27. Aug. 2026
Warum Automatisierung im Mittelstand nicht in der Produktion beginnt, sondern im Büro
Torsten Fuka, Kölner Maschinenbauer, erklärt in Teil 2 des KI-Snack-Gesprächs, warum nur 2 % seiner Arbeit heute automatisiert sind und wo der größte Hebel liegt: nicht in der Fertigung, sondern in Copy-Paste-Prozessen zwischen PDF und ERP. Dazu: wie er humanoide Roboter plant, Produktionsmitarbeitern das Vierfache Gehalt verspricht und warum er Entscheidungen bewusst nicht an KI delegiert.

Wo liegt der größte Automatisierungs-Hebel im produzierenden Mittelstand?
Der größte Hebel liegt nicht in der Maschine, sondern in den Informationsflüssen davor und danach. Torsten Fuka sagt im KI-Snack: Nur 2 % seiner Arbeit sind automatisiert, die restlichen 98 % bestehen aus manuellen Informationsweitergaben. Angebote, Bestellungen, Freigaben wandern per Copy-Paste aus einem PDF ins ERP-System. Genau dort, wo Daten mehrfach erfasst werden und Medienbrüche entstehen, entsteht Aufwand ohne Wertschöpfung. Deshalb ist diese 2-%-Zahl für ihn die entscheidende Kennzahl: Sie zeigt, wo echtes Potenzial für Automatisierung liegt, nicht in der Fertigung selbst.
Vision FUKA 2.0: Alles automatisieren, was reproduzierbar ist
Torsten beschreibt, wie seine Firma in fünf Jahren aussehen soll: Alles, was reproduzierbar ist, wird automatisiert. Das betrifft vor allem Büroprozesse. Eine Kollegin arbeitet mit zwei Bildschirmen, kopiert Daten zwischen Systemen hin und her. Das tut ihm körperlich weh, sagt er. Genau diese Tätigkeiten will er eliminieren. Die Produktionsmitarbeiter sollen orchestrieren, nicht bedienen. Gleichzeitig bildet die Firma massiv aus, weil der Engpass fehlende Fachkräfte sind, nicht zu viele Mitarbeiter.
Du kannst in drei Jahren das Vierfache verdienen: Jobprofile verändern sich, verschwinden aber nicht
Torsten erklärt einem Produktionsmitarbeiter: Wenn du lernst, humanoide Roboter zu orchestrieren statt selbst zu fertigen, kannst du in drei Jahren das Vierfache verdienen. Das Jobprofil verschiebt sich. Wer die Fertigung fachlich versteht, wird künftig Systeme warten und steuern. Die Diskussion ist nicht neu: Torsten erinnert an 4711 und die Seifenpackerinnen, an seinen Vater, der 1990 eine CNC-Maschine kaufte, die er selbst nicht bedienen konnte. Jede Generation füllt zuerst eine Aberliste, bevor sie etwas Neues zulässt. Der Unterschied: Diesmal geht es schneller.
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Trifft er Entscheidungen mit KI? Ein klares Jein
Torsten gibt die ehrlichste Antwort der Folge: Er trifft Entscheidungen bewusst nicht mit KI, lässt sie aber von KI zerlegen. Sein Prompt lautet: „Roaste mich." Er nutzt ChatGPT und andere Systeme, um Informationen als Entscheidungsgrundlage aufzubereiten. Die Entscheidung selbst bleibt bei ihm. Ein guter Zwischenweg: Die eigene Entscheidung vor der Umsetzung von der KI bewusst hinterfragen lassen. Das sorgt für Klarheit, ohne die Verantwortung abzugeben.
Second Brain im Mittelstand: Wie du Firmenwissen in KI überführst
Torsten beschreibt das Problem: „Ich weiß ja nicht, was ich weiß. Ich kann mich ja nicht hinsetzen und sagen: Schreib jetzt mal alles auf." Wissen bekommst du nicht per Dokumentationsauftrag aus den Köpfen. Er nennt drei Wege: Erstens, lass dich von der KI zu einem Themenfeld interviewen. Zweitens, sprich einen ungeordneten Braindump ein. Drittens, wirf einen Gedanken im Moment rein und sag der KI, in welchen Kontext er gehört. Danach immer verifizieren lassen statt ungeprüft übernehmen. So entsteht ein Second Brain, das tatsächlich nutzbar ist.
Wie du KI-Sichtbarkeit strategisch aufbaust, erklären wir dir gerne direkt.
Fazit
Torsten Fuka zeigt, wie Automatisierung im Mittelstand praktisch aussieht: nicht als Fabrik-Romantik, sondern als konsequente Eliminierung von Copy-Paste-Arbeit. Humanoide Roboter kommen, Jobprofile ändern sich, aber Menschen bleiben der Engpass und der Wettbewerbsvorteil. Die komplette Folge mit allen Details hörst du im KI-Snack.
Häufige Fragen zu Automatisierung und KI im Maschinenbau
Wo fange ich mit Automatisierung im Mittelstand an?
Beginne dort, wo Informationen manuell zwischen Systemen übertragen werden: PDF zu ERP, E-Mail zu CRM, Excel zu Angebot. Diese Medienbrüche kosten Zeit ohne Wertschöpfung. Das gilt nicht, wenn du bereits vollintegrierte Systemlandschaften hast.
Ersetzen humanoide Roboter meine Produktionsmitarbeiter?
Nein, sie verändern das Jobprofil. Wer die Fertigung fachlich versteht, orchestriert künftig Systeme statt sie zu bedienen. Der Engpass sind fehlende Fachkräfte, nicht zu viele Mitarbeiter. Das gilt nicht, wenn deine Mitarbeiter nicht bereit sind, sich weiterzubilden.
Sollte ich Entscheidungen mit KI treffen?
Nutze KI zur Aufbereitung von Informationen, triff die Entscheidung aber selbst. Ein guter Zwischenweg: Lass deine eigene Entscheidung von der KI zerlegen und hinterfragen, bevor du sie umsetzt. Das gilt nicht, wenn du rein regelbasierte Entscheidungen triffst, die du vollständig delegieren kannst.
Wie baue ich ein Second Brain für mein Unternehmen auf?
Nicht über den Auftrag „schreib alles auf". Nutze drei Wege: Lass dich von KI zu einem Thema interviewen, sprich ungeordnete Braindumps ein oder erfasse spontane Gedanken mit Kontext. Anschließend immer verifizieren lassen. Das gilt nicht, wenn du ein Team hast, das systematisch dokumentiert.
Welche KI-Systeme nutzt Torsten Fuka konkret?
Er nennt ChatGPT und nutzt KI vor allem für den Prompt „Roaste mich", um eigene Entscheidungen zu hinterfragen und Informationen aufzubereiten. Die konkrete Tool-Auswahl ist weniger wichtig als der Einsatzzweck. Das gilt nicht, wenn du branchenspezifische Anforderungen hast, die spezialisierte Systeme erfordern.
Von Marco Morinello · 27. Aug. 2026
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