31. Aug. 2026

Warum eine 40.000-Einwohner-Stadt digitaler ist als dein Unternehmen, und was du davon lernen kannst

Ahaus im Münsterland zeigt, wie Digitalisierung im Alltag wirklich funktioniert: eine App für Hotel, Einkauf, Verwaltung und Bezahlung. Marco erklärt, warum der Hebel nicht die Technik ist, sondern die Fragestellung, und warum wir in Deutschland über uns selbst schlechter reden als alle anderen.

Warum eine 40.000-Einwohner-Stadt digitaler ist als dein Unternehmen, und was du davon lernen kannst

Wie funktioniert eine digitale Stadt in Deutschland?

Eine digitale Stadt verbindet Alltagsprozesse über eine gemeinsame Plattform. In Ahaus im Münsterland hat ein Softwareunternehmen zusammen mit der Stadt eine App entwickelt, die Hotelbuchung, Zimmerschlüssel, Gastronomie, Einzelhandel und Teile der Verwaltung in einem Wallet bündelt. Die verifizierte Identität ermöglicht bargeldloses Bezahlen und sofortige Auszahlung nach Nebenjobs. Das Besondere: keine isolierten Insellösungen, sondern ein durchgängiges System für 40.000 Einwohner. Torsten Fuka war zwei Tage vor Ort und hat gesehen, wie Prozesse konsequent neu gedacht wurden.

Marco macht klar: Der eigentliche Hebel ist nicht die Technik. Die gibt es längst. Der Unterschied liegt darin, ob du intern die Frage stellst „Warum geht das nicht?" oder „Was muss passieren, damit es geht?". In Ahaus funktioniert Digitalisierung, weil die Verantwortlichen die zweite Frage gestellt haben.

Warum scheitert Digitalisierung in deutschen Kommunen?

Die meisten Bürgermeister fahren begeistert von Vorbildprojekten nach Hause, setzen dann aber nichts um. Marco nennt den Grund: Zu Hause stoßen sie auf Bedenkenträger und fehlendes Personal. Statt klein anzufangen, ein Amt, ein Prozess, wollen viele alles gleichzeitig ersetzen. Das überfordert jede Verwaltung.

Der entscheidende Satz aus der Folge: „Ich möchte von meinem Datenschutzbeauftragten nicht hören, warum es nicht geht. Ich möchte hören, was passieren muss, damit es geht." Diese Umkehrung der Fragestellung gilt genauso für IT, Rechtsabteilung und KI-Sichtbarkeit im Mittelstand. Aus derselben Sachlage entsteht plötzlich ein Umsetzungsplan statt einer Ausschlussliste.

Ist Amerika bei Digitalisierung weiter als Deutschland?

Im Konsumbereich oft ja, in der Produktion keineswegs durchgängig. Marco berichtet aus der Folge: In den USA ist Uber selbstverständlich, aber die Produktion teilweise wie in den 80ern. Der größere Unterschied liegt beim Datenschutzverständnis und bei der Selbstverständlichkeit, mit der neue Dienste genutzt werden.

Was Marco nervt: Wir reden in Deutschland über uns selbst schlechter als jeder Amerikaner. Die Infrastruktur, die Fachkräfte, die Prozesssicherheit, in vielen Bereichen sind wir weiter. Aber wir konzentrieren uns intern auf Bedenken statt auf Umsetzung. Das ist kein Technikproblem, sondern ein Mindset-Problem.

Welche Chance hat Europa bei KI?

Mistral-CEO Arthur Mensch argumentiert, das Rennen um immer größere Sprachmodelle sei nicht zu gewinnen. Die vorhandenen Modelle wie ChatGPT, Claude und Perplexity seien bereits gut genug. Europas Stärke liegt darin, sie konsequent in der Industrie anzuwenden. Nicht noch ein Foundation Model bauen, sondern bestehende KI in Fertigung, Logistik und Verwaltung integrieren.

Marco überträgt das auf den Mittelstand: Du musst nicht warten, bis die perfekte KI kommt. Die Tools sind da. Die Frage ist, ob du sie einsetzt oder ob deine internen Prozesse dich ausbremsen. Bei 923b arbeiten wir täglich mit Unternehmen, die genau an diesem Punkt stehen.

