  4. Die einfachste Methode: Frag jeden Anrufer, wie er auf dich aufmerksam geworden ist. Und schreib es auf. Nach vier Wochen hast du Daten, die dir kein Verlag liefert.

Wenn du das machst, ist Zeitungswerbung plötzlich keine Glaubensfrage mehr, sondern eine Rechnung. Und genau darum geht es.

Zeitung oder Online? Die falsche Frage

Ich werde ständig gefragt, ob man das Budget nicht besser in Google oder Social stecken sollte. Meine Gegenfrage ist immer dieselbe: Was willst du erreichen?

ZeitungswerbungOnline (Suche und Social)
Erreichtregional, eher ältere Leserfast jede Zielgruppe, fein steuerbar
Wirkt aufVertrauen, Bekanntheit, lokale Präsenzdirekte Reaktion, Anfrage, Kauf
Messbarnur indirekt, mit eigenen Hilfsmittelnvollständig, bis zur einzelnen Anfrage
TempoAnzeige morgen möglichKampagne heute möglich
Bester AnlassTermin, Aktion, Eröffnung, lokale Autoritätlaufende Nachfrage, konkretes Suchinteresse

Wer heute einen Handwerker sucht, googelt oder nutzt die KI-Suche. Da musst du sein, sonst existierst du nicht. Aber wer morgen einen Handwerker braucht und deinen Namen schon dreimal in der Zeitung gelesen hat, sucht anders. Er sucht nach dir. Das ist der Unterschied zwischen Nachfrage abgreifen und Nachfrage aufbauen. Beides ist nötig, und es ist kein Entweder-oder.

Wenn ich mit einem begrenzten Budget zu einem lokalen Betrieb komme, sortiere ich fast immer so: zuerst die digitale Grundausstattung, damit du gefunden wirst, wenn jemand sucht. Dann, wenn das steht, Print als Verstärker für Anlässe und Autorität. In dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.

Was eine Anzeige kostet

Hier werde ich bewusst unkonkret, und ich sage dir auch warum. Der Preis einer Zeitungsanzeige hängt an so vielen Stellschrauben, dass jede Zahl in einem Ratgeber in die Irre führt: Titel und Auflage, Erscheinungstag, Format in Spalten mal Millimeter, Platzierung im Blatt, Farbe oder Schwarzweiß, Belegung mehrerer Ausgaben, Rabattstaffel.

Was ich dir stattdessen mitgebe, sind die zwei Hebel, die im Verkaufsgespräch wirklich zählen. Ich habe sie jahrelang selbst verteidigt und ziehe sie heute auf der anderen Seite des Tisches:

Erstens: Die Platzierung ist verhandelbar. Ein Aufschlag für eine feste Platzierung lohnt sich fast immer, wenn er dafür sorgt, dass deine Anzeige rechts oben statt hinten unten steht. Frag danach, es steht selten von allein im Angebot.

Zweitens: Frequenz schlägt Größe, aber nur ab einer Mindestgröße. Unterhalb eines Formats, das auffällt, ist jede Wiederholung verlorenes Geld. Oberhalb davon gewinnt der, der öfter da ist. Wo diese Schwelle liegt, unterscheidet sich je Titel, und ein guter Berater sagt dir das ehrlich.

Meine Checkliste, bevor du buchst

  1. Hast du einen Anlass mit Datum? Wenn nein, warte, bis du einen hast.
  2. Ist deine Zielgruppe wirklich Zeitungsleser? Wenn du unter vierzig verkaufst, sehr wahrscheinlich nicht.
  3. Ist dein Angebot regional begrenzt? Zeitungswerbung ist ein lokaler Kanal, und das ist ihre Stärke, nicht ihre Schwäche.
  4. Hast du eine Messmethode vorbereitet? Landingpage, Nummer, Codewort. Vor der Buchung, nicht danach.
  5. Ist die Anzeige groß genug, um aufzufallen? Im Zweifel lieber seltener und größer.
  6. Steht deine digitale Basis? Wer in der Zeitung wirbt und dann keine gepflegte Website und keinen Google-Eintrag hat, schickt Interessenten ins Leere.

