6. Juli 2026

Deine Analytics lügt: Warum KI-Sichtbarkeit wirkt, obwohl du sie nicht siehst

Eine neue Similarweb-Studie hat echte Nutzerwege ausgewertet – und zeigt schwarz auf weiß: Wer von ChatGPT empfohlen wird, bekommt 2,5-mal so oft Besuch. Der Haken: Fast 56 Prozent dieser Besucher landen später über eine normale Google-Suche bei dir – der KI-Kontakt taucht in deiner Statistik nie auf. Meine Einordnung, warum das die Spielregeln verändert.

Endlich Zahlen statt Bauchgefühl

Über KI-Sichtbarkeit reden gerade alle – aber die meisten mit Vermutungen. Jetzt gibt es harte Daten: Similarweb hat über sechs Monate echte Nutzerwege ausgewertet – nicht Umfragen, sondern reales Surfverhalten – und drei Branchen untersucht: Finanzen, Reise und Beauty. Das Ergebnis ist eindeutig genug, um es zur Chefsache zu machen.

Der wichtigste Wert: 2,5-mal mehr Besuche

Marken, die von ChatGPT empfohlen werden, bekommen innerhalb der folgenden sieben Tage 2,5-mal so häufig einen Besuch wie Marken, die nicht empfohlen werden. Und das gilt über alle drei Branchen hinweg. Im Klartext: Die Empfehlung der KI ist kein netter Nebeneffekt – sie ist ein echter Vertriebskanal.

Und jetzt der Satz, der wehtut: Deine Analytics lügt

Hier wird es für jeden Marketingverantwortlichen unangenehm. Von den Besuchern, die eine KI beeinflusst hat, kommen nur rund 9 Prozent als erkennbarer Klick aus der KI. Die große Mehrheit – knapp 56 Prozent – landet später über eine ganz normale Google-Suche bei dir. Jemand fragt ChatGPT, merkt sich deinen Namen und googelt dich zwei Tage später. In deiner Statistik steht dann „organische Suche". Vom eigentlichen Auslöser – der KI-Empfehlung – siehst du nichts.

Deshalb glauben viele Unternehmen, KI bringe ihnen nichts. In Wahrheit bringt sie ihnen etwas – nur eben unsichtbar. Rand Fishkin, der an der Studie mitgewirkt hat, vergleicht das mit Plakatwerbung: Man misst die Wirkung nicht am Klick, sondern an dem, was danach passiert.

KI-Besucher sind die besseren Besucher

Wer über eine KI-Empfehlung kommt, verhält sich messbar anders: Diese Besucher schauen sich fast doppelt so viele Seiten an und bleiben rund doppelt so lange – 12 Seiten und knapp 12 Minuten gegenüber 6 Seiten und gut 5 Minuten bei allen anderen. Und sie kaufen: KI-Empfehlungstraffic konvertiert mit 7,1 Prozent – das ist Platz zwei hinter bezahlter Suche und liegt vor Direktzugriffen, normaler Suche, Social und E-Mail. Das ist keine Laufkundschaft. Das sind Leute mit Kaufabsicht.

Es ist ein Nullsummenspiel

Der unbequemste Teil zum Schluss: Der Besuch wird verteilt – so oder so. Wird dein Wettbewerber empfohlen statt dir, geht der Klick an ihn. In der Studie besuchten bei einer Reise-Empfehlung 12 Prozent die empfohlene Marke, aber nur gut 3 Prozent den Konkurrenten. Wer in KI-Antworten nicht auftaucht, spart also nicht – er verschenkt Kundschaft an die Sichtbaren.

Mein Rat

Hör auf, KI nur an dem einen kleinen Referral-Wert zu messen – der zeigt dir höchstens die Spitze des Eisbergs. Behandle KI-Sichtbarkeit als das, was sie ist: ein Frühindikator für Umsatz. Prüf einmal ganz konkret, was ChatGPT, Perplexity und die Google-KI antworten, wenn jemand nach deiner Leistung in deiner Stadt fragt. Kommst du vor? Kommt der Wettbewerb vor? Diese Frage ist 2026 wichtiger geworden als dein Google-Ranking – und genau da fangen wir an.

Von Marco Morinello · 6. Juli 2026

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