7. Juli 2026

Zurückgerudert: Warum Ford, IBM und CBA nach KI-Entlassungen Menschen zurückholen

Erst wurde entlassen, weil die KI es angeblich richten sollte – jetzt stellen Ford, IBM und die Commonwealth Bank wieder ein. Eine neue CNBC-Auswertung zeigt: 55 Prozent der Unternehmen, die wegen KI Stellen gestrichen haben, geben zu, dass das ein Fehler war. Meine Einordnung, warum „Mensch ersetzen“ die falsche Rechnung ist – und was das gerade fürs Recruiting bedeutet.

Die Ernüchterung kommt schneller als gedacht

Ein Jahr lang war die Erzählung überall gleich: KI übernimmt, Menschen werden überflüssig, wer jetzt nicht Stellen streicht, verschläft die Zukunft. Jetzt kommt die Rechnung – und sie fällt anders aus als versprochen. Der Sender CNBC hat in einer aktuellen Auswertung zusammengetragen, wie reihenweise Konzerne genau diese Entlassungen wieder rückgängig machen.

Drei Namen, die man kennt

Ford stellt hunderte erfahrene Ingenieure wieder ein, weil automatisierte Systeme Qualitätsprobleme schlicht nicht in den Griff bekamen. Der zuständige Vice President bringt es auf den Punkt: KI sei ein fantastisches Werkzeug – aber nur so gut wie die Daten, mit denen man sie trainiert.

Die Commonwealth Bank of Australia ersetzte über 40 Service-Kräfte durch einen KI-Voice-Bot. Der Bot war überfordert, das Anrufvolumen stieg sogar, und am Ende nahm die Bank die Kündigungen zurück – mit dem offenen Eingeständnis, man habe „nicht gründlich genug“ geprüft, welche Rollen wirklich gebraucht werden.

Und IBM? Die HR-KI erledigte 94 Prozent der Routineanfragen. Klingt nach Erfolg – bis man auf die restlichen 6 Prozent schaut: die schwierigen, die ethischen, die Ausnahmefälle. Genau die, auf die es ankommt. IBM verdreifacht jetzt die Zahl der Einstiegsstellen. Die Personalchefin warnt: Ohne Nachwuchs trocknet in drei bis fünf Jahren die ganze Pipeline aus.

Die Zahl, die weh tut

Das sind keine Einzelfälle. Laut einer Auswertung von Orgvue haben 39 Prozent der Führungskräfte wegen KI Stellen gestrichen – und 55 Prozent von ihnen geben zu, dass das eine Fehlentscheidung war. Personaldienstleister Robert Half meldet: 32 Prozent der US-Personalverantwortlichen haben eine Rolle KI-bedingt gestrichen und später dieselbe oder eine sehr ähnliche wieder besetzt. Man baut also ab, um kurz darauf teuer nachzubesetzen.

Warum das passiert

Der Fehler steckt nicht in der KI – er steckt in der Denkweise. Wer KI als reinen Ersatz für Menschen budgetiert, statt in Schulung und Befähigung zu investieren, cuttet am Ende genau die Leute, die man braucht, um die KI zu beaufsichtigen. Automatisierung schafft die ersten 90 Prozent oft mühelos. Aber der Wert – und das Risiko – liegt in den letzten zehn.

Mein Rat

Verwechseln Sie „KI einsetzen“ nicht mit „Menschen abschaffen“. Die Firmen, die gerade gewinnen, ersetzen nicht – sie kombinieren: erfahrene Menschen, die durch KI schneller und besser werden. Für alle, die über Personal entscheiden, heißt das zweierlei. Erstens: Streichen Sie keine Rolle, bevor Sie nicht verstanden haben, was an ihr wirklich menschliches Urteil verlangt. Zweitens: Investieren Sie in die Befähigung Ihrer Leute mindestens so viel wie in die Tools – sonst zahlen Sie doppelt.

Und für alle, die gerade Menschen suchen: Der Markt braucht weiterhin gute Leute – teils sogar wieder mehr. Genau da setzen wir mit Social Recruiting an: die richtigen Menschen finden und mit den richtigen Werkzeugen stark machen. Das ist die Rechnung, die aufgeht.

Quelle: CNBC – „Employers who laid off workers for AI are reversing their decisions“ (01.07.2026). Studiendaten: Orgvue, Robert Half.

Von Marco Morinello · 7. Juli 2026

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