Mein Fazit nach zehn Jahren auf jeder Seite des Tisches

Zeitungswerbung ist kein sterbender Kanal, sondern ein schrumpfender mit klarem Profil. Sie ist nicht mehr das Massenmedium von 2005, und wer sie so einsetzt, verbrennt Geld. Sie ist ein präzises Werkzeug für lokale Anlässe und für den Aufbau von Vertrauen bei einer Zielgruppe, die man digital schwer erreicht.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Print noch funktioniert. Sie lautet: Passt dieser Kanal zu dem, was du verkaufst, an wen du es verkaufst und was du gerade erreichen willst? Wenn die Antwort dreimal ja ist, dann ist eine gut gemachte Zeitungsanzeige einer der besten Euros, die du ausgeben kannst.

Und wenn sie zweimal nein ist, dann sag ich dir das auch. Ich habe lang genug Anzeigen verkauft, um zu wissen, dass die schlechteste Anzeige die ist, die jemand aus Gewohnheit bucht.

FAQ

Häufige Fragen

Lohnt sich Zeitungswerbung 2026 noch?+

Das hängt von vier Dingen ab: Zielgruppe, den übrigen Kanälen, Budget und dem beworbenen Angebot. Für regional begrenzte Angebote mit konkretem Anlass und einer älteren Zielgruppe lohnt sie sich weiterhin. Für bundesweite, junge oder erklärungsbedürftige Angebote gibt es effizientere Kanäle.

Wen erreiche ich mit einer Zeitungsanzeige?+

Überwiegend Leser über sechzig, regional verwurzelt, häufig kaufkräftig und mit fester Lesegewohnheit. Für Handwerk, lokalen Handel, Gesundheit und Dienstleistung ist das oft genau die richtige Gruppe.

Wie messe ich, ob meine Zeitungsanzeige gewirkt hat?+

Nicht direkt, aber mit Hilfsmitteln: eigene Landingpage mit eigener URL, eigene Telefonnummer für die Kampagne, ein Codewort zum Nennen. Und die einfachste Methode: jeden Anrufer fragen, woher er kommt, und es notieren.

Wie schnell kann eine Anzeige erscheinen?+

Je nach Titel und Anzeigenschluss oft schon in der nächsten Ausgabe. Dieses Tempo ist einer der unterschätzten Vorteile des Kanals.

Was kostet eine Zeitungsanzeige?+

Das hängt an Titel, Auflage, Erscheinungstag, Format, Platzierung, Farbe und Belegungshäufigkeit. Jede pauschale Zahl führt in die Irre. Sinnvoller ist, sich ein Angebot für den konkreten Fall machen zu lassen und dabei nach der Platzierung zu fragen, denn die ist fast immer verhandelbar.

Zeitung oder lieber Google Ads?+

Beides erfüllt einen anderen Zweck. Google greift bestehende Nachfrage ab, Zeitung baut Bekanntheit und Vertrauen auf. Wer nur eins von beidem kann, sollte mit der digitalen Grundausstattung anfangen und Print als Verstärker für Anlässe einsetzen.

Ist eine kleine Anzeige besser als gar keine?+

Meistens nicht. Unterhalb einer Größe, die auffällt, ist die Anzeige Tapete zwischen anderen Anzeigen. Lieber seltener und dafür groß genug, um wahrgenommen zu werden.

Wenn du gerade überlegst, ob eine Anzeige für dich Sinn ergibt, dann stell dir die drei Fragen aus meiner Checkliste. Anlass, Zielgruppe, Region. Wenn du dreimal ja sagst, buch sie und miss sie richtig. Wenn nicht, spar das Geld für den Kanal, der zu dir passt.

Und wenn du eine zweite Meinung willst: Ruf uns an. Ich habe zehn Jahre lang Anzeigen verkauft und kaufe sie seit zehn Jahren ein. Ich weiß deshalb ziemlich genau, wo in einem Anzeigenangebot der Spielraum liegt. Wir sagen dir ehrlich, ob sich das für dich rechnet, auch wenn die Antwort nein lautet. Mach et joot.

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