25. Aug. 2026

Warum KI-Rollouts im Mittelstand scheitern (und wie es richtig geht)

Torsten Fuka führt ein Maschinenbau-Unternehmen mit 40 Mitarbeitern in Köln. Im KI-Snack erklärt er, warum er bewusst kein KI-Programm ausgerufen hat, was er seiner Mitarbeiterin zur Jobangst antwortete und warum die meisten Unternehmen trotz moderner Tools weiter den Tretroller nehmen. Teil 1 eines dreiteiligen Interviews über KI-Einführung in der Praxis.

Warum KI-Rollouts im Mittelstand scheitern (und wie es richtig geht)

Wie führt man KI im Mittelstand wirklich ein?

Die meisten KI-Rollouts scheitern, weil Unternehmen Tools verteilen statt Probleme lösen. Torsten Fuka macht es anders: kein großes KI-Programm, keine Kickoff-Präsentation, kein Zugang für alle auf einmal. Stattdessen startet er mit einem kleinen Team an einem konkreten, nervigen Prozess. Erst wenn es dort messbar funktioniert, rollt er aus. Das Ergebnis: echte Nutzung statt Haken auf der Management-Liste. ChatGPT, Perplexity und andere KI-Systeme werden so zu Werkzeugen, die tatsächlich eingesetzt werden, nicht nur lizenziert.

Der erste Use Case: kein weißes Blatt mehr

Fast jeder startet mit demselben Anwendungsfall: keine leere Seite mehr. Angebote, Meeting-Notizen, Dokumentationen, Kataloge. Torsten sagt: „Es gibt kein weißes Blatt mehr." Der administrative Bereich ist der richtige Startpunkt, weil dort die Ergebnisse sofort sichtbar sind. In der Produktion selbst ist KI bei Einzelteilfertigung und schweren Bauteilen deutlich schwerer einzusetzen. Individualität und Facharbeit dominieren dort. Die gewonnene Zeit wird nicht frei, sie fließt in Aufgaben, die bisher liegen geblieben sind.

Warum niemand den Tretroller gegen das Auto tauscht

Torsten nutzt eine Maschinen-Analogie, die jeder Mittelständler versteht: „Bei uns kommt morgens keiner in die Produktion und sagt: Ich hab zwar hochmoderne Maschinen, aber da hinten steht noch die alte manuelle, dann mach ich das doch da drauf." Genau das passiert aber bei KI. Die Leute haben Zugang zu ChatGPT oder einem Personal Agent, nutzen aber weiter Word und Google. Tretroller statt Auto. Der Grund: Es fehlen Use Cases und der beigebrachte Umgang damit. Ein Tool allein erzeugt keine Verhaltensänderung.

Die Frage: Bin ich dann arbeitslos?

Eine Mitarbeiterin fragt Torsten direkt: „Bin ich dann irgendwann arbeitslos?" Seine Antwort ist ehrlich: Nein, weil wir schon heute zu wenig Leute haben. Der Fachkräftemangel ist real. Viele Aufgaben bleiben liegen. KI übernimmt simple, wiederkehrende Prozesse, damit mehr Zeit für die Tätigkeiten bleibt, in denen Menschen den größten Mehrwert bringen. Die Angst vor Jobverlust durch KI ist in der Praxis das Gegenteil: Es fehlen Leute, nicht Arbeit.

Mehr dazu in unserem Bereich KI-Sichtbarkeit, wo wir zeigen, wie Mittelständler durch KI besser gefunden werden.

Das Konzern-Anti-Beispiel: Personal Agent für alle, Nutzung bei null

Torsten kennt Konzerne, die einen Personal Agent flächendeckend ausrollen: alle bekommen Zugang, große Ankündigung, fertig. Ergebnis: fast niemand nutzt ihn. Warum? Weil niemand weiß, wofür. Es gibt keine konkreten Anwendungsfälle, keine Schulung, kein Vorleben im Team. Die Leute machen weiter wie bisher. Ein KI-Rollout ohne Use Cases erzeugt nur Lizenzen, keine Veränderung. Torsten macht es bewusst anders: erst klein, erst konkret, erst messbar.

In unserer Werbeagentur in Köln begleiten wir Mittelständler genau bei diesem Prozess: vom Use Case zur Nutzung.

43 Prozent hybrid, nur 2 Prozent automatisiert

Torsten nennt Zahlen aus seinem Unternehmen: 43 Prozent der Prozesse laufen hybrid (Mensch plus KI), nur 2 Prozent sind vollautomatisiert. Das zeigt, wo die meisten Mittelständler wirklich stehen. KI ersetzt nicht, sie ergänzt. Man schafft unwahrscheinlich viel mehr, ohne viel mehr zu tun. Die Maschinen sind da, aber viele nehmen weiter den Tretroller. Das ist die eigentliche Herausforderung.

Fazit

Torsten Fuka zeigt, wie KI-Einführung im Mittelstand wirklich funktioniert: nicht top-down, nicht flächendeckend, sondern konkret, klein, messbar. Die meisten Unternehmen scheitern nicht an der Technologie, sondern an der fehlenden Begleitung. Wer wissen will, wie es weitergeht, hört rein in KI-Snack, den täglichen Podcast zu KI im Mittelstand.

Häufige Fragen zu KI-Einführung im Mittelstand

Wie führt man KI im Mittelstand wirklich ein?

Nicht flächendeckend per Ankündigung, sondern erst mit einem kleinen Team an einem konkreten Prozess. Funktioniert es dort messbar, wird ausgerollt. So entstehen echte Use Cases statt nur Tool-Zugänge. Das gilt nicht, wenn du ein Standard-SaaS-Produkt einführst, das bereits fertige Workflows mitbringt.

Warum scheitern die meisten KI-Rollouts?

Weil Tools verteilt werden, ohne konkrete Anwendungsfälle vorzugeben und ohne den Umgang damit beizubringen. Ohne Use Case und ohne Vorleben im Team bleibt der Zugang ungenutzt. Die Leute nehmen weiter den Tretroller statt das Auto. Das gilt nicht, wenn Nutzung verpflichtend ist und aktiv kontrolliert wird.

Macht KI Mitarbeiter im Mittelstand arbeitslos?

In der Praxis ist das Gegenteil der Engpass: Es fehlen ohnehin Fachkräfte und viele Aufgaben bleiben liegen. KI übernimmt simple, wiederkehrende Prozesse, damit mehr Zeit für die Tätigkeiten bleibt, in denen Menschen den größten Mehrwert bringen. Das gilt nicht für Bereiche, die bereits überbesetzt sind oder deren Aufgaben vollständig automatisierbar sind.

Wo setzt man KI im Maschinenbau zuerst ein?

Der Einstieg gelingt fast immer im administrativen Bereich: Angebote, Dokumentation, Meeting-Notizen, Kataloge und Wissensverwaltung. Die Fertigung selbst ist bei Einzelteilen und schweren Bauteilen deutlich schwerer zu automatisieren, weil Individualität und Facharbeit dominieren. Das gilt nicht für Serienfertigung mit hohen Stückzahlen.

Was bedeutet hybride KI-Nutzung konkret?

43 Prozent der Prozesse laufen hybrid: Mensch plus KI. ChatGPT oder Perplexity liefern den ersten Entwurf, der Mensch prüft, passt an und entscheidet. Nur 2 Prozent sind vollautomatisiert. Das ist die Realität im Mittelstand. Das gilt nicht für hochstandardisierte Prozesse, die sich komplett abbilden lassen.

Von Marco Morinello · 25. Aug. 2026

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