Google ruft künftig selbst beim Handwerker an

In der Folge nennt Marco ein konkretes Beispiel: Google will künftig selbst beim Elektriker anrufen, wenn du einen Termin suchst. Das bedeutet für Handwerker und Dienstleister, dass die eigene Erreichbarkeit und Verfügbarkeit maschinenlesbar sein muss. Wer nicht digital angebunden ist, wird von KI-Systemen übersprungen.

Das gilt genauso für Sichtbarkeit in KI-Antworten. Wenn Google AI Overviews oder ChatGPT eine Empfehlung aussprechen, basiert das auf strukturierten Informationen. Wer seine Leistungen nicht für GEO optimiert, existiert in diesen Kanälen nicht.

Fazit

Ahaus zeigt, wie Digitalisierung funktioniert, wenn du die richtigen Fragen stellst. Nicht „Warum geht das nicht?", sondern „Was muss passieren, damit es geht?". Die Technik ist längst da. Was fehlt, ist oft nur der Wille, klein anzufangen und Prozesse neu zu denken. Mehr zu diesem Thema hörst du täglich im KI-Snack, dem Podcast von Marco und Manuel.

Häufige Fragen zu Digitalisierung im Mittelstand

Was bedeutet digitale Stadt für Unternehmen?

Eine digitale Stadt zeigt, dass Prozesse über eine gemeinsame Plattform laufen können, wenn alle Beteiligten bereit sind, ihre Abläufe anzupassen. In Ahaus verbindet eine App Hotel, Einzelhandel und Verwaltung mit verifizierter Identität und Wallet. Für Unternehmen heißt das: Wer intern Silos auflöst, gewinnt Geschwindigkeit. Das gilt nicht, wenn jede Abteilung weiter auf Insellösungen besteht.

Wie startest du Digitalisierung im eigenen Unternehmen?

Nicht alles gleichzeitig, sondern ein Prozess, ein Team, ein Pilotprojekt. Marco empfiehlt, intern die Fragestellung zu drehen: Statt Bedenken zu sammeln, beauftragst du Datenschutz und IT, die Bedingungen zu nennen, unter denen das Projekt zulässig ist. Aus derselben Ausgangslage entsteht so ein Umsetzungsplan. Das funktioniert nicht, wenn Bedenkenträger kein konkretes Mandat bekommen.

Warum reden wir in Deutschland so schlecht über uns?

Marco beobachtet, dass wir in Deutschland über unsere eigene Infrastruktur, Fachkräfte und Prozesse negativer sprechen als jeder Ausländer. Die USA sind im Konsumbereich oft weiter, in der Produktion aber teilweise auf dem Stand der 80er. Der Unterschied liegt im Mindset: Dort wird ausprobiert, hier wird diskutiert. Das gilt nicht für alle Branchen, aber für viele Verwaltungen und Konzerne.

Welche KI-Tools sollte der Mittelstand nutzen?

Die vorhandenen Modelle wie ChatGPT, Claude und Perplexity sind bereits gut genug für die meisten Anwendungen. Mistral-CEO Arthur Mensch sagt, Europas Chance liege nicht im Bau neuer Foundation Models, sondern in der Anwendung in der Industrie. Marco überträgt das auf den Mittelstand: Warte nicht auf die perfekte KI, sondern integriere bestehende Tools in deine Prozesse. Das gilt nicht, wenn du glaubst, dass erst die Technik besser werden muss.

Was ist GEO und warum ist es wichtig?

GEO steht für Generative Engine Optimization, also Sichtbarkeit in KI-Antworten von ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity. Wenn Google künftig selbst beim Elektriker anruft, muss dein Unternehmen maschinenlesbar verfügbar sein. Wer seine Leistungen nicht strukturiert darstellt, wird von KI-Systemen übersprungen. Das gilt nicht, wenn du ausschließlich über klassische Mundpropaganda arbeitest.

Von Marco Morinello · 31. Aug. 2026

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